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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 3. August 2003Liebe Gemeinde, der Predigtabschnitt für heute steht in Joh 6,1-15: 6:1 Danach kam Jesus an das andere Ufer des Galiläischen
Meeres, das man auch See von Tiberias nennt. Eine große Menschenmenge folgt Jesus nach. Viele wollen ihn hören, vielen wollen ihn sehen. Nicht nur, weil er „Worte ewigen Lebens“ hat, sondern weil das, was er sagt, direkt auch Wirkung zeigt. Und diese Wirkung tut gut. Er sagte, dass Gottes Reich nahe herbeigekommen ist. Das heißt, dass es unmittelbar bevorsteht, dass Gott ganz sichtbar herrschen wird. Und wenn Gott regiert, dann bricht die Herrschaft des Todes entzwei. Krankheit, Dunkelheit, Zwänge und Verkrampfungen, ungute Bindungen und Abhängigkeiten müssen weichen. Und das geschieht überall, wo Jesus auftritt und Menschen sich ihm anvertrauen. Sie werden gesund. Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Liebe Gemeinde, oft wurde in unserer Kirche betont, dass es nicht so sehr darauf ankommt, dass Jesus Wunder tut. Wichtiger ist vielmehr, dass wir Menschen mit ihm eine gute Beziehung aufbauen. Darüber haben wir ganz vergessen, dass Jesus uns Menschen auch nach wie vor heilen möchte. Wir haben vergessen, dass sein Wort auch das bewirkt, was es sagt und darum durch das Wort wundervolle Verwandlungen geschehen und ein Mensch sichtbar heil wird. Denn Jesus hat auch all unsere Krankheit auf sich genommen. Ich kann mir vorstellen, dass wir, wenn wir zurückkehren zu dieser ersten Praxis der Jünger und Apostel, dass wir, wenn wir in unseren Gottesdiensten im Namen Jesu die Hände auf Kranke auflegen und für sie beten, viele Heilungen erleben werden und dass allein durch die Wirkung des Wortes Gottes viele Menschen angezogen werden.
6:3 Zusammen mit
seinen Jüngern ging Jesus auf eine Anhöhe. Dort setzten sie sich, und Jesus
unterrichtete sie. 6:5 Als Jesus die vielen Menschen kommen sah, fragte er Philippus: «Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?» 6:6 Er wollte aber nur sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wusste natürlich, wie er die Menschen versorgen würde. Wer mit Menschen zu tun hat, der weiß,
dass es sehr erfüllend und schön ist, ihnen zu helfen – dass es aber
andererseits auch ganz schön anstrengend ist. Darum muss Jesus geradezu mit
seinen engsten Vertrauten fliehen, damit sie auch die Gelegenheit haben, etwas
zu ruhen und damit auch sie das bekommen, was sie als seine Mitarbeiter
brauchen: Seine Zuwendung und Liebe. Mit einem Boot setzen sie über den See ans
Ostufer des Sees Genezareth. Sie erklimmen einen Berg, setzen sich gemütlich ins
hohe Gras und sie freuen sich, dass sie jetzt alle einmal so richtig schön unter
sich sein können und sie genießen die Ruhe und die Worte des ewigen Lebens, die
Jesus seinen Jüngern predigt. 6:7 Philippus überlegte: «Wir müssten zweihundert Denare ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein kleines Stückchen Brot kaufen wollten.» Zweihundert Denare, das war ein kleines
Vermögen. Das Jahreseinkommen eines Tagelöhners. Mit anderen Worten: „Jesus,
wenn wir unser ganzes Geld zusammenkratzen würden, dann würde es noch nicht
reichen.“ Das ist nüchternes, haushalterisches Denken. Dieses haushalterische
Denken ist wichtig, wenn man einen Betrieb leitet oder ein Haus baut. 6:8 Da brachte Andreas, der Bruder
von Simon Petrus, ein Kind zu ihnen: Mit einem Kind setzt er diesen Unterricht an den Jüngern fort. Er zeigt Ihnen einen kleinen Jungen. Wahrscheinlich hatte der kleine Kerl gehört, dass Jesus etwas zu essen braucht. Er hat etwas zu geben. Stolz kommt er zu einem Jünger und sagt: Kuck mal, ich hab was dabei, das könnt ihr alles haben. Liebe Gemeinde, so denken Kinder. Sie haben keine Vorstellung, was es bedeutet mehr als 5000 hungrige Mäuler zu stopfen. Sie denken nur: Ich hab viel dabei, das gebe ich alles gerne her. Der Junge rechnet nicht, dass er zu wenig abbekommen könnte und er rechnet auch nicht, dass es für die anderen nicht reichen könnte. Er möchte nur das geben, was er hat und das gibt er gerne. Der Meister wird sie schon satt damit kriegen. Liebe Gemeinde, genau diese
Einstellung, diesen Glauben wünscht sich Jesus. Dass man nicht danach fragt, ob
es reicht, sondern dass man das hingibt, was man hat und alles andere ihm
überlässt, wenn wir zu einer großen Aufgabe herausgefordert werden. 6:10 Jetzt forderte Jesus die Jünger
auf: «Sagt den Leuten, dass sie sich hinsetzen sollen!» Und alle - es waren etwa
fünftausend Mann, Frauen und Kinder gar nicht mitgerechnet - lagerten sich auf
der Wiese. Jesus geht ganz ruhig und souverän vor. Zunächst dankt er Gott für das, was er bekommen hat und bekommen wird. Mit dem Dank erkennt er an, dass alle guten Gaben letzten Endes von Gott kommen. Mit dem Dank drückt er sein Vertrauen aus, dass Gott es gut meint und die hungrigen Menschen nicht im Stich lässt. Und dann wird geteilt. Das ist vielleicht eine weitere Unterabteilung seiner Lektion: Durch teilen wird man reicher. Wenn ich früher den Kinder in der Schule von der Speisung der 5000 erzählte, ließ ich sie eine Tafel Schokolade aufteilen. Sie merkten, dass die Schokolade dadurch immer weniger wurde. Das ist das Gesetz dieser Weltzeit. Doch in Gottes Reich kehren die Dinge sich um: Dort gelten andere Gesetze: „Das kleinste in der Hand des Herrn wird gewaltiger als das Größte, das nur in Menschenhand liegt und am Ende ohne Gott nichts ausrichtet.“ Und das stimmt wirklich. Je mehr ein Mensch fröhlich gibt und teilt, um so mehr wird er letztlich haben. Ja, man wird im Nachhinein noch übrig haben. Das ist das Leben in Fülle, das uns Gott verheißt. Das funktioniert mit Gut und Geld, aber auch mit Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit Anerkennung, mit Einsatz. Ich kann Ihnen das nicht beweisen. Ich kann Sie nur auffordern, es selbst auszuprobieren. Denn es funktioniert nur, wenn man es wirklich selber wagt. Jesus befiehlt, die Reste einzusammeln, damit nichts umkommt. Für mich verdeutlicht er, dass man auch mit der Fülle, die Gott schenkt, verantwortungsvoll umzugehen hat. Es soll nichts umkommen, es soll gut verwertet und aufgebraucht werden. 6:14 Als die Leute begriffen, was
Jesus getan hatte, riefen sie begeistert: «Das ist wirklich der Prophet, auf den
wir so lange gewartet haben!» Und noch ein letztes bringt Jesus seinen Jüngern in dieser Lektion bei. Er lässt sich nicht vor einen menschlichen Karren spannen, er lässt sich nicht zum großen Boss, dem großen Brötchengeber ausrufen. Er will, dass die Menschen ihn suchen und ihn lieben, nicht seine Brötchen und Wunder. Etwas später im Kapitel sagt er: „Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ Jesus möchte, dass wir ihn selbst in
uns aufnehmen und allein das wird unsere hungrige Seele satt machen. „Wollt ihr auch gehen? Da antwortete
Petrus: Herr, du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und
erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ |
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