|

| |
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 4. März 2001
der Predigtabschnitt für heute steht in Lk 22, 31-34.
„Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben
wie den Weizen. Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht
schwindet. Und wenn du dich bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ Da
erwiderte er: „Herr, mit dir zusammen bin ich bereit, in Gefangenschaft und Tod
zu gehen!“ Doch Jesus entgegnete: „Ich sage dir Petrus: Heute noch, bevor der
Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und sagen, du wüsstest nichts von
mir.“
Liebe Gemeinde,
ein Blick in die Zeitung oder ins Fernsehen genügt, um zu
sehen, wer die Welt regiert. Da wird gelogen und gestohlen, geraubt und
gemordet. Wo man auch hinschaut – im ganz Kleinen, sowie im Großen: überall
herrscht Streit, weil einer den anderen übervorteilen oder sich für irgendetwas
rächen will. Mit anderen Worten: Der Teufel ist los. Das Übel regiert.
Als Jesus auf die Erde kam, wollte er den Herrschaftsanspruch des Teufels
brechen. Er verkündete: „Siehe die Herrschaft Gottes ist nahe herbei
gekommen.“
Jesus begann nicht mit einem großen Feldzug gegen alles Böse,
sondern er begann im Kleinen. Er rief sich zwölf Männer zusammen, die er
ausbildete, die wie er Gottes Herrschaft in einer Welt verkündigen sollten, in
der die Hölle los ist. Allein Jesu Wort brach die Macht des Bösen, veränderte
Menschen, befreite aus Bindungen und machte Kranke gesund. Das war dem Teufel
natürlich ein Dorn im Auge. Da hatte er die ganze Welt infiziert mit seiner
Rebellion gegen Gott und alles schien in seinem Griff zu sein. Da wird ihm seine
Herrschaft streitig gemacht.
Es sind noch nicht viele, aber doch sind es ein paar Frauen und Männer um Jesus
herum, die umkehren und Gott treu werden. Ja und noch schlimmer. Auch diese
Menschen haben von Jesus die Vollmacht bekommen, wie er Gottes Herrschaft zu
verkündigen mit dem selben Ergebnis, dass Menschen umkehren und neu werden und
Frieden mit Gott finden.
Selbstverständlich, dass er seine geballte Macht darauf konzentriert diesen
Herrschaftsbereich Gottes in seiner Domäne wieder unter seine Kontrolle zu
bringen.
Doch so einfach geht das nicht. Er kann diese Leute nicht so einfach auslöschen.
Schließlich gehören diese Menschen, die Jesus nachfolgen zu Gottes Herrschaft
und sie stehen unter Gottes persönlichem Schutz. Er kann sie nicht willkürlich
vernichten – er ist zwar ein Gegenspieler Gottes – aber doch steht er unter
Gott.
So spielt er seinen Trumpf als Ankläger aus. Er tritt vor Gott, wie er es bei
Hiob getan hat und erbittet sich das Recht die Jünger zu prüfen. Ich kann mir
vorstellen, dass er mit folgenden Worten vor den Allerhöchsten tritt: „Dein Sohn
sagt: Mit ihm und denen, die zu ihm gehören, beginnt Gottes neue Herrschaft.
Schön und gut. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber ich bin mir nicht so ganz
sicher, ob diese Leute um Jesus herum, Dich Jahwe, so richtig lieben, und ob sie
ihrem Herrn wirklich treu sind. Es muss doch erlaubt sein, sie zu prüfen. Es
muss doch die Möglichkeit geben, den Weizen mal so richtig zu dreschen und durch
die Luft zu wirbeln, damit der Spreu sich von dem Weizen trennt, damit, das
Widergöttliche von dem Heiligen unterschieden wird.“
Satan will dadurch natürlich keinen Dienst erweisen. Er will vielmehr, dass
Gottes Herrschaftsbereich aus seiner Welt wieder verschwindet.
Dennoch gestattet Gott ihm dieses Recht. Gott lässt diese Prüfung zu, weil er
die echte und freie Liebe der Menschen wünscht. Und die Liebe eines Menschen
kann nur echt sein, wenn er aus freien Stücken liebt, wenn seine Zuneigung nicht
um eines Vorteils willen geschieht, oder einfach weil er Angst vor Strafe hat.
Darum darf der Ankläger die Treue und die Liebe der Jünger prüfen.
Das erkennt Jesus klar und sagt es auch seinen Jüngern.
Damit nun hat der Widersacher die Handhabe gegen die Jünger Jesu vorzugehen, sie
anzugreifen und zu attackieren. Und als listiger Stratege greift er immer da an,
wo ein Mensch seine Schwachstelle hat. Er flüstert den Menschen ein, das zu tun,
was gegen Gottes Willen ist, das zu tun, das die Liebe zu Gott in Frage stellt,
er will die Verbindung zu Gott lahm legen, er will verhindern, dass wir im
Glauben wachsen und guten Früchte tragen. Er liebt besonders die Augenblicke, in
denen wir wir müde sind, schwach, hungrig, enttäuscht und ausgebrannt sind. Dann
beschießt er die Jünger Jesu durch seine giftigen Pfeile in Form von Gedanken.
Und haben sie getroffen, wird ihr Gift sich rasch im Denken des Menschen
ausbreiten und das Willenszentrum lahm legen. Dann ist es nur noch ein kleiner
Schritt, bis die Sünde in die Tat umgesetzt wird.
Können wir diesen Angriffen standhalten? Gelingt es uns,
unsere echte Liebe zu Gott zu beweisen, wenn unser Blick für Gottes Liebe
getrübt ist und wir am Ende sind?
Petrus war der Meinung, er könnte standhaft auf Jesu Seite bleiben. Er beteuert:
„Herr, mit dir zusammen bin ich bereit, in Gefangenschaft und Tod zu gehen!“
Und kurz nach seinem heiligen Versprechen ist es soweit. Jesus wird gefangen
genommen. Tatsächlich! Petrus lässt ihn nicht im Stich. Er bleibt in der Nähe.
Doch dann treten im Eilprozess gegen Jesus falsche Zeugen auf, die lügen. Nun
wäre Petrus an der Reihe, als Zeuge aufzutreten. Er war ja die ganze Zeit mit
Jesus zusammen gewesen. Er hätte alles aufklären und berichtigen können. Er
hätte die Wahrheit sagen sollen. Schließlich steht er ja für die Herrschaft
Gottes.
Doch was geschah: Petrus lügt. Er sagt: Ich kenne Jesus nicht. Nicht einmal,
nicht zweimal, dreimal beteuert er, dass er nichts mit ihm zu tun hat. Und dabei
ist Jesus sein bester Freund gewesen. Petrus hat versagt. Petrus ist keine gutes
Weizenkorn, er ist Spreu, das im Wind verweht. Und das Krähen des Hahnes klingt
fast schon wie Satans höhnische Schadenfreude, dass Petrus doch nicht auf der
Seite Gottes steht, sondern auf der Seite der Lügner, der Untreuen, der
Gottlosen. Also unter der Herrschaft des Widersacher Gottes gehört.
Doch Satans Rechnung geht nicht auf. Da steht noch ein anderer vor dem
himmlischen Thron. Es ist Jesus und er bittet sich auch etwas aus. „Mein Vater“,
sagt er, „Simon Petrus gehört zu mir. Ja, er ist schuldig geworden, doch ich
vergebe ihm und ich bezahle mit meinem heiligen und teuren Blut und mit meinem
unschuldigen Leiden und Sterben für seine Schuld. Ich liebe ihn und ich weiß,
dass er mich liebt. Bitte, lass seinen Glauben an mich nicht irre werden, lass
ihn nicht wie ein Spreu aus unserer Gegenwart davon wehen.“
Meinen Sie nicht, dass unser himmlischer Vater seinem geliebten Sohn diese Bitte
ausschlagen könnte.
Und das, liebe Gemeinde ist das große Wunder, ist die großartige Botschaft.
Ja, Es wurde gesiebt,
Ja, Petrus ist durchgefallen.
Doch welcher Petrus ist durchgefallen. Der großspurige Simon. Der Simon, der
mächtig auf sich selbst eingebildet war. Und zurück bleibt ein Petrus, der um
sein Versagen, um seine Sünde weiß. Zurück bleibt ein Petrus, der liebt.
Und ein Mensch der Gott liebt, ist ein echtes fruchtbares Weizenkorn. Ein Mensch
der liebt, kann seine Brüder stärken. Welcher Petrus ist ihnen lieber? Ein Simon
der sich einbildet, welch ein Glaubensheld er ist und entsprechend auf andere
herabblickt? Oder ein verwandelter, neuer Petrus, der seine eigenen Abgründe
erkannt hat, der von der Gnade Jesu überwältigt ist, der umkehren durfte und
voller Liebe ist?
Welcher von beiden kann Ihren Glauben stärken? Der Simontyp? Oder der Petrustyp?
Ich stimme für den Petrustyp und ich hoffe, dass wir alle ebenso verwandelt
werden durch Jesu Gebet, der gesagt hat:
„Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht
schwindet. Und wenn du dich bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“
Satan wollte anklagen, wollte die Nachfolger Jesu aussieben, er wollte Gottes
Herrschaft in den Wind blasen. Doch Dank Jesu Fürbitte erreichte er das
Gegenteil. Er erreichte, dass Gottes Gnade, Gottes Liebe nur noch größer
leuchtete und seine Herrschaft deutlicher zum Vorschein kam.
Gepriesen sei unser Herr.
Amen.
|