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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 12. Februar 2001, Lobpreisgottesdienst
Liebe Gemeinde
Was ist das besondere an dem biblischen Buch der
Sprichwörter?
Das Faszinierende daran ist, dass es die zeitlose,
unschätzbar wertvolle Weisheit Gottes für dich für mich, für normale Menschen
begreiflich und anschaulich macht. Man muss nicht studiert haben, um dieses Buch
zu verstehen, man muss kein Intelligenzbolzen sein, um da mitzukommen.
Lebenswichtige Wahrheiten werden dort für Gebildete wie ungebildete anschaulich
gemacht.
Ich möchte euch mal eine Kostprobe geben.
Willst du wissen, wer ständig stöhnt und sich selbst
bemitleidet? Wer immer Streit hat und sich über andere beklagt? Wer glasige
Augen hat und Verletzungen, die er sich hätte ersparen können? Das sind die, die
bis spät in der Nacht beim Wein sitzen und keine Gelegenheit auslassen, eine
neue Mischung zu probieren. Lass dich nicht vom Wein verführen! Er funkelt so
rot im Becher und gleitet so angenehm durch die Kehle; aber dann wird es dir
schwindelig, als hätte dich eine giftige Schlange gebissen. Du siehst Dinge, die
es gar nicht gibt, und redest dummes Zeug. Du fühlst dich wie auf stürmischer
See, wie einer der im Mastkorb eines Schiffes liegt. Wenn du wieder zu dir
kommst, sagst du: Man muss mich verprügelt haben, und ich habe gar nichts
gespürt! Jetzt muss ich wach werden! Wie kriege ich nur meinen Kopf klar? Ich
brauche einen Schluck Wein.
Eines macht dieses sehr schöne Buch der Bibel grundsätzlich deutlich: Menschen,
die gottesfürchtig, ehrlich, fleißig und weise sind, werden auf viele Arten
belohnt werden. Dabei sind die Sprichwörter zugleich poetisch und praktisch,
humorvoll und hilfreich, direkt und tiefgehend. Es lohnt, sich immer wieder mit
diesem Buch zu befassen.
Heute soll es um ein wichtiges Thema im Buch der Sprüche gehen. Das Thema heißt:
Nach Weisheit streben.
Was genau ist Weisheit?
Weisheit ist die Fähigkeit, in einer Entscheidungssituation
das richtige und beste zu tun. Das zu treffen, was einen weiter bringt, was zum
Leben führt. Man könnte Weisheit auch mit Einsicht, Unterscheidungsfähigkeit,
Klugheit, Sensibilität umschreiben.
Weisheit zu besitzen ist ganz wichtig für ein Leben.
In Sprüche 4, 1-11 versucht ein Vater seine Kinder zu überzeugen, wie wichtig
die Weisheit ist. Er sagt:
„Ihr jungen Männer, hört auf das, was ein Vater euch zu
sagen hat. Achtet auf meine Lehre, damit ihr klug werdet! Was ich euch zu sagen
habe, ist gut – darum vergesst es nicht... Denk allezeit über das nach, was ich
dir beigebracht habe. Wenn du dich danach richtest, wirst du ein erfülltes Leben
haben. Erwirb Weisheit und übe dich im richtigen Urteilen. Vergiss meine
Ratschläge nicht. Trenne dich nie von der Weisheit! Liebe sie, so wird sie dich
beschützen und bewahren. Nur eins im Leben ist wirklich wichtig: Werde weise!
Werde verständig! Kein Preis darf dir zu hoch dafür sein. Liebe die Weisheit,
sie wird dir Ansehen verschaffen; ehre sie – dann erlangst du Ehre. Sie wird
dich schmücken, wie eine wertvolle Krone.“
Und in Sprüche 3, 15-18 steht ebenfalls warum die Weisheit so wichtig ist:
Weisheit zahlt sich nämlich aus.
„Wie glücklich ist, der die Weisheit gefunden und die
Erkenntnis erlangt hat. Weisheit besitzen ist besser als Silber, wertvoller als
das reinste Gold. Es ist kostbarer als Edelsteine: nichts, was man sich wünschen
könnte ist mit ihr vergleichbar. Sie bringt ihrem Besitzer langes Leben,
Wohlstand und Ansehen. Sie erfüllt sein Leben mit Glück und Sicherheit. Sie ist
der wahre Baum des Lebens. wer sie erlangt und festhält, kann sich glücklich
preisen.“
Überlegt einmal: Was würdet ihr dafür geben, ein Vater zu werden, der weiß, wann
er seine Kinder ermutigen, wann er sie bremsen soll. Oder eine Mutter, die weiß,
wann sie zärtlich sein soll, wann sie schimpfen muss. Eltern zu sein, die es
Kindern ermöglichen den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen zu
sein, Kinder erziehen zu können, die wissen, wie sie mit Konflikten umgehen
können, die reife Beziehungen eingehen können, die klug mit Geld umgehen können.
Ich glaube, jede Mutter, jeder Vater würde sagen: Das ist mir wichtiger als viel
Geld, ein dickes Auto oder ein großes Haus. Wer Weisheit erwirbt, erlangt auch
die Fähigkeit, weise zu erziehen.
Mit Weisheit können wir ein besseres Leben führen. Sie bietet uns unschätzbar
wertvollen Rat in Bezug auf Selbstdisziplin, die Wahl des Freundeskreises, ein
funktionierendes Familienleben, den Umgang mit Geld und dem eigenen Körper,
geistliches Wachstum, Verantwortung für andere, den Umgang mit Gefühlen.
Ich möchte nun etwas zum Wesen der Weisheit sagen. Die Weisheit ist so etwas wie
eine Entscheidungshilfe. Den ganzen Tag über müssen wir uns für oder gegen etwas
entscheiden. Den ganzen Tag über verspüren wir verschiedene Impulse, denen wir
nachgehen wollen. Ich nehme mal an, dass die Morgenmuffel unter uns, heute
morgen den Impuls spürten: „Schlaf erst mal aus! Dreh dich noch einmal im Bett
um.“ Die Dummheit oder auch Torheit, wie sie in der Bibel genannt wird, folgt
ohne zu überlegen dieser Eingebung. Die Weisheit aber fragt nach. Was ist wohl
das beste für meine Seele, für meinen Glauben, für die Gemeinde – und hilft mir,
dass ich den richtigen Weg einschlage.
Es ist so wie bei dem Anspiel: An jeder Wegzweigung unseres Lebens sitzt die
Torheit und rät uns zu etwas Dummen. Nur die Weisheit schützt uns vor diesen
falschen Entscheidungen.
Immer wieder warnt uns das Buch der Sprüche vor der Torheit. Der Weg eines
Narren ist nämlich eine Abwärtsspirale. Am Ende dieser ständigen schlechten
Entscheidungen steht die Zerstörung, das Elend, die Not. Dabei nimmt die Bibel
kein Blatt vor den Mund, Toren zu tadeln. Mit scharfen Worten warnt die Bibel
uns auf die Eingebungen der Torheit zu hören, die an den vielen Wegabzweigungen
unseres Lebensweges lauern.
Ein paar Beispiele:
In 15,14 und 16,22 heißt es: „Ein Dummkopf kommt um. -
Seine bodenlose Dummheit bringt ihn ins Grab. Dummköpfe werden durch ihre eigene
Dummheit bestraft“.
Oder einmal heißt es: „Ein Narr hält alles was er tut für richtig; Weise hören
auf klugen Rat.“. Oder „Der Kluge ist vorsichtig und meidet das Böse; der Dumme
handelt unbeherrscht und überschätzt sich.“ Sowie: „Der Dummkopf gibt jedem
Ärger freien Lauf; der Weise kann sich beherrschen.“ 29,11.
Man wünscht sich, die Bibel würde diese Sachverhalten etwas freundlicher
ausdrücken. Aber ich glaube, die Sache ist zu ernst. Torheit ist zu gefährlich.
Darum warnt sie so eindringlich. Denn jeder, ihr und ich, schlagen immer mal
wieder den Weg der Torheit an. Wer sich das angewöhnt, der nimmt ein bitteres
Ende. Niemand, der die Sprüche kennt und ein schlechtes Ende nimmt, kann Gott
vorwerfen, dass er ihn nicht gewarnt hätte.
Zu einem Pfarrer kam einmal ein Mann, der wütend auf Gott
war, weil dieser es zugelassen hatte, dass Gott ihm so viel Leid zugefügt hätte.
Und so erzählte er seine ganze Geschichte. Als er damit fertig war, sich zu
beklagen und Gott für alles verantwortlich zu machen, was in seinem Leben schief
gelaufen war, meinte der Pfarrer: Puh, das ist ja eine ganz schöne Geschichte!
Darf ich ihnen ein paar Fragen stellen? Sie sagten, dass ihre Exfrau eine
schreckliche, bösartige Person gewesen sei. Ich frage mich nun, wie ihre
Beziehung gewesen ist, bevor sie so wurde. Denn sie kann ja nicht von Anfang an
so gewesen sein, sonst hätten sie nicht geheiratet. Waren sie gut zu ihr, waren
sie ihr treu? Oder haben sie vielleicht ein paar schlechte Entscheidungen
getroffen, die zum Zerbrechen Ihrer Ehe beigetragen hat? Der Mann gab zu, dass
er ein paar dumme Sachen gemacht hatte.
Dann fragte der Pfarrer: Und, was Ihre Schulden und die Probleme mit der Steuer
angeht ... eine ganz einfache Frage: Haben sie je über ihre Verhältnisse gelebt?
Haben sie manchmal mehr ausgegeben, als sie verdient haben? Haben sie je etwas
aus einer Laune heraus gekauft, das sie sich eigentlich nicht leisten konnten?
Der Mann gab zu, dass ihm das ein paar Mal passiert war.
Der Pfarrer fuhr fort: Und jetzt sind sie frustriert, weil niemand sie
einstellen will. Auch hier eine Frage: Waren sie ein guter Angestellter? Wenn
ich ihre drei letzten Chefs anrufen würde, wären diese traurig, weil sie einen
so guten Angestellten verloren haben? Nun ja, der Mann war bei seinem letzten
Beruf gefeuert worden, weil er ein paar Mal die Beherrschung verloren und seinem
Chef gesagt hatte, was dieser ihn konnte.
Dann sagte der Pfarrer: Ich glaube nicht, dass Gott sie zu
diesen Leiden auserkoren hat. Ich denke, dass sie nicht Gott für all die
Probleme verantwortlich machen können. Die Bibel sagt: Was man sät, das erntet
man. Mir scheint, Sie haben eine ganze Menge dummes Zeug ausgesät und nun
bekommen sie die Quittung. Vielleicht sollten sie bei sich selbst nach ihren
Fehlern suchen.“
Wenn ihr, nicht verbittert wie dieser Mann enden wollt, dann rate ich, es mit
der Weisheit ernst zu nehmen. Fangt an, nach der Weisheit zu streben.
Wie kann man damit anfangen?
Das allerwichtigste und erste Schritt in die Schule der Weisheit zu gehen heißt:
Den Herrn ernst nehmen – das ist der Anfang aller Weisheit (1,7). Wenn ihr damit
anfangen wollt, etwas zu erwerben, das wertvoller ist als Gold, dann fangt an
mit dem, was das Wichtigste ist, euren Weg mit Gott zu gehen. Gott hat euch
unglaublich lieb, er will zu euch eine persönliche Beziehung aufbauen, er hat
durch seinen Sohn Christus die Hand der Vergebung und Versöhnung zu uns
ausgestreckt. Er macht jedem Menschen das größte Angebot überhaupt: „Komm,
ergreif meine Hand, und ich werde dir helfen, dein Leben zu meistern.“
Wenn wir unser Leben ändern wollen, dann sollten wir damit
anfangen, sein Angebot anzunehmen. Ihr könnt diese kluge Entscheidung treffen,
die so klug ist, dass sie den Rest eures Lebens und die Zukunft nach diesem
Leben vollkommen umkrempeln kann. Wenn du lernen willst, weise zu handeln, dann
fang hiermit an: Öffne dein Herz für Gott, leg deine Hand in seine und nimm die
Vergebung an, die er dir anbietet. Gott ernst zu nehmen, das ist der Anfang der
Weisheit.
Amen.
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