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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 27. Juli 2003
Liebe Gemeinde
Die elf Jünger aber zogen nach Galiläa zu dem Berge, zu
dem Jesus sie befohlen hatte. Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm; einige
aber zweifelten. Da trat Jesus zu ihnen und sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt
im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern.
Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und
lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei
euch alle Tage bis diese Weltzeit sich vollendet."
Nach der Auferstehung konnten die ersten Jüngerinnen und Jünger Jesus recht
häufig sehen. So erzählen es die Evangelien und die Apostelgeschichte. Vieles
konnten sie noch miteinander klären, fragen und besprechen. Aber eines sagt
Jesus in dieser Zeit immer wieder ganz klar und deutlich.
„Gehet hin und macht zu Jüngern!“
Auch hier, in der Überlieferung von Matthäus wird dieser
Auftrag Jesu ganz markant an den Schluss des Evangeliums gesetzt. „Gehet hin
und macht zu Jüngern!“
1. Wer soll hingehen und zu Jüngern machen?
In diesem Abschnitt spricht Jesus seine elf Jünger an. Diese
waren seine Freunde. Wohl, einige von ihnen zweifelten. Das griechische Wort,
das für zweifeln steht, könnte man auch mit „die kritische Distanz nicht
überwinden können“ wiedergeben. Diese Jünger hatten Wunder um Wunder miterleben
dürfen, sie selbst konnten den Auferstandenen sehen und berühren - Jesus bewies
mit deutlichen Hinweisen auf die Schrift, dass er der Verheißene Retter ist. Es
wundert einen, dass bei manchen noch die kritische Distanz blieb. Dieses „Ja,
aber ...“ Und dennoch, Jesus beruft diese Jünger, auch mit ihren Zweifeln.
Das Wort Jünger, könnte man auch mit dem Begriff „Schüler“
übersetzen. Und ein Schüler darf Fragen haben. Ein Schüler darf einmal
nachhaken, ein Schüler darf auch einmal etwas schwer von Begriff sein. Jeder
Lehrer kennt das, dass ein Schüler auch einmal eine kritische Distanz kennt.
Aber das spielt für Jesus, der seinen Schülern eine Aufgabe gibt keine Rolle.
Denn, wenn die Jünger gewartet hätten, bis sie selber Meister wären, bis sie
sich vollkommen gegründet in Gottes Wort fühlen von jeglichem Zweifel erhaben,
dann wäre das Evangelium noch nicht in die Welt hinaus gedrungen.
Vielmehr dann, wenn ich als Schüler meine Aufgaben erledige, dann erst werde ich
geschickt im Lernfach. Und so ist es bei Jesus nicht anders. Indem die Jünger
hinausgingen, indem sie gehorsam waren, wurde die kritische Distanz überwunden,
wurden sie fest gegründet und selbst Meister.
Für mich heißt dies, sobald sich ein Mensch in die Schule Jesu stellt, sobald
ein Mensch sein Leben Jesus übergeben hat, sobald er Jesu Schüler sein möchte,
dann hat er auch den Auftrag hinzugehen und Jünger zu machen. Wie sieht es mit
Ihnen aus? Wissen Sie, dass dies auch Ihre Aufgabe als Jünger ist?
2. Warum sollen die Jünger hingehen in alle Welt?
Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf
Erden. Darum gehet hin...“
Jesus kam in die Welt und machte durch sein Wirken deutlich,
dass Gott uns Menschen unglaublich lieb hat. Jeder Mensch liegt ihm besonders am
Herzen. Für jeden einzelnen von uns fließt sein Herz vor Liebe über. Und dennoch
läuft die Menschheit von ihm weg. Sie sucht sich fremde Götter oder betet sich
selbst an und sie tut genau das Gegenteil von dem, was Gott will.
Die Folge: Die Menschen müssen ernten, was sie gesät haben.
Sie ernten Ungerechtigkeit, Streit, Ehebruch, Unzucht, Geiz und Habsucht,
Geschrei, Krankheit, Abhängigkeiten, Süchte, dämonische Besessenheit, Krieg,
Zerstörung und Tod.
Die Schwachen und Armen und Kinder haben am meisten darunter
zu leiden. Gott will aber nicht, dass wir zugrunde gehen, darum nimmt Jesus all
die Folgen durch sein Kreuz auf sich. Am Kreuz tauscht er die ganze Sünde und
ihren Lohn ein und er schenkt uns dafür Vergebung, Liebe, den Heiligen Geist und
ein Leben in Fülle, das in das ewige Leben mündet.
Er hat alle Macht, das heißt, dass er mit Krankheit, mit
Fluch, mit Ablehnung, mit Zwängen und Dämonen und mit dem Tod fertig wird. Er
allein hat diese Macht. Versuchen sie mal, eine kleine Lüge wieder gutzumachen –
wie viel Kraft sie dazu brauchen. Jesus hat die Macht, die Sünden der ganzen
Welt zu heilen. Die Sünde von Adam und Eva, von Kain, über die Gräuel der
Assyrer, auch das, was Jesus angetan wurde, über die Verbrechen in den
Konzentrationslagern bis hin zu der Verletzung, die ein gerade einer dem anderen
angetan hat.
Alles kann die Macht Jesu verwandeln und heil machen.
Zerstören können wir Menschen alle Mal mit unserer Macht – aber die Kraft, Leben
zu schaffen, leben zu bauen, die hat Jesus durch die Auferstehung bekommen. Ein
Mensch muss nur seine Sünde und das Leid, das einem angetan wurde, ihm
ausliefern, am Kreuz eintauschen, dann kann seine Kraft in einem Leben zu Wirken
beginnen.
Das kann man nur, wenn man weiß, dass Jesus der Erlöser ist. Und man kann es nur
wissen, wenn es einen gegeben hat, der es mir gesagt hat. Und genau darum ist es
so wichtig, dass die Jünger, dies weitergeben. Wehe, wenn jemand in der Ewigkeit
einen Jünger anklagt und sagt: Mein irdisches Leben wurde ruiniert durch die
Folgen meiner Sünden, warum hast Du, mein Vater oder meine Mutter, mein Bruder
oder meine Schwester, mein Mitschüler, mein Arbeitskollege, der Du doch Jünger
warst mir nichts davon erzählt? Den Jünger hat Jesus befohlen diese Botschaft
weiterzugeben.
Vielleicht fragen sie jetzt: Wie sollen wir hingehen und Jünger machen?
Das ist der dritte Punkt: Jesus sagt zu der Gesamtheit der
Jünger, also zu seiner Kirche: Indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes und indem ihr sie lehrt zu halten, was ich
euch befohlen habe.
Taufen ist eigentlich recht einfach. Ich lasse einen Menschen mit Wasser in
Berührung kommen und spreche über diesem Menschen den Namen des dreieinigen
Gottes aus. Taufe ist ein sichtbares, spürbares, ein materielles Zeichen dafür,
dass der Mensch, der sich taufen lässt, Jesus und seinem Reich übergeben wird.
Und dass ihn Jesus von seiner Sünde reinwaschen will.
Vielleicht bin ich etwas einfältig, aber ich kann nicht verstehen, warum man
immer so über die Taufe streiten muss. In der gesamten Kirchengeschichte haben
sich Christen über die Taufe gestritten, man stritt sich darüber, wer die Taufe
spenden darf, kann es nur ein Priester oder auch ein Laie, man stritt mit den
Freikirchen, man stritt sich darüber, womit man taufen soll, mit Wasser ob süß
oder salzig, ob aus dem Heiligen Land, oder reicht auch Sand, wenn kein Wasser
vorhanden ist. Und man stritt sich ob nun der ganze Mensch untergetaucht wird
oder ob auch ein wenig Wasser reicht. Und von der Reformation an wurde besonders
heftig gestritten, ob man Kinder taufen dürfe oder nur Erwachsene. Auch wir
Protestanten haben große Schuld auf uns geladen, indem wir im Namen unserer
Kirche dafür gesorgt haben, dass Leute, die sich als Erwachsene haben noch
einmal taufen lassen, ersäuft hat. Ist das nicht teuflisch?
Liebe Gemeinde – Wenn das wie, was, wer wirklich so wichtig wäre, dann hätte
Jesus bestimmt klarere Anweisungen gegeben.
Ich bin als Kind getauft worden, jeden Morgen, beim Waschen danke ich Gott
dafür, dass ich getauft bin und ich habe keinen Schaden im Glauben genommen. Ich
bin aufgrund meiner Säuglingstaufe kein besseres oder schlechteres Kind Gottes
als andere. Und ich kenne viele Christen, die ließen sich erst als Erwachsene
taufen – auch sie halte ich aufgrund ihrer Taufe nicht für bessere oder
schlechtere Christen.
Der feste Glaube, die Treue und die Liebe machen einen guten Christen, nicht die
Art und Weise der Taufe.
Wir sollen also Jünger machen, indem wir Taufwillige taufen. Damit sie gute
Christen werden und bleiben, sollen wir sie lehren.
Der Auferstandene sagt: indem ihr sie lehrt, zu halten, was ich euch geboten
habe. Jünger sollen also von Jesus weitererzählen, was er geboten hat. Das Gebot
Jesu ist: Liebe – Liebe zu Gott, Liebe zu dem Mitmenschen. Dies hat viele
tausend Aspekte – darüber wird auch viel gelehrt und gepredigt. Aber eines ist
noch wichtig. Eine Gemeinde, die sich liebt, in ihren kleinsten Zellen, in ihren
Ehen, in ihren Familien, in ihren Kleingruppen, eine Gemeinde, in der es bei
allen Meinungsverschiedenheiten harmonisch und liebevoll zugeht, in der jeder
den anderen respektiert und achtet, wird automatisch Jünger machen.
Und da kommen wir zum letzten Punkt: Jeder kann zu Jüngern machen. Jeder hat
Füße, um hinzugehen, jeder kennt Menschen, die Gottes Liebe noch nicht erfahren
haben, jeder kann wie Petrus irgend etwas dazu beitragen, dass das Evangelium in
die Welt hinaus dringt.
Wer Kinder hat, der kann seinen Kindern von Jesu Liebe weitergeben. Ja, er ist
sogar verantwortlich, dafür, dass sie es hören. Ob sie es annehmen liegt nicht
in seiner Verantwortung. Wer Geburtstag hat, kann Nichtchristen einladen und
beim Geburtstag dafür sorgen, dass Gott zu Wort kommt. Wer ein Auto hat, kann
hingehen und Menschen zum Gottesdienst oder zu Bibelstunden fahren, dass sie
gelehrt werden. Wer gerne Besuche macht, kann hingehen und sich mit den Menschen
unterhalten. Wer Urlaub hat, kann auch einmal seinen Urlaub für seinen Herrn
opfern. Einige unserer Gemeindemitglieder haben dies getan, indem sie für
Jugendliche eine Freizeit organisieren.
Wer Zeit hat zu Beten, der kann gezielt für Nichtchristen beten. Wer Geld hat,
der kann Menschen, die ein besonders gutes Händchen haben, andere zu Jesus zu
führen, unterstützen. Wer eine gute Stimme hat, oder musizieren kann, der kann
bei musikalischen Aktivitäten mitmachen.
Wer eine Stimme in einem kirchlichen Gremium hat, der kann die Verantwortlichen
immer wieder mahnen und sagen: Hör, setze die Verbreitung des Evangeliums auf
die Tagesordnung. Wer ein Haus hat, kann sein Haus öffnen und Nichtchristen
einladen.
Liebe Gemeinde, es liegt in unserer Verantwortung, dass Jesu
Botschaft überall gehört wird. Und wenn ich unsere sage, dann meine ich uns
alle. Keiner kann sich da irgendwie aus der Verantwortung nehmen. Bitte lassen
sie uns nicht faul sein, sondern hingehen in die Welt und zu Jüngern machen.
Amen.
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