Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Was hat Gott mit der Welt vor?                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 22. August 1999

Liebe Gemeinde

Wie sieht die Zukunft der Welt aus?
Was hat Gott mit der Welt vor?

Verschiedene Sekten, die in unseren Tagen der Jahrhundertwende einen großen Zulauf verbuchen, malen ihren Zuhörern einen schaudererregenden Weltuntergang vor Augen. Die böse Welt geht unter im Flammenmeer und mit ihnen die gottlosen Menschen. Den Hören geht ein wohliger Schauer über den Rücken und sie freuen sich im voraus, als Entrückte einmal dieses Schauspiel erleben zu dürfen.

Wie sieht die Zukunft der Welt aus?

Ein ganz anderes Bild durfte der Prophet schauen: Ich lese Jes. 29, 17-24 aus der Übersetzung: Hoffnung für alle.

Sehr bald schon wird das kahle Bergland des Libanon in einen üppigen Obstgarten verwandelt, dicht bewachsen wie ein Wald. Dann werden sogar Taube hören, was aus der Buchrolle vorgelesen wird, und die Blinden kommen aus ihrer Dunkelheit hervor und können sehen. Wer niedergeschlagen war, freut sich wieder, weil der Herr selbst der Grund seiner Freude ist. Und die ärmsten Menschen brechen in Jubel aus über den heiligen Gott Israels. Dann ist es aus mit den Tyrannen, und die frechen Lästermäuler gehen zugrunde. Ausgerottet werden alle, die nur darauf aus sind, das Recht zu verdrehen, die andere auf die bloße Anklage hin verurteilen, die dem Richter Fallen stellen, der ein gerechtes Urteil sprechen will, und die Unschuldige um ihr Recht bringen. Darum sagt der Herr, der schon Abraham erlöst hat, zu den Nachkommen Jakobs: „Die Israeliten sollen nicht länger bloßgestellt werden; nie mehr müssen sie sich schämen! Denn wenn alle Nachkommen Jakobs meine Taten sehen, die ich unter ihnen vollbringe, dann werden sie meinen heiligen Namen ehren. Ja, in Ehrfurcht werden sie mir begegnen, dem Gott Israels, der schon der heilige Gott Jakobs war. Alle, die verwirrt waren kommen wieder zur Einsicht und Widerspenstige lassen sich belehren.“

Was hat Gott mit dieser Welt vor?

Gott möchte die Welt wieder heil machen. Das kommende Heil wird hier beschrieben. Man hört aus den Worten auch heraus, dass Gott diese Welt liebt. Das sollten wir nie vergessen, wenn wir über das Ende oder die Zukunft der Welt nachdenken. Diese Welt ist von Gott geliebt. Wenn einmal so genannte Bibelforscher bei Ihnen an die Tür klopfen und mit Ihnen etwas aus der Bibel vom Weltuntergang lesen wollen, dann vergessen Sie bitte nicht: Gott liebt die Welt so sehr, dass er einen ganz großartigen Erneuerungsplan für sie hat.

Schauen wir uns einmal an, was der Prophet damals sah und spannen eine Linie in unsere Zeit.

In drei großen Bereichen wird Gott Heil schaffen:

1. Gott wird die Erde fruchtbar und gesund machen.

„Bald schon wird das wilde kahle Bergland des Libanon in einen üppigen Obstgarten verwandelt, dicht bewachsen wie ein Wald.“

Die Spitze des Libanongebirges ist mit Schnee bedeckt. Und je höher man kommt, desto spärlicher wird der Pflanzenwuchs. Kaum noch Bäume und Gras wachsen dort. Geschweige denn Obstbäume.

In der heilen Welt, die Jesaja vor Augen hat, sollen dort, wo eigentlich überhaupt nichts mehr wächst, plötzlich schöne Fruchtbäume wachsen. Apfel-, Birn-, Pfirsichbäume, Orangen, Datteln und Olivenhaine, Weinstöcke und Nussbäume in einer paradiesischen Fülle. Ein Baum neben dem anderen – wie in einem dichten Gehölz. Die Bäume sollen wild wachsen, wie in einem Wald. Man hat also keine Mühe mit ihnen. Mühe, wie man früher große Mühe hatte, im Schweiße seines Angesichtes Brot herzustellen.

Die von Gott geheilte Welt, wird Frucht hervorbringen in Hülle und Fülle. Und die Menschen werden satt werden. Auch die Ärmsten unter den Menschen, die überhaupt nichts zu lachen haben, werden in Jubel ausbrechen

Unsere heutige Welt geht durch den Raubbau und die Unvernunft des Menschen immer mehr kaputt. Immer größer werden die gerodeten und kahlen und auch verseuchten Gebiete in denen man nicht mehr leben kann. Die Wüsten wachsen erschreckend schnell. Nicht mehr lange, so sagt der Realist, und die Erde wird ihre Bewohner nicht mehr ernähren können. Die Verteilungskämpfe werden immer härter und grausamer werden.

„Bald“, sagt der Glaubende, „dann wird Gott die Welt heilen, und die Bewohner werden genug haben. Denn Gott wird die Welt fruchtbar machen.“

Ebenfalls werden die Krankheiten und Gebrechen verschwinden. Gott wird die Welt gesund machen:

Taube werden hören können. Taubheit - Eine schlimmes Gebrechen: Andere erzählen sich etwas – der Taube sitzt dabei und versteht kein Wort. Die anderen freuen sich und lachen über einen lustigen Witz – der Taube bleibt stumm und unbeteiligt. Die anderen hören schöne Musik oder eine schöne Predigt - ihre Augen leuchten – doch der Taube lebt allein in seiner Welt. Eingesperrt wie in einer Gummizelle mit einem Fenster nach draußen.

Dank unserer Technik können Taubstumme heute an dem Leben ihrer Umwelt teilnehmen. Doch die Isolierung einzelner nimmt auch bei uns zu. Zwar können unsere Ohren hören – doch richtig verstehen tun wir uns noch lange nicht. Meine Frau sagte kürzlich nach einer Meinungsverschiedenheit: „Der meiste Streit kommt daher, dass wir uns nicht richtig wahrnehmen und nicht richtig aufeinander hören.“

Um so großartiger die Aussicht, wenn der Taube hören wird. Stellen Sie sich vor, Sie sagen zu ihrem Ehepartner ein Wort und der andere hört Sie. Sie sprechen nicht mehr an eine Wand. Ja er versteht Sie sogar richtig. Er kapiert, wie Sie es meinen. Der andere ist nicht mehr gefangen in seiner eigenen Welt und seinem eigenen Denken. In der heilen Welt werden plötzlich die Männer die Sprache der Frauen verstehen und umgekehrt. Eheprobleme wird es in Gottes heiler Welt nicht mehr geben. Genauso wenig Generationenprobleme.

Der Blinde wird sehen können in Gottes heiler Welt. Blinde können zwar hören, doch sie sehen nur Dunkel und Finsternis. Auch ihr Gebrechen wird Gott heilen. Er holt sie aus ihrer Finsternis heraus. Man sagt ja: „Liebe macht blind.“ Wenn ein Mensch in etwas vernarrt ist, dann hat er nur noch seine Sicht der Dinge. Bei einem jungen verliebten Gockel ist das offensichtlich. Er nimmt seine Freundin nur noch als Göttin wahr, aber nicht mehr, dass sie ein Mensch ist, der vielleicht gar nicht zu ihm passt. Er ist blind für die Wirklichkeit. Anderen lächeln oder Seufzen über seine Blindheit. Glücklicherweise dauert diese Art Blindheit meist nicht so lang.

Viel schlimmer ist religiöse Blindheit. Wenn Menschen so vernarrt in ihre Sicht der Dinge sind, dass sie ganz blind sind für Gottes Reichtum, Gottes Fülle und Gottes vielfältiges Wirken. Jesus wirft den religiösen Führern seiner Zeit vor: „Ihr seid Blinde Blindenführer. Diese Leute waren so vernarrt in ihre Sicht der Dinge, dass sie gar nicht erkannten, wer Jesus war. Wie viel Unglück ist über die Welt hereingebrochen durch blinde Blindenführer, wie viel Spaltung in den Kirchen, weil Gemeindeleiter wie Kirchenfürsten so vernarrt in ihre Sicht waren, dass sie einen anderen Blickwinkel gar nicht zuließen.

Wenn Gott uns einmal richtig sehend macht, oh, ich glaube wir werden staunen, was wir alles von den anderen Christen hätten lernen können. Und die anderen werden über uns staunen und sagen: Mensch, wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich öfters auch mal zu euch evangelischen in den Gottesdienst gekommen.

Gott wird die Welt heilen. Niedergeschlagene werden heiter sein. Menschen, die depressiv sind, die sich über nichts mehr freuen können, die vor Trauer nicht mehr arbeiten können, die sich am liebsten das Leben nehmen wollen, weil sich ihre Gedanken nur im Kreis drehen und sie niederdrücken. Auch sie werden aus ihrer Krankheit und Trauer befreit. Sie dürfen aufatmen und sich freuen. Und sie werden sich an Gott freuen. Gerade Niedergeschlagene haben oft das Gefühl, dass Gott sie nicht ausstehen kann und verstoßen hat. Sie werden sich über Gott freuen, wie ein Vogel über den Frühling. Denn Gott wird die Welt und die Menschen innerlich und äußerlich gesund machen.

2. Gott wird Welt frei und gerecht machen

Leider kann ich diesen Punkt aus Zeitgründen nicht ausführlich behandeln. Es sei nur soviel gesagt. Die Not auf dieser Welt kommt daher, dass es so viele Tyrannen und Ausbeuter gibt, die nur sich selbst der Nächste sind. Das fängt beim Haustyrannen an und endet bei skrupellosen Diktatoren.

Die Not der Welt kommt auch von dem vielen dummen Geschwätz, das Tag für Tag von den Menschen geredet wird. Das wie ein giftiger Strom sich über unsere Städte und Dörfer überschwemmt. Die vielen Lügen im Geschäftsleben, die ständigen Beleidigungen im Betrieb, das Lästern im Wirtshaus, das Hintenherumreden in den Gemeinden.

Die Not der Welt kommt auch durch das dauernde Anklagen und Beschuldigen. Wenn irgend etwas schief geht, dann ist ja immer der andere schuldig. Die Schuld wird so lange auf andere abgewälzt, bis der schuldig ist, der sich nicht mehr wehren kann. Und das ständige Beschuldigen wächst noch dadurch, dass andere noch hinzutreten und empört die Nase rümpfen und den Beschuldigten moralisch ausgrenzen.

Und die Not der Welt kommt auch dadurch, dass man die Leute Gottes am liebsten ausradieren will. Am Volk Israel ist das besonders deutlich. Im Zusammenhang mit dem Tod von Ignaz Bubis hörte ich, dass in allen europäischen Ländern, auch in Amerika und ganz schlimm in Russland überall mindestens 20% der Bevölkerung einen offenen Hass gegen Israel haben. Zeitungen, die positiv über Israel berichten, werden von solchen Judenhassern mit Schmähschriften überzogen. Sie bekommen Anrufe mit bösen Worten. Juden werden beschimpft und beleidigt, nur weil sie Juden sind. Die Nachkriegszeit mit ihrer Aufklärung hat daran nichts ändern können. Die 20% sind geblieben.

Das ist eine große Not in der Welt, dass Gottes Augapfel - wie Israel in der Bibel einmal genannt wird - in den Schmutz gezogen wird. Doch diese schlimmen Missstände wird Gott allesamt beseitigen.

Wie schön ist diese Hoffnung: Niemand wird mich dann mehr tyrannisieren und ausbeuten, keiner mehr über mich Lügen verbreiten, keiner mich zu Unrecht anklagen und beschuldigen. Da lebt es sich wirklich gut.

3. Gott wird die Erde fromm machen.

Nehmen wir einmal an, Karl Marx hätte recht und das Proletariat könnte mit den eigenen Kräften, die Erde fruchtbar und gesund machen, er könnte all die Not und die Missstände beseitigen, die wir Menschen einander zufügen und wir würden alle in Frieden zusammenleben.

Ich behaupte, dann würde uns Menschen immer noch das Wichtigste fehlen und die Menschen wären leer und unausgefüllt. Was würde ihm fehlen?

Gott.

Das Wesen des Menschen ist auf Gott hin angelegt. So wie eine Ente, die auch im Trockenen unter Hühner leben kann, ist erst richtig glücklich sein kann, wenn sie sich einem Teich tümpeln kann, so wird ein Mensch erst glücklich, wenn er in Gemeinschaft mit Gott lebt. Gott lieben, mit Gott reden, ihm danken und klagen, auf ihn hören, sich ihm hingeben, seinen Willen tun – das erfüllt einen Menschen. Die Gemeinschaft mit Gott, das ist Element des Menschen.

In Gottes heiler Welt leben die Menschen in diesem Element. Die Verwirrten, die Widerspenstigen, Verlorene dürfen wie der verlorene Sohn zum Vater zurückkehren. Gott wird die erste Stelle in ihrem Herzen haben. Und darum wird alles andere auch Heil sein.

Nun die Frage: Wie kommt Gottes neue Welt?

Jesaja spricht hier eindeutig davon, dass Gott die Welt neu machen wird. Gott also handelt. Sein Handeln beginnt bei Jesus. Bei Jesus wurden Tausende Menschen satt, er heilte Taube und Blinde, richtete Niedergeschlagene auf. Er verwies Ankläger und Beschuldiger in Schranken. Und er liebte Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit seiner ganzen Kraft. Sein himmlischer Vater war ihm das wichtigste.

Wie verwirklicht sich Gottes heile Welt im weiteren?

An Jesus sehen wir aber auch das Kreuz. Gottes heile Welt kommt durch das Gericht. Ja, sein glühender Zorn wird das Böse vernichten. Das müssen wir uns von Endzeitsekten sagen lassen. Und jeder Christ hat sein Kreuz zu tragen – durch Leiden hindurch führt der Weg zur neuen Welt.

Doch Gott wird durch das Gericht hindurch – die Welt heil machen. Das sehen wir an Jesu Auferstehung. So wie Jesus, so werden alle, die zu Jesus gehören, in das neue Leben neu hineingeboren werden.

Doch das sei Thema an anderen Gottesdiensten.

Unser Thema heute ist: Gott wird die Welt Heil machen. Daran lasst uns festhalten. Das soll uns Hoffnung machen, in den Zeiten, wenn unser Kreuz schwer wird.

Das soll uns auch anspornen, dass wir jeder mit seiner Gabe heilsam in unserer Welt tätig sind. Ähnlich wie Jesus – heilend wirkte: Dass wir im Kleinen: Arme speisen, mit Tauben reden, Verblendete zum Licht führen, unsere Zunge hüten, nach Gerechtigkeit hungern und Gott von Herzen lieben.

Darin sollen wir uns von Endzeitsekten unterscheiden. Sie haben die böse Welt aufgegeben – doch wir wollen darauf, - so lange sie sich noch dreht, - Apfelbäumchen pflanzen. Denn Gott liebt sie sehr und hat Großes mit ihr vor.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010