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Was bedeutet Freude?                                    

   

Predigt von Vikar Darius Tomczak am 17. April 2005

Predigttext: Johannes 16, 16-23

16 Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. 17 Da sprachen einige seiner Jünger untereinander: Was bedeutet das, was er zu uns sagt: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen; und: Ich gehe zum Vater? 18 Da sprachen sie: Was bedeutet das, was er sagt: Noch eine kleine Weile? Wir wissen nicht, was er redet. 19 Da merkte Jesus, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Danach fragt ihr euch untereinander, dass ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. 21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.

Liebe Gemeinde,

"Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen."

Dieser Satz klingt geheimnisvoll. Doch im Grunde genommen ist dieser Satz kein Geheimnis. Jesus spricht in diesem Vers von seinem Hingehen zum himmlischen Vater. Und dann spricht er in diesem Satz noch von seiner Wiederkunft.

Doch die Jünger hören es und verstehen es nicht. Sie denken vielleicht so:

"Auf einmal können wir Jesus nicht mehr so sehen, wie wir ihn bis jetzt gesehen haben ... wir werden bald lernen ihn ganz anders zu sehen .... aber wir wissen nicht, wie das geschehen wird ..."

Die Jünger Jesu fragen einander und diskutieren miteinander. Sie reden über Jesus, aber sie reden nicht mit Jesus. Durch ihre Glaubensdiskussionen haben sie Jesus aus dem Blick verloren.

Wie oft verlieren die Christen heute ihren Herrn aus der Sicht?

Viele Christen reden heute über Gott, aber nur wenige wollen mit Gott reden. Viele Christen diskutieren heute über die Heilige Schrift, aber nur wenige lassen sich von der Heiligen Schrift beeinflussen.

Viele Pastoren können heute ausgezeichnete Predigten halten, aber nur wenige fragen Gott nach seinem Willen. Und das gleiche ist den Jünger Jesu passiert. Sie haben über die Worte Jesu diskutiert und sie haben ihn aus dem Blick verloren.

Dagegen hat Jesus seine Jünger nicht aus den Augen verloren. Jesus merkt schnell, dass sich die Jünger in ihrer fruchtlosen Diskussion nur im Kreis drehen.

Darum spricht er in ihre Ratlosigkeit hinein. Und er sagt:

"Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden."

Mit diesem Satz konfrontiert Jesus die Jünger mit seinem Tod am Golgatha. Jesus sagt voraus, dass sie traurig werden, und die Welt sich freuen wird.

Nun aber wird diese Traurigkeit nicht ewig dauern. Und diese Traurigkeit wird begrenzt sein.

Es geht darum in den Versen 20 bis 23 vor allem um die Freude. Die Frage ist: Was bedeutet Freude, in der wir leben?

Ist die Freude eines Christen immer Spaß in der Welt zu erleben?

Viele von den Versammelten hier werden bestimmt sagen, warum nicht?

Kirche macht doch Spaß. Doch ich glaube nicht, dass die Kirche nur zum spaßen ist.

Ich glaube, dass die Christen in dieser Welt wie Schafe unter Wölfen leben. Und wenn sie wirklich wie Schafe in dieser Welt leben, dann kann die Kirche nur wenig Spaß mit ihnen in dieser Welt erleben. Denn die Schafe haben viel zu leiden unter den Wölfen.

Die Wölfe können die Schafen nicht lieben, sondern sie hassen und verfolgen sie.

Wer aber von den Schafen in dieser Welt gegen die Wölfe revoltiert und zu kämpfen beginnt, der kann schnell ein Opfer von ihnen werden.

Darum als Schafe in dieser Welt leben zu wollen heißt wenig Spaß zu haben. Die Schafe werden oft einen Grund haben, in dieser Welt traurig zu sein.

Ich darf aber an dieser Stelle nicht verschweigen, dass die Schafe die Verachtung der Wölfen auch selbst verschuldet haben.

Denn über die selbstverschuldete Geschichte der Schafe könnte man dicke Bände schreiben.

Inquisition, Kreuzzüge, Ketzerverbrennungen, Judenpogrome, Hexenprozesse, das ist alles, was den Schafen in dieser Welt schwer geschadet hat.

Deswegen ist es für die Schafe in der Welt so schwer ihren Glauben zu bezeugen. Denn vieles was sie sagen, klingt für die Wölfe wie ausgelutscht und phrasenhaft.

Wer da vom "lieben Gott", von der "Sünde", vom "Himmel", der "Hölle" oder von dem "lieben Herrn Jesus" redet und seinen Mitmenschen günstig verspricht: "Ich will für dich beten", wird in dieser Welt oft nur Ärgernis erregen.

Ich bin sicher, dass die Wölfe in dieser Welt sich nicht nur über die Botschaft des Kreuzes ärgern. Die Wölfe ärgern sich über die Schafe auch aus diesem Grund: sie ärgern sich über die Frömmigkeit der Frommen!

Wenn die Christen wie die Jünger nur diskutieren dann versteht man die weltlichen Menschen warum sie die Christen nicht lieben können.

Liebe Gemeinde, dass Jesus uns liebt, und dass er am Kreuz für uns gestorben ist, das kann man total verweltlichen Leuten nicht mehr so einfach dahinsagen.

Wenn die Schafe, die das Kreuz nicht schultern, sondern deutlich sichtbar auf ihrer Brust tragen, öffentlich die erstaunliche Forderung aufstellen, die Menschen auf dieser Welt sollten freundlicher und versöhnlicher miteinander leben, weil Christus für sie am Kreuz gestorben sei, versteht kein Mensch weder die Zusammenhänge noch die Beziehung zur Realität.

Immer wieder wird im Neuen Testament die Liebe zu Gott und die Liebe der Christen untereinander als das entscheidende Merkmal des Christsein genannt. Aber heute kann die Lieblosigkeit derer, die sich Christen nennen, geradezu umwerfend wirken.

Liebe Gemeinde, es gibt viel Traurigkeit in dieser Welt, gegenüber der man manchmal hilflos steht.

Vergessen Sie bitte aber nicht, wie wichtig das Leiden eines Christen in dieser Welt ist. Denn nur im Leiden sind wir auf Engste mit Christus verbunden.

Die Traurigkeit oder der Schmerz in dieser Welt kann einem Christen sehr viel helfen. Und diese Traurigkeit kann gute Frucht bringen. Und diese Frucht kann auch die wahre Freude sein.

Die wahre Freude ist die Frucht des Heiligen Geistes. Die wahre Freude, kann nur ein Mensch erleben, der vom Heiligen Geist wiedergeboren ist.

Die wahre Freude kann nach einer Zeit der Traurigkeit eine große Befreiung aus der Seelenangst und aus der Depression für einen Christen sein.

Jesus gebraucht in unserem Bibelabschnitt dazu ein Bild. Er gebraucht das Bild von einer Geburt. Er sagt:

 "Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Und auch ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen"

Liebe Gemeinde, unser Glaube wächst nicht einfach so vor sich hin, sondern er wird durch Erfahrungen der Trauer hindurch wiedergeboren.

In Jesaja 27, Vers 17 spricht Jesaja zu Gott folgendes:

"Gleich wie eine Schwangere, wenn sie gebären soll, sich ängstigt und schreit in ihren Schmerzen, so geht´s uns auch, Herr, vor deinem Angesicht. Wir sind auch schwanger und uns ist bange und wenn wir gebären, so ist es Wind."

Ich verstehe persönlich nicht viel von Schwangerschaft. Ich wurde als Mann und nicht als Frau geboren. Und so will ich auch bleiben.

Aber drei Dinge sind mir eingefallen, die ich Ihnen gerne mitgeben würde:

Erstens, ich weiß, dass eine Schwangerschaft manchmal die Vorstellungen vom Leben durcheinander werfen kann.

Manche treiben lieber ab, damit sie so weiterleben können, wie sie es gewohnt sind. Und hier denke ich, wer verstanden hat, dass ein neues Leben in ihm angefangen hat, der kann das neue Leben grundsätzlich nicht abtreiben.

Lassen Sie deshalb das neue Leben wachsen, das Gott Ihnen schenkt.

Das zweite, was mir einfällt zum Thema Schwangerschaft ist, dass man selbst eigentlich gar nicht viel tun muss. Was aber wichtig ist, man sollte das neue Leben wachsen lassen und man sollte abwarten.

Wenn Jesus zu uns spricht: "Ich will euch wieder sehen", dann heißt das: Lasst uns in unserem Glauben wachsen. Und lasst uns gute Frucht hervorbringen, lasst uns die Freude vom Heiligen Geist in uns gebären.

Das letzte und das wichtigste ist:

"Euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen."

Wenn die Freude in uns schon einmal geboren ist, dann kann niemand uns diese echte Freude wegnehmen. Das schöne lateinische Wort für "freuen" heißt "Jubilate". Darum sage ich Ihnen an diesem Sonntag liebe Gemeinde: Jubilate! Die Gnade unsern Herrn Jesu Christi sei mit Euch jetzt allen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010