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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 30. März 2002, Ostersonntag
Markus 16, 2-7
Nachdem der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala,
Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, Öle und Salben, um den Toten
einzubalsamieren.
16:2 Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging,
kamen die Frauen zum Grab.
16:3 Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: «Wie werden wir nur den
schweren Stein von der Grabkammer wegrollen können?»
16:4 Um so erstaunter waren sie, als sie merkten, dass der Stein nicht mehr vor
dem Grab lag.
16:5 Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite einen
jungen Mann sitzen, der ein langes weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken
sehr.
16:6 Aber der Mann sagte zu ihnen: «Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von
Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden. Seht
her, an dieser Stelle hat er gelegen.
16:7 Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus, und sagt ihnen, dass Jesus
euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch
versprochen hat.»
Liebe Gemeinde,
„Wie werden wir nur den schweren Stein von der Grabkammer
wegrollen?“
so fragten sich die Frauen. Am Freitag hatten sie keine
Gelegenheit mehr den blutverschmierten Leichnam zu waschen und ihn noch mit
wohlriechenden Salben einzureiben. Der Sabbat, der Feiertag, an dem man nichts
arbeiten durfte, begann am Karfreitag Abend mit Einbruch der Dunkelheit. Doch
nun früh am Morgen hätten sie nun ihr Vorhaben ausführen können, wenn da nicht
dieser schwere Stein vor dem Grab liegen würde.
„Wie werden wir nur den schweren Stein von der Grabkammer wegrollen?“
Der Stein, das war kein faustgroßer Stein, wie die Kinder sie zum Altar
brachten. Auch kein Grabstein. Den hätten sie irgendwie noch zur Seite rollen
können. Sondern dieser Stein war so groß wie ein Tor und auch richtig dick. Man
hätte einige sehr starke Männer nötig gehabt, um diesen Stein von der Stelle zu
rollen, um Zugang zu Jesus zu bekommen.
Liebe Gemeinde, liebe Kinder,
Wie oft haben wir Menschen auch solche Steine, die uns daran
hindern ein Vorhaben auszuführen. Steine, die wir nicht tragen können, Steine,
die uns im Weg sind, Steine, die so groß und so schwer sind, dass wir aus
eigener Kraft sie nicht einen Millimeter bewegen können.
Und dann meinen wir, als könne Gott sie ebenfalls nicht bewegen. Als wäre das
Problem auch für ihn eine Nummer zu groß.
Dennoch gehen die Frauen von damals zum Grab, sie lassen sich nicht vor ihrem
Vorhaben abbringen. Das bewundere ich sehr an ihnen. Viele andere würden sagen:
Das hat doch sowieso keinen Zweck und die meisten würden zu Hause bleiben. Die
Männer z.B., die Jünger, die hatten sich irgendwo verkrochen, versteckt und
alles aufgegeben.
Was würdet ihr tun? Gehen – oder zu Hause bleiben?
Dann kommen sie zum Grab und ...? Sie schauen – wie? „Der Stein lag nicht mehr
vor dem Grab.“ Sie verstehen nicht, was ist geschehen? Sie gehen hin – und
tatsächlich, der Stein liegt weggerollt neben dem Grab.
Sie hatten sich gefragt: Wie werden wir den Stein wegrollen?
Ohne die Antwort zu wissen, begaben sie sich auf den Weg. Sie machten den ersten
Schritt und hofften darauf, dass Gott ihnen irgendwie weiterhelfen würde. Die
Antwort auf ihre Frage: Wie wird Gott den Stein wegrollen, war: „Wir vertrauen
auf ihn, auch wenn wir nichts von seiner Macht sehen. Wir begeben uns in seine
Nähe.“
Und siehe da, nicht nur der Stein war weg – auch der Tote. Jesus ist nicht mehr
da. Stattdessen erblicken sie einen Engel, der zu den Frauen sagt, die furchtbar
erschrocken waren: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den
Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden. Seht her, an dieser
Stelle hat er gelegen.“
Das Vertrauen der Frauen hat sich gelohnt. Es versetzte nicht nur einen großen
Stein – es versetzte Berge. Denn ihre Erwartung wurde bei weitem übertroffen.
Was sie nie geglaubt hatten, ist wahr geworden. Jesus lebt. Der Tod, ein Stein,
der noch viel größer ist, als der Stein, der vor dem Grab lag, ist weggerollt.
Im Matthäusevangelium heißt es dann: „Erschrocken liefen die Frauen vom Grab
weg. Gleichzeitig erfüllte sie unbeschreibliche Freude.“
Es dauert manchmal recht lange und die Lage erscheint hoffnungslos, bis Gott
eingreift. Unser Glaube, unsere Geduld und Ausdauer werden auf eine große
Zerreißprobe gestellt. Aber wenn Gott schließlich handelt, dann werden wir
gewaltig überrascht. Ich betone gewaltig. Gott kann nicht nur Grabsteine bewegen
und Berge versetzen. Er kann Tote lebendig machen. Das hat er an Jesus, dem
Gekreuzigten, getan und er wird es auch mit uns einmal tun. Diese Kraft dürfen
wir heute und in unserem ganzen Leben spüren.
Amen.
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