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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 11. August 2002
Liebe Gemeinde,
Es war wohl an einem schönen lauen Sommerabend. König David hatte gerade ein
ausgiebiges Mittagsschläfchen gemacht, ging ein wenig auf dem Dach seines Hauses
auf und ab und da erblickte er in der Nachbarschaft wie sich eine Frau badet. Er
fand diese Frau so begehrenswert, dass er sie näher kennen lernen wollte. Es
stellte sich heraus, dass es Batseba, die Frau von Uria war – einem sehr treuen
Offizier und tapferem Soldaten in Davids Heer. David wollte die Frau näher
kennen lernen und ließ sie zu sich kommen. David hatte ein ganzes Harem mit
Frauen aber dennoch reizte ihn die eine, die er nicht haben durfte ganz
besonders. Wahrscheinlich fühlte sich auch die Frau geschmeichelt, vom König
umworben zu werden. Es prickelte zwischen den beiden, keiner zog die Notbremse.
Es kam zum Ehebruch.
Erinnern sie sich an Adam und Eva: Von allen Früchten des Gartens dürft ihr
essen, sagte Gott, nur nicht von den beiden Bäumen in der Mitte.
Das Wesen der Versuchung ist es, gerade das Verbotene, das Schädliche
begehrenswert zu machen.
Der Ehebruch der beiden blieb nicht folgenlos. Bathseba wurde schwanger und
erwartete ein Kind.
Der Ehemann war weit weg im Krieg. Es war also nur noch eine Frage der Zeit,
dass der Treuebruch auffliegen musste und man hätte Batseba zum Tode verurteilt.
Sie schickte zu David. Der begriff sofort, in welcher Lage Bathseba war. David
wollte die ganze Sache möglichst ohne Aufsehen zu erheben, ad acta schieben.
Darum ließ an er den Ehemann Uria von der Front weg zum Königshof kommen. Er
sollte ein wenig Heimaturlaub bekommen und zu seiner Frau gehen. Dann würde
weder er, noch irgend sonst jemand Verdacht schöpfen können bzw. beweisen
können, dass das Kind nicht vom Ehemann ist.
Doch dieser Trick funktionierte nicht.
Uria nahm den Urlaub nicht. Er ging nicht nach Hause.
Um diese eine Sünde nun zu vertuschen, sündigte David weiter. Er schickte
einen Brief zum Feldhauptmann Urians in dem der Befehl stand, dass Uria ein Himmelfahrtskommando ausführen müsse, von dem er todsicher nicht zurückkehren
würde.
Diese Maßnahme funktionierte. Uria fiel im Kampf gegen die Amoniter. Bathseba
war nun Witwe. Nun konnte David sie heiraten. Er nahm sie in sein Haus auf.
Damit war für David die ganze Sache erledigt. Nach außen hin stand er als
Saubermann da. Ja, er sorgte für die Witwen seiner Soldaten, indem er sie in
sein Haus aufnimmt.
Und der einzige Zeuge, der wusste, dass da etwas faul ist, war tot. Niemand
konnte den beiden etwas Unrechtes nachweisen.
Nur vor Gott war die Sache noch nicht erledigt. Am Ende des 11. Kapitels heißt
es:
„Aber dem Herrn missfiel die Tat, die David getan hatte.“
Liebe Gemeinde – das Wesen der Sünde ist es, dass sie es im Licht nicht aushält.
Im trüben Licht der Anfechtung scheint es das zu sein, was Leben, Glück und
Frieden, ja Freiheit vor der Strafe und den Folgen bringt, wenn man danach
greift. Doch hinterher oder bei Licht betrachtet, ist sie sehr hässlich, gemein
und niederträchtig. Sie schreit nach Bestrafung und Tod. Sie blamiert
denjenigen, der sie getan hat, bis auf die Knochen.
Und so versuchen wir Menschen, die Sünde zu verstecken. In der Regel kann man
Sünde nur verstecken, wenn man wiederum sündigt. Meist durch Lüge.
Ja, normalerweise vertuscht ein Mensch die Sünde so gut, dass sein Ich selbst an
die eigene Unschuld glaubt. Er verdrängt sie so sehr dass sie für ihn überhaupt
nicht mehr existiert.
Ein Polizist z.B. sagte mir einmal: Im Gefängnis werden Dir die meistens
Insassen sagen, sie seien unschuldig verurteilt worden. Sie halten sich nicht
für schuldig.
Wir alle haben die Neigung einen blinden Fleck gegenüber der eigenen Schuld zu
haben.
Um aber Sünde entlarven zu können brauchen wir Christen immer wieder eine Art
Spiegel, damit wir erkennen, wo wir uns versündigt haben, damit wir uns reinigen
lassen können. Dieser Spiegel sind z.B. die Zehn Gebote. Aber Gott schickt auch
Menschen, die uns auf den Balken im eigenen Auge, den man nicht sieht, hinweisen
können.
Bei David schickt Gott einen Spiegel in Gestalt des Propheten Nathans. Ich lese
nun den Predigttext für heute:
2. Samuel 12,1-14
Der Herr sandte den Propheten Nathan zu David. Als Nathan vor dem König stand,
sagte er zu ihm: Ich muss dir etwas erzählen.
Ein reicher und ein armer Mann lebten in derselben Stadt. Der Reiche hatte sehr
viele Schafe und Rinder, der Arme besaß aber nichts außer einem kleinen Lamm,
das er erworben hatte. Er versorgte es liebevoll und zog es zusammen mit
seinen Kindern groß. Es durfte sogar aus seinem Teller essen und aus seinem
Becher trinken, und nachts schlief es in seinen Armen. Es war für ihn wie eine
Tochter. Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte seinem Gast, der
einen weiten Weg hinter sich hatte, etwas zu essen anbieten: Aber er brachte es
nicht über sich, eines seiner eigenen Schafe oder Rinder zu schlagen. Darum
nahm er dem Armen sein einziges Lamm weg und bereitete es für seinen Besucher
zu.
David wurde vom Zorn gepackt und brauste auf: „So wahr der Herr lebt: Dieser
Mann hat den Tod verdient! Dem Armen soll er vier Lämmer geben für das eine, das
er ihm rücksichtslos weggenommen hat.
David, der als König auch oberster Richter ist, hat verstanden, dass hier
großes Unrecht geschehen ist. Denn hier wurde nicht nur irgendein Schaf
gestohlen – das könnte man ja noch ersetzen – in dem Gleichnis wurde ein
geliebtes Tier weggenommen – mancher unter uns weiß, wie sehr man auch ein Tier
ins Herz schließen kann. Darum wurde hier Liebe zerstört. Und diesen Schaden
kann man durch kein Geld der Welt wieder gutmachen. Dies verdient moralisch
gesehen den Tod.
Dennoch, in der Geschichte Nathans ist es nur ein Schaf - eine wie viel größere
Strafe verdient dann Davids Vergehen?
Ich lese weiter:
Da sagte Nathan zu David:
„Du bist dieser Mann!
Der Herr, der Gott Israels lässt dir sagen: Ich habe dich zum König von Israel
erwählt und dich beschützt, als Saul dich umbringen wollte. Den gesamten
Reichtum Sauls und auch seine Frauen habe ich dir gegeben. Ganz Israel und Juda
gehören dir. Und sollte dir das noch zu wenig sein, würde ich dir sogar noch
mehr schenken. Warum missachtest Du meinen Willen? Warum hast du getan, was ich
verabscheue?“
Merken Sie David hat sich nicht nur an Uria versündigt. Er hat Gott wehgetan.
Gott, der ein Ziel mit Uria hatte. Gott liebte diesen treuen Mann Uria. David
beleidigte auch Gott. Denn Gott hat wirklich alles für David getan und ihm so
viel geschenkt und ist noch bereit ihm mehr zu schenken. Und doch raubt sich
David wie einer, der zu kurz im Leben gekommen ist, etwas, was er zur Genüge
hat. Und Nathan sagte weiter:
Den Hethiter Uria hast Du ermordet und dann seine Frau geheiratet. Ja du, David
bist der Mörder Urias, denn du hast angeordnet, dass Uria im Kampf gegen die
Ammoniten fallen sollte! Von mir hast du dich abgewandt und Uria die Frau
weggenommen. Darum sollen von nun an in jeder Generation einige deiner
Nachkommen einen grausamen Tod erleiden. ...
Liebe Gemeinde, wir leiden oft unter Schuldgefühlen, die besagen: ich müsste
doch, man sollte doch mehr, du kannst doch nicht.
Solche Vorwürfe macht Gott in der Regel nicht. Sondern er sagt klipp und klar,
was Sache ist. Er sagt genau, was geschehen ist, wie in einem klaren, guten
Gerichtsurteil.
Wie aber nun wird David reagieren – wie würden Sie reagieren?
Wird er es leugnen und sagen: Nathan, Du lügst?
Wird er seine Schuld abschieben und behaupten: „Uria hat doch seine Frau
vernachlässigt, er hat sie gar nicht verdient. Und Du Gott hättest ihn bei der
Schlacht auch behüten können!“
Oder wird er sie beschönigen im Sinne von: „Das war doch ein schöner Abend. Wir
haben uns doch nur vergnügt. Das macht doch jeder, was ist da schon dabei. Dass
Uria gefallen ist, ist schade, aber das gehört nun einmal zum Soldat sein dazu.“
Oder wird er sogar auch Nathan mundtot machen, wie Uriah?
Liebe Gemeinde – kennen wir diese Lösungsmuster – sie sind keine Lösungen, denn
sie lösen die Schuld nicht auf. Und David reagiert einzig richtig: Ich lese
Vers 13:
Da bekannte David: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt.“
Liebe Gemeinde, dies ist unsere einzige Möglichkeit unsere Sünde loszuwerden,
indem wir uns ihr stellen und sie vor Gott bekennen. Nur so werden wir wirklich
frei!!!
In ersten Johannesbrief heißt es:
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so
betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre
Sünde bekennen – also beim Namen nennen – so ist Gott treu und gerecht, dass er
uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
Ich persönlich kann jedem nur empfehlen: Mach das. Das tut wirklich gut. Dieser
Satz stimmt.
Aber hören wir, wie die Geschichte weitergeht:
„Nathan erwiderte: Der Herr hat
dir vergeben, du wirst nicht sterben. Doch wegen deiner Tat spotten die Feinde
Gottes noch mehr über ihn. Darum muss der Sohn, den Batseba dir geboren hat,
sterben.“
Jetzt wird man stutzig und fragt: Wie – Gott hat doch vergeben. Warum dann doch
noch die Strafe.
Liebe Gemeinde – hier wird das Wesen von Vergebung deutlich.
Vergebung heißt nicht schwamm drüber, man tut einfach so, als wäre nichts
geschehen. Da bleibt die Schuld verborgen im Raum stehen. Vergebung heißt
vielmehr, dass die Schuld ersetzt wird, dass nicht der Schuldige, sondern der
Verletzte dafür aufkommt. Sie bezahlt.
David hat das Urteil sich selbst gesprochen: Tod. Dieser Mann verdient den Tod.
Dieses Urteil ist gerecht.
Vergebung nun heißt nicht, dass das Urteil außer Kraft gesetzt wird, sondern,
das ein anderer dafür aufkommt.
Bei David war es der unschuldige Sohn, der dieses Urteil auf sich nahm. Das
unschuldige Kind starb für die schuldigen Eltern. David wollte dies nicht so
richtig annehmen. Er fastete und betete noch, um Gott noch umstimmen zu können.
Aber es blieb dabei. Sieben Tage später starb das Kind.
Liebe Gemeinde, das Prinzip der Vergebung besteht auch heute noch. Gott hat das
Urteil über Schuld der Menschen auf sich selbst genommen. Er bezahlte die
Schuld, indem der Unschuldige für die Schuldigen starb.
Dann ist die Schuld weg. Im Buch Chronik, das später als das Samuelbuch
aufgeschrieben wurde, finden wir nichts mehr von Davids Verfehlung. Sie ist nun
wirklich getilgt.
Wenn wir also wie David unsere Schuld nicht verbergen, sondern sie zu Jesus
Christus an Kreuz bringen, dann wird er sich unser erbarmen, und unsere Schuld
unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen.
Amen.
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