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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 18. August 2002
Paulus schreibt:
Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes
Ackerland und sein Bauwerk. Gott hat mir in seiner Gnade den Auftrag und die
Fähigkeit gegeben, wie ein tüchtiger Bauleiter das Fundament zu legen. Doch
andere bauen nun darauf weiter. Und jeder muss darauf achten, dass er wirklich
sorgfältig arbeitet. Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus
Christus. Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen. Nun kann
man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen. Manche verwenden Gold,
Silber, kostbare Steine, andere nehmen nur Holz, Schilf oder Stroh. Doch an dem
Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich zeigen, womit jeder gebaut
hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert geprüft, und es wird
sichtbar wessen Arbeit dem Feuer standhält. Hat jemand fest und dauerhaft auf
dem Fundament Christus weitergebaut, wird Gott ihn belohnen. Verbrennt aber sein
Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar aus dem Feuer gerettet
werden, aber nur mit knapper Not. Denkt also daran, dass ihr Gottes Bauwerk und
sein Tempel seid, dass Gottes Geist in euch wohne! Wer diesen Tempel zerstört,
den wird Gott richten. Denn Gottes Tempel ist heilig, und dieser Tempel seid
ihr!
Liebe Gemeinde
viele Menschen unserer Zeit vergleichen die Kirche mit einem
Verein. Man trifft sich einmal oder zweimal die Woche und frönt der religiösen
Erbauung. Ähnlich wie Fußballspieler zum Training gehen, so gehen Christen in
die Bibelstunde oder Hauskreis und Sonntags geht man dann zu einem Spiel in den
Gottesdienst.
Dieser Vergleich kann hier und da erklären, dass wir kein
elitäres, abgeschlossenes Clübchen sind, sondern dass es bei uns ähnlich zugeht,
wie bei anderen menschlichen Zusammenkünften auch.
Und dennoch ist die Gemeinde etwas ganz anderes. Gemeinde ist
eine Art Baustelle und zwar wird in der Gemeinde an einem geistlich -
architektonischen Weltwunder gebaut. Die Gemeinde ist und wird das Haus Gottes.
Schauen Sie sich an. Links und Rechts und Sie selbst in der Mitte sind lebendige
Steine für Gottes Haus. Bei uns will Gott wohnen, will er zuhause sein, will er
sich wohl fühlen. Könige bauen sich große Schlösser und Burgen, um anderen
Fürsten zu zeigen, welche Macht sie haben. Gott will sich an uns und durch uns
zeigen. Er will zeigen wie heilig, wie herrlich, wie mächtig, wie barmherzig,
wie großzügig und reich, wie liebevoll und exakt er ist. An mir – an ihnen. Was
das ganze Universum nicht vermag, nämlich Gott zu fassen, das traut er uns zu.
Schauen Sie sich an: Solchen großen Wert haben Sie
Und in diesem Sinne ist Gemeinde immer mehr als ein Tennisclub oder
Gesangverein. Bei einem Verein kann man Mitglied sein oder auch nicht. Bei der
Gemeinde geht das geistlich gesehen nicht. Entweder man ist Christ, dann gehört
man zur Gemeinde ob man will oder nicht. Ob man den Pfarrer mag oder nicht, ob
einem die anderen passen oder nicht. Wer Ja zu Jesus sagt, der gehört
automatisch zu allen anderen, die Ja zu Jesus gesagt haben. Und damit sind wir
gefordert uns einzubringen in den großen Bau Gottes.
Aber fangen wir beim Fundament an:
Der Grundriss und das Fundament dieses Tempels ist Jesus Christus. Die
Grundstruktur für diesen Tempel ist Jesus Christus selbst. Da gibt es nichts zu
verbessern und nichts zu rütteln. Das hat Gott so festgelegt.
Jesus hat sich durch seinen Opfertod am Kreuz praktisch in den Boden der Erde
versenken lassen, um Grundstein zu werden. Kurz vor seinem Tod sagte er: „Reist
den Tempel ab – damit meinte er den Herodianischen Tempel seiner Zeit – und ich
werde ihn in drei Tagen wieder errichten.“ Jesus möchte, dass der Tempel ein
Bethaus wird. Also ein Haus, in dem Gott gelobt wird, wo man ihm dankt, seine
Not klagt, Sünde bekennt, dort wo vor seinem Angesicht gesungen und gefeiert
wird, in dem man Gott bittet, auf ihn hört und einfach so sich mit ihm
unterhält. Gottes Haus soll so eine Art Heim werden, in dem Gott und Mensch
wieder vertrauensvollen Umgang miteinander pflegen. Das ist sein Ziel. Aber der
Grundstein ist Jesu Wesen. An unserem Wesen, unserem Leben, unserem Umgang
miteinander soll etwas von dem Grundriss abzulesen sein. Wer meint, Gemeinde
anders zu strukturieren und zu wollen, als Jesus, der baut auf Sand und nicht
auf dem Felsen Jesus.
Und jeder von uns ist aufgefordert an diesem Bau mitzuhelfen, sich mit
einzubringen. Jeder ist gefragt, Mann und Frau, Jugendliche und Senioren,
Hauptamtliche und Ehrenamtliche, Mütter und Väter, Arme und Reiche. Jeder soll
sich einbringen und sein Bestes geben. Jeder soll sich entsprechend seiner Gaben
und Fähigkeiten einsetzen. Das, was er von sich einsetzt ist quasi das
Baumaterial für den Tempel. Und jeder soll einmal großen Lohn für seinen Einsatz
und seine Mühe bekommen. Das wird einmal herrlich sein. Ich kann mich noch
erinnern, als ich das erste Mal in den Ferien arbeitete. Es war eine harte
Arbeit in der Hitze des Tages Farn zu schneiden. Die Stunden zogen sich so
langsam dahin. Abends sank ich todmüde und erschöpft ins Bett. Aber als ich dann
meinen ersten eigenen Lohn bekam, war ich richtig glücklich und stolz.
Es ist gut, dass unser Tun nicht darüber entscheidet ob wir in den Himmel kommen
oder nicht. Denn dann müssten wir alle in ständiger Angst leben: Habe ich auch
heute genügend für Gott getan. Wenn ich heute sterben würde, reicht es dann oder
reicht es nicht. Nein, solche Fragen müssen wir uns Gott sei dank nicht stellen.
Jeder, der den Namen Jesu kennt und ihn anrufen wird, der wird gerettet werden,
so wahr der Verbrecher, der zusammen mit Jesus gekreuzigt wurde, mit Jesus ins
Paradies kam. Das ist keine Frage.
Und dennoch ist unser Einsatz gefragt, wie und was wir für den Bau Gottes
investieren. Denn wie wird man sich darüber freuen, wenn sich durch das Feuer
des Gerichts unser Einsatz in pures himmlisches Gold und in herrliche Edelsteine
verwandelt haben wird.
Worauf kommt es an beim Bau Gottes.
Als Jugendlicher habe ich einmal bei einer Baufirma gearbeitet und konnte in
nächster Nähe erleben, was einen Bauherren erfreute und was ihn ärgerte. Dazu
will ich die Linien zu Gottes Bau ziehen.
Einmal war für den Architekten und den Bauherrn der Gehorsam ganz wichtig. Der
Bauherr hatte einen gut durchdachten Plan ausgearbeitet und genaue Vorstellungen
davon gehabt, wie das Projekt einmal aussehen sollte und welche Funktionen es
erfüllen sollte. Wenn dann die Arbeiter aber eigene Ideen verwirklichten und
ihre Vorstellungen in die Tat umsetzten, dann konnte das vielleicht ganz nett
aussehen – aber es war nicht das, was der Bauherr wollte und das konnte ihn ganz
schön verdrossen machen. Einmal war meine Truppe zu bequem irgendwelche
statischen Verstrebungen anzubringen. Au, da war der Architekt aber wütend. Und
ein anderer Arbeiter musste noch alles nachholen. Der war auch sehr ärgerlich.
Ähnlich geht ist es mit unserem Bau innerhalb der Gemeinde. Manchmal
organisieren Christen ganz tolle Dinge, sie opfern sich auf und engagieren sich.
Bringen tolle Dinge zu Wege, aber haben wir gefragt, ob es dem Bauplan Gottes
entspricht. Gehorsam macht Gott mehr Freude als tausend Opfer. Zum Gehorsam
gehört, dass wir auf Gott achten und hören, damit wir seinen Plan verinnerlichen
und bauen können. Eigenwilligkeit sind keine guten Materialen für Gottes Bau.
Sie verbrennen im Feuer des Gerichts.
Eine zweite Sache, die für einen Bauherrn sehr wichtig ist, das ist Treue.
Kürzlich unterhielt ich mich mit jemanden, die gerade bei sich zuhause
renovieren lässt. Sie sagte: Ich kriege graue Haare. Da kommen die Handwerker,
arbeiten drei Tage und dann hört und sieht man zwei Wochen nichts mehr von
ihnen. Es geht nicht weiter – ich weiß nicht, was los ist.
Liebe Gemeinde .- ähnlich kann ich mir das auch bei dem Gemeindebau vorstellen,
dass Gott wenig Freude daran hat, wenn wir untreu und faul sind. Es gefällt ihm
aber um so mehr, wenn wir dran bleiben, wenn wir nicht bei jeder Kleinigkeit
aufgeben, wenn wir uns nicht von anderen Baustellen ablenken lassen, sondern
täglich treu unserem Auftrag nachgehen. Treue, Beständigkeit und Fleiß eignen
sich hervorragend für den Tempel Gottes. Möge er sie uns schenken.
Als ich beim Bau jobbte, da hatte ich einen Capo, der fast jeden Tag etwas
klaute. Es war nicht viel, es fiel nie auf, aber er nahm immer etwas mit. Wenn
da ein Sandhaufen war, dann nahm er jeden Tag einen Eimer Sand mit, dann mal
wieder ein paar Schrauben, ein anderes Mal waren es Winkel, wieder einmal etwas
Bauholz. Mit diesem Raub, baute sich dieser Mann ein eigenes kleines Häuschen.
Liebe Gemeinde, ähnlich stehen wir in der Gefahr am Bau des
Reiches Gottes uns selbst zu bereichern. Wir stehlen Gott die Ehre. Wir tun zwar
etwas für Gottes Reich, doch im Hinterkopf achten wir peinlich darauf, ob auch
unsere Ehre geachtet wird, ob man ja auch sieht, was man tut. In der Bergpredigt
sagt Jesus: Dann habt ihr euren Lohn schon gehabt. Eure Rechte soll nicht wissen
was die Linke tut. Der Vater, der ins Verborgene sieht, wird es schon zur
Kenntnis nehmen.
Und zuletzt ist es schön für einen Bauherr zu sehen, wenn die Handwerker Freude
an ihrer Arbeit haben und voller Hingabe an diesem Bau arbeiten. Es tut einfach
gut, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der Spaß an der Sache und am Fortgang hat.
Ich freu mich immer wieder, wenn ich einen Handwerker pfeifen höre.
Ähnlich sollten auch wir mit viel Liebe und Freude am Werk Gottes arbeiten. Das
schließt nicht aus, dass hin und wieder unsere Geduld gefragt ist, dass wir in
Situationen alles hinwerfen möchten. In solche Engpässe kommt jeder von uns. Das
gehört zum geistlichen Bau, wie zum normalen Bau dazu. Aber ein Handwerker sagte
zu mir immer, wenn es mal ganz dicke kam: An den Schwierigkeiten erweist sich
der Meister. Nun, wenn wir auch noch Gesellen sind, so ist doch Jesus unser
Meister. Er wird mit den Schwierigkeiten schon fertig werden.
Liebe Gemeinde – setzten wir uns selber ein. Unsere Liebe, unsere Hingabe,
unsere Zeit, unser Geld. Es ist wie beim echten Bau. Was wir in unser eigenes
Haus investieren ist drin. Das ist eine Wertsteigerung des Hauses, das geht
nicht verloren, wie bei manch anderen Ausgaben. Alles worauf die Welt heute so
setzt: Schönes Auto, dickes Bankkonto, Bildung – es wird dem Feuer nicht
standhalten. Aber alles, was Sie in Liebe investiert haben, das wird Sie wie ein
großer Reichtum umgeben. Nicht nur sie, sondern ich und alle anderen und vor
allem Gott werden sich riesig daran freuen. Darum, es gibt viel zu tun. Gott
braucht uns als lebendige Steine für seinen wundervollen Prachtbau. Lassen wir
uns engagieren.
Amen.
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