|

| |
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 3. Februar 2002
Liebe Kinder, liebe Gemeinde – Jona redete draußen vor der
Stadt Ninive folgende Worte:
„Ich wusste doch, du bist ein gnädiger und barmherziger
Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich
umstimmen und strafst dann doch nicht.“
Wie kommt Jona zu solch einem Satz? Ich versuch es an einem
Beispiel zu erklären:
immer mal wieder gibt es in einer Klasse einen sehr starken
Jungen, der seine Kraft missbraucht und andere Kinder verprügelt, ärgert und
quält. Er schnappt sich einen kleineren, behauptet irgendetwas und fängt
deswegen Streit an. Einige Kinder schmeicheln ihm, weil sie Angst haben, andere
Kinder gehen ihm aus dem Weg, aber niemand mag ihn so richtig von Herzen.
Wenn dann so ein Junge mal vom Lehrer auf frischer Tat ertappt wird, wenn der
Lehrer ihn so richtig ausschimpft und eine saftige Strafe bekommt, dann ist es
ganz still im Klassenzimmer. Alle lauschen gespannt, was passiert. Doch heimlich
freuen sich die anderen Kinder. Endlich hat der auch mal seine Strafe bekommen.
Das geschieht ihm recht.
Liebe Gemeinde, ähnlich hoffte Jona darauf, dass er zuschauen durfte, wie Gott
die Stadt Ninive bestrafen würde. Diese Stadt hatte nämlich eine böse Armee, die
viele friedliche Länder einfach überfiel, die Menschen aus ihren Häusern zerrte
und sie in ein anderes Land zum Arbeiten schickte. Auch einige Gebiete des
Landes Israel, aus dem Jona stammte, hatte die Armee von Ninive überfallen. Und
darum wünschte sich Jona nichts mehr, als dass Gott diese Stadt endlich
bestraft. Denn er hatte auf diese Stadt eine riesige Wut.
Und so baute er sich außerhalb der Stadt ein kleines Lager und wartete darauf,
bis etwas passierte.
Aber was passierte? Nachdem Jona im Auftrag Gottes die Stadt gewarnt hatte,
änderten sich die Menschen dort. Sie wollten nicht mehr ungerecht und böse sein.
Sie hörten auf, sich anzulügen und zu betrügen, sie nahmen sich vor keine
friedlichen Länder mehr zu überfallen und andere Menschen zu quälen und sie
beteten zu Gott, dass er ihnen doch verzeihen sollte und sie nicht bestrafe. Ja,
sie verzichteten sogar auf das Essen, um Gott zu zeigen, wie ernst es ihnen ist
und wie sehr sie sich wünschten wieder lieb zu sein.
Hätte Gott sie nicht trotzdem bestrafen müssen? Jona war der Meinung, dass Gott
sie so richtig fertig machen sollte. Aber Gott sah die Leute von Ninive. Und sie
taten ihm leid. Auch die Kinder und die vielen Tiere in der Stadt konnten nichts
dafür. Und darum hörte Gott auf die Leute. Er bestrafte sie nicht.
Und darum war Jona so richtig sauer auf Gott und er ärgerte sich maßlos als er
sagte:
„Ich wusste doch, du bist ein gnädiger und barmherziger
Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich
umstimmen und strafst dann doch nicht.“
Ja, Jona war schließlich so sauer, dass er gar nicht mehr
weiterleben wollte. Hat er recht sich so zu ärgern? Einerseits ja, denn er hat
es ja selbst miterlebt, wie viel Böses diese Leute angerichtet haben.
Aber, was wäre aus ihm selbst, aus Jona geworden, wenn Gott sofort bestraft
hätte. Er selbst wäre auch im Meeressturm umgekommen. Aber das hatte der gute
Jona vergessen.
Liebe Kinder, liebe Gemeinde – Gott ist heute immer noch so.
Er freut sich, wenn Menschen ihr Leben ändern wollen. Wenn
sie beginnen, nach ihm zu fragen, nach seinen Geboten leben wollen und wenn sie
den Mist, den sie in ihrem Leben gebaut haben, erkennen und es ihnen leid tut.
Darum dauert es oft sehr lange, bis Gott eingreift. Denn er wartet darauf, dass
sich die Menschen ändern.
Und weil er so lange wartet, geschieht oft sehr viel Böses auf der Welt. Gott
lässt es zu. Er bestraft nicht sofort. Er wartet darauf, dass wir Menschen
umkehren. Und da werden manche Menschen ungeduldig, schimpfen über Gott, oder
verlieren ihren Glauben an ihn. Ähnlich, wie Jona ärgerlich geworden ist.
Doch wir sollten auch die andere Seite nicht vergessen: Ist es nicht wunderbar,
dass Gott darauf wartet, dass Menschen sich ändern? Wenn er auch darauf wartet,
bis unsere Eltern, Kinder und Verwandten, ja wir selbst uns ihm zuwenden?
Schenkt er nicht gerade uns diese Zeit, wenn wir etwas Böses getan haben, um
Entschuldigung zu bitten und wieder gute Menschen zu werden?
Darum können wir uns freuen, glücklich und froh darüber sein, dass unser Gott
ist ein gnädiger und barmherziger Gott ist. Seine Geduld ist groß, seine Liebe
kennt kein Ende.
Amen.
|