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Wiederkunft                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. November 2003

Liebe Gemeinde,

in den Novembertagen beschäftigen sich die von der Kirche vorgeschlagenen Bibelabschnitte meist mit so genannten "eschatologischen" Themen. Eschatologie ist die Lehre von den Letzten Dingen. Die Lehre vom Leben nach dem Tod und unserer Auferstehung, von der Wiederkunft Jesu, dem tausendjährigen Reich und dem Jüngsten Gericht.

Nachdem ich vor 14 Tagen ebenfalls über solch einen "eschatologischen" Bibelabschnitt predigte, meinte ein Zuhörer, dass ich da mal ja so richtig fundamentalistisch gepredigt hätte.

Nun, für mich bedeutet Fundamentalismus, dass man eine sehr begrenzte Sicht von der Bibel hat und dass man andere Meinungen überhaupt nicht gelten lässt oder gar als teuflisch abtut. Manchmal geht Fundamentalismus so weit, dass man irgendetwas tut, was der eigentlichen Absicht und den Aussagen der Bibel zuwider ist.

Ein weiteres Merkmal von Fundamentalismus ist, dass er Themen in den Mittelpunkt rückt, die eher Randthemen sind.

Vielleicht wurde darum meine Predigt als fundamentalistisch empfunden, weil uns die Eschatologie fremd geworden ist, weil es zu einem Randthema wurde.

In diesem Sinne denke ich, dass wir als Kirche, insbesondere wir Prediger sehr fahrlässig waren, wenn wir das große Thema der Wiederkunft Jesus den Fundamentalisten und Sekten wie den Zeugen Jehovas überlassen haben.

Denn das Neue Testament kreist um zwei Themen: Jesus der gekommen ist, um uns Menschen zu retten.

Und das andere große Thema im Neuen Testament ist: Jesus, der kommen wird, um seine Herrschaft sichtbar anzutreten.

Das ganze neue Testament von vorne bis hinten voll mit Aussagen, die sich in allen Facetten darum ranken, dass Jesus wiederkommen wird. Prüfen Sie es nach, wenn Sie persönlich in ihrer Stillen Zeit die Bibel lesen. Es gibt kein Buch im Neuen Testament, in dem davon nicht die Rede von den letzten Dingen ist.

Wenn ich also mich als Christ bezeichne und glaube, dass Jesus mich gerettet hat, dann muss ich zwangsläufig, das zweite auch glauben, dass er wiederkommt und das sein Kommen mich genauso angeht, wie meine Rettung.

Darum finde ich es tausendmal wichtiger sich um diese Dinge zu sorgen, als um seine Altersversorgung, denn ob ich 5-10 Jahre eine gute oder schlechte Rente habe, ist nicht so wichtig wie die Frage, wie ich meine Ewigkeit verbringe.

Und nicht zuletzt beten wir in jeden Vater unser darum: "Dein Reich komme" und dann sollten wir wissen, worum wir da eigentlich bitten.

Ich bitte sie darum heute, dass Sie dieses Thema nicht so schnell mit dem Stempel "Fundamentalismus" zu den Akten zu legen, sondern machen Sie sich dieses Thema zum Mittelpunkt. Bitten Sie Gott darum, dass er Ihr Interesse an diesem Thema weckt und Ihnen Weisheit und Einsicht schenkt für das, was sein Wort darüber uns sagen will.

Heute geht es um das bekannte Gleichnis der so genannten fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen:

Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt den Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.

Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Ein großes Fest steht bevor. 10 jugendliche Mädchen haben sich bei der jungen Braut eingefunden, um sie zu begleiten, wenn am Abend, zum Einbruch der Dunkelheit, der Bräutigam kommt und die Braut abholt und sie zu sich nach Hause führt. Die Aufgabe der Mädchen ist es in einer dunklen Stadt, in der es keine Straßenlaternen gibt, mit ihren Lichtern dem Bräutigam zu zeigen: Hier, wo das Haus hell erleuchtet ist, da wohnt Deine Braut, da sind wir und da warten wir auf Dich. Wenn dann der Bräutigam das Haus gefunden hat, dann begleiten die Mädchen im fröhlichen Fackelzug das junge Paar in das Vaterhaus des Bräutigams, wo sich Braut und Bräutigam vereinigen und daraufhin ein herrliches Fest stattfindet und so recht gefeiert wird.

Die Freundinnen der Braut haben für die Hochzeit als Ausrüstung eine Öllampe bei sich, so wie heute wohl keine Frau ohne Handtäschchen zu einem großen Fest geht. Denn ihre Aufgabe ist es zu leuchten. Und darum müssen sie auch dafür Sorge tragen, dass diese Lampen funktionieren. Sie müssen genügend Öl bei sich haben.

Im Gleichnis sind fünf recht klug und fünf etwas töricht. Die Klugen sorgen dafür, dass ihre Lampen die ganze Nacht durchbrennen können – sie haben für einen Ölvorrat gesorgt. Die anderen sind eher töricht. Entweder haben sie überhaupt nicht daran gedacht, dass ihnen das Öl ausgehen könnte, oder sie meinten, der Bräutigam kommt nicht so spät.

Jedenfalls haben sie zuwenig Öl. Und als der Bräutigam kommt leuchten ihre Lampen nicht. Ohne brennende Lampen können sie den Festzug nicht begleiten und so verpassen sie die schöne Feier im Haus des Bräutigams. Als Brautjungfer ohne leuchtende Lampe beim Fackelzug zu sein ist praktisch eine Beleidigung des Bräutigams

Darum war er ärgerlich über sie, weil sie seinen Hochzeitszug durch die Nacht nicht richtig ernst genommen hatten.

Was hat nun dieses Gleichnis uns zu sagen?

Ich deute das Gleichnis so, dass mit dem großen Hochzeitsfest die erste Wiederkunft Jesu gemeint ist.

Die Bibel bezeichnet die Zeit, in der wir leben als eine Zeit, die beherrscht wird von dem so genannten "Fürsten dieser Weltzeit" und damit ist der Teufel gemeint. Es ist eine Zeit, die dunkler wird und in welcher buchstäblich der Teufel los ist. Eine Zeit der Nacht.

Darum warten wir, und je schlimmer die Zeiten sind, desto sehnlicher darauf, dass Jesus wiederkommt und uns zu sich nach Hause nimmt und das große Fest mit uns feiert.

Bevor Jesus sein Reich sichtbar für alle für Gläubige und Ungläubige aufrichten wird, wird er die Seinen zu sich nehmen und mit ihnen ein großes Fest feiern.

Die Aufgabe von uns Christen nun ist es, in einer dunkler werdenden Welt hell zu leuchten, um damit anzuzeigen: Wir warten auf Dich Jesus und um der Welt anzuzeigen, dass die Finsternis nie über das Licht siegen wird.

Die einzige Gefahr, die Christen droht ist, dass ihnen der Brennstoff ausgeht. Denn ohne Brennstoff können wir nicht mehr leuchten und ohne Brennstoff wird die Finsternis auch wieder über unsere Leuchter herrschen und dann gehören wir nicht zu denen, die Jesus mitnehmen kann, bevor er als Richter über die Welt auftritt.

Was ist nun dieses Öl, von dem Jesus spricht? Was brauche ich also unbedingt zur Vorbereitung für das Wiederkommen Jesu?

Öl ist in der Bibel oft ein Bild für den Geist Gottes. Ich denke, wir Christen brauchen Gottes Geist, um leuchten zu können.

Wenn wir ein Christenleben ohne den Heiligen Geist führen, wenn wir aus nach außen hin Christen sind, aber innerlich keine Substanz haben, dann ist das, wie wenn ich eine Lampe besitze, die für Jesus leuchten kann, die aber nicht über die Dunkelheit siegen kann, weil sei ohne Öl keine Leuchtkraft besitzt. Äußerlich ist man zwar bei den anderen, die auch mit der Braut auf den Bräutigam warten, doch innerlich ist man nicht bereit.

Diese Leute sind eigentlich noch schlimmer dran, als die Menschen, die wirklich in der Finsternis leben, denn sie machen sich und den anderen etwas vor.

Es ist darum für jeden von uns eine lebenswichtige Frage, zu wissen, ob er genug Öl, genügend Heiligen Geist in sich hat, um zu leuchten. Jesus sagt im Gleichnis: "Darum wacht darüber." Jeder Christ hat die Verantwortung zu sorgen, dass sein inneres mit Heiligem Geist gefüllt ist – ähnlich, wie ein gewissenhafter Autofahrer darauf zu achten hat, dass der Tank nie ganz leer ist.

Kommt nun die Frage: "Wie kann ich meinen Vorrat an Öl auffüllen?"

Die klugen Jungfrauen geben den Tipp: "Kauft euch Öl".

In Jes 55,1 heißt es: "Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst." Wir Christen haben also die Möglichkeit: Im Gebet zu Gott zu gehen, so wie man in einen kleinen Kaufladen geht und kann ihm sagen, was man wünscht. Man sagt zwar nicht, ich hätte gerne fünf Brötchen und ein halbes Pfund Butter, sondern: "Ich hätte gerne, dass Du mich erfüllst mit Heiligem Geist." Und Gott wird Dich erfüllen. Umsonst. Aber wenn Du nicht bittest, dann wird er dich auch nicht unbedingt erfüllen. Wir müssen also um den Heiligen Geist bitten.

Im Neuen Testament hören wir von zwei verschiedenen Formen, wie Jesus den Heiligen Geist schenkt. Einmal, wie Jesus die Jünger an Ostern anhaucht. Da erwachte in den Jüngern der Glaube im Herzen.

Der Heilige Geist arbeitete in ihrem Innern. So sorgt der Heilige Geist dafür, dass Jesus ganz wichtig für einen Christen wird und wir ihm gerne nachfolgen will, er überführt uns, wenn wir Unrecht getan haben, er erleuchtet uns mit Weisheit. Er mehrt unseren Glauben und unsere Liebe.

Und dann schenkte Jesus den Heiligen Geist an Pfingsten. Dort bekommen die Jünger übernatürliche Gaben verliehen. Sie können in anderen Sprachen sprechen, sie können Dinge erkennen, die man mit normalem Verstand nicht erkennt, sie heilen Menschen und sie sind voller Begeisterung. Vorher verschlossen sie sich in ihren Häusern aus Angst vor den Leuten. Niemand in der Stadt nahm groß Notiz von ihnen. Aber nach Pfingsten wusste jeder in Jerusalem, dass Jesus auferstanden war.

Ich denke beide Formen von Heiligem Geist sind wichtig, um sichtbar in unserer dunklen Welt leuchten zu können und bereit zu sein für die Wiederkunft unseren großen Herrn, unseres Königs unseres geliebten Bräutigams.

Lassen sie uns, um diesen Geist bitten.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010