|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 30. Oktober 2005, ReformationstagLiebe Gemeinde Heute feiern wir den Reformationstag. Es wird in unseren Kirchen viel von Reformation und Protestantismus geredet. Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, was eigentlich das Wort: Protestant bedeutet? Protestant stammt von dem lateinischen Verb "protestare" und bedeutet soviel wie: "als Zeuge für etwas eintreten." Im Grunde sollten Protestanten eigentlich Christen sein, die als Zeuge für das Evangelium eintreten. Zeuge Jesu zu sein, ist gar nicht immer so einfach. In der Familie zum Beispiel kennt jeder die Schwächen des anderen und implizit stellt sich die Frage: "Und du willst Christ sein?" Im Betrieb oder in der Schule lächeln die anderen über den Glauben, oder machen sich gar lustig, wenn man sich als Christ outet. Im Gespräch mit fremden Menschen trauen sich viele Christen nur bedingt von ihrer Glaubenspraxis zu reden, um nicht aufdringlich zu sein. Und in vielen Ländern müssen Christen, die es wagen, sich zu Jesus zu bekennen, mit dem Leben bezahlen. In unserem heutigen Bibelabschnitt fordert Jesus seine Jünger dazu auf, sich zu ihm und seinem Reich zu bekennen – also eine Art Protestant zu sein. Ich lese aus Mt 10,26- 33: 26 Darum fürchtet
euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und
nichts geheim, was man nicht wissen wird. 28 Und fürchtet
euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können;
fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der
Hölle. Dreimal sagt Jesus in diesem Abschnitt: Fürchtet euch nicht. Und dreimal führt Jesus Gründe auf, warum es gut ist, sich zu ihm zu bekennen. Schauen wir uns diese Begründungen einmal genauer an: 1. Fürchtet euch nicht, denn die Wahrheit Jesu wird unaufhaltsam ans Licht kommen. 26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Manchmal versuchen die Gegner des Christentums einem einzureden, dass der Glaube an Jesus ein alter Hut ist. Sie tun so, als müsse eigentlich jeder modern und vernünftig denkende Mensch den christlichen Glauben ablegen. Lächelnd geben sie zu verstehen: "Das ist etwas für Großmütterchen, die gerne an Märchen glauben." Und viele von ihnen haben dem christlichen Glauben das Aus prophezeit. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nach dem Statusbericht "Christentum" von Barrett und Thomsen, der größten Datensammlung, die es zur Statistik der Weltreligionen gibt, wächst das Christentum weltweit gesehen am schnellsten. Aber nicht durch Bevölkerungszuwachs, wie es in den anderen Religionen der Fall ist, sondern durch Bekehrungen. Also durch Menschen, die durch Zeugen überzeugt werden. Von China hört man, dass sich täglich 10.000 Menschen neu zum christlichen Glauben bekennen. Auch gibt es in moslemischen Ländern große Aufbrüche. Von Bangladesch wird berichtet, dass sich dort monatlich 7000 Menschen taufen lassen und heute dort 522.000 Christen leben. Man muss hinzusagen, dass vor allem kleine Hauskirchen, die ähnlich strukturiert sind, wie die ersten Gemeinden in der Apostelgeschichte, dieses Wachstum erleben. Immer wieder gab es in der Kirchengeschichte Versuche, den Lauf der Kirche zu stoppen. Immer wieder gab es große Verfolgungswellen, weil man die Zeugen Jesu und damit auch die Erinnerung an Jesus ausradieren wollte. Besonders erschreckend ist, dass sich Christen gegenseitig bekämpften und verfolgten. Dies führte zu einer Krise an der Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens, vor allem in Europa. Aber trotz aller Widerstände, trotz aller Verfolgung: Jesus wurde und wird immer bekannter und immer mehr Menschen bekennen sich zu ihm. Es bestätigt sich: Das Evangelium kommt ans Licht und niemand wird es aufhalten. Wenn nun jemand von Jesus weitererzählt, dann liegt er im Trend der Zeit. Er braucht sich nicht zu fürchten. Er gehört sozusagen zur Avantgarde. Eines macht hier Jesus noch deutlich: Sein Zeuge sein, heißt auf ihn hören. In Vers 27 steht: "Was ich euch ins Ohr gesagt habe, das predigt von den Dächern." Jesus möchte seinen Jüngern direkt ins Ohr sprechen, Voraussetzung für das leise Wort Jesus ist, ganz in seiner Nähe zu sein und die Bereitschaft zu hören. Dies ist ein Kennzeichen wahrheitsliebender Zeugen. Alles andere wird zum Hörensagen und verliert seine Echtheit. Dann können wir getrost auch vor vielen Menschen, wie wenn man vom Dach eines Hauses aus zu einer großen Menge spricht, die gute Botschaft Jesu weitersagen. Kommen wir zum zweiten Grund, warum man keine Angst zu haben braucht, wenn man sich zu Jesus bekennt: 2. Fürchtet euch nicht, denn im Grunde kann euch niemand wirklich schaden. Jesus sagt: 28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten,
doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der
Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Es gibt Menschen, die schrecken vor nichts zurück. Sie sind bereit, andere Menschen zu töten, wenn sie nicht gefügig sind. Solche Menschen sind gefährlich. Doch viel gefährlicher ist es, sich mit Gott anzulegen. Wer Gott zum Gegner hat, der hat keinen liebevollen Vater mehr, keinen, der sich um einen sorgt. Wer Gott zum Gegner hat, der hat es mit einer Macht zu tun, "die Leib und Seele in der Hölle verderben kann." Menschen können im irdischen Leben Schaden zufügen, doch wer Gott zum Gegner hat, der leidet in Ewigkeit. Man stelle sich nur einmal das schlimme Empfinden von Durst vor. Eine Ewigkeit Durst nach Leben zu haben und ihn nie gestillt zu bekommen, das ist Hölle. Oder man halte sich vor Augen das Gefühl des Frierens. In der Kälte zittern zu müssen, ohne je Wärme und Liebe zu bekommen. Das ist Hölle und das ist schlimmer als der zeitliche Tod. In vielen Berichten von Menschen, die ihr Leben für Jesus ließen, - wahre Märtyrer - hört man von dieser Glaubensgewissheit, wie sie in der Sterbestunde getragen und getröstet sind und im Leid bereits den Himmel offen sahen. Jesus wirbt darum, dass wir Gott in allen Lebenslagen vertrauen. Dass wir ihm unser Leben geben und ihm glauben sollen, dass er stärker ist, als alle Gegner des Evangeliums, stärker als der Hass, stärker als die Angst. Wir liegen Gott mehr am Herzen, als wir denken. Die ganze Schöpfung bis zum kleinsten Spatzen ist in Gottes Obhut. Jedes Haar auf unserem Kopf ist gezählt. Wenn wir es vielleicht auch nicht immer sehen, doch Gott sorgt sich sehr um jeden einzelnen Menschen. Wenn uns irgendwelcher Schaden zugefügt wird, dann gehört das immer noch zu Gottes Plan. Es darf uns nichts geschehen, was uns ewigen Schaden zufügen dürfte. Sondern alles dient zum Guten für seine Kinder. Kommen wir noch zum dritten Punkt: 3. Fürchtet euch nicht, denn eine große Belohnung erwartet euch. Mancher geniert sich für seinen Glauben. Doch im Grunde ist es andersherum. Jesus müsste sich unseretwegen genieren. Er der Herr der Herren, der lebendige Sohn des Allerhöchsten, der Heilige Gottes. Und dennoch bekennt er sich zu Menschen, die viele Fehler machen. Doch Jesus hat es versprochen; Wenn wir uns zu ihm bekennen, dann wird er sich unseretwegen nicht genieren und er wird auch zu uns stehen. Heute feiern wir Reformationsgottesdienst. Wir denken besonders an den Reformator Martin Luther. Als Luther starb, wurde ihm noch einmal klar, wie oft er versagt hatte und seine ganzen Fehler kamen ihm vor Augen. Und die letzten Worte, die er schrieb lauteten: "Wir sind Bettler, das ist wahr:" Stellen sie sich nun vor, da kommt dieser arme Bettler Martinus vor den Thron des Höchsten Gottes. Ein kleines Häufchen Elend in einer unbeschreiblichen Herrlichkeit. Jeder Beobachter könnte fragen: "Was hat denn der hier verloren?". Und schon hört man von der Hölle her schreckliches Gezeter: "Der da, hat dort oben gar nichts verloren, der gehört mir. Weißt du nicht mehr, wie er dich damals in jungen Jahren geradezu gehasst hat, Gott? Dieser Mann hat deine Kirche gespalten. Er ist verantwortlich für den Tod vieler armer Bauern und frommer Menschen, die sich als Erwachsene haben taufen lassen. Er hat gegen dein Volk Israel gehetzt und theologisch Deutschland auf die Verfolgung der Juden vorbereitet. Der hat nichts im Himmel verloren, der gehört mir." Ich stelle mir vor, wie die himmlischen Heerscharen sich zuraunen und sagen. Oh der arme Luther, wie kommt er da wieder heraus. Doch dann steht Jesus Christus auf und sagt: "Vater, dieser Mann hat mich geliebt, er hat sein Leben für mich eingesetzt und hat für mich gekämpft. Er ist mein Freund! Ein Schrei aus der Hölle ist hörbar: Und seine vielen Sünden, was ist mit denen? Und Jesus legt seinen Arm um den armen Sünder. Dabei sieht man die Wunde auf Jesu Handrücken. Und er spricht: "Dafür habe ich mit meinem heiligen teuren Blut und mit meinem unschuldigen Leiden und Sterben bezahlt. Er gehört zu mir." Und der Protestant darf hineingehen in das Reich Jesu. In das Reich der Liebe, der Freude und der Gerechtigkeit. Liebe Gemeinde, liebe Hörer im Radio. Jesus fordert uns auf, seine Zeugen zu sein, für sein Reich einzustehen. Protestanten im Herzen zu werden, egal zu welcher Konfession wir gehören. Wollen wir nicht ihre Angst überwinden und für ihn einstehen. Denn er steht für uns ein und bekennt sich zu uns wie ein treuer Freund. Amen. |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|