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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. November 2002Liebe Gemeinde, Immer, wenn ich die Sirene des Notarztwagens höre, dann schaudert es mich. Ich denke daran, da ist ein Mensch in plötzlich in Not geraten, der gestern Abend vielleicht Karten gespielt und dabei noch ein Gläschen Bier getrunken hat. Vielleicht aß er heute morgen beim Frühstück ein Brötchen und trank eine Tasse dampfend heißen Kaffee. Kurz – ein Mensch wie jeder andere. Und nun muss dieser Mensch in Not völlig unerwartet und unvorbereitet dem Tod ins Angesicht schauen. Und betroffen denke ich daran, dass es auch mich einmal so ganz plötzlich und unerwartet treffen könnte. Was würde ich heute tun, wenn ich wüsste, dass dies mein letzter Tag ist? Was würden Sie tun? Die römischen Philosophen mahnten und sagten: Carpe diem. Nutze den Tag. Lebe bewusst! Auch die Bibel spricht davon, dass das Ende ganz plötzlich
kommen kann. Auch sie mahnt: Nutze den Tag, kaufe die Zeit aus. Doch sie geht
auch noch einen Schritt weiter. Sie geht auch davon aus, dass nicht nur ein
einzelnes Leben plötzlich abschließen wird, sondern, dass auch die ganze Welt,
auf einen Endpunkt zusteuert. Davon spricht der heutige Bibelabschnitt. Ich lese
aus 2. Petr. 10-13. Unangenehme Gedanken schiebt man gerne von sich weg. So auch
der Gedanke an den eigenen Tod. Man sagt sich, die anderen trifft es, mich aber
nicht. Zumindest jetzt noch nicht. Darum muss ich noch nicht daran denken. Und
schon ist man bei der Tagesordnung zurück. Normalerweise meldet sich Besuch an. Nur Diebe melden sich
nicht an. Sie kommen heimlich, leise, ohne Vorwarnung, sie schleichen sich
heran. Man kann sie nur erwarten, wenn man auf Warnungen der Polizei hört. Dann
schließt man sorgfältig die Türen und kann sich auf den unangenehmen Besuch so
vorbereiten, dass er keinen Schaden anrichten kann. Ähnlich sollen wir auch die
Warnungen der Bibel nicht in den Wind schlagen. Rechne damit, dass es ein Ende
haben wird, lass dich nicht von den Gedanken einlullen, dass alles irgendwie
schon werden wird. Sondern schau klar dem Gedanken ins Angesicht, dass auch
Deine Stunde kommt. Das führt uns zum zweiten Punkt, wie man sich auf diese Zeit
einstellen soll: Gott ist ein heiliger Gott. In seinem Licht steht unser Leben
so da, wie es wirklich ist. Vor ihm kann man nichts beschönigen, nichts auf
andere abschieben. Vor ihm wird deutlich, wie ich die mir anvertraute Zeit
gefüllt habe. Mit Werken, für die ich mich bei Licht betrachtet schämen muss,
oder mit Lebensfrüchten auf die ich stolz sein darf. Bange fragt man sich: Kann
ich vor diesem Licht bestehen. Aber man braucht sich vor diesem Licht nicht zu
fürchten, wenn ich es in meinem Leben hier und jetzt annehmen. Dann kann ich all
das, wo ich Unrecht getan habe, ans Kreuz tragen. Und Jesus reinigt uns von
allem, was wir Unrecht getan haben. Dann kann unerwartet der höchste Besuch
kommen – er kann durch mein ganzes Lebenshaus gehen und sehen, dass es von allem
Schmutz gereinigt ist. Wollen Sie das? Eine Ewigkeit lang die Verbitterung auf einen
anderen Menschen weiter tragen? Geben Sie Jesus, dem Mann am Kreuz, der selbst
unendlich von uns Menschen verletzt wurde, die Schlüssel ihrer seelischen
Gefängnistore. Er wird sie weit aufmachen und die Gefangenen freilassen. Und das
wird vor allem Sie selbst unendlich befreien und vorbereiten auf Ihren letzten
Tag. Wir alle aber warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott uns zugesagt hat. Wir warten auf diese neue Welt, in der es endlich Gerechtigkeit gibt. Man muss sich das wie eine Geburt vorstellen. Je näher der
Termin heranrückt, um so banger und aufgeregter wird man. Wird alles gut gehen?
Wird man die Schmerzen ertragen können. Und gleichzeitig kann man es kaum mehr
erwarten, das neue Leben an sich zu drücken. Man ist in Hoffnung. Und
tatsächlich, wenn es da ist, dann war man gerne bereit, für dieses Glück, die
Schmerzen ertragen zu haben.
Amen. |
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