Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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der reiche und der arme Mann                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 22. Juni 2003

Lk. 16, 19-31

[Es war einmal ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feinstes Tuch und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Vor dem Portal seines Hauses aber lag ein Armer namens Lazarus krank herum, über und über mit Geschwüren bedeckt. Der hätte gern seinen Hunger mit Abfällen vom Tische des Reichen gestillt. Aber nein – die Hunde kamen und leckten ihm seine Wunden. Nun geschah es, dass der Arme starb und von den Engeln an Abrahams Brust getragen wurde. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Als er in der Unterwelt aufblickte, mitten in seinen Qualen, sah er in der Ferne Abraham und Lazarus an seiner Brust. Da rief er zu ihm hinüber: Vater Abraham, erbarm dich meiner und schicke Lazarus, dass er seine Fingerspitze im Wasser taucht und meine Zunge netzt, denn ich leide Qualen in dieser Glut. Abraham erwiderte: „Kind denke daran, dass du dein Gutes in deinem Leben schon empfangen hast und Lazarus entsprechend das Schlimme. Nun empfängt er hier Trost und du dort Qual. Zu all dem aber klafft zwischen uns und euch eine tiefe Kluft, damit niemand selbst wenn er wollte, von hier zu euch hinübergehen und eben so wenig von euch zu uns herüber gelangen kann. Da sagte er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in meines Vaters Haus schickst; denn ich habe fünf Brüder, die soll er warnen, damit nicht auch sie hierher geraten an diesen Ort der Qual.
Doch Abraham gab ihm zur Antwort: Sie haben Mose und die Propheten – sollen sie doch auf die hören. Er sagte darauf: Nein Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Doch er sagte: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.]

Liebe Gemeinde,

es war einmal ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feinstes Tuch und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.

Wer möchte nicht so leben wie dieser reiche Mann. Jeden Tag schöne modische Markensachen anziehen, italienische Designer Unterwäsche aus Seide – sehr angenehm zu tragen. Und dann alle Tage in Freuden zu leben. Schöne Feste feiern, gut essen und trinken, nicht arbeiten müssen, ein schönes Haus mit palastähnlichem Eingang zu haben. Keine Sorge haben zu müssen, wie man die nächste Rechnung bezahlt.

Liebe Gemeinde, und doch warnt uns Jesus vor solch einem Lebensstil, den viele Menschen sich wünschen. Dieser Lebensstil bleibt an der Oberfläche. Man entwickelt keine Persönlichkeit. Der Reiche hat in diesem Gleichnis keinen Namen. Er ist auswechselbar mit den vielen Reichen unserer Zeit. Vielleicht auch auswechselbar mit uns?

Jesus hat gegen Reichtum an sich nichts auszusetzen. Auch war er überhaupt nicht neidisch. Dennoch warnt er davor. Denn Reichtum ist betrügerisch. Reichtum schmeichelt der Seele. Wer Geld hat kann seinen Willen durchsetzen also Macht ausüben. Die Menschen um ihn herum gehorchen. Und es scheint so, als wären sie von ihrem Geldgeber abhängig. Der fühlt sich mächtig wie ein kleiner Gott und vergisst dabei völlig, dass der Reichtum von Gott kommt. Er braucht keine eigene Beziehung zu Gott. Und so kann man alle Tage in Freuden leben und viel Spaß haben. Und dennoch lebt man daneben.

Wer reich unter uns ist, der hat eine große Verantwortung. Denn Gott hat ihm den Reichtum gegeben, damit er in seinem Namen denen hilft, die von Schicksalsschlägen und Not getroffen sind. Seine Aufgabe ist es, ein Kanal zu sein, der Gottes Güter an Bedürftige verteilt. Hören wir weiter, was Jesus sagt:

Vor dem Portal seines Hauses aber lag ein Armer namens Lazarus krank herum, über und über mit Geschwüren bedeckt. Der hätte gern seinen Hunger mit Abfällen vom Tische des Reichen gestillt. Aber nein – die Hunde kamen und leckten ihm seine Wunden.

Gleich vor der Tür liegt ein Gelähmter. Krank und hungrig. Er wünscht sich wenigstens etwas von den Abfällen. Damals gab es noch keine Servietten und man aß vieles mit den Händen. Wenn dann die Hand und der Mund allzu schmierig war, dann nahm man ein Brot und wischte das Fett damit ab und warf es mit Knochen und anderen Resten weg.

Sicher bekam Lazarus von diesem Abfall hin und wieder etwas ab. Der reiche Mann war doch kein Unmensch, doch die wilden Hunde waren schneller. Sie schnappten ihm die Brocken weg und zum Dank schleckten sie seine Wunden.

Hunde – in der Bibel unreine Tiere kümmern sich um den armen Lazarus. Sie schlecken seine Geschwüre. Vielleicht half ihm das – Speichel soll ja desinfizierend wirken – vielleicht auch verbreitete das noch mehr seine Infektionen. Jedenfalls wurde er dadurch kultisch, als gemäß dem Gesetz unrein. Jeder musste ihm aus dem Weg gehen.

Liebe Gemeinde, das ist ungerecht. Der eine lebt in Saus und Braus und der andere kommt vor dessen Haustür im Elend um.
Aber Hand aufs Herz – hätten wir es nicht ebenso gemacht? Da liegt ein armer Mensch, ekelig, stinkend, voller Geschwüre vor unserem Haus. Hätten wir ihn aufgenommen und verpflegt? Wir hätten vielleicht sogar noch die Polizei gerufen und ihn wegtransportieren lassen.

Und doch empfinden wir es aus unserer Perspektive als ungerecht. Nun, der Tod macht keine Unterschiede.

Nun geschah es, dass der Arme starb und von den Engeln an Abrahams Brust getragen wurde. Auch der Reiche starb und wurde begraben.

Nun ändern sich die Verhältnisse: Der Arme wird von den Engeln getragen und er bekommt einen Ehrenplatz in Gottes Reich. Dies ist keine billige Vertröstung für die Armen dieser Welt, dies gehört zur Gerechtigkeit Gottes. Und der Reiche bekommt bestimmt ein tolles Begräbnis. Bestimmt wurde er gelobt vom Pfarrer. Welch ein guter Mensch er war. Bestimmt bekam er eine herrliche Grabstätte. Doch das nützt ihm nichts mehr. Nun geht es ihm nicht mehr gut.

Als er in der Unterwelt aufblickte, mitten in seinen Qualen, sah er in der Ferne Abraham und Lazarus an seiner Brust. Da rief er zu ihm hinüber: Vater Abraham, erbarm dich meiner und schicke Lazarus, dass er seine Fingerspitze im Wasser taucht und meine Zunge netzt, denn ich leide Qualen in dieser Glut.

Der Begriff Unterwelt, bzw. Luther übersetzt Hölle meint noch nicht den feurigen Pfuhl, in den einmal der Teufel und alle seine Helfershelfer hineingeworfen werden. Mit Unterwelt ist der Zustand vor der Auferstehung der Toten und dem letzten Gericht gemeint. Dort leidet der Reiche. Hier plötzlich sieht er Lazarus. Ja er kennt ihn sogar beim Namen. Aber er hat eines nicht begriffen, dass man in Gottes Reich nicht mit Geld seinen Willen bekommt. Er meint immer noch, der Lazarus müsste ihm gehorchen. Schließlich hat er ja von seinen Brocken gegessen. Schließlich ist ja er der Reiche gewesen.

Er denkt noch nicht daran, dass er es versäumt hat, Lazarus Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, sondern er denkt noch in seinen alten Denkweisen. Und darum leidet er Durst, weil es nun nichts gibt, was den Durst seiner Seele stillen kann. Und so diskutiert er weiter mit Abraham.

Abraham erwiderte: „Kind denke daran, dass du dein Gutes in deinem Leben schon empfangen hast und Lazarus entsprechend das Schlimme. Nun empfängt er hier Trost und du dort Qual. Zu all dem aber klafft zwischen uns und euch eine tiefe Kluft, damit niemand selbst wenn er wollte, von hier zu euch hinübergehen und eben so wenig von euch zu uns herüber gelangen kann. Da sagte er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in meines Vaters Haus schickst; denn ich habe fünf Brüder, die soll er warnen, damit nicht auch sie hierher geraten an diesen Ort der Qual. Doch Abraham gab ihm zur Antwort: Sie haben Mose und die Propheten – sollen sie doch auf die hören. Er sagte darauf: Nein Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.

„Nein, Vater Abraham“

Liebe Gemeinde, spüren sie etwas von dem Eigensinn des Reichen. Er meint, er wüsste es besser als Abraham, er meint im Recht zu sein. Dieser Mensch ist noch nicht reif für den Himmel. Und das ist das Problem des Reichtums. Wer reich ist, hat es schwer, demütig zu sein und sich einmal etwas sagen zu lassen.

Doch er sagte: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“

Liebe Gemeinde, einer ist von den Toten auferstanden. Jesus. Glaubt die Welt ihm? Lassen wir uns von seinen Worten warnen. Ich bin sicher. Wer diese Worte Jesu ernst nimmt, ihnen glaubt, der wird sein Leben umstellen. Der wird mehr an die Ewigkeit denken. Und ich hoffe, dass wir, dieses Gleichnis uns zu Herzen nehmen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010