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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 13. August 2000
Liebe Gemeinde
Der Bibelabschnitt für heute steht in 1.Kor 6,9-20: Ich lese
aus einer modernen Übersetzung.
Habt ihr vergessen, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes Reich kein
Platz sein wird? Darauf könnt ihr euch verlassen: Keiner, der unzüchtig lebt,
kein Götzendiener, kein Ehebrecher, kein Mensch, der sich von seinen Begierden
treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird einen Platz in Gottes Reich haben;
auch kein Dieb, kein Ausbeuter, kein Trinker, kein Verleumder oder Räuber. Und
all das sind einige von euch gewesen. Aber jetzt sind eure Sünden abgewaschen.
Durch Jesus Christus gehört ihr ganz neu zu Gott, und durch seinen Geist seid
ihr freigesprochen.
Es ist alles erlaubt, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht alles gut für
euch. Diese Parole: „ Alles erlaubt“ darf aber nicht dazu führen, dass ich mich
von irgend etwas beherrschen lasse und meine Freiheit verliere. Wenn ihr
schreibt: „Das Essen ist für den Bauch und der Bauch für das Essen, dann ist das
schon richtig. Und ebenso gewiss hat Gott beides - das Essen wie den Bauch – zur
Vergänglichkeit bestimmt. Aber das bedeutet nicht, dass Gott uns den Leib gab,
damit wir unsittlich leben!
Vielmehr wurde auch unser Körper zum Dienst für den Herrn geschaffen. Deshalb
ist es Gott nicht gleichgültig, wie wir damit umgehen. Denn Gott wird uns vom
Tod zum ewigen Leben auferwecken, so wie er Christus durch seine Kraft
auferweckt hat.
Wisst ihr denn nicht, dass auch euer Körper zum Leib Christi gehört? Wollt ihr
wirklich den Leib Christi mit dem einer Hure vereinigen? Niemals! Denn wer sich
mit einer Hure einlässt, der wird ein Leib mit ihr. So heißt es schon in der
Heiligen Schrift von Mann und Frau: „Die zwei werden ein Leib sein.“ Wenn ihr
euch dagegen dem Herrn zuwendet, werdet ihr mit Christus eins sein durch seinen
Geist. Deshalb warne ich euch eindringlich: Flieht die Unzucht! Denn mit keiner
anderen Sünde vergeht man sich so sehr am eigenen Leib wie mit einem
unsittlichen Leben.
Oder habt ihr etwa vergessen, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes
ist, den euch Gott gegeben hat? Ihr gehört also nicht mehr euch selbst. Denn ihr
seid teuer erkauft, darum preist Gott mit euerem Leibe.
Immer wieder kommt es vor, dass Terroristen Menschen überfallen, in ihre Gewalt
nehmen, sie in ein geheimes Versteck verschleppen, und eine hohe Lösegeldsumme
verlangen. Wenn diese Summe nicht bezahlt werden kann, dann lässt man die Opfer
verhungern oder tötet sie. Glücklich sind die Geiseln, bei denen ein Lösegeld
bezahlt werden kann – wie es kürzlich bei einem Spiegelreporter der Fall war.
Eine solche Geisel kommt frei und kann sich vom Trauma der Geiselnahme erholen.
Liebe Gemeinde – von einer ähnlichen Gefangenschaft geht unser Predigtabschnitt
aus. Er geht davon aus, dass die Korinther in Gefangenschaft waren. Nicht in
Gefangenschaft von irgendwelchen Terroristen, sondern in der Gefangenschaft von
sündigen Mächten und Zwängen. Paulus beschreibt in Schlagworten diese
Gefangenschaft.
Der Käfig der Unzucht:
Unzüchtige – das waren Menschen, die gefangen waren in ihren
Sexphantasien. Ein Zwang trieb sie dazu, ins Bordell zu gehen. Korinth war
damals bekannt als die sittenloseste Stadt in der Antike. Viele Korinther waren
in dieser Sexkultur verfangen.
Kerker des Götzendienstes:
Darin lagen gebunden abergläubische Menschen, die sich
zwanghaft fürchteten vor irgendwelchen dämonischen Mächten und sich auf sie
einließen.
Das Verlies des Ehebruchs:
Menschen waren gefesselt an ihrer Treulosigkeit. Sie konnten
sich nicht mit einem Menschen begnügen. Immer wieder mussten sie neue
Eroberungen machen. Immer wieder reizte sie das Spiel mit dem Feuer. Immer
wieder machten sie damit andere Familien und Menschen unglücklich.
Der Knast von sexueller Verirrung:
Darin waren Männer verstrickt, die unfähig waren eine reife
Beziehung zu einer gleichwertigen Partnerin einzugehen. Darum lebten sie ihren
Sexualtrieb durch Homosexualität und Kinderschändung. Ein Brauch, der in der
Antike gang und gebe war.
Dann gab es das Gefangenenlager des Diebstahls und des Geizes:
Darin saßen die Menschen, die den anderen ihr Hab und Gut
nicht gönnten. Die nur darauf bedacht waren, sich selbst zu bereichern – und so
abhängig waren von den Gütern dieser Welt.
Dann die Anstalt der Trunkenbolde und Lästerer:
Menschen, die sich groß fühlten, wenn sie große Reden in den
Wirtshäusern schwangen und alles was heilig war, in den Schmutz zogen und sich
voll laufen ließen. Sie erbauten sich, durch Alkohol und Spott.
In solchen Sünden waren die Christen von Korinth gefangen gewesen.. Sie waren
gefangen gewesen, insbesondere im Bereich der Sexualität. Aber sie wurden
freigekauft aus diesen Zwängen, aus der sie mit eigener Kraft nie herausgekommen
wären. Die Botschaft Christi macht nicht Halt vor den Sündern. Gerade ihnen gilt
die Botschaft, dass Jesus mit allen an einen Tisch setzt. Für alle ist er
gestorben, allen vergibt er, um ihnen einen neuen Anfang zu ermöglichen. „Ihr
seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen
des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“
Nun ist aber die Heiligung und Befreiung nicht ein Vorgang, der mit der
Bekehrung abgeschlossen ist. Immer wieder kommen im Leben eines Christen Dinge
zutage, die nicht vereinbar sind, mit dem, was Gott nicht gutheißen kann. Immer
wieder melden sich alte Gefängniswärter und wollen alte Besitzansprüche
anmelden.
Und so geschehen immer wieder in der Mitte der Gemeinde schreckliche Dinge,
manchmal sind es sogar Gewohnheiten. Gerade auch im sexuellen Bereich. Davon
muss taktvoll, aber offen geredet werden. Wir sollen diese Dinge weder
vertuschen noch beschönigen. Wer Probleme mit einer Lieblingssünde hat, kann
einen Seelsorger suchen, dem er vertraut. Bei ihm kann er seine Not beim Namen
nennen und mit ihm zusammen die Hintergründe des Zwanges suchen und alles zum
Kreuz Christi bringen. So wird die Sünde Stück um Stück abgelegt.
In Psalm 32 steht:
Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht
zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist! Denn als ich es wollte verschweigen,
verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag
Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer
dürre wird. Darum bekannte ich Dir meine Sünde und meine Schuld verhehlte ich
nicht. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Du bist mein Schirm, du wirst
mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann,
Liebe Schwester und lieber Bruder in Christus. Wir sind gerettet, wir sind rein
gewaschen, er hat uns gerechtfertigt. Darum können wir ihm auch all unsere
Sündenreste bringen. Er will uns zum Ziel bringen. Jesus sagte:
„Ihr sollt vollkommen sein, wie mein Vater im Himmel
vollkommen ist.“
Trauen wir ihm zu, dass er uns dahin auch bringen kann.
Nun, die Christen von Korinth wollten aber von ihren sündigen
Gewohnheiten nicht abrücken. Und so verbogen sie die Lehre von Christus ein
wenig. Sie sagten: Wir sind doch durch Christus befreit. Und wer frei ist, der
darf tun und machen, was er will. Alles ist einem Freien, einem Befreiten
erlaubt. Und obendrein argumentierten sie noch: Wer Hunger hat, der isst, um
satt zu werden. Genauso müssen auch sexuelle Bedürfnisse befriedigt werden. Der
Leib wird sowieso sterben. Sie waren der Meinung, das körperliche hat nichts mit
dem Christsein zu tun. Und so rechtfertigten einige der Christen in Korinth
ihren Seitensprung bzw. ihren erneuten Besuch im Bordell.
Dieser Haltung widerspricht Paulus. Er sagt:
„Gott gab uns nicht den Leib, damit wir unsittlich leben?
Vielmehr wurde auch unser Körper zum Dienst für den Herrn geschaffen. Deshalb
ist es nicht gleichgültig, wie wir damit umgehen.“
Und darum gibt Paulus – insbesondere für den Bereich der Sexualität einen
dringenden Rat, um seinen Körper für Christus rein zu halten. Der lautet: Flieht
die Unzucht. Er schreibt nicht, Widersteht, oder bekämpft die Unzucht, sondern
flieht sie. Lauft davor weg. Man kann nur etwas bekämpfen, wenn man die Kraft
hat zu siegen. Aber wer meint, er hätte seine Sexualität unter Kontrolle, der
täuscht sich. Die Kraft der Sexualität wird ihn zum gegebenen Zeitpunkt
übermannen. Darum ist der beste Schutz die Flucht. Meiden sie alles und jede
Situation, die sie zu Untreue oder Unzucht verleiten könnte. Denn wer sich
einmal in den Strudel von sexueller Verführung einlässt kommt aus eigener Kraft
da nicht heraus.
Dazu möchte ich einen Abschnitt von Bill Hybels vorlesen: Er
schreibt in einer Auslegung zu der Schriftlesung von heute:
Nach mehr als 20 Jahren Pastor habe ich den Überblick über
die Anzahl der Ehemänner und Ehefrauen verloren, die mir einen Seitensprung
gestanden und herzzerreißend und reuevoll darüber weinten. Fast jeder von ihnen
sagte:
„Ich habe damit alles kaputt gemacht, was wir aufgebaut
hatten. Wenn ich die Uhr doch nur zurückdrehen und dann die richtige
Entscheidung treffen könnte!“
Und er schreibt weiter: Ganz egal, wie unbefriedigend oder
schmerzlich Ihre Ehe im Moment ist oder wie viel scheinbar irreparabler Schaden
entstanden ist – Ehebruch ist niemals die Lösung. Selbst wenn Sie sich sicher
sind, dass Ihre Ehe von Anfang an ein Fehler war und selbst wenn diese Ehe Ihnen
nie auch nur ansatzweise das gegeben hat, was Sie sich erhofft oder erträumt
hatten – selbst dann ist Fremdgehen keine Alternative, die Sie irgendwie
rechtfertigen könnten. Ein Seitensprung wird den Schmerz nicht verringern; er
wir ihn langfristig und unausweichlich verschlimmern. Ehebruch wird der
hässlichen Mixtur aus Enttäuschung und Verletzung, die Sie jetzt schon
verspüren, noch Verrat und Betrug hinzufügen. Und wenn die Sache herauskommt,
was immer irgendwann geschieht, dann werden der Schock und die Schande viel
größer sein, als Sie es sich vorgestellt haben.
Liebe Gemeinde – Christus hat uns befreit, er will, dass wir
frei bleiben und ein reines Gewissen haben.
Darum kann ich ihnen nur raten: Kehren Sie um, wenn sie diesbezüglich auf dem
falschen Weg sind – bzw. fliehen sie vor den Gefahren der Unzucht.
Denn wir sind teuer erkauft – Christus will nicht, dass wir wieder Gefangene
werden. Wir sind teuer erkauft, seien wir Christus für sein teures Lösegeld
dankbar, indem wir ihm unseren Leib als Tempel des Heiligen Geistes zur
Verfügung stellen und ihn rein halten.
Amen.
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