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nach dem Heiligen Geistes richten                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 1. Oktober 2000

Das soll heute unser Thema sein: Uns nach der Spur des Heiligen Geistes richten.

Liebe Gemeinde

Der Predigtabschnitt für heute steht in Gal 5, V 25 und 6,1-10. Dort heißt es:

Wenn wir im Geist leben, so sollen wir uns auch nach dem Geist richten. Lasst uns nicht eitlem Ruhm nachjagen, Kränkungen und Neid sollen keine Rolle spielen. Liebe Brüder, auch wenn jemand bei einem Fehltritt ertappt wird, so sollt ihr als Geistliche, die ihr seid, den Betreffenden im Geist helfender Güte wieder zurecht bringen. Und achte auf dich selbst, dass du nicht auch der Versuchung erliegst! Einer trage des anderen Last: So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Wer sich einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein eigenes Leben sehr genau überprüfen. Dann wird er nämlich erkennen, wie unberechtigt es ist, sich über andere zu erheben. Denn jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich. Das ist schon schwer genug. Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Was der Mensch sät, das wird er ernten: Wer auf das Fleisch sät, wird Verderben ernten; wer auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten.

Liebe Gemeinde

Wer auf das Fleisch sät, wird Verderben ernten; wer auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten. Wenn jemand diese Worte ohne den biblischen Hintergrund zu kennen hört, könnte hinter diesem letzten Vers keinen Sinn erkennen. Wie kann man, wenn man auf ein Stück Fleisch, beim Metzger gekauft, ein paar Samenkörner säen und dann irgendwann Verderben ernten? Irgendwie geht das nicht. Darum versuche ich mit Hilfe einer Gleichniserzählung zu erklären, was Fleisch und Geist bedeutet. Leider muss ich dafür etwas ausholen und komme so weniger auf die Ermahnungen zu sprechen.

Ein Großgrundbesitzer verpachtete seinen Hof an eine Familie. Die Familie bekam auf dem Hof große Freiheiten. Sie durften alle Gerätschaften benutzen, das Land bebauen wie sie wollten, und große Feste feiern. Der Großgrundbesitzer wünschte nämlich, dass die Familie es gut haben sollte. Er verlangte nur, dass die Familienmitglieder gut miteinander umgehen sollten und dass sie von den besten Früchten der Felder am Anfang der Ernte ihm abgeben sollten. Es dauerte aber nicht lange, da wurde es der Familie zu wohl in der Haut. Eines Tages, als die ersten Früchte wieder reif geworden waren, aßen Vater und Mutter heimlich von der besten Erstlingsfrucht, die für den Herrn bestimmt war.
Die Folge: Das Verhältnis zu dem Herrn wurde sehr schlecht. Statt sich bei dem Herrn zu entschuldigen, wurde die Familie frech. Sie behauptete, sie hätte das Recht auf diese Früchte. Das, was sie für sich erarbeitet hätten, sei für ihr eigen Fleisch und Blut. Und weil ihnen ihr eigenes Fleisch und Blut so wichtig war, nannte der Herr sie „Familie Fleisch“.

Eine zweite schlimme Folge ihres Raubes war, dass sie auch untereinander sehr misstrauisch wurden. Jeder beneidete den anderen um seine Früchte. Es dauerte nicht lange, da schlug einer der Söhne seinen Bruder tot, weil er glaubte, sein Bruder hätte die besseren Früchte.
Von nun an herrschte Neid, Streit und Misstrauen in der Familie. Durch diesen mal unterschwellig schwelenden mal offenkundig zutage tretenden Streit verlotterte der ganze Hof. Die Tiere litten, das Saatgut verrottete und verdarb. Das meiste, was die Familie säte waren Dornen und Disteln. Außerdem schien ein Fluch auf den Feldern zu liegen. Denn alles was darauf gepflanzt wurde, schimmelte nach einer Gewissen Zeit vor sich hin.
Je weniger gute Früchte es gab, um so gieriger wurden die Menschen nach Frucht. In ihrer Sucht nach guter Frucht begannen sie, sich etwas vorzumachen. Sie malten Kieselsteine bunt an und behaupteten es sei Korn, andere polierten ihre verschimmelten Früchte auf, gaben vor, sie seien kerngesund. In Wirklichkeit waren sie von feinen tödlichen Schimmelfäden durchzogen. Wieder andere lästerten über die schlechten Früchte der anderen, um darüber hinweg zu täuschen, dass sie selber keine gute Frucht hatten. Der Herr über den Hof nannte diese falschen Früchte: Werke des Fleisches. Denn sie waren nicht gewachsen, sondern hergestellt, bzw. manipuliert von Familie Fleisch.

Es gab wenige ehrliche Familienmitglieder, die sich nicht täuschen ließen. Sie litten unter der Tatsache, dass es keine guten Früchte mehr gab, dass die Familie immer kränker wurde. Sie wurden angefeindet, weil sie die unangenehme Wahrheit sagten.

Es gab aber noch einen einzigen Sohn des Großgrundbesitzers. Er lebte unweit von Familie Fleisch. Der Sohn liebte seinen Vater von Herzen. Gerne brachte er seinem Vater die guten Früchte, die er erntete und gemeinsam machten sie ein Fest mit diesen Früchten. Auf seinem Hof wuchs, blühte und gedeihte alles prächtig. Von ferne sah der Sohn auf den verwahrlosten Hof, den Streit, das Geschrei, die Missgunst. Und es tat ihm weh im Herzen, dieses Unheil anzusehen.

Eines Tages ging der Sohn auf Geheiß seines Vaters auf den verwahrlosten Hof und bot allen an, mit ihm zu tauschen. Jeder der wollte durfte auf seinem Hof leben, säen, pflanzen und ernten. Ein Berater mit Namen Geist lebte auf dem Hof des Sohnes, der sollte ihnen helfen. Er sollte sie bewahren, vom alten Feld Saatgut zu holen. Er achtete, dass sie die gute Saat nicht auf die schlechten Felder der Familie Fleisch streuten. Die Menschen, die von dem Angebot des Sohnes Gebrauch machten und mit Herrn Geist auf dem neuen Hof lebten, bezeichnete man geistlich, weil sie im Geist des Vaters und des Sohnes lebten und sich helfen ließen.

Was aber geschah mit dem Sohn: Die meisten Sippenmitglieder der Familie Fleisch wurden so wütend und so neidisch auf seine Früchte, dass sie den Sohn totschlugen. So nahm der Sohn das Schicksal auf sich, welche die Familie Fleisch verdient hätte. Der Tod, der durch die Familie Fleisch aber in die Welt gekommen war, hatte kein Anrecht auf ihn. So wurde der Sohn wieder lebendig und er kehrte zu seinem Vater nach Hause zurück.

Die Menschen, die dem Sohn vertrauten, lebten auf dem neuen Hof. Sie befolgten die Anweisungen des Beraters. Und siehe da – auf den Feldern wuchs, blühte und gedeihten die Früchte des Feldes herrlich.

Ab und zu geschah ein Missgeschick. Einer säte doch noch etwas vom alten Samen oder Streute seine Zeit auf alten verseuchten Boden von Familie Fleisch. Doch dann war flugs der Betreuer zur Stelle und mit Hilfe eines der neuen Geschwister wurde der entstandene Schaden behoben, ohne dass die Gesamternte Schaden nahm.

Liebe Gemeinde - sie haben es sicher gemerkt. Die Geschichte spiegelt die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen wieder.

Gott setzte den Menschen in ein großes und herrliches Gut. Unsere Erde. Er schenkte ihm so viel und wünschte Gegenliebe und Anerkennung seiner Güte zu bekommen. Aber der Mensch verweigert Gott, in sich selbst verliebt, die Liebe, die Anerkennung und Ehre. Gleichzeitig ist er süchtig nach Selbstbestätigung geworden. Nach Anerkennung seiner eigenen Person.

So gibt es bis heute unter uns Menschen ein mal offenes, mal verstecktes Jagen nach Ehre, Anerkennung und Selbstbestätigung. Ein Streit, um Machtpositionen, da dort die höchste Anerkennung zu ruhen scheint. Ständiger Neid, wer das schönste Aussehen hat, wer die beste Leistung erbringt, wer die klügsten Sprüche weiß. Ein Gieren nach Geld, mit Hilfe dessen Kaufkraft man meint sich Anerkennungsobjekte kaufen zu können.

Paulus nennt diese Gier nach Anerkennung, nach Selbstbestätigung, diese Selbstvergötterung: Fleisch.

Und in die Herrschaft des Fleisches hinein kam Jesus Christus. Er bot den Menschen die neue Perspektive an:

Vertraut euer Leben mir an, folgt mir nach. Ich schenke euch meine Ehre und nehme eure Schande auf mich. Und ich gebe euch einen Begleiter zur Seite, den Heiligen Geist. Der wird euch helfen so zu leben, dass Euer Leben gute Frucht bringt. Er wird Sorge tragen, dass ihr nicht in das alte, kaputte Leben des Fleisches zurückfallt. Mit seiner Hilfe könnt ihr geistlich, könnt ihr Gott gefällig leben.

An dieser Stelle knüpft nun die Mahnung des Predigtabschnittes an. Wenn wir auf der Seite des Geistes leben, also im Geiste Jesu leben, so sollen wir uns auch nach dem Geist richten. Paulus ermahnt diejenigen, die sich für Jesus Christus entschieden haben, in der Spur des Betreuers, des Heiligen Geistes zu bleiben.

In der Spur des Geistes zu leben heißt nun: Ich verzichte darauf, bei anderen meine Anerkennung zu suchen. Ich vertraue darauf, dass ich als Christ Gottes Kind bin und dies die höchste Auszeichnung und Anerkennung für einen Menschen ist. Wenn ich aber eitlem Ruhm nachjage, andere kränke und klein mache, auf das was andere haben und können neidisch bin, dann falle ich aus der Spur des heiligen Geistes. Dies ist die Mentalität des Fleisches.

Paulus schriebt: Lasst uns nicht vergänglichem Ruhm nachjagen, Kränkungen und Neid sollen keine Rolle spielen.

Wieder eigene Früchte produzieren wollen – da fällt man aus der guten Spur heraus.

Leben in der Spur des Heiligen Geistes hat noch viele Schattierungen. In diesem Abschnitt legt Paulus noch auf eine Sache besonderen Wert. Auf den Umgang miteinander, insbesondere, wenn einer einen Fehler gemacht hat.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, auch wenn jemand bei einem Fehltritt ertappt wird, so sollt ihr als Geistliche, die ihr seid, den Betreffenden im Geist helfender Güte wieder zurecht bringen.

Bei einem Fehltritt ertappt! Hier steht nicht: Wenn du gehört hast, dass einer gesündigt hat. Sondern hier steht, wenn einer ertappt wird – das heißt, wenn Du Zeuge einer Sünde wirst. Sündigen sollte bei einem Christen die Ausnahme sein, nicht der Normalfall. Aber Paulus ist Realist genug, um zu sehen, dass man hin und wieder einmal zurückfällt und Fehler macht. Aber wie geht man damit um? Wenn man nun doch Zeuge von so einem Missgeschick ist? Nun gilt es, damit behutsam umzugehen. Es gibt ja Gemeinden, da freut man sich richtig, wenn jemandem ein Fehler unterlaufen ist. Dann erzählt man sich genüsslich, was der eine Mitarbeiter wieder für einen Fehler gemacht hat und schmückt das ganze noch aus. Während der Betroffene nur sieht, wie ihm alle plötzlich aus dem Weg gehen. Nein, so soll es nicht sein. Vielmehr sollte ein Zeuge des Unfalls zuerst in sich kehren und seine eigene Neigung, mal ins alte Fahrwasser zu rutschen erkennen und demütig werden. Dann sollte er dem „Sünder“ klar in die Augen sehen, deutlich sagen, was er gesehen hat und wie diese Sache im Licht des Wortes Gottes zu bewerten ist.

Im „Geist helfender Güte“ heißt auch Hilfe anzubieten: „Was könnte ich für dich tun, dass du da wieder davon wegkommst?“

Dabei sollte man immer sehr selbstkritisch bleiben. Meist ist es ja so, dass man einen Splitter im Auge des anderen sieht, aber den Balken bei sich selbst nicht. Das kann Gott nicht leiden. Außerdem gibt es nichts unangenehmeres als von einem Hochmütigen schulmeisterlich zurechtgewiesen zu werden. Wenn einer so kommt, dann sündigt man erst recht weiter. Gerade zum Trotz.

Beginnt eine Gemeinde die Last des andern wirklich zu tragen, statt immer nur nachzutragen, was er falsch gemacht hat, dann läuft sie in der Spur des Geistes Jesu. Sie richtet sich nach dem Betreuer. Alles was sie in diesem Geist säen wird, wird aufgehen, blühen und gedeihen und ewige Frucht bringen. Eine Gemeinde, die so lebt, wird wie eine blühende, fruchtbare Oase mitten in einer Wüste menschlicher Kälte, Neid und Machtstreben sein.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010