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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 11. Juni 2000
Liebe Gemeinde
Die heutige Predigt soll um das Thema „Heiliger Geist“
kreisen. Ich lese aus Joh 20, 21:
Der auferstandene Jesus sprach abermals zu ihnen: „Friede
sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das
gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: „Nehmt hin den heiligen
Geist!“ Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr
sie behaltet, denen sind sie behalten.“
Wie mögen sich die Jünger wohl gefühlt haben, als er vor ihren Augen umgeben von
einer Wolke verschwand.
Es gibt ja Menschen, in deren Gemeinschaft man sich einfach wohl fühlt. Bei
ihnen fühlt man sich geborgen, verstanden, angenommen, gefördert, bestätigt und
berichtigt. Menschen, mit denen man einfach gerne zusammen ist. Ja, dass man den
Eindruck hat, mit ihm komme ich weiter. Da ist die Zeit richtig ausgefüllt. Und
ich glaube, dass Jesus solch ein Mensch war, mit dem man einfach gerne zusammen
war.
Aber schlimm ist es, wenn man solch einem lieben Menschen Lebewohl sagen muss.
Das drückt einem das Herz zu. Eine Leere und Traurigkeit, die mehr schmerzt als
körperliche Leiden.
So könnte ich mir vorstellen ist es den Jüngern ergangen, als Jesus sich
verabschiedete. Weil er ihnen so viel bedeutete.
Doch Jesus machte sich nicht einfach aus dem Staub und ließ die Jünger sitzen,
sondern er machte ihnen ein wertvolles Abschiedsgeschenk. Eine Art Anzahlung auf
die bevorstehende Vollendung. Er schenkte den Jüngern den Heiligen Geist. Durch
den Heiligen Geist bleibt Jesus unsichtbar unter seinen Jüngern gegenwärtig.
Durch den Heiligen bleiben wir mit Jesus vernetzt. Durch den Heiligen Geist
können wir sagen: „Jesus ist hier unsichtbar in unserer Mitte.“
Dennoch ist der Begriff „Heiliger Geist“ nur sehr schwer zu fassen. Anhand der
alten Symbole Licht – Feuer - Wind, womit der Heilige Geist verglichen wird,
versuche ich mich ihm zu nähern.
1. Das Licht
Licht versinnbildlicht Klarheit, Reinheit, Zuversicht. Immer
wieder mache ich bei mir, aber auch bei anderen die Feststellung, dass man sich
bei eigenen Fehlern ganz schön etwas in die Tasche lügt. Entweder man vertuscht
sie, oder man beschönigt sie, meistens nimmt man sie überhaupt nicht zur
Kenntnis. Manchmal ärgert sich jemand über mich und ich verstehe seinen Ärger
gar nicht. Wissen Sie warum: Weil ich meine Fehler nicht sehe bzw. einsehe. Und
darum wundere ich mich über den Ärger der anderen und ärgere mich wiederum über
sie. Doch ihr Ärger ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ich nicht ohne Fehler
bin. Man kann das mit einer schmutzigen Fensterglasscheibe vergleichen. Wenn es
dunkel ist, drinnen wie draußen, dann kann kein Mensch den Dreck auf einem
Fenster erkennen. Erst, wenn die helle Sonne zu scheinen beginnt, erkenne ich
dort einen Flecken, dort einen Schmierer.
Liebe Gemeinde und das ist Aufgabe des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist
bringt Licht und Klarheit in mein Leben hinein. Er zeigt mir die schmutzigen und
dreckigen Stellen. Dort, wo etwas noch nicht in Ordnung ist. Und er will mich
davon reinigen und befreien.
Das ist für uns als Gemeinde, als Christen etwas vom wichtigsten für unterwegs
auf das Himmelreich zu. Wir sind Menschen und ich kennen keinen, der ohne Sünde
ist. Sünde trübt den Blick. Im Bild gesprochen, die Sünde beschmutzt zuerst
einmal die Scheibe, damit ich im Haus nicht mehr sehe, wo der Dreck liegt und
dann mein ganzes Inneres.
Die frohe Botschaft des Glaubens heißt nun: Ich brauch meinen Schmutz nicht mehr
zu vertuschen oder zu beschönigen. Sondern ich kann meine Sünde bekennen und auf
Jesus abladen und er wird mich befreien.
Das schlimme nun ist nicht mehr die Sünde selber, sondern, wenn ich so tue, als
ob ich keine Sünde hätte. Das ist dann nicht mehr das Licht des Heiligen
Geistes. Was dann leuchtet, das ist dann die eigene Heiligkeit. Die
Scheinheiligkeit. Man muss den Glanz selber erzeugen. Und Scheinheilige brennen
aus.
Dafür ist es eine um so größere Hilfe, wenn man seine Sünde vor einem anderen
Christen seines Vertrauens bekennt oder nehmen wir den alten Ausdruck: beichtet.
Denn eine Schwester oder ein Bruder hat die Verheißung:
„Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie
behaltet, denen sind sie behalten.“
Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Es ist sehr befreiend seine Sünden zu
beichten, hinterher merke ich, wie die Sünden ihre magische Kraft verlieren. Man
hat ja manchmal eine unbändige Lust an einem sündigen Gedanken. Das verschwindet
dann. Und man fühlt sich gleich viel freier. Die Seele kann man dann mit einem
schönen aufgeräumten Haus vergleichen, in dem man sich wohl fühlt, wo man sich
gerne aufhält. Wo man sich nicht zu genieren braucht, wenn unerwartet Besuch
kommt. Sprich, wenn unser Herr zurückkäme.
Beginnt der Heilige Geist uns zu reinigen, dann werden wir offener, klarer,
durchsichtiger und ausstrahlende Persönlichkeiten. Ich möchte das erste Symbol
Licht noch mit einer Bibelstelle aus dem Johannesbrief unterstreichen:
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben
und euch verkündigen: Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir
sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so
lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im
Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu macht uns
rein von aller Sünde. Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns
selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
2. Das Feuer
In der Apostelgeschichte heißt es:
„Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer;
und er setzte sich auf einen jeden von ihnen.“
Feuer versinnbildlicht die Kraft, die Wirksamkeit die Gaben
des Heiligen Geistes.
Was ist darunter zu verstehen?
Jeder Mensch hat gewisse Fähigkeiten mit in die Wiege
bekommen. D.h. jeder Mensch hat etwas an sich, was er ganz besonders gut kann.
Manchmal kennt er sie und gebraucht sie, manchmal auch nicht. Von den vielen
Möglichkeiten die es gibt, möchte ich auf wenige Bereiche eingehen.
Diese Fähigkeiten können im praktischen Bereich liegen: Es gibt Leute, die
können anpacken, was sie wollen, es gelingt ihnen immer. Das kann im pädagogischen Bereich liegen, dass einer gut etwas dem anderen
beibringen kann, wieder einem anderen fällt das Musizieren leicht.
Aber es gibt auch noch einen seelisch-geistigen Bereich. Sehr sensible Menschen
können in diesem Bereich Dinge vollbringen, die für andere wie ein Wunder
wirken.
Wenn nun das Feuer des Heiligen Geistes auf einen Menschen kommt, dann werden
diese Gaben angekurbelt. Ein Mensch beginnt diese Gaben zu gebrauchen, um Gott,
seiner Gemeinde und seinen Nächsten damit zu dienen.
Ich gehe nur einmal auf uns etwas fremde Gaben ein.
Da gibt es z.B. das so genannte Zungengebet. Ein Mensch, der sehr sensibel ist,
kann plötzlich in anderen Sprachen reden und beten.
Oder es gibt die Gabe der Heilung. Ein Mensch kann die Hände auf einen kranken
auflegen und der andere wird wie durch ein Wunder gesund.
Oder es gibt die Gabe der Prophetie. Ein Mensch kann auf eine gewisse Art in die
Zukunft schauen und darum eine Richtung angeben.
Mit diesem Phänomenen muss man aber dennoch vorsichtig umgehen.
Es gibt Christen, die meinen, allein, wenn jemand in Zungen betet, ist er ein
besserer Christ und hat die Geistestaufe empfangen.
Doch erinnern wir uns, was am Anfang gesagt wurde.
Der Heilige Geist ist eine Anzahlung der Vollendung und das heißt: Gott will
schon die Sprachverwirrung aufheben, will schon heilen, aber noch nicht die ganze Ausschüttung des göttlichen Erbes, der Herrlichkeit
Gottes.
Es ist noch nicht das vollkommene Leben an sich. Noch gibt es Leid, Tod und
Kreuz, ja und Verblendung.
Dazu möchte ich ein Beispiel vorlesen:
Und darum gilt es nüchtern diese Gaben zu beurteilen. Jesus gibt uns ein
Kriterium an die Hand, woran man Echtes vom Faulen unterscheiden kann.
Er sagt: „An den Früchten werdet ihr sie erkennen!“
Früchte des Geistes sind nicht die Blüten. Blüte würde ich die Geistesgaben
nennen.
Aber Früchte sind z.B. Liebe zu Gott, zur Gemeinde und zu Mitmenschen, Freude,
Friede, Sanftmut, Geduld, Demut, Nüchternheit usw..
Wo in einem Christenleben, trotz aller Erfolge wie Heilungen und Bekehrungen
usw. diese persönlichen Früchte ausbleiben, da ist etwas faul.
Zusammenfassend:
Das Feuer des Heiligen Geistes setzt unsere Fähigkeiten frei, damit wir unseren
Nächsten und der Gemeinde dienen. Aber diese Gaben sind nicht automatisch
Heiliger Geist, sie können missbraucht werden. Darum sollte jeder sich selbst
und in seiner Gemeinde prüfen, ob Früchte wachsen.
3. Wind
Als ich an Ostern im Schwarzwald war, konnte ich sehen, welch
eine Kraft Sturm haben kann. Der Sturm um Weihnachten herum, ich glaube Lothar
hieß er, hatte im Wald ganze Bäume umgeknickt.
Haben Sie einmal versucht einen großen gesunden Baumstamm umzudrücken. Wenn
nicht, dann drücken sie nachher mal an der Linde vor der Kirche.
Und nun stellen sie sich diese Kraft vor, die in einer halben Stunde ganze
Wälder umknicken kann. Enorm!
Ähnlich ist der Heilige Geist die Kraft Gottes, die Menschen, die Situationen
verändern kann, wo unsere Kraft völlig am Ende ist.
Es ist die Kraft Gottes, die einmal über alle Feinde Gottes triumphieren wird.
Doch zum Wind gehört auch, dass man nicht über ihn verfügen kann.
Jesus sagte: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du
weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“
Wir können ihn nicht zwingen.
Und dazu kommt noch, dass er anscheinend viel Zeit hat.
Zu diesem Wirken möchte ich zum Abschluss noch etwas vorlesen:
Heiliger Geist!
Gottes Großes Geschenk nicht nur für Pfingsten, denn durch ihn, ist uns Jesus
nahe.
Er erleuchtet und reinigt und verändert uns.
Er befähigt uns, Gott zu dienen.
Er ist die Kraft, die das Reich Christi verwirklichen wird.
Wir wollen Gott immer wieder um ihn bitten.
Amen.
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