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Jesus offenbart sich in der Gemeinde                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 3. April 2005

Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Bibelabschnitt liest sich im ersten Augenblick wie ein sehr lebendiger Augenzeugenbericht darüber, wie Jesus einmal den Jüngern erschienen ist.  Gleichzeitig hat er meiner Meinung nach bis heute der Kirche etwas zu sagen:

Ich lese Joh. 21,1-14:

1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise.
2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im folgenden werde ich heute Vers für Vers vorgehen:

Vers 1: Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise.

Vor der Kreuzigung und Auferstehung Jesu scharten sich immer viele Leute um Jesus. Überall wo er hinkam, sammelte sich eine große Menschenmenge. Alle wollten den berühmten Rabbi hören, sehen und seine Wunder erleben. Mit anderen Worten, wenn man wollte, dann konnte man Jesus finden. Man konnte die Leute auf der Straße fragen, ob sie wüssten, wo denn Jesus ist und dann konnte man an den betreffenden Ort gehen und bei ihm sein.

Nach der Auferstehung ist das anders. Jesus wurde zwar von seinen Jüngern gesehen, aber Jesus ist nicht mehr mit seinem neuen Leib an Ort und Zeit gebunden. Er selbst kann entscheiden, ob er sich zu erkennen gibt oder nicht. Man kann ihn nicht aufsuchen, dingfest machen, oder gar einsperren. Sondern man ist darauf angewiesen, dass er sich zu erkennen gibt, dass er sich zeigt, dass er sich offenbart.

Liebe Gemeinde, auch wenn es äußerst selten ist, dass ein Mensch Jesus zu Gesicht bekommt und dies eine große Ausnahme darstellt, so sind wir als Christen dennoch darauf angewiesen, dass Jesus sich zu erkennen gibt, dass er die Initiative ergreift und auf uns zukommt und sich uns mitteilt.

Wissenschaftlich, durch Logik oder durch sonstige menschliche Hilfsmittel, lässt sich Jesus in unserer nachösterlichen Zeit nicht dingfest machen. Jesus ist souverän und er zeigt sich und begegnet wann und wem er will. Der einzige Ort, von dem er zugesagt hat, dass er sich zu erkennen geben will, ist die Gemeinde. Wenn Sie also Jesus näher kennen lernen wollen, dann müssen sie die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen, da offenbart er sich am ehesten. Und Christen, die kann man dingfest machen. Die gibt es doch noch links und rechts von uns.

Ähnlich wie sie in Vers 2 genannt werden.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Na-tanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

Das zweite, was wir von unserer Seite tun können, damit Jesus sich uns zu erkennen gibt, ist Gehorsam zu sein.

Jesus erschien den Jüngern erstmals in Jerusalem und nach den Berichten der anderen Evangelien befahl er ihnen, nach Galiläa zu gehen, also an den See Genezareth – oder hier wird er auch See von Tiberias genannt.

Petrus und sieben andere Jünger haben Jesu Anweisungen Folge geleistet. Nun sind sie dort. Und mir erscheinen sie ein wenig hilflos: Was nun? Wie geht es weiter? Was sollen sie jetzt im einzelnen tun?

Vers 3
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.

Mir gefällt Petrus hier. Er denkt praktisch. Er legt weder die Hände in den Schoß noch verzweifelt er, sondern er arbeitet.

Liebe Gemeinde, praktische Arbeit kann eine Hilfe sein, um eine innerlich schwere Zeit zu überbrücken. Es kann einem helfen, die Gedanken wieder zu ordnen. Das Ergebnis muss nicht überwältigend sein. Das war es bei Petrus auch nicht. Denn es heißt:

Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

Mich erinnert dieser Satz an unsere gegenwärtige Zeit. Seit dem 2. Weltkrieg gibt es unzählige Christen, die sich Tag für Tag treu für Jesus einsetzen und ihm gehorsam sein wollen. Sie scheuen keine Kosten und Mühe, um für Jesus etwas zu tun. Sie tun alles, damit einige Menschen mit der Botschaft von Jesus vertrauter werden.

Und das Ergebnis? Die Anzahl der Christen scheint immer geringer zu werden. Immer weniger Menschen sind bereit, sich in den hauptberuflichen Dienst zu stellen, Kirchen müssen verkauft werden – in Valkenburg sah ich unlängst eine kleine Kirche, die ungefähr in der Art wie unsere Johanneskirche ist, die aber in ein griechisches Restaurant umgebaut war.

Immer weniger Jugendliche sind bereit Konfirmandenunterricht zu nehmen und sich konfirmieren zu lassen. Diese sieht man nach der Konfirmation so gut wie nie wieder.

Die vielen Menschen, die auf der Suche nach Sinn und Orientierung sind, suchen oft auf dem esoterischen Markt. Mich wundert, dass kaum einer auf die Idee kommt in der Kirche nach dem lebendigen Gott zu suchen, der den Durst ihrer Seele stillen könnte. Die Netze der kirchlichen Fischer sind leer. Und nur noch die halbe Mannschaft ist in der Dunkelheit unserer Zeit bereit, die Netze auszuwerfen. „In dieser Nacht fingen sie nichts.“

Liebe Gemeinde, das kann ganz schön frustrierend sein. Nicht?

Doch dieser Bibelabschnitt macht mir Mut. Denn der Morgen naht. Ich lese

4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

Jesus ist schon ganz in der Nähe. Ganz in der Nähe der Enttäuschten Missionare und Christen, die sich für Jesus einsetzen. Und er spricht sie liebevoll und vertraulich mit „Kinder“ an. Und er fragt sie liebevoll: „Habt ihr nichts zu essen?“ Den griechischen Ausdruck könnte man auch wiedergeben mit: „Habt ihr für heute nichts aufs Brot?“

Liebe Gemeinde, es ist Jesus nicht egal, wenn unser Dienst vergeblich zu sein scheint, wenn unser Brot trocken bleibt, ohne einen anständigen Belag darauf.

Jesus mutet uns Durststrecken zu. Ja. Aber er macht das nicht um uns zu quälen. Er sorgt sich um uns, wenn unser Dienst trocken, fad und ohne Erfolg bleibt.

Diese Durststrecken sind eine vorübergehende Phase. Sie helfen uns, dass wir uns nicht zu sehr, auf uns und unsere Leistungen berufen, sondern uns von Jesus beschenken lassen.

Ähnlich wie jede Begegnung mit Jesus von ihm gewährt wird, so wird es auch von ihm geschenkt, wenn die Netze voll werden.

6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

Manchmal neigen wir zu denken, dass ohne unseren Dienst, unseren Einsatz das Reich Gottes einstürzt. Aber mit diesem Fischzug zeigt Jesus, dass es anders herum ist. Wir brauchen Jesus für unseren Dienst. An einer anderen Stelle sagt er einmal: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Und um diese Lektion zu lernen, brauchen wir ab und zu diese Durststrecken der leeren Netze.

7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.

Jesus hat schon alles für sie vorbereitet. Er hat sich von seinen Jüngern mit einem Essen verabschiedet und er begrüßt sie auch mit einem Essen. In diesen Zeilen spürt man etwas von Jesu Liebe. Da haben Männer die ganze Nacht über geackert. Sie sind müde, hungrig und wahrscheinlich frieren sie auch. Und da erwartet sie warmes Feuer, ein kräftiges Frühstück und die Gemeinschaft mit dem Menschen, den sie von ganzem Herzen lieben.

Jesus denkt nicht an sich, sondern an das, was seine Jünger brauchen. Er ist immer noch derselbe. Er dient seinen Freunden.

Das ist unglaublich. Jesus ist der, vor dem sich jedes Knie beugen wird. Und jede Zunge wird bekennen, dass er der Herr, der Herrscher des Universums und aller sichtbaren und unsichtbaren Welten ist. Und dieser Herr, der macht seinen paar abgerackerten Freunden, die ihn wenige Tage zuvor noch alle im Stich gelassen hatten, ein leckeres Frühstück. Er schenkt ihnen das, was sie in diesem Augenblick gerade besonders brauchen.

Liebe Gemeinde, können sie sich einen größeren und besseren Chef vorstellen als Jesus – ich nicht.

10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

Der Fischfang wird genau gezählt. Fischfang ist immer auch ein Bild für Mission. Das heißt übertragen: Jeder einzelnen ist Jesus wichtig. Keiner soll fehlen, keiner soll entrinnen. Alle sollen dazugehören.

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist der ein oder andere unter uns in einer Phase, in der es dunkel, kalt und die Netze immer und immer wieder leer.

Lassen Sie sich nicht entmutigen. Sondern denken Sie daran: Der Morgen ist bald da. Und bevor Jesus uns an seinen Tisch bittet, wird er ganz bestimmt der Christenheit auch bei uns die Netze füllen. Darum lassen Sie sich nicht entmutigen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010