Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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falscher und wahrer Reichtum                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 4. Oktober 1998 anlässlich des Erntedankfestes

Liebe Gemeinde,

unter uns Menschen geht es oft ähnlich zu, wie unter den Räubern. Man versucht zwar seine Räuberseele vor anderen etwas zu verstecken, aber manchmal kommt sie eben doch zum Vorschein. Was kennzeichnet eine solche Räuberseele? Das deutlichste Kennzeichen einer Räuberseele ist die Angst. Eine Räuberseele hat dauernd Angst, dass jemand kommt und ihr etwas wegnehmen könnte. Die Angst flüstert der Räuberseele zu: „Alles, was dein Leben angenehm macht, ist in Gefahr. Wenn du nicht aufpasst, dann wirst du alles verlieren.“ Es gibt so viele Räuber auf der Welt - hinter jeder Ecke kann ein anderer Räuber lauern. Ist da nicht einer, der dir deine Frau oder deinen Mann wegnehmen könnte. Pass nur gut auf und sperr deinen Partner in einen unsichtbaren Käfig ein. Und da ist noch einer, der dir deinen Arbeitsplatz streitig macht, das merkt man doch, wie der strebt und sich bei den anderen einschleimt. Dem musst du eins auswischen. Vor Fremden musst du dich besonders in Acht nehmen, sie könnten dir deinen ganzen Wohlstand klauen.

Je gerissener eine Räuberseele ist, desto größer ist ihre Angst. Denn tief in ihrem Inneren weiß sie ja von sich selbst, wie gefährlich, wie gemein, wie hinterhältig, wie niederträchtig, wie verlogen ein Mensch sein kann. Doch würde ein Räuber nie zugeben, dass er selbst ein böses Herz hat. Deswegen sind ja immer die anderen die Bösen.

Nun versucht eine Räuberseele wegen dieser Angst so viel Vorräte wie möglich für sich anzuhäufen und sie vor den anderen zu sichern. Eine Räuberseele denkt, wie es in der Schriftlesung hieß:

Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte.

Viel zu besitzen, nicht nur an Geld und Gut, sondern auch an Ehre, Macht und Ansehen. Ja, das ist der Himmel für eine Räuberseele.

Doch Gott sagt zu solch einer Räuberseele nur eins: „Du Dummkopf“. Kein Mensch lebt von seinen vielen Sachen.

Wie aber sollte die Seele des Menschen nach Gottes Willen aussehen, wenn er die Räuberseele der Menschen nicht mag?

Gott möchte, dass wir eine Seele bekommen wie die seines lieben Sohnes, Jesus Christus. Ich nenne diese Art einmal die Seele eines Königskindes. Die Seele eines Königskindes Gottes hat keine Angst. Sie vertraut darauf, dass der himmlische Vater weiß, was gut für sie ist. Sie kann Reichtum dankbar aus seiner Hand nehmen und sich über die schönen Dinge auf Erden freuen. Sie kann aber auch ohne Groll, ohne Hauen und Stechen auf große Beute verzichten. Sie muss den anderen nichts wegnehmen, sie muss nicht raffen und gieren, sie kann den anderen ohne Neid etwas gönnen. Denn für ein Kind des Himmels ist der größte Schatz, den es gibt, unsichtbar. Man kann ihn weder zählen, noch anfassen, noch sammeln. Der größte Schatz für ein Königskind ist die Liebe des Vaters im Himmel und die kann niemand wegnehmen.

Ein Himmelskind kann z.B. beten, wie es in Psalm 4 heißt:

Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.

Ich weiß von mir selbst, dass man seine Räuberseele nicht einfach ablegen kann. Immer wieder bekomme ich Angst, dass ich zu kurz kommen könnte und die Räuberseele wird stark. Doch es gibt ein kräftiges Mittel, das die Angst und die Räuberseele verjagen hilft. Das ist die Dankbarkeit. Immer wieder Gott danken. Zuerst einmal für die schönen Dinge, dann aber auch für die Dinge, die mir etwas Mühe machen.
Und Stück um Stück wird die Angst verjagt, weil man wieder zum himmlischen Vater Vertrauen gefasst hat.

Ja, wir Christen wollen dankbare Menschen sein. Darum feiern wir heute Erntedankfest.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010