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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 30. März 2003Liebe Gemeinde, vor der Industrialisierung war die Fastenzeit nicht nur eine
fromme Übung, sondern oft auch bittere Notwendigkeit. Die Vorräte, die man für
den Winter gesammelt hatte, gingen mit dem allmählichen Beginn des Frühlings
langsam zur Neige. Die nächste Ernte war noch weit entfernt. Meist hatte man nur
eine Mahlzeit am Morgen. Am Abend knurrte wohl der Magen recht unangenehm. Und
mancher Mutter und manchem Vater wurde das Herz schwer, wenn die Kinder mit
großen, flehenden Augen um ein Stück Brot bettelten. Manches Kind hat wohl
gefragt: „Papa, warum können wir nicht das gute Korn, das wir noch auf dem
Speicher aufbewahrt haben, essen? Dann brauchen wir doch nicht zu hungern.“ Dann
hat der Vater wohl erklärt: „Kind, dieses gute Getreide brauchen wir zur
Aussaat. Wenn wir dies alles aufessen, dann können wir keinen Weizen mehr
anpflanzen und auch nichts ernten – dann müssen wir früher oder später auch
wieder hungern.“ Keiner von uns käme nun auf den Gedanken, sich über den Vater
zu empören, oder es als Verschwendung anzusehen, den Kindern das Korn
vorenthalten und dann einfach in den Dreck zu werfen. Denn wir alle wissen –
wenn nicht gesät wird, kann auch nichts geerntet werden und wenn keine neue
Ernte kommt, dann kommt der Hunger erst recht. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt,
bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer
sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Wer mir
dienen will, der folge mir nach: und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.
Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Ich bin mir sicher, Jesus hätte mit seinen Gaben, mit seinen Beziehungen und mit seiner Intelligenz ein sehr schönes und angenehmes Leben führen können. Er durchschaute die Strukturen der Macht, er kannte genau die menschliche Seele und ihre Regungen. Wenn er dieses Wissen zu seinem eigenen Nutzen gebraucht hätte, dann wäre er ein reicher, angesehener und äußerst gebildeter Rabbi geworden. Aber das war nicht seine Aufgabe. Darum ging er den Weg, den Gott dem Messias vorgezeichnet hatte. Den Weg in die Erniedrigung und Gottesferne. In die schrecklichsten und dunkelsten Tiefen unserer Menschenwelt. Er ging zu Boden in den Boden. Er wurde von einem Freund verraten, von einem anderen schmählich im Stich gelassen, er wurde verhöhnt und ausgelacht. Heuchler und neidische Menschen klagten ihn an. Sie missgönnten ihm die Liebe der Menschen. Von seinem Volk wurde er an des Volkes Feinde ausgeliefert. Die Heiden peitschten ihn aus und nagelten ihn ans Kreuz. Dort erstickte er von Gott und von der Welt verlassen. Dann wurde er begraben. Jesus ist das Weizenkorn Gottes, das hingegeben wurde, das starb. Und? Hatte Jesus recht? Hat er neues Leben gewonnen? Ja, er empfing neues Leben. Am dritten Tag erstand er vom Tod. Und durch seinen
Tod am Kreuz können wir Menschen aufatmen.
Es befreit uns von Sünde, es befreit uns von dem, was unser Leben schwer macht.
Menschen, die dies erfahren und begriffen haben, sind voller Liebe zu ihm. Sie
öffnen sich seinem Geist. Er verwandelt sie und macht sie ebenfalls zu kleinen
Weizenkörnen, wie Jesus, die bereit sind, ihr Leben für ihn hinzugeben.
Und so gibt es überall auf der Welt Menschen, die auf dem Weg sind, wie Jesus zu
werden, die Gott vertrauen und ehren, Liebe üben, Mitmenschen helfen, die Licht
der Welt und Salz der Erde sind. Die Frage bleibt: Wem geben wir den Vorzug?: Geben wir Gott und seinem Reich den Vorzug. Oder haben wir, nur ein : Ein Ja, aber... für ihn übrig. Lieben wir Gott, solange es nichts kostet und sobald er etwas fordert haben wir
gleich eine andere Bibelstelle zur Hand, die seine Forderung nichtig macht.
Hat die Sache Jesu für mich Priorität, oder ist mir mein eigenes Wohlergehen
stets wichtiger?
Ich will jetzt nicht sagen, dass man sich nicht um sein Wohlergehen kümmern darf
– ich will nur fragen, welchen Stellenwert es hat. Wo setze ich meine
Prioritäten? Sie machen Morgen einen kleinen Kassensturz. Schauen auf Ihr Konto und zählen zusammen, was Sie gerade flüssig haben. Dann – und das passt gut in die Fastenzeit – spenden Sie 10 % ihres Geldes für das Reich Gottes einem guten Zweck . Also nicht ein paar Peanuts, ein paar Münzen, die ohnehin die Geldbörse so schwer machen, sondern wirklich der 10. Teil. Und dann warten Sie bis Ostern und machen an Ostern Bilanz, ob sie ärmer oder reicher dadurch geworden sind. Wenn Sie entdecken, dass es gut gegangen ist, dann können sie ruhig weitere Vertrauensschritte wagen. Oder sie investieren Ihre Zeit. Vielleicht werden Sie angesprochen, eine
Aufgabe zu übernehmen. Überlegen Sie, ob die Aufgabe zu Ihnen passt. Wenn Ja,
dann sagen sie zu. Opfern Sie ihre Zeit. Und nach einem Jahr ziehen sie Bilanz.
Ist Ihr Leben dann anstrengender und nerviger geworden oder ausgeglichener und
erfüllter. Amen. |
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