Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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wachsam auf das Ende vorbereitet sein                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. November 2001

Mk. 13, 25-37:

Nach dieser großen Schreckenszeit wird sich die Sonne verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen. Die Sterne werden aus ihrer Bahn geschleudert und die kosmischen Kräfte erschüttert. Alle sehen dann den Menschensohn, wie er in göttlicher Macht und Herrlichkeit in den Wolken des Himmels kommt. Er wird seine Engel aussenden, und sie bringen Gottes Auserwählte aus allen Teilen der Welt zu ihm. Ich will euch das am Beispiel des Feigenbaums erklären: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer ist. Sobald ihr all diese Dinge kommen seht, könnt ihr sicher sein: Mein Kommen steht unmittelbar bevor. Und auch das will ich euch noch sagen: Dieses Geschlecht wird nicht untergehen, bevor das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte sind für alle Zeiten gültig und vergehen nie. Niemand weiß, wann das Ende kommen wird; weder die Engel im Himmel noch der Sohn Gottes. Die genaue Stunde kennt nur der Vater. Darum werdet nicht nachlässig und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann es soweit ist. Es ist genau wie bei einem Mann, der auf Reisen geht. Bevor er sein Haus verlässt, weist er jedem Angestellten eine bestimmte Arbeit zu und befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein. Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wisst ja nicht, wann der Herr kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach Sonnenaufgang. Deshalb sollt ihr zu jeder Stunde auf seine Ankunft vorbereitet sein und nicht etwa schlafen. Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müsst immer wach und bereit sein!

Liebe Gemeinde,

als sich Ende des Jahres 1944 und Anfang 1945 die Deutschen Armeen mehr und mehr zurückgedrängt wurden, hinterließen sie verbrannte Erde. Man sprengte sämtliche Brücken zerstörte Fabriken, Schienenwege und Straßen. Alles irgendwie Wertvolle wurde vernichtet. Jemand sagte mal: „Am liebsten hätte Hitler ganz Deutschland in die Luft gesprengt.“ Er sah, dass er verloren hatte, aber nun sollten die anderen nichts gewinnen.

Liebe Gemeinde – ähnlich geht auch der Widersacher Gottes vor. Er sieht, dass er den entscheidenden Kampf auf Golgatha verloren hat. Er hat nun keine Rechte mehr im Himmel, man braucht dort keinen mehr der verklagt, denn wer sich auf Jesus beruft, dessen Schuld ist gesühnt. Nun ist seine Zeit gezählt und es dauert nicht mehr lange, dann wird seine Niederlage für alle sichtbar. Aber nun will er, dass so wenig wie möglich von Gottes guter Ordnung erhalten bleibt und er zerstört, was er nur kann.

Genau dies wird in unserer Zeit immer deutlicher. Man sieht vor aller Augen, wie der wichtigste Baustein einer gesunden Gesellschaft – die Familie - pulverisiert wird. Und so kann man beobachten, wie überall Familien an den Umständen unserer Zeit einfach zerbrechen, so dass schon sehr viele junge Menschen gar keine Familie mehr gründen wollen, weil sie den erlittenen Schmerz nicht noch einmal erleben wollen. Wohin wird diese Zerstörung der Familien führen? Wenn niemand mehr bereit ist ohne Bezahlung Fürsorge zu üben, wenn unsere Gesellschaft überaltert, wenn das Raffen nach Geld und Vergnügen noch der einzige Wertmaßstab bleibt. Wohin führt das? Dies führt in ein schreckliches Chaos.

Ebenso kann man beobachten, wie Gottes große Geschenke Luft, Wasser, Licht und Nahrungsmittel zunehmend verschmutzt und zerstört werden. Die Luft wird verpestet, in vielen Regionen wird das Trinkwasser immer knapper, so dass man in den nächsten Jahrzehnten mit erbitterten Kriege um Trinkwasserreserven rechnen muss. Das Sonnenlicht wird immer aggressiver, weil der atmosphärische Schutzmantel um die Erde zerstört wird, das Wetter spielt verrückt – immer größere Naturkatastrophen bahnen sich an.

Auch die politische Ordnung, die Garantie für Frieden und Wohlstand gerät ins Wanken. Immer stärker zeichnet sich ab, dass wir zu einer völlig vom Staat überwachten Gesellschaft werden. Rund um die Uhr von Computern überwacht, damit wir auch maschinengerecht produzieren und konsumieren.

Diese Verfallserscheinungen nun können Anzeichen sein, dass das Ende der Erde bald nahe ist.

Wohl bemerkt – den Tag und die Stunde, wenn Jesus wiederkommen wird, weiß niemand. Kein Engel, kein Wahrsager, kein Wesen, außer der Vater im Himmel. Aber die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Endpunkt nahe bevorsteht.

Die Menschen zur Zeit Jesu, hatten keinen Kalender zuhause. Darum brauchte man einen natürlichen Kalender. Und dieser Kalender waren die Bäume. An den Bäumen konnte man erkennen, wann der Sommer, der Herbst oder die Regenzeit bevorstand.

Und so ähnlich sollen wir Christen an diesen Anzeichen erkennen, dass die sichtbare Wiederkunft Christi naht.

Wie sollen wir nun auf diese Erkenntnisse reagieren? Nun, manche Ausleger der Bibel gehen davon aus, dass Jesus kurz bevor die letzte schlimme Zeit beginnt, die Christen ähnlich wie damals Lot aus Sodom und Gomorra kurz vor dem letzten Inferno herausreißt. Dabei ist es aber äußerst wichtig, dass die Anhänger Jesu bereit sind, sich heraus reißen zu lassen. Es ist darum, wenn wir der Bibel vertrauen schenken, geradezu lebensnotwendig, wenn wir uns auf diesen Zeitpunkt ausrichten, damit wir Jesus folgen können, wenn seine Engel die Schar der Jüngerinnen und Jünger sammeln wird.

Worauf gilt es also zu achten?

Jesus betont einen Punkt besonders. Er sagt: „Ihr sollt wachsam sein.

Denn dieser Zeitpunkt kommt so überraschend, wie ein Dieb in der Nacht, also dann, wenn normalerweise niemand mehr mit einem Besuch rechnet. Man kann sich darum am besten auf das Kommen Jesu vorbereiten, wenn man wachsam ist.

Ich möchte nun drei Punkte anführen, die für mich zu einer geistlichen Wachsamkeit gehören.

1. Die Selbstprüfung

Wenn ein Auto fahrtüchtig sein soll, muss es von Zeit zu Zeit überprüft werden und Verschleißteile müssen ausgetauscht werden. Eine Bekannte vergaß kürzlich einmal eine Inspektion und prompt hatte sie einen handfesten teuren Motorschaden.

Ähnlich ist es wichtig für unseren Glauben, dass wir ihn immer mal wieder einer Inspektion unterziehen. Wir sollten in aller Ruhe einmal Punkt für Punkt unsere Seele überprüfen und Dinge, die nicht in Ordnung sind, von Gott heilen lassen. Am besten geht das, wenn man zu einem anderen erfahrenen Christen in die Seelsorge geht. Anfangs ist das irgendwie unangenehm. Doch nachher fragt man sich: Warum habe ich das nicht früher gemacht. Ich fühl mich nun so frei und so erleichtert. Wer sich selbst immer wieder überprüft, bleibt wach. Und als Nebeneffekt werden auch Sinne geschärft für die Dinge, die in der Welt vorgehen.

2. Verantwortungsbewusstsein:

Eine Wache ist sich ihrer großen Verantwortung bewusst. Eine Wachmannschaft bei der Armee weiß, dass an der Aufmerksamkeit nicht nur das eigene Leben hängt, sondern das der ganzen Einheit. Sie muss also ihre Aufgabe mit größter Gewissenhaftigkeit verrichten und all die Gänge und Runden treu durchführen. Ähnlich denke ich, sollten auch wir verantwortungsbewusst für unsere Aufgaben bleiben. Ich erlebe es oft bei Christen, die sagen: Die Erde besteht ja sowieso nicht mehr lange, also brauchen wir uns gar nicht groß um einen Umweltschutz bemühen. Das ist verantwortungslos. Der Schöpfer will, dass wir die Erde bebauen und bewahren.

Ein schönes Sprichwort sagt: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.

Man könnte die Worte Apfelbaum pflanzen aber auch ersetzen durch: Familie gründen, Solaranlage einbauen, sich gegen Ungerechtigkeit wehren. Denn wohl dem, der verantwortungsbewusst an seiner Aufgabe bleibt.

3. Einen aufgeweckten Glauben leben:

Zu einem wachen Glauben gehört, dass ein Mensch gut hinhorcht auf das, was Gott ihm zu sagen hat. Jesus ist das schönste Beispiel. Er nahm sich sehr viel Zeit, in der er mit seinem Vater im Himmel redete, in der er hörte, was er tun sollte. Und dadurch hatte er eine große Sicherheit. Eigentlich wusste er zu jederzeit immer das richtige zu tun und zu sagen.

Und so sollten auch wir immer wieder still werden vor unserem Gott, Bibel lesen, unsere inneren Ohren auf lauschen stellen und hören und gehorchen was Gott uns zu sagen hat.

Liebe Gemeinde,

ständig wach zu sein, ist sehr schwierig. Und ich denke alleine schafft man es auch nicht. Darum lassen Sie uns als Gemeinde wachsam sein. Dass wir uns immer wieder einander Mut machen, uns selbst prüfen und all unser Dunkles Gott bringen. Dass wir uns helfen, verantwortungsbewusst zu leben, und dass wir uns ermuntern einen wachen und feurigen Glauben zu leben. Dann werden wir bereit sein, wenn Jesus wiederkommt und voller Freude dem schlimmsten Chaos und der Hölle entweichen.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010