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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 29. Mai 2003, Christi HimmelfahrtLk 24, 50-53 Jesus aber führte seine Jünger hinaus bis in die Nähe von
Bethanien. Und er erhob seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete,
geschah es, dass er sich von ihnen entfernte und in den Himmel emporgehoben
wurde. Sie aber fielen vor ihm nieder und kehrten dann mit großer Freude nach
Jerusalem zurück, und sie waren ständig im Tempel und priesen Gott. Jesus nimmt Abschied von seinen Freunden. Und wie gewohnt geht Jesus seine Schritte immer sehr bedacht und weise. Er führt seine Anhänger in die Nähe von Bethanien. In der Apostelgeschichte, in der ebenfalls die Rede von Himmelfahrt ist, erklärt der Evangelist Lukas noch genauer den Ort. Es ist der Ölberg. Jesus führt seine Jünger heraus aus der Stadt, aus dem alltäglichen Betrieb der Welt an einen Ort etwas außerhalb. Bis kurz vor dem kleinen Dorf Bethanien. Diese Ortsangaben sind ein kleiner symbolischer Hinweis für den zukünftigen Weg der Gemeinde. Politiker wählen z.B. auch oft die Orte ihrer Treffen nach symbolischen Gesichtspunkten. (Bspw. Versailles: Sonnenkönig: Zentrum frz. Macht; 1871: genau dort müssen sie ihre Niederlage eingestehen, 1919: genau dort muss wiederum das Dt. Reich seine Niederlage eingestehen – 2003: Dt.- frz. Freundschaft: Treffen der beiden Parlamente). Was symbolisiert der Ölberg für die Gemeinde? Der Ölberg, das ist der Ort, an dem sich noch fünfzig Tage zuvor viele Menschen versammelt haben, wo sie Palmzweige von den Bäumen geschnitten, gejubelt und gerufen haben: „Hosianna, gelobt sei der Herr, der da kommt.“ Sie haben ihre Kleider ausgelegt, damit Jesus auf seinem Esel wie auf einem Teppich in die Hauptstadt Jerusalem hineinreiten konnte. Hier wurde Jesus zum ersten Mal öffentlich als der Messias, als der Herr des Volkes Israel gefeiert. Und dies ist auch eine Bedeutung von Himmelfahrt: Wir feiern Jesus als den König. Dann ist der Ölberg auch der Ort, an dem Jesus ungefähr vierzig Tage zuvor in dunkelster Nacht gezittert und vor Angst Blut und Wasser geschwitzt hat. Er bat: Herr, wenn es möglich ist, so soll der Kelch an mir vorüber gehen – aber nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille. Liebe Gemeinde, dies ist der Ort, an dem die Gemeinde seit Himmelfahrt steht. Die Gemeinde lebt in einer Zeit der Prüfung, einer Zeit, in der sie in der Versuchung steht, dem Druck nachzugeben und mit der Welt gleichzuziehen. D.h. entweder vor dem Auftrag zu fliehen und sich verrät, indem sie sich der Welt anpasst oder einer Zeit, in der sie mit menschlicher Gewalt und menschlichen Methoden kämpfen will. Immer wieder muss sich die Gemeinde durchringen, wenn sie in Schwierigkeiten gerät zu beten: „Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe.“ Und sich durchringen das Kreuz der jeweiligen Epoche zu tragen. Und zuletzt gehen die Jünger in Richtung Bethanien, damals ein kleiner Vorort von Jerusalem. Der Ölberg liegt praktisch dazwischen. In Bethanien weckte Jesus seinen Freund zum Leben auf, nachdem er schon vier Tage beerdigt war. Und auch dies ist eine Hoffnung der Zeit von Himmelfahrt:
Wir, als Freunde Jesu, gehen auf unsere Auferstehung zu. Wir sind noch nicht
ganz an diesem Ort, aber kurz zuvor. Himmelfahrt bedeutet, das Jesus bei Gott dem Vater steht und ein gutes Wort für uns einlegt, dass er unser Fürsprecher beim Ursprung und Quell des Lebens ist. Liebe Gemeinde, im Alten Testament ist an zwei Stellen die
Rede davon, dass Satan im Himmel ist und die Menschen anklagt und schlecht
macht. Er ist mit Jesu Sieg von Golgatha aus dem Himmel rausgeworfen worden.
Dort ist keiner mehr, der uns verklagen darf. Dort ist nur noch einer, unser
Bestes will. Einen Fürsprecher im Himmel, das ist unendlich viel wert. Darum, liebe Gemeinde, lasst uns nicht einander im Gebet
verklagen- das macht der Satan - lasst uns vielmehr füreinander einstehen. Und während er sie segnete, geschah es, dass er sich von
ihnen entfernte und in den Himmel emporgehoben wurde. Sie aber fielen vor ihm
nieder und kehrten dann mit großer Freude nach Jerusalem zurück Und jetzt dürfen sie erleben, dass er, der erste Platz einnimmt. Da kann man sich nur freuen. Nicht das, was wir auf dieser Welt so wichtig nehmen: Karriere, Geld, Ansehen, Haus, Auto hat gesiegt, sondern, das, was Jesus gesagt und getan hat, seine Botschaft, die hat gesiegt. Das sehen die Jünger und sie wissen nun, dass sie auf den
richtigen Mann gesetzt haben. Und darum sind sie so glücklich. Und darum feiern
sie diesen Sieg. Und darum loben sie ihn. Amen. |
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