Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

Home Nach oben Gebet Konfirmation Musik Mitarbeiter Predigt Rundfunk Royal Rangers Archiv Inhalt Links

Jesus, der Hohepriester                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 28. März 2004

Hebr 5,5-10:

So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat (Psalm 2,7): »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.« 6 Wie er auch an anderer Stelle spricht (Psalm 110,4): »Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.« 7 Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.  8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. 9 Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden, 10 genannt von Gott ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

Liebe Gemeinde,

heute macht es uns der Bibelabschnitt nicht gerade leicht, da er auf der Ebene jüdischer Theologie argumentiert und dabei viel an Hintergrundwissen verlangt, das wir Christen heute kaum mehr haben.

In der Antike war man sich viel mehr als heute bewusst, dass man sich Gott gar nicht so einfach nahen konnte. Gott war heilig. Und wer ihm ohne Erlaubnis bzw. Berechtigung zu nahe kam, der wurde vom Feuer seiner Heiligkeit verzehrt. Als z.B. der König Saul unerlaubter Weise ein Opfer darbrachte, wurde er verworfen. Einmal wurde die Bundeslade nicht getragen, sondern unerlaubter Weise auf einem Wagen gefahren. Als Usia, ein Begleiter den Wagen abstützte, wurde er von Feuer verzehrt.

Wenn Propheten eine Vision von Gott hatten, waren sie wie erschlagen und zitterten vor Furcht. Gott ist heilig, das bedeutet, man kann nicht mal einfach kurz bei ihm vorbeigehen, so wie man beim Bäcker ein paar Brötchen holt. Nicht einmal eine Spende, ein Opfer kann man Gott vorbeibringen. Der Heilige Gott verlangt eine heilige, reine Person, welche die Opfer, den Dank, die Anliegen der Gläubigen zu ihm bringt.

Der Hebräerbrief sagt, dass es nur einen gibt, den Gott wirklich als Hohepriester akzeptiert. Das ist Jesus.

Ein jüdischer Theologe der Antike, würde aber einwenden. „Das kann doch gar nicht sein. Kurz vorher wurde noch behauptet, dass Jesus der Messias, der König Israels ist, dann kann er doch nicht gleichzeitig der Hohepriester Israels sein. Immerhin hat Gott doch den Stamm Levi erwählt aus dessen Familie der oberste Priester kommt. Und Jesus stammt aus dem Stamm Juda, also aus dem Stamm, das den König stellt. Das geht nicht zusammen: Entweder ist er Messias – oder er ist Hohepriester. Gott hat die beiden Ämter aufgeteilt.

Auf diesen Einwand antwortet der Hebräerbrief: Königtum und Priestertum können doch vereint sein. Bevor es Leviten und Könige in Israel gab, gab es zu Zeiten Abrahams einen König, der gleichzeitig auch Priester war. Es war Melchisedek, der König des alten Jerusalem. Sein Name bedeutet „gerechter König“. Dieser König nahm den Zehnten, also die Opfer des Erzvaters Abraham an und brachte es Gott. Melchisedek durfte also als Priester des Höchsten vor Gott treten. Und der Hebräerbrief belegt dieses Argument mit einem Zitat aus Psalm 110, in dem der Messias zum Priester berufen wird:

„Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Und im gleichen Atemzug weist der Hebräerbrief noch daraufhin, dass Jesus nicht nur zum Hohepriester von Gott berufen wurde, sondern, dass sich dieses Amt auch wirklich verdient hat.

Inwiefern?

Gott ist heilig. Das heißt, dass alles, was seiner Gerechtigkeit und seiner Majestät widerspricht, verzehrt wird. Rebellion, Widerspruch und Befehlsverweigerung sind dagegen Ausdruck von Auflehnung und Sünde gegen Gott. Gehorsam ist das Gegenteil von Rebellion. Auf Gottes Worte hören, achten, sie fürchten und sie tun, ist Gehorsam. Wer Gott gehorsam ist, ist praktisch an sich heilig und kann in seiner Gegenwart bestehen. Gehorsam fällt einem Menschen aus Fleisch und Blut sehr schwer.

Man kann seine Kinder vielleicht dressieren, indem man ihnen droht, sie schlägt. Das nennt man dann Kadavergehorsam. Man kann sie auch mit Belohnungen locken und sie ein wenig bestechen. Sie gehorchen, wenn etwas für sie dabei herausspringt. Es ist praktisch ein Gehorsam wie man ihn in einem Hotel erlebt. Dort tun die Leute alles, was man sich wünscht, solange man dafür bezahlt.

Eine falsche Art Gehorsam ist möglich durch Zuckerbrot und Peitsche. Doch sobald diese zwei Mittel wegfallen, dann tun wir Menschen im Grunde nur das, was wir wollen.

Doch so war Jesus nicht. Er war gehorsam ohne Zuckerbrot und Peitsche. Er war gehorsam allein aus Vertrauen zu seinem Vater im Himmel. Er vertraute darauf, dass alles, was Gott will gut ist – auch wenn es noch so dunkel ist und noch so schmerzhaft.

Und Jesus war gehorsam aus Liebe. Aus Liebe zu Gott im Himmel und aus Liebe zu uns Menschen. Wenn man jemanden gerne mag, dann tut man ihm gerne auch einen Gefallen. Das ist echter Gehorsam.

Liebe Gemeinde, Jesus war aber nicht nur ein bisschen gehorsam. Er war gehorsam bis zum alleräußersten. Er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Man hört zur Zeit viel über den Film: Die Passion Jesu. Dort werden die letzten Stunden Jesu dargestellt. Viele Menschen lehnen diesen Film ab, weil er so unerträglich, so realistisch grausam ist. Jesus erlitt diese Qualen aus echtem Gehorsam. Er wich nicht aus, obwohl er ständig versucht wurde, aufzugeben, zu fluchen. Doch er vertraute darauf, dass dies der Weg ist, die Menschen zu erlösen.

Durch diesen Gehorsam qualifizierte sich Jesus für das ewige Amt des Hohenpriester. Ein Mensch, der Gott in diesem Maß gehorsam ist, der kann Hohepriester für alle Ewigkeit sein. Ihm wiederum kann Gott ganz und gar vertrauen.

Das Amt des Hohepriesters ist so etwas wie das Herz Gottes. Es pumpt den Strom der Liebe Gottes zu denen, die ihm vertrauen und sich nach ihm sehnen. Und gleichzeitig transportiert es die Anliegen des Volkes Gottes, seinen Dank, seine Anbetung, seine Bitten und Fürbitten zu Gott dem Vater.

Das schöne daran, das Jesus unser Hohepriester ist, ist, dass Jesus uns versteht. Er verklagt uns nicht. Er kennt unsere Nöte, unsere Schwachheit, unsere Versuchungen und wendet alles zum Besten vor dem Vater.

Außerdem haben wir durch ihn für alle Ewigkeit Zugang zu Gott. Ja, wir können nun ganz vertraulich zu ihm Papa sagen, so dass man kaum mehr merkt, dass man einen Hohepriester braucht – so wie man kaum sein Herz spürt.

Diese Nähe zu Gott, hat Jesus für uns erwirkt. Dank sei ihm.

Amen

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 04. Juni 2010