Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Jesus wird nicht kommen bis...                                    

   

Predigt von Vikar Darius Tomczak am 5. Mai 2005 (Christi Himmelfahrt)

Liebe Gemeinde,

Christi Himmelfahrt, das wir heute feiern, muss ein damals ein großes Ereignis gewesen sein. Heute dagegen, können sich nur wenige Menschen erinnern, was nach der Auferstehung Jesu mit dem Leib Jesu geschehen ist.

Kürzlich war ich bei einem Bekannten zu Besuch. Während ich mich mit ihm gut unterhielt, klingelte das Telefon. Der Sohn rief an. Wie schön, dass der Sohn bei dem Vater anrief, denn der Vater freute sich.

Auf einmal fragte der Papa den Sohn: "Sohn, sage mir, was feiern wir am Donnerstag?". Der Sohn antwortete: "Vatertag" und er entschuldigt sich, dass er noch keine Karte geschickt hat. "Gut" sagte der Papa zu seinem Sohn, und "was feiern wir noch?", fragte der Papa.

Der Sohn dachte kurz nach und sagte, "wir feiern am Donnerstag noch Himmelfahrt". "Bravo", sagt der Papa stolz zu seinem Sohn und fragt weiter: "Und wer fährt gen Himmel?" Der Sohn antwortet: "Der Heilige Geist. Der Heilige Geist fährt gen Himmel".

Stimmt das liebe Gemeinde? Nein, das stimmt nicht. Der Heilige Geist ist nicht gen Himmel gefahren. Als ich in der Schweiz Theologie studierte, verdiente ich ein bisschen Geld auch als Handwerker. Da fragte ich einmal meinen Arbeitgeber, ob er wisse, wer am Himmelfahrt, in der Schweiz sagt man Auffahrt, gen Himmel gefahren ist.

Dieser Mann wusste es einfach nicht. Er war ein Protestant, aber zuerst sprach er von Maria. Er meinte, dass Maria am Christi Himmelfahrt gen Himmel gefahren ist. Bei vielen Menschen würde heute eine große Verwirrung aufkommen, wenn man sie nach diesem Tag fragen würde.

Doch es war nicht immer so. Wenn Sie jemanden vor 300 Jahren hier in Europa gefragt hätten, wie er zum christlichen Glauben stehe, würde er Ihnen bestimmt viele Informationen zur Bibel liefern. Damals lebten in Europa fast ausschließlich Christen. Und für Christen war der christliche Glauben etwas sehr wichtiges. Um den christlichen Glauben hat man sich damals sehr oft gestritten.

Heute im 21 Jh. haben wir Fernseher, Radio, Internet und Handy.

Es gibt heute so viel Ablenkung, dass die Menschen immer weniger zu diesem Buch greifen wollen. Das Lesen der Bibel ist bei den Jugendlichen praktisch out. Durch Computerspiele und durch Verschicken von SMS werden sie abgehalten die Bibel zu studieren.

Nur sehr wenige Jugendlichen wollen sich intensiv mit dem Bibelstudium befassen. Nur wenige von ihnen haben die Fragen und Antworten aus dem Heidelberger Katechismus gelesen. Und nur wenige wissen, um was es wirklich bei den christlichen Feiertagen geht.

Ich hörte einmal im Radio ein Interview mit einem jungen Menschen, der von einem Reporter auf der Strasse angesprochen wurde. Die Menschen wussten nicht, warum Christi Himmelfahrt gefeiert wird. Aber trotzdem haben sich diese junge Leute gefreut. Sie haben sich gefreut, denn sie wussten, was sie an diesem Feiertag machen würden.

Die einen wollten in die Ferien reisen, die anderen wollten Bekannten besuchen, noch die anderen wollten zu verschiedenen Partys gehen.

Heute in Europa, ob in Belgien, in Deutschland, oder einem anderes Land, können sich nur wenige Menschen erinnern, was wirklich an Himmelfahrt geschehen ist.

Überzeugen Sie sich selbst, fragen Sie Ihre Arbeitskollegen, fragen Sie Ihre Nachbarn, was wir für einen Feiertag heute feiern. Ich bin schon jetzt gespannt, was für Antworten wir bekommen werden.

Kommen wir zurück zu unserem Predigttext. Jesus ist mitten im Gespräch mit seinen Jüngern auf dem Ölberg. Der Ölberg liegt im Osten von Jerusalem. Einen Sabbatweg entfernt, wie uns der Text kurz sagt. Das sind ungefähr 2000 Ellen, also rund 1 km. Am westlichen Fuße des Ölberges liegt Gethsemane. Dort wurde Jesus noch vor kurzem gefangen genommen. Und an diesem Ölberg hielt Jesus bei seinen Jüngern mehrere Endzeitreden.

Jetzt ist Jesus zum letzen Mal leiblich unter ihnen. Sie sprechen über das Reich Gottes. Die Jünger fragen ihn, wann er wohl das Reich Gottes sichtbar bauen werde. Ohne ihnen einen Zeitpunkt zu sagen, gibt Jesus ihnen eine klare Aufgabe.

Er sagt: Apg.1,8.

...aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Und während nun Jesus das sagte, wurde er plötzlich vor den Augen der Jünger aufgehoben. Man muss sich das einmal vorstellen.

Plötzlich beginnt Jesus zu schweben. Er verliert den Boden unter den Füßen. Daraufhin kommt eine Wolke, die Jesus umschließt. Und diese ganze Schar sieht nur noch die Wolke. Es ist ein Zeichen dass Jesus weggeht.

Naturwissenschaftler haben Berechnungen über die Aufstieggeschwindigkeit Jesu angestellt. Kosmonauten haben im Weltraum nach Jesus gesucht.

Sie versuchten alle die Unmöglichkeit des biblischen Berichts beweisen zu wollen. Denn im Hintergrund steht immer die Frage eines Menschen: Wo ist Gott? Wo ist der Himmel?

Nun liebe Gemeinde, Jesus ist nicht in den sichtbaren Himmel gegangen. Jesus ist in den unsichtbaren Himmel gegangen. Der ist nicht einfach oben, sondern der Himmel ist in der unsichtbaren Welt. Und von dieser unsichtbaren Welt sind wir auch als Menschen auf dieser Erde umgeben.

In der Schrift wird bezeugt, dass sich der HERR mehrere Male aus der Wolke den Menschen gezeigt hat. In Matthäus 17 bei der Verklärung Jesu erscheinen uns aus der Wolke, d.h. aus der unsichtbaren Welt sogar die Menschen, die längst verstorben waren: Mose und Elia.

Wir lesen weiter im Text, dass, während die Jünger dieser Wolke nachsahen, plötzlich zwei Engel bei ihnen standen. Engel sind die Boten Gottes, die im Auftrag von Gott die Anweisungen Menschen weitergeben. Sie sagten: Apg.1,11.

Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Mit anderen Worten: Kümmert Euch jetzt um das, was Jesus euch sagte bis er wiederkommt. Jesus geht nicht für immer von dieser Erde weg. Er wird wieder kommen und er wird sogar am selben Ort wieder kommen. Das kann man schon im Alten Testament lesen: Sach.14,4.

Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg, der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum Westen, sehr weit auseinander, sodass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird.

Wenn Jesus dann kommen wird, dann wird er in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit erscheinen. Wie Jesus es selber sagt: Lk 21,27.

Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Jesus wurde durch diese Himmelfahrt erhöht. Im Markusevangelium heißt es: Mk 16,19.

Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.

Und Petrus lehrt die Gemeinde über die Himmelfahrt: 1 Petr 3,22.

... welcher ist zur Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und es sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Mächte.

Jesus wurde also erhöht und er befindet sich in der Herrlichkeit Gottes. Aber das heißt ganz und gar nicht, dass er deswegen an unserem Leben nicht teilnimmt. Er nimmt teil an unserem Leben durch den Heiligen Geist. Wenn Jesus nicht in den Himmel aufgefahren wäre, wäre der Heilige Geist am Pfingsten nicht zu uns gekommen.

Jesus ist bei uns nicht mehr leiblich, aber er kann auf der ganzen Welt, zur selben Zeit bei allen Menschen durch den Heiligen Geist präsent sein.

Darum ist unser Herr und König nicht so weit weg von uns. Das sollte uns eine große Ermutigung sein. Jesus ist an der Seite des Vaters und er vertritt uns vor dem Vater. Apostel Paulus sagt es deutlich in Röm 8,34.

Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

Liebe Gemeinde, niemand kann uns verurteilen! Denn Jesus selbst vertritt uns vor dem Vater. Und Jesus wird kommen um uns zu sich in den Himmel zu holen. Er ist gegangen um uns die Wohnungen im Himmel vorzubereiten. Aber er gab uns auch zwei wichtige Aufgaben, die wir erfüllen sollen.

Eine Aufgabe ist, dass wir als Christen ein Leben führen das Gott ehrt. Es geht kurz gesagt um die Liebe. In 1.Thes.3,12-13 lesen wir:

Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann, wie auch wir sie zu euch haben, damit eure Herzen gestärkt werden und untadelig seien in Heiligkeit vor Gott, unserm Vater, wenn unser Herr Jesus kommt mit allen seinen Heiligen. Amen.

Eine zweite Aufgabe besteht darin, Zeugen in dieser Welt zu sein. Es ist der Auftrag, den Jesus uns gegeben hat. Der Auftrag der Mission und der Evangelisation. Jesus sagte in Mt 28,19-20 folgendes:

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Und in Mt 24,14 sagte Jesus:

Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Diesen Auftrag müssen wir liebe Gemeinde ernst nehmen. Evangelisation ist die Aufgabe, die Jesus uns übertragen hat. Jesus sagte nicht, wir sollten uns nur gegenseitig erbauen. Jesus sagte, wir sollten Zeugen in dieser Welt sein.

Wir sollen die gute Botschaft zu allen Menschen bringen.

Laut dem neusten Buch von Patrick Johnstone, leben heute in Belgien 28% Menschen die sich als Nichtreligiös bezeichnen. Diese Menschen wachsen jährlich um 2.2%.

Obwohl 95% Belgier als katholisch bezeichnet werden könnten, sind nur 71% der Belgier getauft. Neues Heidentum und Okkultismus sind in Belgien schnell am Wachsen. Vor kurzem gab es in Eynburg eine Hexenfeier.

Nur gerade 11% unseren katholischen Geschwister besuchen am Sonntag noch die Messe. Die Anzahl der katholischen Priester hat sich seit 1960 in Belgien halbiert, ihr Durchschnittsalter liegt bei 64 Jahren. Bei dem letzen Konvent der katholischen Priester habe ich keinen jungen Priester gesehen.

Aber auch der Protestantismus ist in den letzen 30 Jahren in Belgien kaum gewachsen. Wahrscheinlich muss sich die protestantische Kirche in Belgien immer noch von der Zerstörung ihrer 600 Gemeinden durch die spanische Inquisition erholen.

Doch die Erholung geht irgendwie sehr langsam. Vor allem in Flandern.

Dort haben nur 40% der evangelischen Gemeinden einen flämisch sprechenden Pastor. Zum Glück sieht die Situation in Ostbelgien viel besser aus. Wir sind hier eine sehr aktive Gemeinde. Vor kurzem war ein Ehepaar bei mir. Sie wollen unserer evangelischen Kirche beitreten. Und sie wollen ihr Kind in der evangelischen Friedenskirche taufen lassen. Der Mann kommt aus Deutschland, die Frau kommt aus Pakistan. Wie schön, wenn die Menschen ihre Kinder christlich erziehen wollen.

Doch in Brüssel wollen zum Beispiel immer weniger Menschen ihre Kinder christlich erziehen. Jedes dritte Kind wird Mohammed genannt. In Brüssel leben drei Mal so viele Muslime wie Protestanten.

Nun aber, liebe Gemeinde, es ist auch ein Vorteil, dass wir alle diese Menschen hier in Belgien haben. Heute müssen Sie nicht mehr nach Arabien oder Nordafrika reisen um sie zu evangelisieren. Sie können das vor Ort tun.

Die Muslimen, die Marokkaner, die Türken, die Kurden sind hierher gekommen. Sie sind alle da. Auch viele neue Beamte sind da. Aus den zehn neuen EU-Ländern sind viele Menschen gekommen. Jetzt ist die Chance sie alle in Brüssel zu erreichen. Unsere Aufgabe als Kirche ist diese Menschen für Jesus zu gewinnen.

Denn Jesus wartet auf seine Gemeinde, er wartet dass seine Gemeinde die Arbeit beendet. Liebe Gemeinde, wenn wir auf Gottes Ruf nicht hören, wenn wir von Jesus anderen Menschen nicht erzählen, dann wird Gott andere Menschen benutzen.

Gott wird eine neue Generation von Menschen finden, die bereit sind ihre Arbeit zu beenden. Deshalb lasst uns bemühen, egal was es kostet, Menschen zu Christus zu führen.

Hier meine ich nicht, dass Sie alle Missionare sein sollten, aber ich spreche über das Gebet, und ich spreche über das Geben, und ich spreche über das Zeugnis unter den Menschen in diesem Land.

Jesus Christus wird erst kommen, wenn die Arbeit getan ist.

Liebe Freunde, wir können hier in dieser Kirche gemütlich in unseren Bänken sitzen, wir können wunderschöne Lieder singen, aber Jesus wird nicht kommen. Jesus wird nicht kommen bis die Arbeit getan ist.

Wir können jeden Belgier für Jesus Christus gewinnen, aber Er wird immer noch nicht kommen. Warum? Darum, weil Gott mehr als nur die Belgier im Himmel haben will, er will mehr als nur Deutsche im Himmel, er will mehr als nur die Holländer oder Polen im Himmel. Er will die Menschen aus allen Nationen im Himmel. Darum ist das so wichtig, dass wir allen Menschen hier in Belgien die gute Nachricht von Jesus bezeugen.

Und das ist auch wunderschön.

Meine Freunde, Jesus wird nicht kommen, Er wird nicht kommen, bis die Arbeit getan ist. Und Jesus wartet auf eine Generation von Menschen, die das tun wird. Ich will dass der Herr Jesus wiederkommt, ich will dass der König Jesus wiederkommt.

Denn, wenn er wiederkommt, dann wird er alle Kriege beenden. Wenn er wiederkommt, wird er alle Krankheiten heilen. Wenn er wiederkommt, wird er dem Hass, dem Terrorismus, und der Armut ein Ende setzen.

Ich will nicht, dass diese Welt für immer so weiter geht. Ich will, dass der König wiederkommt.

Wollen Sie dass der König kommt, wollen Sie das liebe Gemeinde? Wenn ja, dann lasst uns alle gemeinsam an die Arbeit machen. Lasst uns die Aufgabe von Jesus zu Ende führen. Lasst uns wahrhaftige Zeugen des Evangeliums Christi sein. Ich wünsche Ihnen dazu und mir selbst, Mut und Kraft vom Heiligen Geist.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010