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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 24. Januar 2004 im
ökumenischen Gottesdienst in Hergenrath anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der
Christen
Joh.14,27
Der Leitvers der ökumenischen Woche zur Einheit der Christen
basiert auf einem Wort Jesu aus Joh 14.
Jesus sagt dort:
Zum Abschied gebe ich euch den Frieden, "meinen"
Frieden, nicht den Frieden, den die Welt gibt.
Er schenkt uns seinen Frieden. Was ist mit
diesem Frieden gemeint?
Nun, das hebräische Wort für Friede hat in seinem
eigentlichen Wortsinn sehr viele Bedeutungen. Es kann Gesundheit bedeuten, ein
anderes mal heißt es Sieg im Kampf, oder manchmal auch nur „harmonisches,
fröhliches Miteinander unter Menschen“.
Im folgenden möchte ich drei Bereiche beleuchten, in denen
der Friede Jesu wirkt.
1. Der Friede Jesu ist ein Friede
mit Gott.
Früher konnte ich mit dem Ausdruck: „Friede mit Gott“ nur
wenig anfangen. Ich dachte mir: Wer von uns Menschen hat denn schon richtig
Streit mit Gott. Wer unter uns Menschen hasst ihn und möchte nicht, dass er
unser Gott ist. Die meisten Menschen glauben irgendwie an ihn und ich konnte mir
nicht vorstellen, dass das Verhältnis zwischen Gott und mir gestört sein könnte.
Doch langsam wurde mir bewusst, dass man anhand der Gebote Gottes erkennen kann,
wie man zu Gott steht. Mit jeder Lüge, mit jedem Lästern über einen anderen
Menschen, mit jedem Mal, wenn ich meine Eltern nicht geehrt habe, mit jedem
Gedanken des Neides, mit jeder Arbeit am Sonntag habe ich Gott beleidigt.
Jede kleine Sünde ist vergleichbar mit einem Sprengstoffanschlag durch den ich
Gottes Reich in Unordnung bringe und zerstöre. Besonders wenn Witwen, Waisen und
Hilfsbedürftige und Kleinkinder durch mein unrechtes oder auch feiges, faules
bzw. geiziges Handeln zu leiden haben, dann fordere ich Gottes Zorn heraus. Es
ist ein Angriff auf diejenigen, denen seine besondere Aufmerksamkeit und Liebe
gilt. Es ist für Gott, wie wenn jemand ihren Sohn oder ihre Tochter quälen und
Unrecht tun würde.
Betrachtet man mit diesem Maßstab die Welt, dann kann man nur sagen, dass die
ganze Menschheit im Streit mit Gott liegt, weil sie ihn und seine Absichten so
missachtet.
Und ganz gleich, auf welcher Stufe der Feindschaft man steht, ob man nur ein
Gelegenheitssünder ist, oder ein Schwerverbrecher ist. Man ist auf der Seite der
Feinde Gottes.
Im zweiten Weltkrieg war ganz Deutschland der Feind seiner Nachbarn. Egal, ob
man als Einzelner den Krieg für gut hieß oder nicht; egal ob man den
Kriegstreibern zujubelte oder nur in einer Tuchfabrik Uniformen nähte. Man galt
als Feind und wurde auch so behandelt. Man hatte gar keine Wahl mehr.
Ebenso ist es bei Gott. Wir leben inmitten eines Herrschaftsbereich, der Gott
den Krieg erklärt hat. Doch das Großartige an Gott ist, dass er jedem einzelnen
Menschen ein Friedensangebot macht. Und dieses Friedensangebot heißt Jesus
Christus.
„Meinen Frieden gebe ich euch“ – das heißt, ich habe
eine Möglichkeit bekommen, die Fronten zu wechseln. Ich habe die Möglichkeit
Frieden mit Gott zu schließen und ähnlich wie die Resistance im eigenen Land
gegen die brutale Fremdherrschaft des Unrechts anzukämpfen.
Und das geschieht, indem ich an Jesus glaube und ihn bitte, dass er das Kommando
in meinem Leben übernimmt. Wenn ich beginne ihm Raum zu geben und seinen Namen
über mich ausrufen lasse, dann beginnt der Friede mit Gott.
2. Jesu Frieden ist ein Frieden mit
sich selbst.
Wir Menschen sind dazu geschaffen, im Einklang mit Gott zu
leben. Wir blühen auf, wenn wir uns an Gott und seine Richtlinien halten. Jeder
fühlt sich gut, wenn er gutes tut, wenn er ehrlich war, wenn er im Einklang mit
seinen Wertvorstellung lebt.
Und wenn uns Gottes Geist erfüllt und sein Leben uns durchströmt, dann werden
wir innerlich heil. Ein Frieden erfüllt uns, den man gar nicht so richtig
beschreiben kann. Man weiß nur, es fühlt sich viel schöner an, als wenn man
nicht im Einklang mit Gott steht.
Ich selber habe schon in meinem eigenen Leben erlebt, wie Jesu heilendes Licht
mich reinigte, mich zufriedener, fröhlicher und ausgeglichener machte. Und
ebenso erlebe ich diesen inneren Frieden an vielen Menschen, die Jesus
nachfolgen.
3. Jesu Frieden wirkt sich auf mein
Umfeld aus.
Unter Menschen gibt es Frieden meist nur durch Befriedung. So
ähnlich, wie wir es vor wenigen Jahren im Balkan erlebt haben. Der schwelende,
jahrhunderte alte Hass, das Misstrauen unter den einzelnen südslawischen
Völkern, brach mit dem Ende des Kommunismus auf. Erbarmungslos wurden Häuser
niedergebrannt, Frauen vergewaltigt, Menschen vertrieben und erschossen.
Doch dann griff eine dritte Macht, die NATO ein. Dank ihrer großen militärischen
Übermacht wurde das Land solange bombardiert, bis die Streithähne
zähneknirschend einen Friedensvertrag unterschrieben. Das ist der Friede, den
diese Welt gibt. Ein Friede, den der Stärkere diktiert. Man muss dankbar für
einen solchen Frieden sein. Doch wird dieser Friede halten? Was ist, wenn die
Kraft des Stärkeren nachlässt, was passiert, wenn der Stärkere seine Macht
missbraucht?
Jesu Friede dagegen ist auf einer anderen Grundlage aufgebaut.
Jesus Friede gründet sich auf Wahrheit. Eine Ursache
des Streites wird dadurch ausgeschlossen. Die Lüge. Meistens gibt es Streit
unter Menschen, wenn man angelogen oder verleumdet wurde.
Jesu Friede gründet sich auf Gerechtigkeit. Eine
Ursache des Streites und des Hasses wird ausgeschlossen. Die Ungerechtigkeit.
Denn meist gibt es Streit, wenn jemand irgend einem anderen Unrecht zugefügt
hat, oder wenn man betrogen wurde.
Und Jesu Friede gründet sich auf Liebe. Eine der
größten Ursachen für Streit, Rebellion und Unzufriedenheit ist die
Lieblosigkeit. Immer wenn jemand missachtet, gedemütigt oder vernachlässigt
wurde, dann wächst innerlich ein Gefühl des Grolls, der seinen Ausdruck im
Streit sucht.
Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe sind die Voraussetzungen
für echten Frieden – und diese schenkt uns Jesus.
Bemüht sich nun ein Nachfolger Jesus darum, die Wahrheit zu sagen, eifert er
danach, das Rechte zu tun und ringt er darum, Liebe gegenüber seinen Mitmenschen
zu üben, dann wird er mit vielen Mitmenschen in Frieden leben.
Manche Mitmenschen versuchen natürlich zu testen, ob das echt
ist, und bekämpfen einen Jünger Jesu. Doch im Großen und Ganzen lebt ein Christ
mit seinem Umfeld in Frieden. Ja, die Menschen freuen sich an einem echten
Christen, lernen ihn schätzen und vertrauen ihm.
Kommen wir noch zum letzten Bereich des Friedens Jesu:
4. Jesu Friede
ist ein Sieg über die Mächte des Todes
Vorhin erwähnte ich, dass Friede im eigentlichen Wortsinn
auch Sieg heißen kann. Es gibt das Sprichwort: „Kein Mensch kann in Frieden
leben, wenn es der böse Nachbar nicht will.“
Solange es Wesen gibt, die Gott hassen und ihm den Krieg
erklärt haben, kann es keinen sichtbaren Frieden für die Kinder Gottes geben.
Diese Mächte müssen in ihre Schranken verwiesen werden.
Hinter allen Feinden Gottes steckt der Teufel. Und dieser Feind ist am Kreuz
und an Ostern vernichtend geschlagen worden. Im Grunde hat er keine Macht
mehr. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser Sieg Jesu allen ganz
sichtbar wird. Die Zeit in der wir leben, dient einzig dazu, allen Völkern die
Möglichkeit zu geben, Frieden mit Gott zu schließen. Doch sobald diese Aufgabe
erfüllt wird, dann wird der Sieg Jesu offenkundig.
Wohl dem, der dann auf Jesu Seite steht. Denn der wird in
alle Ewigkeit in Jesu Reich der Liebe, der Freude und des Friedens leben.
Amen.
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