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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. April 2003, Ostersonntag
Liebe Gemeinde, liebe Kinder
Kürzlich wollte man wissen, was die Leute so über Ostern
wissen, warum wir denn Ostern feiern. Viele sagten, da kommt der Osterhase,
andere sagten: Da hat Jesus geheiratet. Wieder andere meinten, dass man da den
Frühling feiert. Aber wer weiß, was wir wirklich an Ostern feiern? Wisst Ihr,
was wir an Ostern feiern?
Wir wollen heute einmal die Geschichte von Ostern uns erzählen lassen:
Noch ist es dunkel. Es ist der erste Tag der neuen Woche. Vor wenigen Tagen war
das Schlimmste geschehen: die römischen Soldaten hatten Jesus gekreuzigt. Zwei
Männer, Joseph von Arimathia und Nikodemus, hatten ihn dann in ein neues Grab
gelegt und einen schweren Stein vor die Graböffnung gewälzt - aus, vorbei.
Pilatus hatte Wächter geschickt. Die versiegelten den Stein und bewachen seither
das Grab.
Doch dann ist es Ostermorgen. Zwei Frauen wagen sich an diesem frühen Morgen
trotzdem zum Grab. Es sind Maria Magdalena und Maria, die Mutter von Jakobus.
Sie wollen Jesus den toten Jesus einbalsamieren. Mit wohlriechenden Ölen
einreiben. Das tat man immer mit Menschen, die man sehr lieb hatte, wenn sie
gestorben waren. Aber sie wissen, dass ihnen zwei Dinge im Weg sein werden: Der
schwere Stein und die Wächter.
Plötzlich zittert die Erde. Ein Engel kommt vom Himmel! Die Wächter werden vor
Schreck wie tot. Vor den Wächtern brauchen die Frauen jetzt bestimmt keine Angst
mehr haben. Und der Engel wälzt den schweren Stein zur Seite und setzt sich
darauf. Die Frauen kommen zum Grab. Und da sitzt der Engel auf dem Stein.
So ist es bei uns Menschen oft. Wir zerbrechen uns den Kopf über Probleme. Wir
machen uns schreckliche Sorgen und fragen uns, wie wir mit unserer kleinen Kraft
solche Sorgensteine wegrollen können. Aber oft ist es so, dass Gott schon längst
eine Lösung für uns hat, die wir gar nicht erwartet haben. Und manchmal kann man
nur staunen, was er alles kann und tut.
Auch die Frauen erschrecken. Denn damit hatten sie am allerwenigsten gerechnet.
Aber der Engel sagt: "Habt keine Angst vor mir. Ihr sucht Jesus. Er ist nicht
hier. Jesus ist auferstanden!" Dann schickt er sie zu den Jüngern - die sollen
es auch wissen. Jesus lebt wieder und wird niemals mehr sterben. Nach Galiläa
sollen sie kommen, dort werden sie Jesus wieder sehen!
'Jesus ist auferstanden!' - das klingt ihnen noch immer in den Ohren, während
sie zu den Jüngern eilen. Unterwegs begegnen sie Jesus. Auch er sagt ihnen, dass
die Jünger ihn in Galiläa wieder sehen würden. Bestimmt sind sie jetzt noch
schneller gelaufen.
Aber - die Jünger glauben ihnen nicht. Warum glauben sie nicht?
Hatte Jesus nicht seinen Freunden erzählt, dass er auferstehen würde? Doch,
mehrmals hatte er gesagt, er müsse leiden und sterben und am dritten Tag
auferstehen, so wie der Prophet Jona nach drei Tagen vom Fisch ausgespuckt
wurde.
Warum glauben sie den Frauen nicht? Vielleicht, weil die beiden schon immer
gerne Märchen erzählt haben? Nein, denn diese Frauen sagten immer die
Wahrheit, seit sie Jesus kannten.
Würdet Ihr den Frauen glauben?
Die Jünger konnten es sich einfach nicht vorstellen, dass jemand, der so
gestorben ist, wieder lebt. Das ist nicht die Regel. Denn für sie galt: Wer tot
ist, der ist tot und da gibt es nichts mehr zu rütteln.
Aber dennoch zwei wollen es genau wissen: Petrus und Johannes eilen zum Grab -
es ist tatsächlich leer. Fein ordentlich sind die Tücher zusammengelegt, in die
Jesus gewickelt worden war. Es stimmte!
Die Wächter waren zwischenzeitlich wieder zu sich gekommen und rennen in die
Stadt. Den Hohenpriestern, den Chefs der Religion erzählen sie, was geschehen
war. Meint ihr, ob diese Leute daran glauben, dass Jesus auferstanden ist? Die
wollen es gar nicht wahrhaben und machen sich gar keine Gedanken darüber, was
die Wachen erzählen. Sie machen sich eher Gedanken darüber, wie man das den
Leuten erklärt, dass das Grab leer ist. Sie überlegen und stiften die Wächter
zum Lügen an: sie sollen überall sagen, sie wären eingeschlafen und dann hätten
die Jünger Jesus aus dem Grab gestohlen. Damit die Wächter diese Lüge auch
wirklich sagen, geben die Hohenpriester ihnen viel Geld.
Aber was ist nun mit den Jüngern, haben die es jetzt geglaubt, nachdem die
beiden es gesehen haben. Ja, aber den anderen Leuten erzählen die Jünger nichts
davon, dass Jesus nicht mehr tot ist, dass er wieder lebt - sie sperren sich in
den Raum ein, in dem sie sich immer versammeln.
Warum wohl? Ich glaube, sie haben die Ungerechtigkeit und die Gewalt, die sie
erlebt haben noch vor Augen. Sie sehen, wie man mit Macht, mit Waffen, mit
Spießen und Speeren und Soldaten seinen Willen durchsetzen kann ohne Rücksicht
auf die Schwachen. Sie wissen, so ist die Welt.
Und hat sich bis heute etwas geändert? Es wird doch weiter gerüstet und viel
Geld verdient mit Waffen. Immer noch nimmt man keine Rücksicht auf viele
Menschen, die am Hunger sterben, immer noch nimmt man keine Rücksicht auf die
Wunden, die wir auch der Natur und den Tieren zufügen, immer noch scheint Geld
und Macht zu regieren. Nein, es ist immer noch so.
Und dennoch sagt die Auferstehung Jesu das Gegenteil. Sie
sagt: Wer Gott vertraut und ihm gehorcht, wer auf seine eigene Seele achtet und
seine Mitmenschen liebt – ja auch Opfer für sie bringt ist stärker und mächtiger
als der größte Feldherr auf der ganzen Welt, ist reicher als ein Millionär. Denn
Gott wird ihm helfen. So wie er Jesus geholfen hat. Und das zu glauben und
weiterzusagen in einer Welt, in der alle das Gegenteil tun, ist nicht einfach.
Aber Jesus hilft ihnen auf die Sprünge: Doch plötzlich ist Jesus im Raum. Wie
war er nur hereingekommen? 'Friede sei mit euch', sagt er zu seinen Jüngern. Da
werden sie endlich froh! Jetzt wissen sie: Jesus hatte die Wahrheit gesagt - und
er war der Sieger über den Tod.
Thomas, einer der Jünger, ist nicht dabei. Und er will nicht glauben, was die
anderen ihm berichten. Jesus kommt acht Tage später nochmals zu den Jüngern -
wegen Thomas. Liebevoll bringt er den Zweifler wieder zurecht. Aber er sagt auch
etwas sehr wichtiges: 'Selig sind die, die nicht gesehen, aber doch geglaubt
haben'.
Amen.
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