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Jesus ist gekommen, ...                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 7. Januar 2001

Heute soll in der Predigt auf zwei Punkte geschaut werden:

a) Jesus ist gekommen, der hinweg trägt die Sünde der Welt
b) Jesus ist gekommen, der mit dem Heiligen Geist tauft

Liebe Gemeinde

der Predigtabschnitt für den heutigen Sonntag steht im Evangelium des Johannes Kapitel 1, 29-34. Ich lese aus einer modernen Übersetzung:

Am nächsten Tag kam Jesus an den Jordan. Da rief Johannes: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt trägt. Dieser Mann ist es, von dem ich gesagt habe: „Es wird einer kommen, der schon vor mir war. Er steht weit über mir! Auch ich kannte ihn vorher nicht. Aber damit das Volk Israel auf ihn vorbereitet wird, taufe ich hier mit Wasser.“
Und Johannes berichtete weiter: „ich sah den Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel herabkommen und bei ihm bleiben. Vorher habe ich ihn auch nicht gekannt,“ wiederholte Johannes. „aber Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: „Wenn du den Geist auf jemanden herabkommen und bei ihm bleiben siehst, dann weißt du, dass er es ist, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und weil ich das gesehen habe, kann ich euch bezeugen: Dieser ist Gottes Sohn!“

Manchmal, wenn man sich etwas zum Anziehen kaufen will, dann hat man eine vage Vorstellung von dem, was man möchte, weiß aber nicht so genau, was man will. Und dann geht man von einem Kleidergeschäft in das andere, stöbert sämtliche Angebote durch, lässt sich beraten. Aber irgendwie so richtig passende findet man nicht. Doch, wenn man Glück hat, dann findet man genau das Kleidungsstück, das man gesucht hat. Farbe, Stoff, Schnitt und Größe stimmen. Es steht Ihnen ausgezeichnet, wirkt wie maßgeschneidert und selbst der Preis stimmt. Solch ein Kleidungsstück kann dann für Jahre das Lieblingsteil sein, man freut sich immer wieder darüber, wenn man es anzieht.

Ähnlich stelle ich mir vor, hielt Johannes nach dem Messias Ausschau. Er wusste: Es wird einer kommen, der für mein Leben, für mein Volk und für die ganze Welt die größte Bedeutung haben wird. Er wird genau zu dem passen, was ich mir wünsche, was ich brauche.

Johannes der Täufer aber hatte nur eine vage Vorstellung von dem Mann, der kommen sollte und der die Weltgeschichte zum Ziel führen sollte. Von dem Mann auf den das Volk Israel warten sollte. Öffentlich predigte Johannes von einem furchterregenden Mann. Einer, der mit dem heiligen Zorn alles vernichtet, was heuchlerisch, falsch und gottlos ist. Einer, der Gottes Streitaxt schwingt, die bereits an die Wurzel fauler Bäume gelegt ist. Einer, der mit eisernem Besen, die Tenne fegt. Einer, der Gottes Gericht ausführt. Sehr viele Menschen hörten seine Predigt. Scharenweise kamen die Leute, um ihn zu hören. Und ich kann mir vorstellen, wie er die vielen hundert Menschen, die täglich zu ihm kamen, musterte und anschaute und sich fragte: „Welcher ist es?“ Johannes sah viele. Wahrscheinlich auch viele brauchbare Menschen. Aber von keinem konnte er sagen: „Der ist der richtige. Der passt genau.“

Liebe Gemeinde, ich glaube, jeder Mensch wünscht sich, ähnlich wie Johannes sich, den passenden zu finden, der das richtige Lebenskonzept für mich hat, dem ich so vertrauen kann, dass es sich lohnen würde, für ihn zu sterben, der mich ausfüllt und glücklich macht. Der die Dinge, die schief liegen, wieder in Ordnung bringen kann.

Wir leben in einer Zeit, in der es viele weltanschauliche Angebote gibt. Viele versprechen uns meistens versteckt, manchmal unverhohlen: Das ist der Weg. Da kannst Du Deine Zeit und Dein Geld investieren, das macht dich glücklich.“ Doch das passende ist schwer zu finden.

Johannes hatte Glück. Denn der passende kam zu Johannes. Und gut dass Gott dem Täufer ein Erkennungsmerkmal prophezeite. Er ließ ihn wissen: „Wenn du den Geist auf jemanden herabkommen und bei ihm bleiben siehst, dann weißt du, dass er es ist.“

Dann kam Jesus. Und Johannes erkannte, wie Gottes Geist gleich einer Taube vom Himmel herab kommend auf Jesus ruhte. Und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen: Genau der ist es – er ist es schon immer gewesen und wird es auch immer sein. Jetzt erkenne ich ihn ganz deutlich.

Liebe Gemeinde. Ähnlich ist es, wenn ein Mensch zum Glauben kommt. Dann fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen und er erkennt: Genau der ist es, den ich schon immer gesucht habe, wonach ich mich immer sehnte, welcher mein Leben ausfüllen wird.

Was ist nun das Besondere an Jesus? Das erste, worüber Johannes staunt, ist: Jesus ist Gottes Lamm. D.h.: Jesus ist nicht der, der mit dem eisernen Besen die Tenne fegt und der geschliffenen Axt dreinschlägt. Jesus ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Er ist der, der nicht mit den Sündern aufräumt, wie Johannes vermutet hatte, sondern er ist der, der mit der Sünde aufräumt.

Man muss sich vorstellen, dass die Sünde so etwas wie eine schwere Kiste mit radioaktivem Müll in der Wohnung eines Menschen ist. Der eine legt vielleicht einen Teppich drüber und tut so, als ob sie gar nicht da wäre. Der andere tut so, als wäre sie etwas außergewöhnlich attraktives und verführerisches - also etwas, was in jede Wohnung eines modernen Menschen gehört. Doch Tatsache ist. Dieser Müll in der Wohnung wird jeden Mitbewohner krank machen, er zerstört das ganzes Leben.

Liebe Gemeinde – wir alle haben unter irgend etwas zu leiden, jeder knackt an etwas, das ihm das Leben schwer macht. Wenn man aber nach der Ursache des Leides fragt, dann steht am Anfang des Leides meistens eine Sünde, die man entweder persönlich oder ein anderer Mensch begangen hat.

Liebe Gemeinde, diese radioaktive Müllsammlung Sünde trägt Jesus aus unserem Leben hinweg; sie verliert ihre vernichtende Kraft. Er trägt nicht nur die, Sünde, die wir begangen haben, sondern auch die, der Welt. Er trägt auch die Sünden, die an uns begangen wurden.

Darum kann ich nur Mut machen, ihn in unsere Wohnung zu lassen und ihm zu erlauben unsere Sünde hinaus zu tragen. Am befreiendsten spürt man das, wenn man konkret Jesus seine Sünden anvertraut. Wenn man allgemein bleibt – im Sinne von: Herr, vergib mir meine Sünden, dann bekommt man wenig von der befreienden Kraft zu spüren. Ich mach das immer so, dass ich die Sünde in vier Rubriken aufteile. Einmal überlege ich, am Abend eines Tages, ob ich gegen Gottes Gebote verstoßen habe. Und dann bekenne ich: Herr, ich habe heute diese Sache beschönigt und war dadurch unehrlich. Wenn ich genug Zeit beim Beten habe, prüfe ich mich noch, indem ich mir überlege, ob ich bei jemandem einen Splitter im Auge bemerkt habe. Denn meistens entdecke ich über den Splitter im Auge des anderen, meinen eigenen Balken. Damit kann ich dem Lamm meistens die Sünde in dem Keller meines Lebenshauses anvertrauen. Schließlich frage ich, ob mir jemand weh getan hat, oder ob ich heute auf jemanden ärgerlich war. Das sage ich Jesus und ich vergebe der betreffenden Person.

Und hin und wieder überlege ich, was mir Angst und Not macht – denn meistens steckt hinter unserer Angst ein ganzes Bündel von kollektiven Sünden. Bsp. Die Hauptangst dieser Wochen ist die Angst vor BSE. Diese Krise ist eine Mischung von Übertreibung also Lüge der Medien, Profitgier einer Lebensmittelmafia, die meint, man müsste Gras fressenden Kühen unbedingt Tiermehl vorsetzen, Feigheit von Politikern, Faulheit und Geiz der Verbraucher, die es begrüßen, dass Lebensmittel immer billiger werden, aber nicht danach fragen, dass dies auf Kosten von Bauern, Tieren und Lebensmittelqualität geht. Also ein ganzes Bündel von Sünden.

Aber ich darf und soll meine Ängste und Sorgen dem Lamm Gottes anvertrauen und sagen. Das hilft über den ersten Schock hinweg zu kommen. Es hilft gelassener zu werden, aber auch beherzigt an zu packen.

Finden Sie nicht, dass so ein Mann, der einem hilft, mit dem, was einem das Leben so schwer macht, aufzuräumen, genau der passende ist? Für unser Leben als Christen. Aber auch für das Leben unser Mitmenschen, die noch nicht Christen sind?

Johannes führt noch eine zweite Sache auf, die großartig an Jesus ist: Jesus ist der, der mit dem heiligen Geist tauft.

Was bedeutet das? Einmal: Der Heilige Geist – ist der Geist Jesu, der in uns Wohnung nimmt und unserem Leben eine neue Richtung gibt. Wohnt er in unserem Herzen, dann macht er uns heilig. Er bereitet uns für Gott vor. Er zerbricht die Dinge, die uns von Gott trennen, er läutert unseren Glauben, er schenkt uns Freude an Gott. Er ist eine Quelle der Kraft, die uns immer wieder antreibt, auf Gott zu achten, zu hören, ihm zu gehorchen, ihm zu dienen, ihn anzubeten. Er weckt die Stimme unseres Gewissens laut, wenn wir uns von Gott entfernen, er warnt uns vor Gefahren. Öffnet uns die Augen des Herzens, damit wir im Glauben erkennen lernen, wozu wir berufen sind.

Und der Heilige Geist schenkt jedem Christen von uns Gaben, die helfen, seine Gemeinde zu erbauen. Der eine kann gut andere für etwas begeistern – die Gabe der Leitung, ein anderer kann intensiv für etwas beten – Gabe des Gebets. Wieder ein anderer kann gut erklären – Gabe der Lehre und ein weiterer erkennt ganz scharf, wenn etwas faul ist. Ein anderer wiederum kommt sofort mit Nichtchristen ins Gespräch und kann sie zu Jesus führen – Gabe der Evangelisation und wieder andere können mit ihrer praktischen Ader anpacken, organisieren. Es gibt Menschen, die bekommen ähnliche Fähigkeiten zur Verfügung gestellt, die man bei Jesu Wirken sah und auch die Jünger und ersten Apostel bekommen hatten. Durch den Heiligen Geist können manche Christen in einer fremden Sprache beten, manche erleben Wunder, wie Menschen von bösen Zwängen befreit werden, wie manche geheilt werden. Manche erleben großartige Wunder. Das großartige dabei ist, dass man dabei viel Freude und Erfüllung erlebt.

Liebe Gemeinde:

Jesus Christus – er ist der richtige für jeden Menschen.
Denn er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt
und er ist der, der uns den Heiligen Geist schenkt.
Dadurch macht er unser Leben schön und erfüllt.

Amen

 

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Stand: 04. Juni 2010