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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 30. August 1998Der Bibelabschnitt, der dieser Predigt zugrunde liegt, steht in Apg. 9, 1-19 Unterdessen ging Saulus noch immer heftig mit Drohen und
Morden gegen die Jünger des Herrn vor und tat alles, um sie auszurotten. Er ließ
sich vom Obersten Priester Empfehlungsbriefe an die jüdische Gemeinde in
Damaskus geben. Auch dort wollte er nach Anhänger des neuen Glaubens suchen und
sie gefangen nach Jerusalem bringen, Männer wie Frauen. Auf dem Weg nach
Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er
stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“
„Wer bist du, Herr?“ fragte er. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“, sagte die
Stimme. „Doch nun steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du
tun sollst.“ Den Männern, die Saulus begleiteten, verschlug es die Sprache. Sie
hörten zwar die Stimme, aber sie sahen niemand. Als Saulus aufstand und die
Augen öffnete, konnte er nicht mehr sehen. Da nahmen sie ihn an der Hand und
führten ihn nach Damaskus. Drei Tage lang war er blind. Während dieser Zeit aß
und trank er nichts. In Damaskus lebte ein Jünger Jesu namens Hananias. Dem
erschien der Herr und sagte: „Hananias!“ „Hier bin ich, Herr!“ antwortete er.
Der Herr sagte: „Geh in die gerade Straße in das Haus von Judas und frage nach
Saulus aus Tarsus. Er ist dort und betet. In einer Vision hat er gesehen, wie
ein Mann namens Hananias zu ihm kommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder
sehen kann.“ Hananias antwortete:“ Herr, ich habe von vielen Seiten gehört, wie
dieser Mann deine Anhänger in Jerusalem grausam verfolgt hat. Er ist mit der
Vollmacht der führenden Priester nach Damaskus gekommen und will alle verhaften,
die sich zu deinem Namen bekennen.“ Der Herr sagte zu ihm: „Geh unbesorgt hin,
ich habe ihn als mein Werkzeug ausgesucht. Er soll meinen Namen den
nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern bekannt machen und auch dem Volk
Israel. Und ich werde ihm zeigen, wie viel er für mich leiden muss.“ Da ging
Hananias hin, betrat jenes Haus und legte Saulus die Hände auf. „Bruder Saul“,
sagte er, „der Herr hat mich geschickt, Jesus selbst, der dir unterwegs
erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem heiligen Geist erfüllt
werden.“ Im selben Augenblick fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen, und er
konnte wieder sehen. Er stand auf und ließ sich taufen. Dann aß er etwas und kam
wieder zu Kräften. Saulus blieb ein paar Tage bei der Gemeinde in Damaskus. Unterdessen ging Saulus noch immer heftig mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn vor und tat alles, um sie auszurotten. Er ließ sich vom Obersten Priester Empfehlungsbriefe an die jüdische Gemeinde in Damaskus geben. Auch dort wollte er nach Anhänger des neuen Glaubens suchen und sie gefangen nach Jerusalem bringen, Männer wie Frauen. Das ist geradezu unheimlich. Da ist ein Mensch der meint es gut, er möchte von Herzen Gott dienen und für ihn da sein. Und dennoch kämpft er auf der falschen Seite. Jedem, der es gut meint, gerät in die Gefahr auf den Weg des Saulus zu geraten. Gewalttätig zu werden, um sie auf meine Linie einzuschwören. Unter gewalttätig verstehe ich, Menschen mit psychologischem Druck zu etwas zu bewegen, sie einzuschüchtern, und wenn sie nicht spuren, sie zu verurteilen und bei den anderen schlecht zu machen. Und die ganz unbelehrbaren werden dann aus dem Lebensumfeld herausgedrängt. Aber dies ist der falsche Weg, es ist der Weg der Macht und nicht der Liebe. Es ist der Weg, durch den Heuchler gemacht werden, aber keine überzeugten Menschen. Und es ist auch nicht der Weg Gottes – aber hören wir hin und sehen, wie Gott solche Irrwege durchkreuzen und verändern kann. Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden... Saul hatte seine Christenverfolgung sorgfältig geplant, Schritt um Schritt scheint er seinem Ziel näher zu kommen, die Christen mit Stumpf und Stiel auszurotten. In Jerusalem schien er bereits Erfolg gehabt zu haben – nun reist er mit großen Machtbefugnissen nach Damaskus. Bestimmt hat er mit vielem gerechnet – aber nicht damit, dass es mit dem lebendigen Herrn, mit einer Person zu tun hat. Eine Person – das ist mehr als ein großes Gedankengebäude mit mehr oder weniger richtigen Lehrsätzen. Diese Person ist das Geheimnis des christlichen Glaubens. Mit ihr steht und fällt das Christentum. Mache ich aus dem Christentum ein Lehrgebäude, dann wird es zu einer Religion, wie jede andere auch. Aber steht dahinter die Person Jesu, die einen Menschen beim Namen nennt, dann sieht die Sache ganz anders aus. ich lese weiter: ...und Saul hörte eine Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du, Herr?“ fragte er. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“, sagte die Stimme. Wie redet denn Jesus da? „Was verfolgst du mich“ Saul verfolgte doch gar nicht Jesus, der war doch in seinen Augen längst am Kreuz gestorben. Er verfolgt doch nur Menschen, die in seinen Augen auf einem gefährlichen Irrweg sind. Und doch, Jesus setzt sich mit seinen Jüngern gleich. Seine Jüngerinnen und Jünger sind ein Stück von ihm selbst. Eine Jüngerin, ein Jünger, das sind bis heute Menschen, die sich Jesus anvertraut haben, die ihm gehören und gehorchen wollen. Schauen sie sich einmal um. Die Menschen, die sie hier sehen, sind solche Menschen. Sie sehen zwar nicht in ihr Herz hinein, aber sie wären wohl nicht hier, wenn sie nicht zu Jesus gehören wollten. Aber das hieße ja, wenn ich die Gemeinde missachte, dann missachte ich Jesus. Wenn ich die Gemeinde meide, dann meide ich Jesus. Und wenn ich einen Jünger beleidige, dann beleidige ich Jesus. Wären wir uns dessen mehr bewusst, dann würden wir ganz
anders miteinander umgehen und miteinander reden, denn umgekehrt – achte ich die
Gemeinde, dann achte ich Jesus.Höre ich auf sie, dann spricht Jesus durch sie zu
mir, liebe ich sie, dann liebe ich Jesus. Gewiss, man sieht nicht besonders viel
von Jesu Wesen in der Gemeinde – unsere Fehler und Schwächen sind zu
offensichtlich. Doch hat Paulus es gesehen? Nein, und dennoch setzt sich Jesus
mit seinen Jüngern gleich. In Damaskus lebte ein Jünger Jesu namens Hananias. Dem erschien der Herr und sagte: „Hananias!“ „Hier bin ich, Herr!“ antwortete er. Das ist ein guter Jünger, der sich nicht vor seinem Herrn versteckt, wenn er ihm begegnen und ihm einen Auftrag geben will. Einer der sagt: Hier bin ich – ich bin für dich da. Ein „normaler“ Mensch dagegen denkt wie der alte Adam und versteckt sich vor Gott hinter irgendwelchen Büschen, wenn er ihn ruft. Unzähliges Gedankengestrüpp mit Entschuldigungen gibt es im Herzen der Menschen. Ein solcher Busch zum Beispiel heißt: Hab ich nicht schon genug getan, sollen doch erst einmal die anderen vor Gott treten und sich in seinen Dienst stellen lassen. Ein andere Hecke, worin man sich vor Gott zu verstecken meint heißt: Das kann ich nicht. Schon die Kinder in der Schule, wenn sie keine Lust haben etwas zu tun, sagen: Das kann ich nicht und meinen dann, sie bräuchten sich nicht damit zu beschäftigen. Zuletzt möchte ich noch das Versteck Ich hab keine Zeit nennen. Mit diesem Einwand kann man sich auch ganz leicht aus Gottes Anspruch winden. Aber so ist Hananias nicht, er stellt sich seinem Herrn zur Verfügung und sagt: „Hier bin ich?“ Kommendes Wochenende wollen wir uns zusammensetzen und uns Perspektiven für unsere Gemeinde überlegen. Möglicherweise kommen neue Aufgaben und Herausforderungen auf uns zu. Wollen wir von Hananias lernen und mit der Einstellung hingehen: „Hier bin ich?“ Schauen wir uns mal den Auftrag an, den Hananias bekommt. Der Herr sagte: „Geh in die gerade Straße in das Haus von Judas und frage nach Saulus aus Tarsus. Er ist dort und betet. In einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias zu ihm kommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.“ Der Auftrag ist klar umrissen. Er hört sich fast militärisch
an. Die Aufgabe ist auch nicht besonders schwer. Aber sie ist ziemlich
gefährlich. Er soll in die Höhle des Löwen. Dem unerbittlichsten Gegner der
Christen. Ja, Gottes Aufträge sind oft mit einem Wagnis verbunden. Ganzer
Einsatz, die ganze Person mitsamt meiner Unterschrift ist gefordert. Hier kann
man sich nicht so leicht mehr verstecken und zurückziehen. Aber Hananias ist ein
vorbildlicher Jünger. Er spricht mit seinem Herrn über seine Bedenken: Auch wir können, nachdem wir unser grundsätzliches Hier-bin-ich gesagt haben, unserem Herrn unsere Bedenken äußern. Die lebendige Beziehung zu ihm, wird unsere Schritte kräftigen. Der Herr sagte zu ihm: „Geh unbesorgt hin, ich habe ihn als mein Werkzeug ausgesucht. Er soll meinen Namen den nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern bekannt machen und auch dem Volk Israel. Und ich werde ihm zeigen, wie viel er für mich leiden muss.“ Jesus überzeugt Hananias damit, dass er ihn in seine Pläne
einweiht. Er zeigt ihm, was er alles mit Paulus vorhat. Paulus soll ein
besonderer Diener Jesu werden. Denken wir einmal begrenzt menschlich und stellen
wir uns vor, Hananias wäre nicht hingegangen. Paulus wäre sein Leben lang ein
Blinder hungriger Mensch geblieben, irrend und suchend nach der Quelle des
Lebens. Er hätte niemanden zu Jesus geführt, hätte das Christentum nicht mutig
vor einer Vergesetzlichung retten können. Kein Martin Luther hätte aus seinen
Briefen die Erkenntnis und Kraft schöpfen können, die eine Erneuerung der Kirche
herbeiführte. Ohne Paulus – menschlich gesehen würden wir alle nicht hier
sitzen. Nur gut, dass Hananias zu ihm hinging. Amen. |
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