Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Seid beharrlich im Gebet                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Mai 2000

Liebe Gemeinde

Der Predigtabschnitt, der für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist, steht in Kol. 4, 2-6. Dort steht:

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung. Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

Not lehrt beten. Haben Sie bei sich auch schon einmal die Feststellung gemacht, dass sie vor Prüfungen, vor schwierigen Entscheidungen, in Tagen der Bedrängnis viel intensiver und häufiger beten? Bei mir persönlich ist es so. Wenn dagegen alles in Ordnung ist, wenn ich und meine Familie gesund sind, wenn ich mit der Welt zufrieden bin, dann geschieht bei mir etwas sehr undankbares: Ich bete dann oberflächlicher und auch weniger. Paulus scheint diesen Trend im Gebetsleben zu kennen, wenn er die Kolosser ermahnt:

Seid beharrlich im Gebet!

Beharrlich sein, das heißt: ich gebe nicht so schnell auf, ich kämpfe darum, ich bleibe dran, auch wenn es eine Zeit der Dürre ist. Das ist ähnlich wie in einer Ehe. Eine Beziehung bleibt in der Regel nur dann frisch, liebevoll und belastbar, wenn Mann und Frau miteinander reden. Wenn ein Teil nur mit dem anderen redet, wenn er etwas braucht, wenn er nur fordert. Dann wird sich über die Dauer der andere wohl fragen: „Hat er mich noch lieb?“

Oder es kann in einer Ehe geschehen, dass alle anderen Dinge wichtiger werden, als der Ehepartner. Die Kinder, der Beruf, die Fußballspiele im Fernsehen, das Auto, die Karriere. Wenn für die Pflege der Beziehung keine Zeit mehr bleibt, dann entfremden sich Ehepaare immer stärker, Verletzungen hinterlassen tiefe Narben und können nicht mehr heilen und manchmal kann eine Ehe dann sogar Schiffbruch erleiden.

Ganz ähnlich ist es im Glauben. Wenn wir Gott immer nur bitten für die Dinge, die wir gerade brauchen, wenn wir immer nur fordern und Wunschzettel schreiben, dann ist das gut, denn Gott interessiert sich für alles, was uns anbelangt. Wir sind ihm so teuer, wie sein eigenes Leben. Er liebt uns wie Jesus Christus. Doch das wesentliche beim Beten ist, dass wir nach Gottes Hand greifen und nicht die Gabe, die er in seiner Hand hält. Das Ziel des Gebetes ist die Pflege der Beziehung mit Gott, das Aufeinander hören. Schläft diese Verbindung ein, dann entfremden wir uns von Gott und es kann sein – möge Gott es verhindern, dass unser Glaube Schiffbruch erleidet.

Darum sollten wir uns als Christen immer wieder gegenseitig ermahnen und uns zum Beten anregen. So wie Paulus es getan hat. Und es auf die Tagesordnung bringt: Wie sieht es mit dem Gebet aus?

Auch ich will Sie und mich heute ermahnen: Wie sieht es mit unserem Gebet aus. Haben wir vergangene Woche beharrlich gebetet? Kämpfen Sie darum, dass Sie regelmäßig beten. Lassen Sie da nicht locker – auch in Zeiten der Gebetsdürre. Und versuchen Sie, das Gebet mit ihrem Leben zu verflechten. Wenn Sie auf der Straße Menschen grüßen – beten Sie für Sie – genauso, wenn Sie an jemanden denken – positiv wie negativ. Machen Sie ein Fürbittegebet daraus. Wenn sie ein Haus betreten, oder den Telefonhörer abnehmen beten sie für diesen Menschen. Wenn Sie sich bei einem Gedanken erwischen, der gegen Gottes Ordnung verstößt – bringen Sie den Gedanken zu Gott und bitten, dass er seine Macht verliert. Wenn Sie etwas freut. Danken Sie Gott. Aber auch wenn etwas misslingt – viele Menschen wählen dann leider eine unchristliche Form des Gebetes, sie fluchen und verwünschen etwas. Üben und Kämpfen sie darum, auch dann Gott um Gelingen und Gelassenheit zu bitten.

Vielleicht habe ich sie mit dieser Art von Gebet ohne Unterlass – wie es in der Bibel heißt erschreckt. Mancher denkt: „Nee, so fromm möchte ich doch nicht werden.“ Dennoch möchte ich Sie ermutigen. Mit kleinen Schritten zu beginnen, ein betendes Leben zu führen. Denn das Beten ist der Atemholen der Seele.

Weiter schreibt Paulus: „Wacht im Gebet mit Danksagung.

Der ganz große Gegner des Gebetes ist das Einschlafen. Das Gebet schläft ein, wenn unsere Worte zur Gebetsmühle werden, zu leeren Worthülsen. Wenn wir nichts mehr haben, worüber wir über Gott reden könnten, wenn wir es langweilig und ermüdend empfinden.

Gegen das Einschlafen und die Langeweile hilft Abwechslung. Menschen lieben die Abwechslung. Darum möchte ich auf kleine Hilfen hinweisen, die in unser Gebetsleben Abwechslung bringen können. In der Bibel ist das Gebet oft mit Gesten verbunden. Will man Gott loben und anbeten – dann hebt man die Hände. Probieren Sie einmal im stillen Kämmerlein aus und beten sie mit erhobenen Händen: Halleluja. Gepriesen seiest Du Herr, Schöpfer des Himmels und der Erde.

Sie können auch, wenn sie bitten die Hände zu einer Schale heben und beten: Ich bitte Dich um... . Hilf mir.

Wenn Sie ihre Fehler und Sünde, oder die anderer vor Gott bringen, dann knien Sie. Oder legen Sie eine Kassette ein, schließen die Augen und hören ein schönes Loblied.

Sehr bereichernd empfinde ich auch das Gebet mit zwei oder drei Mitchristen. Seit einer gewissen Zeit gibt es in unserer Gemeinde Gebetszellen. Bewusst beten wir in kleinen Gruppen zwischen zwei und vier Leuten. Darin beten wir für unsere Familien und Belange der Gemeinde. Und fast jedes Mal erhalte ich dadurch viel neue Kraft.

All das sind Dinge, die unser Gebetsleben abwechslungsreicher machen können.

Aber das beste Mittel gegen das Einschlafen des Gebetes ist der Dank. Paulus schreibt: „Wacht im Gebet mit Danksagung.

Immer wieder haben wir in den Gebetszellen die Erfahrung gemacht: Gott erhört unser Gebet. Vor 14 Tagen erzählte uns Dieter Plumanns, wie Gott seine Tante Mimi völlig verändert hat. Diese Frau war durch ihr Leben sehr verbittert worden und ließ diese Bitterkeit alle um sie herum spüren. An allem hatte sie etwas auszusetzen und zu nörgeln. Dann beteten wir für sie in den Gebetszellen. Da geschah das Wunder. Sie öffnete sich Gott und ihr Wesen änderte sich. Sie wurde zufrieden und liebevoller. Und das Pflegepersonal im Altersheim staunte und sagte zu Dieter Plumanns: Mit dieser Frau ist ein Wunder geschehen.“

Wenn unser Gebet wach bleiben soll, dann sollen wir das nicht einfach so hinnehmen, sondern Gott danken.

10 Aussätzige heilte Jesus, aber nur einer kam zurück. Jesus sagte: Sind nicht alle 10 gesund geworden? Aber wo sind die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen. Der Vorgang des Heils ist erst abgeschlossen, wenn wir zu Jesus zurückkommen und „danke“ sagen. Dann hat unser Glaube uns geholfen. Mit Danksagung wachen, das heißt: Wir sollen nicht achtlos mit verschlafenen Augen in den Tag hinein leben. Sondern wir sollen aufpassen, wie ein Luchs, wann Gott unser Gebet erhört hat und dann danken.

Und ist es nicht auch bei uns so: Wenn wir für jemanden etwas tun und der andere meckert nur und hat neue Wünsche, dann vergeht uns die Lust, ihm überhaupt noch weiter zu helfen. Ganz anders, wenn unser Tun ehrlich geschätzt und gewürdigt wird. Ich denke, so ist es auch bei Gott. Wenn wir ihm danken, und gut über sein tun reden, dann machen wir Gott eine Freude und er beschenkt uns noch viel lieber.

Paulus schreibt: Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür auftut für das Wort, das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin.

Unser Gebet soll ein Gebet für andere sein. Insbesondere, dass Gott Menschen befreit und öffnet.

Es gibt Menschen wie Paulus, die haben ein Händchen dafür, Menschen zum Glauben zu führen. Sie haben auch keine innere Ruhe und keinen Frieden, wenn sie es nicht tun. Diese Menschen werden von ihrem Auftrag, über den Glauben zu reden durch sehr vielfältige Dinge abgehalten. Paulus zum Beispiel saß im Gefängnis fest. Er konnte nicht raus. Die Kolosser sollten für Paulus beten, dass sich doch die Gefängnistür auftut. Aber auch die Menschen mit der Gabe der Evangelisation in unserer Gemeinde können nicht, wie sie wollen. Ständig schieben Termine und Verpflichtungen irgendwelche Riegel vor ihren Auftrag. Betet für sie, dass Gott ihnen den Weg öffnet, zu den Menschen hinzugehen, um von seiner Liebe zu erzählen.

Betet für alle, die bewusst vom Glauben weitererzählen wollen. Für die Religionslehrer, für mich als Pfarrer bei den Besuchen, für die Gruppenleiter, für die, von denen sie wissen, diese Menschen haben die Gabe, Gottes Frohe Botschaft weiterzugeben.

Eine verschlossene Tür kann auch heißen: Das sind die Herzen der Menschen. Wenn ein Mensch sein Herz verschließt kommt man an ihn nicht heran. Jesus steht vor der Tür und klopft an. Wer ihm aufmacht zu dem geht er hinein. Jesus bricht nicht gewaltsam ein. Vielleicht klopft er mehrere Male an, vielleicht versucht er es immer mal wieder. Aber er kommt nicht mit der Brechstange oder mit einem Dietrich, um unerlaubt Zugang zum Herzen eines Menschen zu finden. Und dennoch kann unser Gebet, den Geist Gottes in das Herz eines Menschen vorausschicken. In ihm eine Sehnsucht, einen Hunger nach Jesus wecken, dass er ihm sich öffnet. Ich möchte Ihnen darum wieder eine Hausaufgabe mitgeben. Wählen sie sich zwei Personen, deren Herz dem Glauben verschlossen ist. Beginnen Sie für diese Menschen regelmäßig zu beten. Beten Sie, dass diese mit Christen in Kontakt kommen, die ein Händchen dafür haben, über den Glauben zu reden. Und bitten sie darum, dass diese Botschafter Jesu die rechten Worte finden, das Geheimnis des Glaubens ansteckend rüberbringen.

Ich schließe, indem ich noch einmal Paulus zu Wort kommen lasse:

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung. Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010