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Predigt von Vikar Darius Tomczak am 27. März 2005, OstersonntagPredigttext: 1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen. Liebe Gemeinde! Am Karfreitag hatten die zwölf Apostel jämmerlich versagt. Die Apostel liefen davon als Jesus von den Soldaten gefangen genommen wurde. Sie waren abwesend als er gekreuzigt wurde. Sie begleiteten ihren toten Meister nicht einmal zu seiner Ruhestätte. Und obwohl Jesus wie ein Verbrecher am Kreuz von Golgatha starb, begraben wurde er wie ein Jude. Zwei Juden, die Mitglieder des Hohen Rats waren, sorgten dafür. Josef aus Arithmäa stellte seine eigene Grabstätte zur Verfügung. Zusammen mit Nikodemus brachte er den Leichnam Jesu dorthin. Nikodemus besorgte noch rechtzeitig Myrrhe und Aloe. Das sind bekannte Kräuter aus dem Orient. Doch die Einbalsamierung am Karfreitag war nur vorläufig. Jesus starb um 3.00 Uhr Nachmittags. In drei Stunden begann bereits der jüdische Sabbat. Und wie Sie wissen, darf am Sabbat kein Jude arbeiten. Die endgültige Einbalsamierung war wegen des angebrochenen Sabbats nicht mehr möglich. Die Frauen wollten also am ersten Tag der Woche nach Jesu Grab sehen. Matthäus nennt uns den Grund nicht, warum die Frauen zum Grab gingen? Wollten sie dort vielleicht Blumen hinlegen, wie man es heute häufig bei einem Verstorbenen tut? Der andere Evangelist, Markus, sagt uns, dass die Frauen wohlriechende Öle kauften um den toten Jesus zu salben. Das was Josef und Nikodemus am Freitag Nachmittag begonnen hatten, wollten die Frauen am Sonntag Morgen fachgerecht beenden. Welche Frauen waren das? Matthäus berichtet uns von Maria Magdalena und von der anderen Maria. Markus nennt noch Salome dazu. Johannes erwähnt nur Maria Magdalena und Lukas schreibt von den Frauen aus Galiläa. Alle Evangelisten ergänzen sich hier ausgezeichnet. Denn jeder beschreibt das Leben Jesu aus seiner Sicht. Und jeder greift andere Beispiele heraus. Heute ist das genauso. Wenn z. B. ein Autounfall passiert, so beschreiben die Zeugen diesen Unfalls, das Geschehene wie sie es gesehen haben. Und dann sieht man die kleine Unterschiede, die sie berichten. Denn jeder beschreibt, was ihm oder ihr besonders aufgefallen ist. Doch im Grunde genommen, aus diesen vielen Berichten lässt sich am Schluss ein vollständiges Protokoll erstellen. Bei der Kreuzigung Jesu war es so. Und jetzt am Ostersonntag ist es auch so. Das ist ein Beweis dafür, dass die Zeugen wahrhaftig ihren Bericht gegeben haben. Sie wollten die Aussagen der anderen nicht kopieren. Heute dagegen kopiert man sehr gern. Unsere Gesellschaft ist aufs Kopieren wie besessen. Ich höre immer wieder: "Ich kann dir es brennen", oder "Ich kann dir es fotokopieren". Brennen und Fotokopieren. Das ist das Leben vielen Menschen auf diesem Planet. Die Evangelisten waren ganz anders in ihrem Denken. Sie berichten uns, was Gott getan hat. Darum ist jedes Evangelium ein Unikat. Und kein Evangelium ist eine Kopie. Lasst uns zu den Frauen zurückkommen: Maria Magdalena, d.h. Maria von einem Ort, Magdala. Sie war einmal von bösen Dämonen besessen. Doch als sie Jesus begegnete, da hatte Jesus von ihr sieben Dämonen ausgetrieben. Viele Menschen behaupten, sie wäre eine Geliebte von Jesus. So ein Blödsinn. Der Text gibt uns keine Anhaltspunkte dazu, doch die Menschen, die in lockeren Beziehungen leben, wollen auch Jesus als Playboy sehen. Nein, Maria Magdalena wurde von Jesus von einer schweren Krankheit geheilt. Darum war sie seit dieser Zeit Jesus so dankbar. Und darum gehörte sie zu diesem Frauenkreis. Die andere Maria war die Mutter des Jakobus und des Josef. Sie war die Mutter des Apostels Jakobus. Salome war die Mutter des älteren Jakobus und des Johannes. Beide Söhne von ihr waren Apostel. Lukas schreibt, dass an diesem Ostersonntag unter den Frauen auch Johanna war. Johanna war die Frau eines Chuza. Chuza war ein Verwalter des Herodes. Auch Johanna wurde von Jesus geheilt. Es sind alles Frauen und Mütter, die eine gute Beziehung zu Jesus hatten. Denn Jesus hatte allen diesen Frauen geholfen. Er war Lehrer von ihren Söhnen. Deshalb gehen diese Frauen zum Grab Jesu. Sie wollen seinen Leichnam salben. Sie wollen möglichst lange seinen Leichnam vor der Verwesung schützen. Sie wollen Jesu Leichnam konservieren. Auch der tote Jesus ist für diese Frauen noch wichtig. Letzte Woche besuchte ich an einem Abend den Hauskreis in Raeren. Und am Gründonnerstag war ich bei den Rangern, das sind so junge Leute aus unserer Kirchengemeinde, die sich regelmässig treffen. In beiden Kreisen wurde eine bestimmte Frau aus Amerika erwähnt. Da ich seit vier Wochen praktisch von den Nachrichten abgeschnitten bin, ohne Internet und ohne Fernseher, bin ich meinen christlichen Mitmenschen für die Nachrichten sehr dankbar. Da wurde mir gesagt, eine Frau liegt seit 15 Jahren in Koma. Sie ist bewusstlos, man kann mit ihr nicht sprechen. Sie kann nichts essen, nichts trinken, sie kann selber nichts tun. Der Ehemann will seine Frau sterben lassen, indem er sie von den medizinischen Apparaten abschaltet. Doch die Eltern wollen ihm das verbieten. Die ganze amerikanische Nation diskutiert bereits heftig über diesen Fall. Und in Belgien sprechen darüber auch die Christen. Die Meinungen sind geteilt. Dazu möchte ich folgendes sagen: Es gibt vor Gott kein unwertes Leben. In der Bibel lese ich nirgendwo, dass ein Behinderter, sei es Kind oder Erwachsener, wegen seiner Behinderung getötet wurde. Wie Sie wissen, hat sich Jesus der geistig und körperlich schwerstbehinderten Menschen erbarmt. Und er hatte die Vollmacht auch sie zu heilen. Die moderne Medizin bietet heute revolutionäre Möglichkeiten der Lebensverlängerung. So etwas hat es so noch nie in der Geschichte der Menschheit gegeben. Die medizinische Technik kann sich aber nicht nur für das Leben, sondern auch gegen das Leben auswirken. Genauso kann sie sich gegen und für den Tod auswirken. Nach meiner Ansicht, ist das Eingriff in das Leben genauso zu verneinen, wie das Eingriff in das Sterben. Leben und Sterben stehen in der Hand Gottes. Es ist meiner Ansicht nicht geboten das Sterben künstlich zu verhindern. Stellen wir uns vor, was wäre, wenn Jesus die Kreuzigung überlebt hätte? Was wäre wenn Josef und Nikodemus Jesus noch rechtzeitig wiederbelebt hätten? Was wäre wenn die Frauen mit den Salben Jesus wieder zur Gesundheit verholfen hätten? Was wären die Konsequenzen für uns heute? Sicher hätten wir heute diesen Ostergottesdienst nicht gefeiert. Das wäre die erste Konsequenz. Zweitens, wir hätten keine Sündenvergebung. Denn die Schrift sagt: Er wurde um unsrer Sünde willen dahin gegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt. Jesus starb für uns. Er war wirklich tot. Nach dem jüdischen Gesetz geschieht auch keine Vergebung ohne Blutvergießen. Deshalb musste Jesus Christus einmal geopfert werden, damit wir Sündenvergebung bekommen. Die Frauen wussten, dass Jesus tot war. Doch am Grab erleben sie eine große Überraschung. Wir lesen: Und siehe, es geschah, ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setze sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Der Stein bezeichnet den Verschlussstein zum Grab Jesu. Das war entweder eine große Platte oder ein großer Rollstein. Das Wegwälzen dieses Steines wäre für die Frauen sicher ein Problem gewesen. Der Engel macht den Weg für die Frauen zu Jesus frei. Es wird im Text nicht gesagt, ob diese Vorgänge im Beisein der Frauen geschehen sind. Aus Vers 11 können wir schließen, dass die Wachen sich sofort nach diesem Geschehen zur Stadt aufmachten. Der Engel des Herrn war wie ein Blitz und sein Gewand war wie Schnee. Das zeigt uns die Sündlosigkeit der Umgebung Gottes an. Und wo der Mensch, Gottes strahlender Herrlichkeit begegnet, da erschreckt er. Die Soldaten mussten ziemlich erschrocken sein und liefen davon. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht! Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Komm her und seht die Stätte. Wo er gelegen hat. Die Frauen wurden von dem Engel Gottes getröstet. Sie hatten sich zuerst vor ihm erschrocken. Doch dann hören sie etwas Gewaltiges: Jesus ist auferstanden! Er ist nicht von seinen Jüngern wieder belebt worden. Nein, die Jünger hatten ihn alle verlassen. Jesus ist von den Toten auferstanden. Das übersteigt unseres menschliches Denken. Jesus war tot. Jetzt ist er am Leben. Er ist auferweckt worden. Von wem? Vom Himmlischen Vater. Der Engel weist auf Jesu Prophezeiung hin: So wie er es gesagt hat. Die Frauen werden eingeladen: Komm her und seht die Stätte wo er gelegen hat. Die Frauen gehen hinein und sehen das leere Grab. Jesu Leichnam fehlt. Die Gebeine von großen Religionsstifter liegen immer noch in der Erde. Das Grab Mohammeds ist belegt! Das Grab Buddhas ist belegt! Das Grab Konfuzius ist belegt! Doch das Grab Jesu ist leer! Die Auferstehung Jesu ist bahnbrechend für die ganze Menschheit. Die Auferstehung Jesu ist ein Weltereignis. Die Bibel spricht nicht vom Leben als Zyklus. Das tun die andere Religionen. Sie reden nämlich von Seelenwanderung. Viele schwärmen von Reinkarnation. Der Christ lebt dagegen in der Hoffnung, die sich in der Ewigkeit erfüllt. Der Tod ist der Feind des Menschen. Aber dieser Tod kann durch den Glauben an die Auferstehung Jesu überwunden werden. In unserem Predigttext lesen wir, dass der Engel zu den Frauen gesprochen hat. Sie sollten von Jesu Auferstehung seinen Jünger berichten. Die Frauen waren Zeugen der Kreuzigung. Jetzt sind sie Zeugen der Auferstehung. Diese Frauen! Und die Jünger? Die Jünger müssen das erst erfahren. Und sie gingen eilends weg vom Grab, mit Frucht und großer Freude, und liefen um es seinen Jünger zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Nun sehen die Frauen Jesus selbst. Der Herr macht sich ihnen zuerst sichtbar. Sie waren mutiger als die Männer. Und Jesus hat einen Leib, den man berühren kann. Jesus ist nicht nur Seele. Jesus ist nicht nur ein Geist. Jesus hat einen Leib. Darum fielen die Frauen vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Wenn wir in die Ewigkeit kommen wollen, sollten wir bedenken, dass das Leben hier auf der Erde nicht das Letzte ist. Das Leben hier auf der Erde ist immer nur das Vorletzte. Das Letzte kommt erst nach dem Tod. Und bei diesem Letzten werden wir auferstehen zum neuen ewigen Leben. Wir werden alle einen neuen Auferstehungsleib bekommen. Darum werden wir auch keine Geister sein. Unser Auferstehungsleib wird keine Krankheit, keine Schmerzen noch Tod kennen. Wir werden sogar essen und trinken können. Das hat Jesus öfters nach seiner Auferstehung getan. Warum sollten wir nicht einmal mit Jesus ein Gläschen Wein trinken? Und uns mit seinen Jüngern zum Tisch setzen? Und dann noch Abraham und Mose und David die Hand schütteln? Liebe Gemeinde, unser Herr, Jesus Christus ist wahrhaftig auferstanden. Wie sonst kann man erklären, dass aus den verängstigten Hasen, das sind die Apostel, eine selbstbewusste Truppe von Missionaren wurde? Viele Theorien sagen, dass die Apostel nur Halluzinationen gehabt hätten. Jeder von ihnen hätte nur eine bestimmte Vision gehabt. Doch alle diese Theorien müssen an der Tatsache scheitern, dass Jesus von seinen Jüngern nicht sofort erkannt wurde. Und noch etwas. Halluzinationen neigen gewöhnlich dazu, über einen längeren Zeitraum mit Regelmäßigkeit aufzutreten. Entweder treten sie immer häufiger auf, bis ein bestimmter Krisenpunkt erreicht ist, oder die Häufigkeit nimmt ab, bis sie ganz verschwunden sind. Doch die Berichte im NT melden uns nach Christi Himmelfahrt sofortiges Ende der Erscheinungen. Nur bei Paulus waren die Umstände anders. Denn normalerweise sind die Geister, die Menschen wachrufen, nicht so schnell wieder beruhigt. Wir wissen, dass die Jünger nicht leichtgläubig waren, sondern eher vorsichtig und skeptisch. Und sie waren nicht anfällig für Halluzinationen. Ihr Glaube war auf der harten Tatsache der Auferstehung gegründet. Darum dürfen wir als Gemeinde wissen: kein Gespenst hat die Welt geändert. Diese Welt ist durch die Auferstehung Jesu Christi geändert. Jesus sagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich." In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Ostern. Amen. |
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