Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Denn ich bin unreiner Lippen ...                                    

   

Predigt von Vikar Dariusz Tomczak am 21. August 2004 im Lobpreisgottesdienst in Neu-Moresnet

Predigttext aus dem Jesaja Buch 6,5-8:

"Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.

Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Und ich hörte die Stimme des HERRN, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

Liebe Gemeinde,

heute Abend wollen wir etwas über den Lob Gottes hören. Ich habe darüber noch nicht richtig gepredigt, und ich finde dieses Thema zum heutigen Lobpreisgottesdienst sehr passend. Das ist also mein erster Versuch.

Wenn es um weltliche Dinge geht, etwa um die Olympiade, dann fällt es für viele Menschen nicht schwer, ein Lob für den Olympiasieger laut über die Lippen zu bringen. Sportbegeisterte Fans stimmen im Stadion "Dank- und Lobgesänge" bei einem Sieg ihrer Fußballmannschaft an.

Bedenken wir aber, dass die menschlichen Leistungen begrenzt sind. Darum muss auch das Lob, das wir Menschen gegenüber aussprechen, sich in Grenzen halten.

Gott gegenüber ist dem Lob dagegen keine Grenze gesetzt. Er sorgt für viel mehr als nur gute Stimmung für kurze Zeit.

Wie viel mehr Danklieder und Lobgesänge sollten wir laut und frohen Herzens unserem Gott singen! Bevor wir das aber weiter in diesem Gottesdienst tun, wollen wir uns zuerst mit der Geschichte des Propheten Jesaja näher befassen.

Ich lese den 5 Vers noch einmal vor:

Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.

Im zweiten Chronikbuch können wir erfahren, dass Jesaja Zeuge war, als sich sein König Usija gegen Gott versündigte. Jesaja, der Prophet des Königs, sah zu, wie sein König Usija die Rechte der Priester an sich riss. Er brachte nämlich auf dem Räucheraltar ein Rauchopfer dem HERRN allein dar.

Dafür traf den König Usija die gerechte Strafe, der Aussatz.

Der große Prophet Jesaja verlor in dieser Zeit die Vollmacht zum Volk zu reden. Er hatte aber eine Vision. Der HERR Zebaoth, der Herr der Heerscharen, offenbarte sich ihm in seiner ganzen Heiligkeit. Jesaja sah die Seraphim, dass sind die Engel Gottes, die das Lob Gottes sangen "Heilig, heilig, heilig ist der Herr!". Als er das hörte, blieb ihm nur der Verzweiflungsschrei: "Weh mir, ich vergehe". Ich kann nicht einfach in das Lob Gottes einstimmen, denn meine Lippen sind unrein. Da ich geschwiegen habe, wo ich hätte reden sollen, muss ich jetzt schweigen, wo ich Gott gerne loben würde.

Der Aufschrei des Jesaja heißt im Urtext nimedthi. Luther übersetzt dieses im Hebräischen ganz selten vorkommende Wort mit "Ich vergehe", Elberfelder Bibel mit "Ich bin verloren". In der griechischen Ausgabe des AT heißt es "Ich bin verstummt". Dem hebräischen Wortlaut am nächsten kommt die Übertragung des Textes von Martin Buber: "Ich werde geschweigt".

Die Schuld des Jesaja war sein Schweigen zur Sünde seines Königs. Die Folge dieser Verschuldung ist, dass er jetzt nicht mehr einstimmen kann in das Lob Gottes. Es bleibt ihm nur das Bekenntnis: Meine Lippen sind unrein! Damit sagt Jesaja: Ich bin durch meinen Mund schuldig geworden.

Liebe Gemeinde! Jesaja war Judäer und weissagte in Juda, seine Berufung fiel in eine schwere Zeit seines Volkes. Das Volk von Juda wurde damals ständig von ihren Nachbarn überfallen. Das Volk von Juda, die Juden, mussten im letzten Jahrhundert wieder eine schwere Zeit erleben. Die Nazis mit ihrer "Endlösung der Judenfrage" verrichteten einen Massenmord an den europäischen Juden. Tausende wurden in das Konzentrationslager Auschwitz nach Polen gebracht. Zehntausende kamen um. Kirchlichen Widerstand gegen Deportationen hat es kaum gegeben. Der deutsche Pfarrer Dietrich Bonhoeffer war einer von wenigen, der dazu nicht schweigen konnte. Später wurde er von den Nazis hingerichtet.

Die Christen haben in dieser Zeit in vielen Länder stillgeschwiegen. Es gab in dieser Zeit aber auch mutige Christen, Freunde der Juden. Sie versteckten die Juden und riskierten selbst die Todesstrafe. Jesus hat gesagt: Niemand hat größere Liebe, als der, der sein Leben für seine Freunde lässt.

Die anderen Christen, die stillschwiegen und nichts unternommen haben, haben sich mitschuldig gemacht. Es wäre nicht zum Holocaust gekommen, wenn man den Nazis entschlossener entgegengetreten wäre.

Der Gott der Bibel ist ein Gott. Der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs und Jesajas ist kein anderer Gott als der Vater Jesu Christi. Als Christen sind wir durch unseren Herrn Jesus Christus herbeigerufen aus allen Völkern; herbeigerufen zum Glauben an den einen Gott, Gott der Juden und der Christen.

Jesaja war nicht irgendein Sünder, sondern ein von Gott berufener Prophet, der seinen Dienst bereits begonnen hatte. Tief beeindruckt durch das reine und hohe Lob der Seraphim fragt sich Jesaja: Wie kann von meinen Lippen etwas reines kommen? Wie kann ich Gott loben, solange ich von der Sünde beschmutzt bin?

Wo der Mensch ein solches Bekenntnis ausspricht, da handelt Gott.

Ich lese die nächste zwei Versen:

Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm,

und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Sünden bekennen heißt vor Gott genau das noch einmal aussprechen, was geschehen ist. Im NT wird deshalb für das Bekennen der Sünde ein Wort gewählt, das soviel heißt wie "dasselbe sagen" (homologeo). Im AT kann kann das Wort für bekennen, jadah, einmal übersetzt werden mit "dasselbe sagen", zugleich aber auch mit "Gott preisen". Wer Gott seine Schuld bekennt, indem er das Geschehene wiederholt, gibt Gott recht. Er sagt: Ich preise Dich, Gott, denn Du, Gott, bist im Recht. Ich habe versagt, Ich bin schuldig.

Jesaja kann mit ansehen, wie ein Engel Gottes aus dem Feuer des Altars mit einer Zange eine glühende Kohle nimmt und auf ihn zukommt, um seine Lippen zu berühren.

Feuer bedeutet Gericht Gottes, so unerbittlich ist das Gericht, dass auch der Seraf nur mit der Zange in das Feuer greifen kann. Aber was daraus hervorgeht, ist Heil. Die glühende Kohle in der Hand des Serafs kann den Mund des Propheten berühren. "So dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt wird."

Gott kann Sünden vergeben. Somit wird das Todesurteil, dass Jesaja über sich selbst spricht, aufgehoben. Die Sünde wird aber nicht einfach beiseite geschoben, sondern anerkannt und gesühnt. Die Sühnung kommt vom Altar, vom Heilsort. Die Sünde wird weg gebrannt und vergeben.

Liebe Gemeinde, als Christen wissen wir, dass wir aus dem Glauben gerechtfertigt worden sind. Nur die Tatsache, dass der Herr Jesus das "Feuer des Gerichts Gottes" für mich erduldete, gibt mir die Berechtigung mit geweihten Lippen Gott zu loben. Jesus Christus hat die Schuld von jedem Menschen auf sich genommen. Er starb dafür am Kreuz Golgatha. Er ist mit unseren Sünden in das "Feuer des Gericht Gottes" hingegangen. Er hat gelitten. Für uns hat er gelitten. Er wurde für uns stellvertretend in dem Feuer des Gerichts Gottes geopfert. Und er hat uns mit Gott Vater versöhnt. Er ist auferstanden und hat damit den Tod überwunden. Jeder Mensch, der Jesus Christus vertraut, kann vor Gott ohne Furcht hintreten und ihn dafür loben.

Die Geschichte zu unserem Predigttext hat mein Herz tief berührt. Das Aufnehmen der Kohlen vom Altar Gottes um die die Lippen des Propheten zu reinigen. Als Prediger haben wir große Verantwortung unsere Lippen gereinigt zu halten. Die Lippen stehen als Bild für alle Worte eines Menschen. In Psalm 51 heißt es: Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund dein Lob verkündige.

Ich lese den letzen Vers zur heutigen Predigt noch einmal vor:

Und ich hörte die Stimme des HERRN, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

Jesaja wird nicht direkt mit Namen angerufen, er hört eine Frage Gottes:

"Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?". Obwohl sie an alle gerichtet war, und damit auch an ihn, sah Jesaja nur sich dem Thron Gottes gegenüber.

So ist es bis heute: viele sind gerufen – aber wer hört, und wer antwortet?

In diesem Vers besteht kein Zwang von Gottes Seite. Jesaja, der die Herrlichkeit Gottes sah, Vergebung und Reinigung erlebte, antwortet in voller Freiheit: "Hier bin ich, sende mich".

Er gibt sein Leben in die Hand Gottes. Der Apostel Paulus spricht "Jesus ist darum für alle gestorben, auf dass, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist".

Es gab viele Menschen in der Geschichte, die sich Jesus Christus zur Verfügung stellten. Einer von ihnen war bestimmt John Wesley. Bevor er der große Prediger wurde, ging er als Missionar in die USA, nach Georgia.

1735 während einer stürmischer Überfahrt geritten alle Engländer in Panik. Der Sturm hatte die Hauptsegel auf dem Schiff heruntergerissen, und die Leute konnten sich bloß noch irgendwo festhalten. Auch John Wesley hatte Angst. Das Wasser drang ins Schiff ein. Die mächtigen Wellen haben das Schiff hin und her geschleudert. Und da sagte Wesley: "So etwas habe ich noch nicht gesehen, da standen 26 Leute und sangen Psalmen". Da hat er gefragt: "Wer seid ihr?" Da sagten sie: "Wir sind Herrnhuter. Herrnhuter auf der Überfahrt ins Missionsgebiet." Und sie sangen weiter. Unbeeindruckt durch diesen schweren Seesturm haben die Herrnhuter ihre Glaubenslieder weiter gesungen. Diese Begegnung löste bei John Wesley geistliche Fragen aus. Dieses starke Gottvertrauen in der Todesangst fehlte ihm. Beeindruckt durch das Singen der Psalmen der Herrnhuter bekehrte sich später John Wesley ganz zu Gott. Und dann ritt er auf dem Pferd von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und hielt vier bis fünf Predigten täglich. Dies blieb so bis zu seinem Tod - er soll insgesamt 40.000 Predigten gehalten haben.

Und was ist der Inhalt unseres Singens? Wenn wir Gott loben und preisen in unserem Singen dann liegt daran etwas besonderes. Das Singen zum Lobe Gottes führt uns nämlich aus der Enge in die Weite.

Wenn wir singen für Gott vom Herzen dann loben wir IHN für seine wunderbare Schöpfung. Wenn wir singen für Jesus dann danken wir ihm für seinen Sieg über den Tod.

Singen hat eine Macht auch wenn uns die Angst überfällt. Wenn die Traurigkeit kommt, wenn wir nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Fällt es uns dann schwer, Gott zu loben? Eine Hilfe kann sein, wenn wir uns Gottes Größe und Güte vor Augen führen. Dann können wir IHN darüber mit Lobgesängen preisen. Dadurch werden wir gestärkt und ermutigt.

Und dann kann ein Wunder geschehen. Das singen zum Lob Gottes hat eine Kraft mit einer herrlichen Wirkung. Im Himmel wird ganz viel zum Lobe Gottes gesungen. Wir singen zum Lob Gottes schon hier auf Erden. Dadurch setzen wir ein Zeichen als Christen in dieser Welt.

Ich glaube, der Herr reinigt und verändert in dieser Zeit seine Gemeinde in Europa, weil er sich hier stärker offenbaren möchte. Darum wurde in vielen Gemeinden der Lobpreisgottesdienst eingeführt. Wenn in einer Gemeinde Menschen mit geweihten Lippen Gott loben dann entsteht eine großartige Atmosphäre.

Ich fasse die heutige Predigt zusammen:

Am Anfang des neuen Auftrags steht bei Jesaja das Wort der Lossprechung. Jesaja wird die Absolution zugesprochen: Dir sind deine Sünden vergeben. Deine Schuld ist gewichen, deine Sünde ist bedeckt. Jesaja wird frei von Schuld und erst jetzt kann er in das Lob Gottes der Engel einstimmen. Erst jetzt wird er von Gott mit neuer Mission beauftragt und kann wieder Gottes Bote sein.

Gott sucht die Menschen, die offen sind für so eine Veränderung. Menschen, die den Ruf Gottes wahrnehmen und Gott mit geweihten Lippen loben. Der Herr möchte eine Armee der Gläubigen erwecken, deren Worte ins Herz der anderen Menschen treffen. Die Frage ist: Wer wird gehen, um die Ernte in Europa einzufahren?

Es werden Christen gehen, die wissen, dass sie gerecht gemacht sind durch das Blut Jesu. Christen, die sich nicht beleidigt zurück ziehen, wenn sie auf Schuld angesprochen werden, sondern sich verändern lassen. Christen, die Ihren Heiland wirklich kennen und bekennen. Christen, deren Worte und Taten übereinstimmen, die göttliche Vollmacht haben. Christen, die Gott mit aller Kraft loben und dann noch sagen: "Hier bin ich Herr, sende mich!".

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010