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Stärke uns den Glauben!                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. September 2001

Lk 17, 5-6

„Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: „Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Mausbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.“

Liebe Gemeinde,

kürzlich las ich in einer Veröffentlichung der Adoramus Gemeinschaft, von folgenden zwei Wundern:

„Seit einem schweren Unwetter mit Hagelschlag in unserem Dorf fürchteten sich die Dorfbewohner sehr vor aufziehenden Gewitterwolken. Als einmal wieder ein schweres Gewitter aufzog und es mächtig stürmte, blitzte und krachte, wurde mir bewusst, dass ich als Pfarrer eine Schutzaufgabe für die Gemeinde habe. So stellte ich mich zusammen mit meiner Frau gegen das Unwetter und wir geboten den zerstörerischen Mächten Einhalt im Namen Jesu Christi. Wenige Minuten später verzog sich das Gewitter und wir dankten Gott für die Bewahrung des Dorfes.

Und noch ein anderes Erlebnis einer anderen Person, die schreibt:

Seit einer Reihe von Jahren musste ich - aufgrund von Rückenbeschwerden – als Ausgleich für meine ungleich langen Beine am rechten Bein Schuhe mit erhöhter Sohle und Absätze tragen. Ein Bruder machte mich darauf aufmerksam, ich könnte darum bitten, dass andere für mich nach Jakobus 5 beten könnten! Dieses Angebot nahm ich gerne an. Während des Gebets, bei dem beide Beine vorgestreckt auf einem kleinen Hocker lagen, konnte ich zuschauen, wie das rechte Bein länger wurde! Anschließend suchte ich den Röntgenfacharzt auf, um eine Aufnahme machen zu lassen. An der Hüfte konnte er keine Veränderung feststellen. Die Tatsache, dass nun beide Beine tatsächlich gleich lang waren, musste er fest stellen. Er konnte dieses Geschehen aber nicht einordnen, weil ich ihm von diesem Gebet nichts erzählt hatte.“

Liebe Gemeinde,

wäre das nicht großartig, wenn solche Zeichen und Wunder auch bei uns geschehen würden? Wie toll wäre es, wenn unser Glaube so stark wäre, dass wir vielen unserer Kranken Heilung schenken könnten. Wenn durch unseren Glauben und unser Gebet Unglück vermieden werden, wenn wir Menschen durch unser glaubensvolles Gebet von dunklen Mächten und Verstrickungen und Abhängigkeiten befreien könnten. Ja, wenn man durch unsere Anwesenheit etwas von Gottes Heiligkeit, von seiner Macht und Stärke zu spüren wäre. Wäre das nicht großartig?

Genau das wünschten sich auch die Jünger. Sie hatten bei Jesus gelernt: Ohne Vertrauen auf Gottes Macht läuft gar nichts. Und je größer der Glaube eines Menschen, um so größer die Wunder.

Die Jünger hatten aber auch gemerkt: Solch einen starken Glauben kann man nicht selber machen.

Einmal stand ein Mann vor Jesus. Der bat ihn: Heile und befreie meinen Sohn von einem unreinen Geist. Jesus antwortete: „Alle Dinge sind möglich, dem, der glaubt.“ Und der Mann ruft in seiner Verzweiflung: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Glaube ist immer etwas zerbrechliches. Wenn man im Augenblick noch völlig von Gottes Hilfe überzeugt ist, so können im nächsten Moment Zweifel über einen hinwegstürmen, die das Feuer des Glaubens erlöschen.

Und so bitten die Jünger, dass Jesus doch ihren Glauben groß und stark machen soll. Aber wie reagiert Jesus?

Nun, wenn ich Jünger wäre, dann würde ich von ihm erwarten, dass er sagen würde: Komm, kniet euch nieder - und dass er dann uns seine Hände auflegen würde und ein Gebet über uns mit seinem Segen sprechen würde und wir dann alle spüren könnten, wie unser Herz im Glauben gefestigt wäre. Ja, dass wir mit einem Glauben, der Berge versetzen kann ausgestattet sind.

Aber Jesus belehrt die Jünger erst einmal. Er sagt: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn.“ Was meint nun Jesus damit?

Nun, erst einmal geht es ihm gar nicht um einen großen Glauben. Solch ein Glauben, den sich die Jünger wünschen, birgt nämlich zwei Gefahren in sich.

Einmal: Ein Mensch ist Gott gegenüber in der Regel misstrauisch. Er weiß nicht so recht, ob er ihm wirklich vertrauen kann. Irgendwie aber sehnt er sich danach, Gott zu gefallen. Er will Gott etwas bieten. Und so wartet er mit frommen Leistungen auf. Aber tief in seinem Herzen ist er immer irgendwie unsicher, ob er auch Gott wirklich damit beeindrucken kann. Darum versucht der Mensch diese Unsicherheit zu übertünchen. Er bastelt sich selbst einen großen beeindruckenden Glauben.

Die einen Menschen bauen riesige Gebäude zur Ehre Gottes, füllen diese mit frommen Riten und heiligen Gewändern und sind stolz, dass sie ihrem Gott so ergeben dienen.

Wieder andere bauen sich grandiose Gedankengebäude. Mit Dogmen und Richtigkeiten und Verlautbarungen haben sie eine Burg um ihr Herz gebaut, dass alle Welt staunt: „Schaut, welch ein frommer und gläubiger Mensch.“

Wieder andere bauen Aktivität um sich herum auf. Ja, so werden sie gefallen. Wenn sie etwas für Gott tun. Und je mehr sie tun, um so mehr wird das Gewissen betäubt, dass da irgendetwas nicht stimmen könnte

Von daher sind die Attentäter auf das World Trade Center zu verstehen. Der Islam kennt keine Gewissheit, dass man ins Paradies kommt. Man kann sich noch so sehr anstrengen, es bleibt Allahs freie Entscheidung, ob ein Mensch in die Hölle oder in den Himmel kommt. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, je eifriger man aber den Glauben praktiziert hat. Am wahrscheinlichsten kommt man aber ins Paradies, wenn man im Kampf gegen die Ungläubigen gefallen ist. Dies sühnt viele Sünden. Und so fühlen sich die Terroristen fromm dabei, wenn sie die Feinde Allahs in den Tod reißen. Ich will nicht mit dem Finger zeigen: Es gab ebenso Menschen, die im Namen Jesu gemordet haben, so schlimm das z.B. in Jerusalem das Blut knöchelhoch stand.

Das Böse geschieht nirgendwo gründlicher und radikaler als wenn man im Glauben Böses tut.

Und wehe, wenn jemand diesen selbst gebastelten Glauben in Frage stellt. Wenn jemand mit innerer Freiheit Dinge tut, die nicht in dieses Schema passen. Wenn jemand an Gott glaubt, ohne diese äußeren Stützen. Dieser Mensch wird gnadenlos verfolgt. Und Millionen von Menschen wurden in diesem Glaubenswahn getötet.

Und die zweite Gefahr ist: Mit einem großen Glauben kann man zweifellos große Dinge bewirken, können Wunder geschehen. Der Teufel selber trat mal zu Jesus und sagte: „Stürz dich doch von der Hohen Zinne des Tempels runter, damit alle Leute sehen, wie Du von Gottes Engeln aufgefangen wirst.

Der Teufel wollte, dass Jesus mit seinem großen Glauben angab, dass er etwas vor den Leuten darstellte. Niemand würde ihn dann mehr in Frage stellen. Aber mit solch einer Demonstration des Glaubens mit solch einem Schauwunder hätte Jesus den Weg verlassen, den der himmlische Vater vorgesehen hatte. Er hätte die Ehre an sich gerissen, die er erst später bekommen sollte und so hätte er sich zu einem Verbündeten des Satans gemacht.

Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, dann wünsche ich mir auch deswegen einen großen Glauben. Die Leute sollen staunen: Wau, was ist das für ein großer Gottesmann.“ Aber genau das kann von Gott wegführen.

Und Sie, wie sieht es in ihrem Herzen aus?

Haben Sie einen künstlichen großen Glauben um ihr Herz aufgebaut? Ist es starr geworden um ihr Herz? Werden Sie sehr unruhig und aggressiv, wenn sie andere Frömmigkeitsformen erleben und sie irgendwie spüren: Da weht der Geist Gottes? Oder wenn Sie in Frage gestellt werden?

Wenn ja, dann sollen wir uns einmal ein Senfkorn anschauen. Denn der Glaube eines Senfkornes ist nach Jesus der richtige Glaube.

Der Same des Schwarzen Senfes ist einer der kleinsten Samen, die es überhaupt gibt. Man braucht ungefähr 700 Samen, bis man ein Gramm Gewicht hat. Man kann ein einzelnes kaum mit dem bloßen Auge erkennen. Was lehrt uns das Senfkorn?

Das Senfkorn verlässt sich nicht auf sein großes Drum herum. Es braucht keine dicke harte Schale, wie die Walnuss, es braucht nicht viel Fruchtfleisch wie ein saftiger Apfel.

Übertragen heißt das: Der Glaube braucht keine selbst gebastelten Stützen, um sich zu beweisen.

Dem Senfkorn allein genügt die Botschaft, die es in sich birgt. Das Senfkorn fürchtet sich nicht davor, wenn es unter schwarzer Erde oder Laub begraben wird. Es macht ihm nichts aus, wenn es im Regen steht und ihm das Wasser bis zum Hals steht. Das Senfkorn vertraut darauf, dass die Botschaft in ihm zu keimen beginnt und zum Ziel kommt. Es vertraut sich ganz der Botschaft der Natur an, zu wachsen. Und tatsächlich. Diese innere Botschaft sorgt dafür, dass kleine Wurzeln nach unten wachsen und nach oben ein Spross aufgeht. Es können Stürme darüber hinweggehen. Das Senfkorn wächst und zuletzt steht ein großer Baum da, in dem die Vögel des Himmel ihre Nester bauen.

Übertragen heißt das: Beim Glauben kommt es darauf an, ob ich mich auf Gottes Botschaft einlasse.

Solch einen Glauben wünscht Gott. Einen Glauben, der sich nicht auf irgendwelche Sicherheiten und Absicherungen verlassen muss. Ein Glaube, dem es nicht darum geht, gewaltig dazustehen. Gott wünscht einen Glauben, der sich auf sein Wort verlässt.

So wie sich Abraham auf Gottes Weisung einfach verlassen hatte. Gott hatte zu Abraham gesagt: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen.

Und tatsächlich. Abraham gab alle Sicherungen, die es damals gab auf. Eine feste, sichere Stadt, eine fürsorgliche Sippe, gute Beziehungen, ein eigenes Haus. Er vertraute einfach darauf, dass der Gott, der zu ihm gesprochen hatte, ihn beschützen und bewahren wird, er vertraute darauf, dass dieser Gott irgendwann mit ihm zum Ziel kommen wird. Ob er es noch erleben wird oder nicht.

Und man staunt, Glauben kann unmögliches möglich machen. Ja Jesus sagt: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Mausbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen (- ich wäre ja schon froh, wenn wenigsten die Kinder gehorchen würden, wenn ich sage: seid mal still.)

Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Da ist ein Baum der meine Sprache versteht, der mit sich reden lässt, und dieser Baum folgt mir aufs Wort. Auf meinen Befehl hin zieht er seine hartnäckigen, knorrige in die Tiefe gehende Wurzeln aus der Erde und fliegt mitten ins Meer. Das ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.

Jesus macht hier drastisch deutlich. Dieser Glaube, der kein großes drum herum braucht, dieser Glaube, der angefochten ist, der wie das Senfkorn scheinbar der Umwelt ausgeliefert ist, dieser Glaube, der aber alles von Gott erwartet, der gehorsam den Weg, den Gott ihm zumutet, geht, der ist stärker als alles in der Welt und dieser Glaube macht unmögliches möglich und kann Wunder bewirken.

Liebe Gemeinde,

ich bin nun versucht zu sagen: Jetzt lasst uns die Arme hochkrempeln dann machen wir uns so einen Senfkornglauben. Aber meinen sie das geht? Nein.

Doch wir können unseren falschen Glauben entlarven, die steinernen Mauern um unser Herz vom Heiligen Geist einreißen lassen. Und wir können, wenn wir Gottes Wort vernehmen, und unser Gehorsam gefragt ist, wie Abraham den Weg gehen, den er uns zumutet. Dann wird dieser kleine Glaube wachsen. Vielleicht ist er anfangs noch ziemlich den Zweifeln ausgeliefert. Aber Schritt um Schritt lernen wir, dass man auf Gott vertrauen kann. Gott wird uns vor größere Herausforderungen stellen, geduldig wird er warten, bis wir diese Glaubenslektion gelernt haben. und irgendwann werden durch unseren Glauben wie ganz selbstverständlich Menschen durch uns Gottes Segen und Nähe spüren, so wie die Vögel im Geäst des Senfbaumes Zuflucht finden. Und Gott in unserem Glauben Großes tun.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010