|
|
|
|
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 22. Januar 2000, Ökumenischer Gottesdienst in HergenrathLiebe Gemeinde Der gewählte Predigtabschnitt steht im Evangelium des Mt. 18,21-35 Ich lese vor: Da fragte Petrus: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug? „Nein“, antwortete Jesus. „Nicht nur sieben mal. sondern bis siebzig mal sieben. D.h. es gibt keine Grenze. Du musst bereit sein, ihm immer wieder zu vergeben. Man kann das Reich Gottes mit einem König vergleichen, der mit seinen Verwaltern abrechnen wollte. Zu ihnen gehörte ein Mann, der ihm einen Millionenbetrag schuldete. Aber er konnte diese Schuld nicht bezahlen. Deshalb wollte der König ihn, seine Frau, seine Kinder und seinen gesamten Besitz verkaufen lassen, um wenigstens einen Teil seines Geldes zu bekommen. Doch der Mann fiel vor dem König nieder und flehte ihn an: „Herr, hab noch etwas Erbarmen! Ich will ja alles bezahlen.“ Da hatte der König Mitleid. Er gab ihn frei und erließ ihm seine Schuld. Kaum war der Mann frei, ging er zu einem Mitarbeiter, der ihm einen kleinen Betrag schuldete, packte ihn und schrie: „Bezahle jetzt endlich deine Schulden!“ Da fiel dieser Arbeiter vor ihm nieder und bettelte: Hab noch etwas Erbarmen! Ich will ja alles bezahlen!“ Aber der Verwalter wollte nicht warten und ließ ihn ins Gefängnis bringen, bis er alles bezahlt hätte. Als nun die anderen sahen, was sich da ereignet hatte, waren sie empört und berichteten es dem König. Der König ließ den Mann, dem er die Schulden erlassen hatte, zu sich kommen und sagte: „Was bist du doch für ein hartherziger Mensch! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich darum gebeten hast. Hättest du da nicht auch mit deinem Mitarbeiter Erbamen haben können, so wie ich mit dir? Zornig übergab er ihn den Folterknechten. Sie sollten ihn erst dann wieder freilassen, wenn er alle seine Schulden zurückgezahlt hätte. Das gleiche wird mit euch geschehen, wenn ihr euch weigert, eurem Bruder wirklich zu vergeben. Liebe Schwestern und Brüder Wie ging es wohl dem Verwalter, bevor er vor seinen Herrn, den mächtigen König treten musste? Vielleicht hatte er schlaflose und unruhige Nächte und wurde von Tag zu Tag nervöser und gereizter. Und fürchtete sich vor jeder Rechnung, vor allem, was mit Finanzkontrolle zu tun hatte. Versuchte er krampfhaft zu retten, was zu retten war? Oder lebte er ohne Nachzudenken. Dass er sein Leben als hoher Beamter, als Provinzgouverneur genoss. Vor den Leuten einen feinen Lebensstil pflegte, rauschende Feste feierte und bei sich tröstete: Irgendwie werde ich die Haushaltslöcher doch noch stopfen, oder wenigstens zudecken können. Verdrängte er einfach die Tatsache, dass der Tag der Bilanz kommen würde? Ob er ängstlich oder unbekümmert lebte? Tatsache war, dass er alles anvertraute Gut vertan
beziehungsweise verjubelt hatte. Eine Unsumme an Geld war verschwunden und
missbraucht worden. Es war nicht im Sinne des Großkönigs ausgegeben worden. Im
Urtext ist die Rede von 10.000 Zentnern Silber. Diese Menge entsprach dem
Jahressteueraufkommen einer ganzen römischen Provinz. Heute entspräche das
ungefähr dem Steueraufkommen der deutschsprachigen Gemeinschaft eines ganzen
Jahres. Eine unvorstellbar hohe Summe. Diese Gleichnis ist ein Bild für uns Menschen. Wir stehen bei Gott so tief in der Schuld wie dieser Gouverneur, der die Steuereinnahmen eines ganzen Landes veruntreut hat: Gott hat uns viel Zeit als Kapital gegeben und wir Menschen füllen sie all zu oft mit unnützen Dingen. Nur ein paar Beispiele. Er hat uns einen Mund gegeben, um zu
loben, um zu trösten und Gutes zu sagen aber wir spotten damit, reden schlecht
über andere, fluchen und mullen viel unnützes Zeug. Er hat uns Hände gegeben, um
zu helfen, zu spielen, anzupacken, zu geben. Doch die Menschenhände raffen und
rauben, schlagen und stoßen. Zeigen mit dem Finger und Drohen mit der Faust.
Wenn einmal die Bilanz gemacht wird, wer kann da vor Gott bestehen? Wer hat
seine Gaben im Sinne Gottes eingesetzt? Wer hat Gott geliebt mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele mit seinem Verstand und all seinen Kräften? Denn das ist
Aufgabe des Menschen.
Was passiert, wenn ich die Schuld nicht vergebe? Dann bleibe
ich mit der Schuld des anderen verbunden und die Schuld kann weiter fressen und
ihr Unheil anrichten. Aus kleinen unschuldigen Witzeleien wird eine abgründige
Feindschaft zwischen Nachbarn. Eheleute, die sich nicht vergeben, zerstören ihr
gemeinsames Leben und das ihrer Kinder dazu. Und meist schadet man sich selbst.
Denn sobald Schuld behalten wird, kann Gottes Liebe nicht mehr strömen. Dann
wird man krank, der fressende Wurm kann ein Krebsleiden beschleunigen, die Last
kann Rheuma und Rückenschmerzen verursachen, die Erinnerung kann in Depressionen
stürzen. Sie schreibt folgendes: Amen. |
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:
webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org
|