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Umkehr - Stille werden - Vertrauen                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 31. Dezember 2004 

Liebe Gemeinde,

die heutige Predigt bezieht sich auf den Predigtabschnitt Jesaja 30, 8-17.

In der Zeit, als Jesaja diesen Abschnitt schrieb, war Israel militärisch bedroht von den Assyrern. Die Assyrer waren ein grausames Kriegervolk. Es ging ihnen nicht darum, Frieden mit ihren Nachbarvölkern zu schließen, sondern sie wollten sie alle erobern. Nach der Eroberung wurde die Bevölkerung deportiert. Die Assyrer gelangten in den Tagen Jesajas zum Höhepunkt ihrer Macht.

Vor ihnen zitterten die Völker, besonders auch das Königreich Juda. Sie konnten dieser geballten militärischen Macht nichts entgegensetzen. Wenn man die Verhältnisse auf die heutige Zeit übertragen wollte, dann ist das vergleichbar mit der Größe Luxemburgs gegenüber der USA.

Was sollte man nun in dieser aussichtslosen Lage tun?

Hiskia dachte anfangs daran mit anderen starken Staaten zu paktieren. Bündnisse zu schließen mit den anderen Völkern, die von Assyrien bedroht sind und dann gemeinsam militärisch aufzurüsten, um den Angriff abzuwehren.

Doch Gott hatte eine etwas andere Meinung. Und ließ durch den Propheten Jesaja folgendes ausrichten:

Nun geh, schreib es vor ihren Augen auf eine Tafel, ritz es als Inschrift ein, damit es für künftige Zeiten auf immer bezeugt ist: Sie sind ein trotziges Volk, missratene Söhne, Söhne, die auf die Weisung des Herrn nicht hören. Sie sagen zu den Sehern: Seht nichts!, und zu den Propheten: Erschaut für uns ja nicht, was wahr ist, sondern sagt, was uns schmeichelt, erschaut für uns das, was uns täuscht. Weicht nur ab vom rechten Weg, verlasst den richtigen Pfad, lasst uns in Ruhe mit dem Heiligen Israels! Darum - so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dieses Wort missachtet, weil ihr auf Ränke vertraut und euch auf das Falsche verlasst, darum wird eure Schuld für euch sein wie ein herab fallendes Bruchstück von einer hoch aufragenden Mauer, die dann plötzlich, urplötzlich einstürzt. Sie zerbricht wie der Krug eines Töpfers, den man ohne Erbarmen zerschlägt, sodass sich unter all den Stücken keine Scherbe mehr findet, mit der man Feuer vom Herd holen kann oder Wasser schöpfen aus der Zisterne. Denn so spricht der Herr, der Heilige Israels: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft. Doch ihr habt nicht gewollt, sondern gesagt: Nein, auf Rossen wollen wir dahinfliegen. Darum sollt ihr jetzt fliehen. Ihr habt gesagt: Auf Rennpferden wollen wir reiten. Darum rennen die Verfolger euch nach. Tausende werden zittern, wenn ein Einziger droht, wenn nur fünf euch drohen, ergreift ihr alle die Flucht, bis das, was von euch übrig ist, aussieht, wie ein Fahnenmast auf dem Gipfel eines Berges, wie ein Feldzeichen auf dem Hügel.

Das ist nicht gerade tröstlich, was das Königreich Juda zu hören bekommt.

Sie werden missratene Söhne genannt, ihre diplomatischen Beziehungen werden als nutzloses Ränkespiel abgetan und die militärische Konfrontation wird in einer völligen Niederlage enden. Der Einsturz wird kommen, so wie eine alte Mauer plötzlich zusammenstürzt. Die hochgerüstete Armee wird davonlaufen und die Feldzeichen auf den Hügeln, mit denen man wichtige militärische Informationen weitergab können nur noch die Kapitulation verkünden.

An Silvester werden oft Gläser zertrümmert. So wie ein zertrümmertes Glas unbrauchbar ist und weggeworfen wird, so wird das Königreich Juda zertrümmert werden.

Schuld am ganzen ist das mangelnde Vertrauen gegenüber Gott, die Schuld und die Unfähigkeit auf die Worte Gottes durch die Propheten zu hören.

Das ist ganz schön hart, was König Hiskia und seine Leute zu hören bekommen. Ich glaube, wenn irgendein Christ Herrn Hitler anfangs des zweiten Weltkrieges solch eine Niederlage prophezeit hätte, dann hätte er dies mit seinem Leben bezahlen müssen.

Gott kann sehr klare und drastische Worte reden, damit wir Menschen wachgerüttelt werden.

Und glücklicherweise ließ König Hiskia sich wachrütteln und hörte das Angebot Gottes in diesen wachrüttelnden und bedrohlichen Worten.

Worin lag nun die Hilfe?

Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.“

An diese Worte hat sich Hiskia letzten Endes gehalten. Er räumte mit Götzenbildern in der Stadt auf, konzentrierte sich darauf, den Bund mit Gott zu erneuern und er hörte in allen Notlagen auf den Propheten Jesaja.

Er wurde hart bedrängt, die Stadt wurde belagert, die Nachbarländer wurden alle überrannt und deportiert. Selbst das große starke Ägypten wurde geschlagen. Doch Jerusalem wurde nicht erobert. Bei der Belagerung brachen unter den Assyrern Seuchen aus und später musste Assyrien sein Heer abziehen, weil es Schwierigkeiten an der Nordgrenze bekam, und durch innenpolitische Probleme – der assyrische König wurde ermordet und die Armee verlor durch die Personalkonflikte ihre militärische Schlagkraft.

Nun, was hat das alles mit Silvester und mit uns zu tun?

Ich denke, wir alle haben irgendwo mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Mehr oder weniger. Jeder kommt einmal an einen Punkt, wo er stark bedroht wird. Auf jeden rast einmal eine Übermacht zu, die er nicht mit seinen eigenen Kräften bezwingen kann.

Was hat Gott nun zu unseren Schwierigkeiten zu sagen?

Jesaja sollte diese Worte gerade für spätere Generationen aufschreiben – sie sollen allen gelten, die sich von ihnen wachrütteln lassen wollen.

Der Ausweg des Glaubens steht in Vers 15:

Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.

Drei Dinge führen zur Rettung und haben übrigens auch Hiskia gerettet.

1. Umkehr. Umkehr heißt den eingeschlagenen Weg ändern und in die richtige Richtung gehen.

Wenn ich als Mensch in die Nähe Gottes kommen möchte, wenn ich in sein Reich, in den Bereich seines Heiles und seiner Liebe kommen will, dann muss ich auch diese Richtung einschlagen.

Ich kann nicht Wege gehen, die ins sichere Verderben führen und dann sauer auf Gott sein, weil es nicht besser wird.

Die klaren Wegweiser an denen wir erkennen können, ob wir in die richtige Richtung gehen, sind die Gebote.

  • Wenn ihnen vieles wichtiger als Gott wird (1. Gebot), sind sie auf dem falschen Weg,

  • wenn man sich ein eigenes Gottesbild zusammenbastelt, das nicht mehr nach Gott fragt, der sich in der Bibel offenbart (2. Gebot), dann ist man auf dem falschen Weg.

  • wenn sie mit ihren Nöten kaum noch zu ihm kommen und ihre Gebetszeiten schleifen lassen (3. Gebot), dann sind sie auf dem falschen Weg

  • wenn sie kaum mehr in den Gottesdienst gehen und auch sonntags viel arbeiten (viertes Gebot), dann stimmt die Richtung nicht mehr.

  • wenn sie ihre Eltern verachten, statt zu ehren, (fünftes Gebot), dann müssen Sie umdenken;

  • wenn sie andere schädigen, sexuell missbrauchen oder betrügen, wenn sie andere bestehlen, belügen, oder ihnen ihr Glück neiden, wenn Ihr in Ihrem Leben einfach die Barmherzigkeit, das Wohlwollen, die Großzügigkeit, ja die Liebe anderen gegenüber weniger wird, dann sind sie auf dem falschen Weg.

Der Weg gegen Gott und seine Wegweiser führt ins Verderben. Das hört sich hart an, aber es ist immer noch schöner und besser, als dass irgendwann das böse Erwachen kommt und die böse Macht einen völlig in der Hand hat.

Heute ist vielleicht noch die Ruhe vor dem Sturm. Heute können sie noch darüber nachdenken, wohin Ihre, unsere Wege führen.

Umkehren nun heißt sich ganz auf Gott und auf sein Reich ausrichten.

Umkehr beginnt mit einer Entscheidung. Sie müssen sich dafür entscheiden. Diese Entscheidung kann ihnen niemand abnehmen und dann folgt immer der erste Schritt. Das Ziel muss nicht sofort erreicht sein, aber die Richtung muss stimmen!

Ich bitte Sie, fangen Sie einfach heute schon an. Bitten Sie Jesus, dass er Ihnen den Heiligen Geist schenkt und aufdeckt, welchen Schritt sie heute machen können.

Und das zweite, was Hiskia geholfen hat, war Stille werden.

Angesichts von Schwierigkeiten kann man ja ganz schön in Panik kommen. Nervosität, Paktieren, Agieren sind nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke, sondern von Unsicherheit.

Gott rät uns, mit allem zuerst einmal zu ihm zu kommen. Seine ganze Not vor ihm auszubreiten, ihm alles zu erzählen und dann zu hören, was er zu sagen hat.

Dann erst kann man besonnen und mutig auch Schritte gehen und Aktivitäten starten, die aus dem Hören heraus geboren werde.

Und ein dritter Schritt in Richtung Rettung ist:

Vertrauen.

Gott ist immer noch der Herr über die Schwierigkeiten. Der Bestand von uns Christen und dem Volk Israel wird durch Gott garantiert und nicht durch unsere Kraft.

Die Völker und Mächte, ja selbst der Teufel, so sehr er auch gegen Gott und sein Volk tobt und wütet, kann nichts gegen ihn ausrichten.

Bildlich gesprochen sagte es Jesaja an anderer Stelle so: Jahwe pfeift die Fliege aus Ägypten und die Wespe aus Assur herbei, wenn er sein verdientes Gericht am eigenen Volk vollstrecken wird (Jes 5,26 + 7,18f). Gott rettet aber sein glaubendes Volk, wenn die Völker und Mächte anstürmen.

Das gilt es zu glauben. Das mutete Jesaja Hiskia und den Menschen seiner Zeit zu – das gilt es auch für uns.

In all den Schwierigkeiten Gott zu vertrauen.

Luther hat in einer Predigt zur Stelle ein schönes Beispiel, dieses Vertrauens gebracht.

Ich möchte mit diesem Beispiel schließen:

Es war vor einigen Jahren ein Bischof von Magdeburg, ein Graf von Bichingen. Er wurde von einem Kollegium zum Bischofsamt genötigt und als er eingesetzt worden war, geschah es, dass der Sachsenherzog sich anschickte, ihm den Krieg ins Land zu tragen. Als der Bischof davon Kunde erhalten hatte, rüstete er keine bewaffnete Macht aus, sondern kümmerte sich um seine Gemeinden, ließ sich in ihnen oft sehen und war auf Schriftlesung und Predigt bedacht, als sei gar kein Krieg zu befürchten. Irgendwann kam eine Meldung, dass der Herzog von Sachsen den Feldzug in Gang gebracht habe. Gelassen reagierte der Bischof: Meinetwegen, ich kümmere mich um meine Gemeinde, Gott aber wird für mich kämpfen. Ein Spion hörte diese Äußerung, nahm sie mit hinaus und ließ sie an den Sachsenherzog gelangen. Als der diese Antwort hörte, blies er den Feldzug sofort ab und entließ sein Heer. Er antwortete nämlich: Hier bin ich der Unterlegene. Ich kann nicht gegen jemand kämpfen, der Gott zum Mitkämpfer hat.

Liebe Gemeinde,

wenn wir umkehren und uns auf Gott und sein Reich zu bewegen, wenn wir gelassen bleiben und auf ihn hören, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen, dann haben auch wir – Sie und ich Gott als Mitkämpfer. Wer will uns da noch letzten Endes Schaden?

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010