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Jesus bringt den wahren Frieden                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler  am 3. Dezember 2006, 1. Advent

Predigttext aus Lukas 1, 67-80

67 Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:
68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David
70 - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -,
71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,
72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund
73 und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
74 dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,
78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.

Liebe Gemeinde,

das Lukasevangelium beginnt mit 2 berühmten und schönen Psalmen. Einmal geht es um den Lobgesang der Maria, als sie vom Wunder hörte, dass sie die Mutter des Messias sein wird. Der zweite schöne Psalm ist das Benediktus. Es ist der Lobgesang des Zacharias, nachdem es ihm die Sprache verschlagen hatte, weil er Gott nicht geglaubt hatte, dass Gott ihm noch einen Sohn schenken könnte, doch als er zur Welt kam, wurde ihm bewusst, dass sein Sohn der Vorbote des großen Königs sein wird. Und darum lobt er Gott.

In beiden Fällen loben zwei Menschen Gott für etwas, was sich noch gar nicht ganz erfüllt hat, aber sie sehen, dass Gott anfängt seine Versprechen zu erfüllen. Und darum stimmen sie in Lobpreis ein.

Das ist auch die Situation von Advent. Gott hat seine Versprechen von der Erlösung der Erde noch nicht endgültig eingelöst. Es fehlt noch vieles. Doch er hat damit angefangen. Und im Glauben an ihn und an die Vollendung kann jetzt schon die Schar der Glaubenden in ein Loblied einstimmen.

Musik plus ist bereits eine Einstimmung in diesen Lobpreis.

Und so können wir uns ein wenig von Zacharias inspirieren lassen.

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk

Zacharias betet im Heiligen Geist. Er sieht und sagt voraus, dass der Retter und Erlöser kommen wird. Er ist sich so gewiss, dass er im Perfekt spricht: Gott hat besucht und erlöst sein Volk. Das ist für ihn ein vollendete Tatsache. Er lobt Gott, weil Gott sein Volk besucht.

Es ist eine Sache, wenn ein Herrscher irgendwelche Dekrete unterschreibt, oder Briefe an Behörden richtet oder eine Radioansprache zum Jahreswechsel hält. Doch besonders schön für eine Stadt oder ein Dorf ist es, wenn der Herrscher persönlich erscheint. Wenn er sein Volk besucht.

[Besuch des Königs und des Prinzen in Eupen – alle fühlten sich geehrt…]

Mit Jesus kommt Gott seinem Volk ganz nah. Er lässt sich direkt befragen, direkt berühren, er greift direkt ein. Übrigens, wenn man Jesu Reiseroute anschaut, dann hat er fast alle Gebiete und Ortschaften des Alten Israels besucht. Auch die Orte, die schon lange zu anderen Gebieten zählten und längst von den echten Juden aufgegeben worden waren. So wichtig ist Gott das ganze Land. Das erkennt Zacharias und er ist einfach glücklich. Er jubelt, weil Gott selbst zu Besuch kommen wird.

69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David

In alten Übersetzungen heißt es: Er hat aufgerichtet ein „Horn des Heils“. Im Buch Daniel und der Offenbarung lesen wir, wie immer wieder Herrscher mit einem Horn von einem Tier verglichen werden. In der Offenbarung richten diese Hörner, diese Herrscher jedoch immer eine furchtbare Zerstörung an. Gott richtet mit Jesus jedoch eine Herrschaft des Heils auf. Eine Herrschaft, die nicht zerstört, sondern aufbaut.

70 - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -,

Gott hat dies über die Jahrhunderte hinweg immer wieder seinem Volk durch die Propheten sagen lassen. Ich selbst werde einen neuen Bund mit euch schließen, ich werde selbst unter euch wohnen in Gestalt eines Königs.

1000 Jahre zuvor wurde es dem Propheten Nathan und David verkündet, Amos hörte es 750 Jahre vor Christus. Jesaja 700 Jahre. Der letzte dieser großen Herolde wird Johannes sein. Der Sohn von Zacharias.

71 dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen,

Viele Israeliten zur Zeit Jesu glaubten dass der Messias die Römer aus dem Land treiben würde. Und eine Partei – die Zeloten – wollten dies mit aller Macht, also durch terroristische Anschläge auch vorantreiben. Doch Jesus hat keinem einzigen Römer ein Haar gekrümmt. Hat sich Zacharias hier also getäuscht? Ich denke nicht. Denn wer ist der eigentliche Feind Israels?

Im Chronik Buch lesen wir, wie immer und immer wieder verschiedene Nachbarvölker zum Krieg gegen Israel rüsten und angreifen. Doch unter der Führung Davids werden sie allesamt in die Flucht geschlagen. Doch zuletzt heißt es in Kapitel 21: „Und Satan stellte sich [persönlich] gegen Israel und reizte David.“ Damit ist klar, dass hinter all den Angriffen ein unsichtbarer Erzfeind steht, der die Philister, Amoniter, Syrer, Aramäer aufstachelte: Satan. Er ist der Hauptfeind Israels. Er steckt hinter allen Pogromen.

Ich kann mir anders den irrationalen Hass auf der ganzen Welt gegen so ein kleines, bis vor 60 Jahren machtloses Volk nicht vorstellen. Seit dem Purimfest bei den Persern gab es kaum ein Jahrhundert an dem nicht das Volk Israel verfolgt wurde und keine Pläne bestanden es auszurotten.

Der Teufel reizt die Völker gegen das Volk Gottes.

Jesus kam nicht, um die menschlichen Feinde des Volkes Gottes zu töten. Dann hätte Satan gewonnen. Dann würde der Hass und die Rache unter den Menschen von Generation zu Generation weitergären. Und Jesu Reich könnte nicht auf Gerechtigkeit gegründet sein. Jesus hätte mit Waffengewalt kämpfend, Satan einen Gefallen getan.

Aber Jesus fiel nicht auf den Feind herein. Er trickste ihn aus, indem er durch seine Unschuld die Schuld der Menschen trug und damit die Waffe und Macht Satans aus den Händen schlug. Jesus hat den Satan selbst besiegt und entwaffnet. Er ist gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Und das hat er getan, indem er die Sünde besiegte.

72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund
73 und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
74 dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

In Psalmen wird alles doppelt wiedergegeben. Das Volk Israel sollte ein Volk von Priestern werden. Sie sollen Gott dienen und anbeten, sie sollen für die anderen Völker vor Gott einstehen und für sie beten. Aber sie können es erst, wenn sie sich nicht mehr fürchten müssen. Jesus hat auch dem Tod die Macht genommen. Somit ist der Weg frei Gott zu dienen, ohne Furcht. Denn der Tod hat seinen Stachel verloren.

76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,

Zacharias schaut seinen kleinen Johannes an. Und er sieht, dass er dem Höchsten vorangehen wird. Immer und immer wieder hat Gott Propheten geschickt, um die Hoffnung auf Erlösung im Volk wach zu halten. Johannes sollte nun direkt vorangehen. Wie ein Herold den Besuch des Herrschers ankündigen. Und dies gelang Johannes auch. Er ging zunächst in menschenleere Gebiete, um sich auf seine Aufgabe vorzubereiten. Dann begann er zu predigen und die Menschen kamen herbeigeströmt und ließen sich taufen. Ich glaube, dass viele dieser tausende von Menschen es waren, die dann Jesus und seine Jünger in den Häusern aufnahmen. Diese Menschen waren es, die das Evangelium von der Auferstehung annahmen und weiter trugen.

78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

Hier wird Jesus als das Licht gesehen, das von oben kommt. Jesus ist kein menschliches Licht, kein großer Gelehrter, keiner, der eben weise ist, sondern er kommt direkt von Gott. In der Nacht gibt es kleine Leuchten. Die können scheinen. Das sind die prophetischen Worte, das sind die Gedanken unserer Gelehrten. Aber Jesus selbst wird in die Dunkelheit kommen und den hellen Tag herbeiführen. Und eine Kerze am Tag sieht man so gut wie gar nicht. Das Tageslicht erleuchtet alles.

79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Das letzte Wort des Psalms ist Frieden. Mit Frieden ist hier nicht nur irgendein Waffenstillstand gemeint. Kein Atemholen, der zum nächsten Schlag ausholt. Frieden ist hier die Fülle, der Zustand, an dem es an nichts mangelt. Frieden ist der Sieg gegen das Böse, Frieden ist volle Zufriedenheit. Auf diesen Weg richtet Jesus unsere Füße aus. Darauf wollen wir warten, darauf wollen wir zugehen.

Das soll unser Advent sein.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010