|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 3. März 2002Liebe Gemeinde Die alten Veteranen des letzten Weltkrieges erzählen mir
immer wieder, dass man mit Soldaten, die vor dem Feind geflohen sind, kurzen
Prozess gemacht hatte. Zu desertieren war eine Todsünde und sie wurde
entsprechend hart bestraft. Der Predigtabschnitt von heute handelt nämlich von einem Deserteur. Von Elia. Hören wir mal in den ersten Abschnitt des heute ziemlich langen Predigttextes und achten wir gleich beim Hören schon darauf, wie Gott mit dem Deserteur umgeht. Ich lese vor: Ahab berichtete Isebel alles, was Elia getan hatte, vor
allem, wie er die Propheten Baals mit dem Schwert getötet hatte. Da schickte
Isebel einen Boten zu Elia, der ihm ausrichten sollte: „Die Götter sollen mich
schwer bestrafen, wenn ich dir nicht heimzahle, was du diesen Propheten angetan
hast! Morgen um diese Zeit bist auch du ein toter Mann, das schwöre ich!“ Liebe Gemeinde, was war geschehen – warum ist Elia geflohen.
Nun, eigentlich hatte Elia kurz zuvor den Sieg, den großen Durchbruch errungen.
Nachdem er jahrelang als verfolgter Prophet im Exil gelebt hatte, kehrte er in
seine Heimat zurück. Er forderte seinen Widersacher König Ahab zum Duell der
Götter auf. Wer ist der wahre Gott war die Frage. Ist es der Herr, der Gott
Israels – oder ist es Baal, der Fruchtbarkeitsgott der Ureinwohner Kanaans. „Herr, du Gott Abrahams, Isaaks und Israels! Heute sollen alle erkennen, dass du allein der Gott unseres Volkes bist. ... Herr antworte mir, damit dieses Volk endlich erkennt, dass du, Herr, der wahre Gott bist und sie wieder dazu bringen willst, dir allein zu dienen. Da fuhr ein gewaltiger Blitz vom Himmel und verzehrte das
Opfer samt dem Holz, die Steine zerbarsten und das Wasser verdampfte. Alle
hatten gesehen, dass der Herr der lebendige Gott ist. Die Gunst der Stunde
nutzte Elia und ließ die Baalspriester erschlagen. Dann begann es unmittelbar im
Anschluss nach dreijähriger Trockenzeit zu regnen. Ebenfalls ein Zeichen von
Gottes Sieg und Souveränität. Doch der Sieg hielt nicht lange an. Kaum war König
Ahab zuhause und hatte seiner Frau alles erzählt, rüstete Isebel zum
Gegenschlag. Sie schwor Rache für die Getöteten Propheten. Liebe Gemeinde, ich kann nur sagen: Das ist ein unglaublich großartiger Gott. Ich kenne keinen Chef, keine Instanz und Macht, keine Person, keinen Vater, bei der so viel Liebe und so viel Freiheit vorhanden ist, wie bei Gott. Er ist bei mir in meinen persönlichen Glaubenssiegen, wie in den Niederlagen und jedes mal lerne ich seine Treue und Fürsorge kennen. Aber schauen wir, wie Gott weiterhin mit dem Deserteur Elia umgeht: Ich lese 1Kg. 19 ab V. 9 Plötzlich sprach der Herr zu ihm: „Elia, was tust du hier?
Elia antwortete: „Ach Herr, du großer und allmächtiger Gott, mit welchem Eifer
habe ich versucht, die Israeliten zu dir zurückzubringen! Denn sie haben den
Bund mit dir gebrochen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten
ermordet. Nur ich bin übrig geblieben, ich allein. Und nun trachten sie auch mir
nach dem Leben! Die Frage lautete: Wie geht Gott mit einem um, der am Ende
seiner Kraft ist, der vor seiner Aufgabe geflohen ist? Die erste Antwort
lautete: Gott lässt ihn laufen und hilft ihm sogar dabei. Die zweite Antwort
lautet: Gott legt den Finger auf den wunden Punkt und bereinigt das Versagen.
Gott legt den Finger auf den wunden Punkt, indem er Elia fragt: „Was tust du
hier?“. Mit dieser Frage wird deutlich, dass Elias Platz eigentlich nicht in
dieser Höhle ist, in der er sich verkrochen hat, sondern er müsste noch im
Nordreich sein. Er müsste dort nach wie vor die Stellung halten und ein
lebendiger Beweis für die Macht und Treue Jahwes sein. Liebe Gemeinde, dieser sanfte Windhauch ist auch bis heute Gottes Wirken geblieben. Wenn Gott mit harter Faust dreinschlagen würde, wenn er Feuer vom Himmel fallen lassen würde, dann würde er die Menschen zwar dazu bringen zu staunen, ihn anzuerkennen, sie würden vor ihm zittern, aber am nächsten Tag nach solch einem Sturm wäre alles beim Alten geblieben, sie würden ihn nicht lieben und die alten Götter hätten wieder die Oberhand. Gott zeigt Elia, dass man ihn eher mit einem leichten Windhauch vergleichen kann. Ein sanftes Wehen, das auf beständige, langsame, zielstrebige Weise handelt. Und dass er dadurch viel stärker ist, als alle pompösen und bombastischen Machterweise. Und dadurch werden sich Menschen ändern. Dadurch werden sie ihn lieben. So hat Gott an Elia gehandelt, genauso an Petrus, an mir. Und so will er an jedem handeln, der sich auf ihn einlässt. Ich kann nur sagen: Wo ist sonst ein Gott, der so großartig
und liebevoll ist, wie der Herr! Da gab der Herr ihm einen neuen Auftrag: „Elia, geh den Weg durch die Wüste wieder zurück und weiter nach Damaskus! Salbe dort Hasael zum König von Syrien! Danach salbe Jehu, den Sohn Nimschis, zum König von Israel und schließlich Elisa, den Sohn Schafats, aus Abel Mehola zu deinem Nachfolger als Prophet. Wer dem Todesurteil Hasaels entrinnt, den wir Jehu umbringen, und wer ihm entkommt, den wird Elisa töten. Aber 7000 Menschen in Israel lasse ich am Leben, alle, die nicht vor Baal auf die Knie gefallen sind und seine Statue nicht geküsst haben.“ Liebe Gemeinde, Elia dachte selbstmitleidig, er sei einzig
und allein übrig geblieben, der Kampf sei verloren. Doch Gott gibt ihm eine ganz
neue Perspektive. 7000 Treue gibt es noch. Die kennt zwar Elia nicht, aber Gott
kennt sie. Dann soll Elia einen Schüler bekommen, der ihn einmal ersetzen kann
und nicht zuletzt zeigt Gott ihm Politiker, die Gottes Plan im Bereich der
Politik durchsetzen werden. Die Macht Isebels scheint ihren Höhepunkt
überschritten zu haben. Der Sieg vom Karmel wird sich fortsetzten. Ist das keine
großartige Perspektive für Elia. Und das schöne daran: Gott lässt Elia nicht
fallen. Weiterhin bleibt Elia maßgeblich an Gottes Plan beteiligt. Ist das nicht
ein wundervoll, liebevoller, väterlicher Gott? Amen. |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|