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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. Juni 2002, Lobpreisgottesdienst
Liebe Gemeinde
König David, der als er noch Hirtenjunge war, den Goliat
besiegt hatte, war auch ein großer Liederdichter. Einmal schrieb er in einem
seiner Songs:
„Mit meinen Gott kann ich über Mauern springen.“
Wie kam der kleine David zu solch einem Ergebnis?
Nun – er hatte in seinem Leben mit vielen Mauern und
Hindernissen zu tun. Da war Goliath noch eines der kleinsten Probleme. Schlimmer
war sein Vorgänger König Saul. Der wurde nämlich ziemlich neidisch auf David und
versuchte wo er nur konnte David reinzulegen, ihn ans Messer zu liefern und zu
demütigen. Als das alles nicht gelang, jagte er ihn in die Wüste und verfolgte
ihn mit seiner ganzen Mannschaft. Aber es gelang ihm nie, obwohl er ihn mehrmals
schon fast eingefangen hatte, zu schnappen. Dennoch blieb David König Saul
gegenüber immer treu und versuchte ihn stets zu entschuldigen. Einmal hatte sich
David in einer Höhle vor Saul versteckt. Der König kam zufällig genau in diese
Höhle und wollte sich ein wenig ausruhen und schlief ein. David hätte ihn ohne
weiteres töten können. Aber er tat es nicht.
Er sprang mit Gottes Hilfe über die Mauer der Bitterkeit und
der Rache. Über solch eine Mauer kommen wir Menschen aus eigener Kraft so gut
wie nie drüber. Und erst nach Jahren stürzte die von Saul gebaute Mauer in sich
selbst zusammen und David wurde dann König, ohne irgendwie gegen Saul gekämpft
zu haben.
Dann gab es noch viele Mauern von Feinden in dem Leben von David. Als dann David
König war, schlossen sich alle Völker zusammen, um gegen David zu kämpfen. Sie
verschworen sich zusammen gegen David und versammelten ein riesiges Heer, um
gegen David und seine kleine Mannschaft loszuschlagen. Doch auch da gelang es
dem Heer Davids mit Gottes Hilfe den Angriff abzuwehren und die Mauer der
Feindschaft gegen ihn zu zerbrechen. Ja, es gelang ihm dass aus manchen seiner
Feinde eine Art Freundschaft erwuchs. Zumindest brachten viele der Feinde David
dann viele Geschenke. Und Geschenke, das machen doch nur Freunde – oder?
Oft war David umzingelt, oft musste er in seinem Leben fliehen, er litt Durst,
Hunger und Kälte, manche Nacht musste er im Freien schlafen, mehrmals wurde er
von guten Freunden und seinen eigenen Kindern verraten, dann wieder beschimpft
und verspottet, oft schien seine Lage völlig aussichtslos – und dennoch verloren
alle seine Feinde gegen ihn. Dabei hatte David meistens die schlechteren Karten,
hatte weniger Geld, weniger Waffen, weniger Männer und die meist schlecht
ausgebildet. So konnte er im Rückblick sagen: Mit Gott kann ich über Mauern
springen.
Das können wir uns von ihm sagen lassen. Denn auch heute gibt es hohe Mauern um
uns. Mauern der Feindschaft. Da gibt es plötzlich in der Familie Streit. Der
eine redet mit dem anderen nicht mehr, dafür wird umso mehr hintenherum
geschimpft und gelästert. Auf jeden Schlag wird mit einem Gegenschlag
geantwortet. Zuletzt weiß niemand mehr, warum man sich streitet, aber Hauptsache
man streitet sich.
Und es scheint, man könnte die Mauer der Feindschaft nicht überwinden. David
sagt uns: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Auch über die Mauer des
Streites.
Dann gibt es auch Mauern, die uns den Weg zum Ziel verbauen wollen. Man verfolgt
ein Ziel – doch da ist der Weg plötzlich völlig verbaut. Es fehlt an der Zeit,
oder an den notwenigen Zeugnissen, am Geld oder was auch immer – ich komme
einfach nicht weiter. Eine hohe Mauer versperrt mir den Weg.
Auch da sagt David: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Aber wie hat David das geschafft mit seinem Gott? Wenn wir die Geschichten von
David lesen, dann stoßen wir immer wieder auf den Satz: Und David stärkte sich
in dem Herrn.
David hatte ein ganz einfaches Rezept: Wenn er in
Schwierigkeiten kam, dann setzte er sich mit Gott in Verbindung. Oft fragte er
ihn, wenn er nicht weiter wusste. Ja, manchmal stellte ganz genaue, sogar
militärtechnische Fragen an Gott. Und Gott antwortete ihm.
Wenn er ganz unten war, nicht mehr aus noch ein wusste, um Freunde trauerte,
dann klagte er Gott sein ganzes Leid und Gott gab ihm neue Kraft.
Wenn er fröhlich war, dann sang er Danklieder. Er wollte einfach Gott dafür
danken, dass er mit seiner Hilfe über eine Mauer gesprungen ist. Das gab ihm
dann wiederum die Kraft, auf die nächste Mauer mutig zuzugehen.
Liebe Kinder, liebe Gemeinde
Das war Davids Rezept. Das war sein Geheimnis, dass er trotz
all der vielen Mauern in seinem Leben weiterkam.
Wenn man ein Kochrezept liest, dann kann man nicht unbedingt sicher sagen, ob
das auch mir schmeckt, was da steht. Man muss sich selber die Mühe machen,
man muss sich selber die Schürze umbinden, sich in die Küche stellen, kochen und
es ausprobieren ob es klappt. Wenn es nicht sofort klappt, vielleicht auch noch
zweites Mal. Und hin und wieder auch ein drittes Mal. Dann erst kann man anderen
sagen: „Ja, das Rezept ist wirklich gut, das funktioniert auch. Es ist ganz
einfach und schmeckt wirklich ausgezeichnet.“
So müssen wir uns die Mühe machen, das Rezept Davids selber ausprobieren, um zu
sehen, ob man mit Gottes Hilfe wirklich über Mauern kommt.
Darum versucht es einmal selber, wenn ihr vor einer großen Mauer steht: Bringt
die ganze Sache vor Gott, redet mit ihm darüber, fragt ihn, fragt, was ihr tun
sollt, bittet ihn um Rat, klagt ihm was euch schmerzt, bittet, dass er euch
hilft. Man kann ihn sogar auf seine Versprechen festnageln und sagen: Wenn Du
David geholfen hast, dann kannst du auch mir helfen, über diese Mauer zu
springen.
Und ich hoffe, dass wir alle die Erfahrung wie David machen: Mit Gottes Hilfe
können wir bärenstark werden und kinderleicht über eine hohe Mauer springen.
Amen.
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