Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Mitarbeiter Gottes                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Juli 2003

Liebe Gemeinde

Der für diesen Sonntag vorgesehene Bibelabschnitt steht in Lk 5,1-11. Es geht um den so genannten Fischzug des Petrus. Dort steht:

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen, und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im anderen Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. 

Er ist gekommen, damit die Menschen, die sich nach Errettung sehnen nicht zugrunde gehen müssen, sondern wirklich gerettet werden. Und das hat er sich viel kosten lassen. So lehrt er nicht nur von der Kanzel in den Synagogen, sondern er geht auch dorthin, wo die Leute sind. In die Städte, die Dörfer und Häuser. Auf Bergen, an Brunnen und am Ufer des Sees Genezareth. Überall, wo er lehrt, kommt eine riesige Menschenmenge und hört ihm zu. Jesus ist als Mensch, nicht als Engel gekommen, um das Angebot der Rettung zu machen. Darum braucht er Menschen, um dieses Angebot menschlich an alle Welt weitergeben zu können. Anders könnten die Menschen Gott gar nicht verstehen. Schon am See Genezareth ist es, als wären hier schon so viele Menschen, die ihn bedrängen, die Seelsorge, die Gebet, die eine direkte Ansprache brauchten, so dass Jesus als irdischer Mensch es gar nicht alleine bewältigen konnte. Jesus will und er braucht Helfer, um Menschen die Liebe Gottes näher zu bringen.

Wer könnte ihm da zu Hilfe kommen? Wer folgt ihm nach, um den Menschen Gottes Liebe weiterzugeben? Was wünscht sich Jesus von einem, der seine Liebe anderen Menschen weiterbringt? Wer ist geeignet für diesen großen, königlichen Auftrag. Es ist Petrus. An Petrus sehe ich vier Eigenschaften, die auch für uns wichtig sind, wenn wir als Kirche, als Gemeinde den Auftrag, Menschen zur Quelle des Lebens zu führen.

1. Jesus braucht fleißige Leute

da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen, und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren.

Jesus sah Fischer am Ufer, die arbeiteten. Sie waren die ganze Nacht draußen auf dem See. Und jetzt machten sie die Netze sauber. Sie bereiteten den nächsten Fang vor.

Liebe Gemeinde – Jesus braucht für seinen großen Fischfang fleißige Leute. Mit Faulen, die sich nur bedienen lassen wollen, Leute, die nicht bereit sind, sich einzusetzen, sich zu investieren, eignen sich nicht zum Dienst für Gott. Gott dient uns Menschen gerne, er möchte, dass wir in ein Leben der Fülle eintreten. Er schenkt uns mit Jesus alles. Aber er hat uns nicht so geschaffen, dass wir jede freie Minute nur vor dem Fernseher sitzen sollen, sondern, dass wir für ihn und für unsere Mitmenschen beweglich sind.

Besonders das Neue Testament hat sehr harte Gerichtsworte gegenüber den Faulen. In einem Gleichnis heißt einmal: „Du böser, fauler Knecht hinweg mit Dir“ .

Jesus verlangt nichts unmenschliches. Er knüpft bei den Gaben an, die Menschen haben. Petrus besaß ein Boot. Jesus braucht gerade eine Kanzel auf dem Wasser, damit alle ihn hören können. Dies stellt Petrus ihm gerne zur Verfügung. Auch als Petrus Menschenfischer für Jesus wird, kann er an den berufsbedingten Gaben eines Fischers ansetzen: Ein Fischer muss ruhig und gelassen sein. Ein nervöser Typ würde nur die Fische verscheuchen. Ebenso ein Menschenfischer. Er muss mutig sein. Nicht jeder traut sich bei Nacht aufs Wasser. Ebenso braucht ein Menschenfischer Mut. Er muss wachsam sein, um im geeigneten Augenblick zu handeln. Ebenso ein Menschenfischer. All das kann Jesus auch gebrauchen und veredeln, damit Petrus ein Menschenfischer werden kann.

Welche Voraussetzungen haben Sie, um Jesus für seinen großen Fang helfen zu können? Inwiefern können Sie sich einbringen? Hören Sie mal in sich hinein! Bittet Jesus Sie, um eine Art Boot?

Kommen wir zur zweiten und dritten Eigenschaft:

  • Das ist der Glaube

  • Und das ist die Einsatzbereitschaft

Und Jesus setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

Petrus ist Chef eines kleinen Fischereiunternehmens. Er kennt sich aus mit Fischen. Wahrscheinlich ist er schon als kleiner Junge mit seinem Papa auf den See raus gefahren. Wahrscheinlich war er auch in seinem Beruf erfolgreich – denn es heißt Jesus stieg in eines der Boote, das Petrus gehörte. Bestimmt hatte sich Petrus durch sein Geschick eine gute Existenzgrundlage mit mehreren Booten aufgebaut. Eine kleine Fischfangflotte.

Und da kommt nun einer, der in den Bergen aufgewachsen ist. Einer, der nur Balken gehobelt hat und Bibel gelesen. Aber der menschlich gesehen keine Ahnung vom Fischfang haben konnte. Und von ihm lässt sich Petrus etwas sagen: Petrus sagt: „Auf dein Wort hin.“ Man spürt diesem Wort gerade zu an, wie Petrus noch sagen will: „Ich selber, ich Petrus, mit meiner Fachkenntnis, mit meiner Erfahrung würde sagen nein, mitten im See schwimmen keine Fische und schon gar nicht bei Tag. Eigentlich bringt das nichts, ich glaube nicht, dass wir noch etwas fangen. Aber, weil Du es sagst, will ich meine Netze auswerfen.

Liebe Gemeinde, das ist der Glaube, den die Bibel immer wieder von uns wünscht. Dass wir auf Gottes Wort etwas tun. Erst an zweiter Stelle folgt dann unsere Kenntnis, unser Wissen. An erste Stelle steht das „Auf dein Wort hin.“ Auch wenn ich den ersten Schritt nur halbherzig tue. Gehorsam muss man lernen, indem man auf Gottes Wort hin sich bewegt. Das ist echter Glaube.

Und die dritte Voraussetzung ist die Einsatzbereitschaft.

Petrus stand kurz vor dem Feierabend. Stellen Sie sich vor, sie stehen kurz vor einem freien Wochenende, sie haben ihren Schreibtisch schön aufgeräumt, bzw. ihre Maschinen saubergemacht und dann kommt der Pfarrer aus der Gemeinde und bittet sie, die Produktion noch einmal anzufahren, das Programm noch einmal zu starten und die ganze Aktion von vorne zu beginnen. Oder stellen sie sich vor, sie hätten die Küche geputzt und aufgeräumt und jemand bäte sie, noch eine Sahnetorte zu backen. Jesus fordert nicht, er verlangt nicht, sondern er bittet Petrus hinauszufahren. Petrus hätte meiner Ansicht nach auch problemlos „Nein“ sagen können. Ich höre auch ein wenig das Stöhnen aus seinen Worten: „Die ganze Nacht lang habe ich gearbeitet.“

Und doch fährt Petrus hinaus und wirft die Netze aus. Petrus, wenn wir doch alle wären so wie du. Dass wir einmal tief durchatmen aber dann auf Jesu Wort hin – nicht auf unser eigenes hin – auf Jesu Bitte hin, es wagen und Einsatz zeigen. Denn nur mit ganzem Einsatz fängt man Fische, nur mit ganzem Einsatz gewinnt man Menschen für die Frohe Botschaft.

Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im anderen Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken.

Wer auf Jesu Wort hin handelt, der braucht nicht meinen, dass Gott ihn darben lässt, so wie ein Unternehmen, das vor dem Bankrott steht und seine Arbeiter nicht mehr bezahlen kann. Gott kann hier und da schon einmal das Vertrauen prüfen, so dass man jeden Tag darauf vertrauen muss, dass man genug zu essen bekommt, doch in der Regel sorgt er gut für seine Leute. Königlichen Lohn bekommt Petrus für seinen Einsatz. Ich denke, der Lohn sollte nicht das Motiv für unseren Dienst sein, sondern eher die Liebe und die Dankbarkeit. Und dennoch ist es schön, immer wieder zu erfahren, wie wunderbar Gott für seine Diener sorgt und sie königlich belohnt.

Jesus zeigt mit diesem Fischfang auch, wie groß die Aufgabe ist. Allein kann ein Mensch das gar nicht bewältigen. Man braucht Gefährten. Liebe Gemeinde, auch wir sollten uns bewusst werden, dass die Aufgabe, die Jesus seiner Gemeinde gegeben hat, alle Welt zu Jüngern zu machen, nicht von einzelnen bewältigt werden kann. Wir müssen gemeinsam anpacken. Gemeinsam die Netze auswerfen. D. Plumanns sagte einmal: Ein Schachklub braucht nicht nur gute Schachspieler. Es braucht auch Schriftführer, Turnierleiter, Kassierer, Sponsoren. So braucht die Gemeinde jeden einzelnen, um diesen Auftrag zu bekommen. Ich träume immer davon, dass wir eine Person freistellen könnten, ja, die von der Gemeinde bezahlt wird, die in die Cafés geht, auf die Straßen und Plätze, dort wo die Leute sind und sie anspricht, sie einlädt. Ich träume von Glaubensgesprächen, wo die Eingeladenen in einer guten Runde miteinander sich austauschen, das Evangelium hören, beten lernen und erste Schritte im Glauben einüben. Ich träume von festlichen Galaabenden – so wie wir sie am 27. Juni erlebt haben. Dass wir Gäste einladen, mit ihnen feiern und ihnen die Liebe Gottes weitergeben.

Das kann keiner allein. Da müssen wir alle, sie und ich Einsatzbereitschaft zeigen. Hinzueilen zu unseren Petrussen und ihnen helfen, die Netze einzufangen.

Kommen wir zur vierten Eigenschaft: Ein Bote Jesu hat Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis

Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.

Hier folgen die nächsten zwei Voraussetzungen

Bei der Vorbereitung überlegte ich mir, wann ich einmal so richtig von einem Schrecken befallen wurde.
Das war einmal, als ich bei einem Sommerlager mitten in einem Gewitter, bei dem die Blitze links und rechts direkt über mir einschlugen, zu meinem Zelt eilte. In diesem Gewitter spürte ich, wie klein ich bin, wie nahe der Tod doch sein kann. Ebenso spürte ich es einmal beim Baden im Meer, als eine hohe Welle direkte über mich hereinbrach, mich ergriff und hin und herwirbelte. Ich konnte mit meiner Kraft, nichts, aber auch gar nichts bewirken. Ich konnte nicht stehen bleiben, nicht schwimmen, nicht sehen. Ich wurde einfach weggerissen. Schluckte Wasser, wusste nicht mehr wo oben, wo unten ist. Auch hier wurde mir bewusst, wie klein ich bin.

Ebenso denke ich, dass Petrus und seine Kollegen plötzlich erkennen, wie klein sie sind. Dass hier einer steht, dem sogar die Fische im Meer gehorchen. Folgerichtig redet Petrus ihn nicht mehr mit Rabbi an. Rabbi könnte man heute wiedergeben mit einem Ehrentitel wir Herr Pastor, oder Herr Doktor. Sondern er sagt „Herr“. Und „HERR“ war auch damals schon die Bezeichnung für Gott. Mit seinem Leib drückt er dies aus, dass Petrus vor ihm niederfällt.

Und Leute wie Petrus braucht Jesus, die erkennen, wer sie im Grunde ihres Herzens selbst sind. „Ich bin ein sündiger Mensch“, sagt Petrus. Sünder sein, das heißt: Ich bin ein Rebell. Ich lehne mich auf gegen Gottes Willen, gegen Gottes Heiligkeit und Macht, ich gehöre nicht zu seinem Reich, sondern zum Reich seines Gegners. Und Rebellion wurde zur Zeit Jesu mit dem Tod bestraft. Petrus erkennt nun, wie es um ihn steht. Dass er vor Gottes Macht ausgeliefert ist, wie ein Mensch in einem Seesturm oder Gewitter. Darum fürchtet er sich.

Wer sich das eingesteht, wer Gott und sich erkennt, der kann von Jesus gebraucht werden.

Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Immer, wenn Gott sagt: „Fürchte dich nicht!“ Dann hat er etwas großes mit einem Menschen vor. Und mit Petrus geschahen noch große Dinge. Er wurde Zeuge der Verklärung Jesu, Zeuge seiner Auferstehung. Er bekam große Vollmacht zu predigen, wurde von Engeln aus dem Gefängnis geholt. Heilte Kranke und führte Tausende von Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Im Reich Gottes ist er einer der ganz Großen. An einer Stelle wird nur ihm der Schlüssel des Himmels anvertraut. Es fing ganz klein an – mit Jesu Wort und seinem Auftrag: Von nun an wirst du Menschen fischen.

Sind Sie auch bereit, sich in seinen Dienst zu stellen? Dann gilt ihnen: Fürchte dich nicht, von nun an sollst Du Menschen fischen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010