Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Urs Höner                                    

   

Pfarrer Urs Höner

Steckbrief:

Pfarrer Urs Höner, gebürtig aus Zürich, wurde am 23. Februar 1919 geboren und 1944 ordiniert. Von 1944 bis 1945 war er Vikar in Zollikon und Bassendorf und anschließend bis 1946 Verweser in Zürich-Oerlikon.

Von 1946 bis 1953 war er Pfarrer unserer Gemeinde.

Da die Gemeinden erst durch Kgl. Gesetz am 22. März 1960 getrennt wurden, war Pfarrer Urs Höner für  die gesamte Ostkantone Eupen - Neu-Moresnet - Malmédy und St. Vith zuständig.

Nachdem Pfarrer Urs Höner unsere Gemeinde 1953 verlassen hatte, ging er nach Bassersdorf, wo er bis 1957 als Pfarrhelfer tätig war. Von 1957 bis 1968 war er Pfarrer in Egg, von 1968 bis 1969 Pfarrer in Dübendorf-Schwerzenbach und von 1970 bis 1984 Pfarrer in Dübendorf.

1963 wurde er Dekan des Kapitels Uster und bekleidete dieses Amt bis 1982. Verwesereien und Vikariate im Kanton Zürich von 1985 bis 1993.


Sein Wirken in unserer Gemeinde:

(Bericht von Klaus Wolf)

1946 kam Pfarrer Urs Höner mit seiner Frau in unsere Gemeinde. Der 2. Weltkrieg war erst ein Jahr beendet und nachdem der Krieg und die Nachkriegszeit nur Ruinen hinterlassen hatten, war es Pfarrer Urs Höners Aufgabe, nun das Gemeindeleben wieder sichtbar zu machen und zu beleben. 

Acht Jahre diente er der Gemeinde und baute die Gemeinde mit Gottes Hilfe Schritt für Schritt wieder auf. Im Oktober 1946 erschien das erste Mitteilungsblatt. In seiner Amtszeit wurde die Frauenhilfe wieder belebt, ein Kirchenchor und die Jugendgruppe gegründet und der Kindergottesdienst ins Leben gerufen. Ab Juni 1950 stand sogar für Jung und Alt eine Gemeindebücherei zur Verfügung.

Gottesdienste fanden zwei Mal im Monat in Eupen und Neu-Moresnet und ein Mal im Monat in Herbesthal und Malmédy statt.

Besonders am Herzen lag Pfarrer Urs Höner die Verkündigung des Wortes Gottes. "Nie habe er eine Predigt gehalten, ohne vorher auf die Knie zu gehen", das schreibt Pfarrer Urs Höner in seinem Abschiedsbrief im Januar 1954.

So war es auch verständlich, dass er als erstes eine Bibelstunde ins Leben rief, die in den Anfangsjahren zweimal im Monat stattfand. Zusätzlich fanden auch ein Leseabend für ältere und ein Leseabend für jüngere Gemeindeglieder statt.

Am 9. Juli 1947 kamen auf Initiative von Frau Höner die Frauen der Gemeinde zusammen, um den Frauenverein neu zu gründen, der sich anfangs zweimal im Monat und ab Oktober 1947 sogar wöchentlich traf. Für Unbemittelten wurde gestrickt und genäht und für die Weihnachtsbescherung der Kinder wurden alle möglichen netten Dinge und nützlichen Kleinigkeiten gemacht. Später organisierten die Frauen auch den Gemeindeausflug.

Am 26. Juni 1951 gründete die konfirmierte Jugend im Pfarrhaus eine Jugendgruppe. In der Zukunft bestand das Programm der Jugendgruppe aus Leseabende, Bibelabende, Spielabende und Filmabende. Die Jugendgruppe traf sich bereits nach der Gründung wöchentlich. Der damalige Jugendleiter war Rolf Lander. Rosi Nyssen, Manfred Binger sowie Heinz Verheyen waren dabei und gehören heute noch zu unserer Gemeinde. Es wurde auch eine Gruppe für die Jüngeren (8 bis 12 J.) aufgebaut bei der sich meist 15 bis 20 Kinder am Samstagnachmittag trafen.

Am 22. Oktober 1951 beschlossen die Verwaltungsräte und die Presbyterien der Gemeinden Eupen, Moresnet und Malmédy-St. Vith, in einer gemeinsamen Sitzung einen Vorschlag auszuarbeiten zwecks Zusammenlegung der Gemeinden. (Die Zusammenlegung der Gemeinden wurde vorher von den Presbyterien in Eupen in der Sitzung vom 7. September 1951, in Malmédy in der vom 12. September 1951 und Moresnet in der vom 8. Oktober 1951 beschlossen.)

Die Schwierigkeiten bei dieser Reorganisation hatten ihre Ursache darin, dass die evangelischen Gemeinden Eupen, Malmédy und Neu-Moresnet, die vor 1920 jede von einem eigenen Pfarrer bedient worden waren, an ihrer Unabhängigkeit absolut und grundsätzlich festhalten wollten, selbst dann noch, als ihre Mitgliederzahlen durch den Wegzug deutschen Funktionäre sich sehr stark verringert hatten. Demzufolge hatten sie den Vorschlag der Regierung, der in den Jahren 1925-28 seitens der Regierung gemacht worden war, abgelehnt.

Die Situation hatte sich 1951 diesbezüglich geändert. Die evangelischen Gemeinden der Ostkantone waren zu einer Fusion bereit. (Eupen in der Sitzung vom 7. September 1951, Malmédy in der vom 12. September 1951 und Moresnet in der vom 8. Oktober 1951).

In der bereits erwähnten gemeinsamen Sitzung der drei Presbyterien vom 22. Oktober 1951 wurde dann folgendes beschlossen:

"Es soll in Eupen eine evangelische Kirchengemeinde geschaffen werden, die das Territorium von Eupen, Malmédy und St. Vith sowie dasjenige von ehemals preußisch Moresnet umfasst. Gleichzeitig sollen zwei zugewandte Tochtergemeinden gebildet werden und zwar in Malmédy - St. Vith und Neu-Moresnet, welche der Gemeinde Eupen als Haupt- oder Mutterkirche angeschlossen sein sollen.

Es soll ein Verwaltungsrat bestellt werden, der die weltlichen Interessen der ganzen Gemeinde vertritt, wobei das Eigentumsrecht an den kirchlichen Gütern den einzelnen Gemeinden erhalten bleiben soll. Das Budget für das ganze Kirchspiel soll nur noch Eupen zu unterbreiten sein."

In der selben Sitzung wurde dann eine Kommission gewählt, die die Aufgabe bekam die Statuten einer neuen Verfassung für diese Kirchgemeinde auszuarbeiten. Deren Vorschlag sollte dann wiederum von den einzelnen Presbyterien genehmigt werden und endlich der Gemeinde zur Abstimmung unterbreitet werden, um so einen konkreten Vorschlag an die Regierung zu schicken.

Dieser Beschluss wurde gefasst, um erstens die Beziehungen mit dem Staat endgültig zu regeln, zweitens den Verwaltungsapparat zu vereinfachen und drittens die innere Zusammengehörigkeit der Protestanten in den Ostkantonen zu fördern. Um die Zusammengehörigkeit zu demonstrieren beschloss man zum ersten Mal eine gemeinsame Weihnachtsfeier am 23. Dezember 1951 zu veranstalten. Für Verkehrsmittel wurde gesorgt, so dass niemand auf eigene Kosten fahren musste.

Im Rückblick schreibt Pfarrer Urs Höner:

Mit großer Freude schauen wir zurück auf diese Weihnachtsfeier. Wir waren wie eine große Familie und wir durften einmal spüren, dass es noch Protestanten gibt und dass Gemeinschaft nicht bloß ein leeres Wort ist. Es war einfach eine Freude, die Autobusse anrollen zu sehen, die unsere lieben Glaubensgenossen aus Malmédy - St. Vith, Gemmenich, Moresnet und Herbesthal herbeiführten. Wie schön klangen die Weihnachtslieder in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche! Möge die Botschaft von Weihnachten, die uns an diesem Tage von den Kindern verkündigt wurde, in Versen und im Spiel von der "Hirtin" das Jahr hindurch freundlich begleiten.

Am 17. November 1951 fand der erste Gemeindeabend statt. Pfarrer Urs Höner schreibt im Mitteilungsblatt November 1951:

Der Gedanke, einen Gemeindeabend durchzuführen, hängt zusammen mit den Jahreszahlen, die am linken Sockel unserer Kirche eingehauen sind: 1851-1854. Am 30. Oktober waren es 100 Jahre, seit dem der Grundstein zu unserer Kirche an der Klötzerbahn gelegt worden ist. Am Gemeindeabend wollen wir in Dankbarkeit jener gedenken, die zum Gelingen des Werkes Kraft, Zeit und Geld geopfert haben. Auf dem Programm des Gemeindeabends steht deshalb auch ein kurzer Vortrag über die geschichtliche Entwicklung unserer Gemeinde. Unsere Jugendgruppe wird ein kleines Spiel vorführen, das den Titel trägt: "Die Abrechnung".

Den Höhepunkt des Abends wird jedoch ein Vortrag unseres holländischen Freundes Pfr. Henkel, bilden, an den wir uns noch gut erinnern von der Synode her. Ein gemütlicher Teil wird dem ersten sich anschließen, wobei neben Kaffee und Kuchen die Musik nicht fehlen soll.

Im Dezember 1951 bekam die Friedenskirche in Eupen ein elektrisches Geläut. Das Jubiläumsjahr (Grundsteinlegung der Friedenskirche) wurde damit "klangvoll" abgeschlossen.

Am 15. April 1952 hatte die Verfassungskommission ihre Arbeit abgeschlossen und die Presbyterien den Entwurf genehmigt, Eupen am 22. April 1952, Neu-Moresnet am 30. April 1952 und Malmédy am 7. Mai 1952. Die Abstimmung der Gemeindefassung fand am 15. Juni 1952 in Eupen und am 22. Juni 1952 in Malmédy statt. Anschließend wurde er der Regierung unterbreitet.

Am 14. Mai 1953 (Christi Himmelfahrt) fand der Protestantentag in Eupen statt. Dass diese Tagung in Eupen stattfand, war kein bloßer Zufall. Es war den Glaubensgenossen im Inneren des Landes ein Bedürfnis durch ihren Besuch in Eupen und durch den gemeinsamen Gottesdienst in unserer Kirche zu zeigen, dass sie sich im Glauben mit uns verbunden fühlen und wir nicht alleine da stehen.

Im Mitteilungsblatt Januar 1954 verabschiedet sich Pfarrer Urs Höner von der Gemeinde:

Wenn eine Gemeinde sich darauf vorbereitet, einen neuen Pfarrer zu empfangen, denkt ein anderer daran zu gehen. Man stellt sich dann selbst auf die Waage und prüft in den Büchern das Soll und das Haben. Man sucht, was da noch so zwischen den Zeilen steht und zieht die Lehre für sich und für andere. Und der dicke Strich, der darunter gezogen wird, bedeutet dann wohl, dass eine Lebensetappe abgeschlossen hinter einem liegt und etwas Neues beginnt. Was das für mich und meine Familie bedeutet, daran liegt wohl nicht viel, wesentlich ist, das für die Gemeinde etwas Neues anfängt.

Es werden nun bald zwei Pfarrer da sein, der eine wird sich mit Predigt und Seelsorge, der andere vor allem mit dem Unterricht und mit der Jugend beschäftigen. Dies wird dem Gemeindeleben ein ganz anderes Gesicht geben. Ich hoffe zuversichtlich, dass Gott die Arbeit der beiden Pfarrer segnen wird und dass die Gemeinde selbst im Bewusstsein ihres Glaubens den beiden Seelsorgern ihre Mitarbeit leihe. Möge die Jugend ihre Aufgabe sehen und freudig die Fahne hochhalten und möge dar Kirchenchor nicht aufhören zu singen und im Gottesdienst mitzuwirken. Das 100 jährige Jubiläum unserer Kirche an der Klötzerbahn möge der erste Anlass sein, da die Gemeinde wie ein Lamm zusammenstehen wird, nicht nur um laut von ihrem Alter und ihrer Herkunft zu reden, sondern um Zeugnis davon abzulegen, dass das Wort Gottes in ihr lebendig sei.

Ich hoffe auch, dass das Zusammenleben der drei Gemeinden sich nun immer mehr vertiefen wird. Wie schön war es jeweils, wenn von Norden und Süden die Autobusse angerollt kamen und ihre Insassen sich zum gemeinsamen Gottesdienst oder zur gemeinsamen Feier zusammenfanden. (Nicht wahr, ihr drei Norwegerinnen?) Helft alle mit, dass die Evangelisationskasse, die zu diesem Zwecke zur Verfügung steht, nie leer sei!

Immer mehr wird sich auch zeigen, wie wichtig die staatliche Schule für unsere Gemeinde sein wird. Es muss zur Selbstverständlichkeit werden, dass die evangelische Jugend in dieser Schule unterrichtet wird. Sie wird es sein, die später das Licht evangelischen Glaubens hochhält. Mögen sich darin alle Eltern verantwortlich wissen.

Wichtig wird auch sein, dass der neue Pfarrer nun mehr Zeit haben wird, Hausbesuche zu machen. Ich weiß, dass Ihr oft vergeblich auf mich gewartet habt. Das wird nun anders werden. Und die Früchte werden sich ebenfalls zeigen. Wie eine große Familie sollt Ihr Euch fühlen und wissen, dass wenn noch große Unterschiede unter Euch sind, Ihr doch im Glauben, der Euer höchstes Gut ist, zusammengehört. Möchtet Ihr dann die Stadt auf dem Berge werden, die weithin sichtbar ist.

Der Schreibende aber tritt von der Bühne ab. Es ist schon gut so. Es ging in den letzten acht Jahren darum, die Grundlagen des Gemeindelebens wieder sichtbar zu machen und zu beleben, nachdem der Krieg und Nachkriegszeit nur Ruinen zurückgelassen hatten. Wenn nun diese Grundlage wieder da sind und ein bescheidenes Wachsen des Gemeindelebens wieder zu sehen ist, dann können wir ja wieder gehen. Ein Pfarrer wird immer nur ein Pilger sein, der von Gott gesandt an seinem Ort und mit seinen Gaben zu wirken hat. Wie lange, weiß er selbst nicht, aber dass die Zeit einmal abgelaufen sein wird, dass weiß er. Wir haben versucht unsere Pflicht zu tun. Apropos wir! Ich meine Frau und ich. Ihr wisst gar nicht, wie viele Opfer meine Frau gebracht hat für die Gemeinde und in wie vielen Fällen sie fördernd gewirkt hat. Gemeindeausflüge und Gemeindeabende sind ohne sie gar nicht zu denken! Nun, es ist uns nicht alles gelungen, wir stolperten auch über eigene Schwachheit und Unzulänglichkeit (das liebe Echo blieb dann auch nicht aus!). Aber das Eine, das Not tut, ist geschehen. Das Wort Gottes ist mit Hingabe verkündigt worden, und die Liebe, die von ihm ausgeht, ist auch geübt worden. Ich will mich nicht rühmen, aber das sollt Ihr noch wissen: Nie, gar nie, ist eine Predigt gemacht worden, ohne dass Gott angerufen worden wäre, dass er sein Wort geben möge, das Euch in die Wahrheit leiten könne. Und so vertraue ich denn, dass die ausgestreute Saat, doch auch auf fruchtbaren Boden gefallen ist und ich vertraue nicht nur Gott, sondern wahrlich auch auf Euch, dass Ihr gemerkt habt wie es gemeint ist.

Zum Schluss möchte ich allen herzlich danken, die mitgeholfen haben, dem Worte Gottes Nachdruck zu verleihen, dadurch dass sie sich im Frauenverein, in der Jugendgruppe und im Kirchenchor betätigt haben. Dank bin ich auch dem Presbyterium schuldig, das mir immer wieder sein Vertrauen schenkte. Danken möchte ich auch hier noch einmal für die schönen Abschiedsgeschenke, die ich von den drei Gemeinde, von Jugendgruppe und Kirchenchor erhalten habe. Sie werden mithelfen, dass ich euch alle in lieber Erinnerung behalten werde. Wie könnte ich anders danken, als dass ich für Euch den Segen Gottes erbitte. Möge das Wort Gottes Eures Fußes Leuchte sein und möget Ihr im Glauben ein fröhliches Herz bewahren.

Damit lebt wohl und behüt Euch Gott!

Als Vertreter der Synode verabschiedete der damalige Inspektor für protestantischen Unterrichtswesen Pfarrer Urs Höner und seine Ehefrau:

"Es ist für mich ein großes Vorrecht und eine Ehre, heute hier in Ihrer Mitte verweilen zu dürfen und zwar als Vertreter unserer belgischen Synode.

Es ist das große Verlangen der Synodalen Direktion, nach jeder Gelegenheit zu suchen, die sich ergibt um näher Kontakt mit unseren protestantischen Brüdern und Schwestern zu nehmen. Wir wissen, dass dasselbe Verlangen auch bei Ihnen besteht. Das haben Sie wahrlich auf greifbare Weise gezeigt und bewiesen als Sie vor zweieinhalb Jahren hier innerhalb Ihrer Mauern unsere vollzählige Synode empfangen haben. In früheren Jahren wäre so etwas nicht möglich gewesen, aber im Jahre 1951 haben Sie in glänzender Weise diesen Empfang organisiert und alle Mitglieder unserer Synode haben die prächtigsten Erinnerungen über ihren Verbleib in Eupen bewahrt. Diese Festlichkeit mag wahrlich als Höhepunkt der Laufbahn Ihres Pfarrers, Herr Höner, betrachtet werden. Wir in Brüssel aber wissen allzu gut mit wie viel Hingabe und Energie Sie hier gearbeitet haben und ich kann Ihnen versichern, dass überall in Belgien die Neuigkeit von seinem Wegzug mit sehr großem Leidwesen vernommen wurde. Wer soll es nicht betrauern, dass ein Mensch mit so vielen Gaben und Kräften durch Gott gesegnet und der auch noch so viele Dienste für unseren Belgischen Protestantismus beweisen konnte, in sein Vaterland zurückkehrt. Aber wie groß unsere Enttäuschung auch sei, sollen wir auch nicht undankbar sein und vergessen, was Pfarrer Höner alles für den Aufbau und das Gedeihen von unserer protestantischen Gemeinde hier geleistet hat. Sein Wirken war nicht so leicht. Wir freuten uns dann auch, als wir feststellen konnten, dass hier segensreich gearbeitet wurde.

Neben seiner ausgebreiteten Gemeindearbeit, hat Pfarrer Höner den protestantischen Unterricht an den Mittelschulen organisiert. Als Inspektor dieses Unterrichts, wünsche ich ihm ganz besonders herzlich zu gratulieren und für alles zu danken, was er auf dem Gebiet des Unterrichts geleistet hat. Das ist überraschend viel gewesen. Vor keinerlei Schwierigkeiten hat er jemals zurückgeschreckt und obwohl das Stundengeben sehr zeitraubend ist, hat er sich diese Arbeit mit Herz und Seele ergeben. Dies war  die Folge der Tatsache, dass er die Jugend lieb hat. Die Früchte dieser Arbeit wird er nicht selbst pflücken; aber die Zukunft wird beweisen, wie sehr dieser Unterricht der protestantischen Gemeinde in Eupen zugute kommen wird.

Was die Arbeit innerhalb der Gemeinde betrifft, stand Pfarrer Höner vor der undankbaren Aufgabe, um nach dem Weltkrieg alle Protestanten aufzuspüren, um sie in einem kirchlichen Verband zu vereinigen. Außerdem war es seine Berufung, um das Evangelium an eine steuerlose und geschwächte Bevölkerung zu verkünden. Viel Vorsicht und Wagemut hat er bei dem allem an den Tag gelegt. Es fehlte ihm nicht an Unternehmungsgeist. Glückte es ihm nicht bei dem einen, dann unternahm er wieder etwas anderes. Er tat alles, was in seinen Kräften lag, um unsere Flagge hochzuhalten und die Ehre Gottes zu verteidigen. Ich erachte es daher als meine Pflicht, hier in aller Öffentlichkeit Pfarrer Höner für seine Treue und Liebe, mit welcher er der Gemeinde von Eupen diente zu huldigen, begeistert beigestanden von seiner Gattin, Frau Höner, welche leider nicht in unserer Mitte weilt, da sie bereits nach der Schweiz abgereist ist. Auch ihrer Arbeit in Eupen möchte ich ein Wort des Lobes widmen und ich ersuche  Pfr. Höner, ihr unsere Gefühle von Dank und Hochachtung zu überbringen.

Kurzum, es tut uns leid, es tut uns viel mehr leid als wir es mit Worten auszudrücken vermögen, dass dieser heutige Abschiedsgottesdienst stattfinden muss. Wir vermuten jedoch, dass es Ihnen, der Gemeinde von Eupen, noch mehr leid tut. Mein letztes Wort ist dann auch an Sie gerichtet. Wir Menschen sind zeitlich, aber Gottes Wort ist ewig. Für die Sache Gottes müssen wir alle stets bereit stehen, um zu streiten, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Mit anderen Worten: Gott rechnet auf Eure Treue, damit ihr auf Gottes Treue aufbauen könnt. Die beste Manier Euren Dank an Euren scheidenden Prediger zu beweisen für alles, was er in Eurer Mitte geleistet hat, möge hierin bestehen: Sein Werk hier unvermindert fortzusetzen, denn er war hier nicht, um sein Werk zu tun, aber er war hier im Dienste seines Herrn Jesu Christi. Und wir alle stehen in diesem Dienst. Auch unsere Synode rechnet auf Euch alle, Brüder und Schwestern von Eupen, Stand zu halten, damit der Tag bald komme, an dem ein Nachfolger die Arbeit von Pfarrer Höner übernehmen soll, damit er hier eine Gruppe entschlossener Menschen finde, die feststehen im Glauben und bereit sind, um mit allen ihren Kräften an dem Aufbau von Gottes Reich hier in dem Teil unseres geliebten Belgiens im mitzuwirken. Das sind, um es kurz zu sagen, die Wünsche, die ich im Namen unserer belgischen Synode an Sie alle richten möchte. Und Sie, sehr geehrter Herr Kollege Höner, möge es Ihnen in Ihrer ferneren Laufbahn gut gehen. Gott vervielfältige seinen Segen über Sie, über Ihre Familie und über ihre Arbeit. IHM sei Lob und Ehre jetzt und in aller Ewigkeit!

 

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Stand: 04. Juni 2010