|

| |
Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. April 2000, Ostersonntag
Liebe Gemeinde,
wenn eine Fußballmannschaft bei einem Meisterschaftsspiel
gegen einen starken Gegner den Pokal gewinnt, dann sind die Fans dieser
Mannschaft völlig aus dem Häuschen. Fröhlich, ausgelassen, stolz und hoch
erhobenen Hauptes ziehen sie durch die Straßen, sie singen Spottlieder über die
Mannschaft die verloren hat und Hymnen über ihre Mannschaft. Vollmundig wird
über den Sieg diskutiert und es ist für sie, als hätten sie selbst den Sieg
errungen. An solch einem Tag sind die Fans einfach glücklich. Glücklich über
ihrer Mannschaft. Darum feiern sie ein großes Fest.
In einer ähnlichen Stimmung stelle ich mir Hanna vor, wenn sie folgende Worte
spricht: ich lese aus 1 Sam 2, 1+2,6-8:
Und Hanna betete und sprach:
Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn,
mein Haupt ist erhöht in dem Herrn
Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde,
denn ich freue mich über deine Hilfe.
Es ist niemand heilig wie der Herr,
außer dir ist keiner,
und es ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
Der Herr macht arm und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche,
dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.
In einer ähnlich fröhlichen Stimmung wie Fußballfans, wie Hanna dürfen auch wir
Christen sein, wenn wir Ostern feiern. Denn Ostern bedeutet, es hat einer für
uns gewonnen. Es hat einer gegen die härtesten Feinde der Menschen gewonnen. Die
Auferstehung Jesu bedeutet, dass die Todfeinde der Menschen Sünde, Tod und
Teufel besiegt sind.
Anhand des Hannaliedes möchte ich erläutern, was das heißt:
1. Jesus hat die Sünde besiegt.
Wir dürfen uns freuen, denn nun ist Gott unsere Hilfe.
Stellen Sie sich einmal folgenden Menschen vor: Ein Mensch, den sie so richtig
von Herzen gerne haben, mit dem Sie gerne zusammen sein wollen. Doch dieser
Mensch behandelt sie wie der letzte Dreck. Ja, wenn er sie mal braucht, wenn er
in Not ist, dann kommt er angeschlichen und bettelt sie an. Tut so, als wären
sie die besten Freunde. Doch kaum geht es ihm wieder gut, hat er sie vergessen.
Trifft er Sie zufällig, spottet er über ihre Gutmütigkeit. Einmal hat er ihnen
sogar die Treue versprochen, doch niemals kam er zu einem der vereinbarten
Treffen.
Wie würden sie reagieren, wenn sie nach vielen Jahren des Bemühens dieser Mensch
wieder einmal in Not wäre? Ich würde ihn hängen lassen. Ich würde ihm sagen: Du
kennst nur dich, darum schau zu, dass du alleine klarkommst.
Liebe Gemeinde, gerade habe ich einen Menschen beschrieben, wie sich die meisten
vor Gott verhalten. Sind sie in Not, beten wir Menschen etwas intensiver, doch
hinterher ist Gott wieder schnell vergessen. Das nennt die Bibel Sünde. Und
warum sollte Gott auf solch einen Typen anders reagieren, als ihn hängen zu
lassen, wenn er einmal wirklich in Not ist?
Und genau, das hat Gott getan. Er hat den Menschen hängen
lassen. „Mein Gott, mein Gott“ schrie Jesus am Kreuz, „warum hast du mich
verlassen. Gott hat ihn hängen lassen. Und die Leute die zuschauten lachten
noch, lachten ihn aus, weil Gott ihn hängen ließ. Wissen Sie, wen Gott da hängen
ließ: Das waren Sie und das war ich. Jesus nahm meine und Ihre Untreue auf sich
und nahm es in Kauf, von Gott verlassen zu werden. Und ein treuloser, ein Sünder
braucht nicht zu erwarten, dass Gott hilft. Das ist die harte Botschaft des
Kreuzes.
Aber nun kommt die frohe Botschaft der Auferstehung. Gott konnte nicht anders,
dem einzigen treuen Menschen zu helfen. Dem einzigen, der sich Gott ganz hingab.
So erweckte er ihn aus dem Tod. Jesus wurde doch geholfen. Er wurde auferweckt.
Und wie Jesus das Los unserer Untreue mit uns teilte, so teilt er nun mit uns
das Los seines neuen herrlichen Lebens. Jesus hat unsere Sünde besiegt, darum
können wir in Jesus Christus auf Gottes Hilfe hoffen. Halte ich mich an Jesus,
wird mir Gott auf irgendeine Art und Weise helfen. Seine Auferstehung ist das
Zeichen dafür.
2. Jesus hat den Tod besiegt.
Wir dürfen uns freuen. Gott ist unser Fels. Es war vor ein
paar Wochen. Ein junger Mann in meinem Alter, voll im Leben stehend, beliebt,
erfolgreich im Beruf, mit der Absicht bald zu heiraten, er hatte gerade ein
kleines Häuschen gekauft, erkrankte an einer Grippe, es gab Komplikationen, aber
niemand vermutete etwas ernstes. Da stirbt der Mann plötzlich in der Nacht.
Samstags hatte er noch an seinem Haus gearbeitet, am folgenden Samstag war von
ihm nichts mehr da, als ein Häufchen Asche in einer Urne auf dem sein Name
stand. Liebe Gemeinde – so vergänglich ist das Leben, so schnell können wir
herausgerissen werden. Wer garantiert uns, dass wir nächsten Sonntag noch am
Leben sind. Keiner. Aber da ist einer, der garantiert uns das ewige, das wahre
Leben. Das Leben, dem der Tod nichts anhaben kann.
Im Orient kann es hin und wieder plötzlich zu starken Gewittergüssen kommen. Bei
solch einem Platzregen verwandeln sich ausgetrocknete breite Bachtäler plötzlich
zu reißenden Bächen. Jahrelang kann alles gut gehen. Jahrelang kann es im Tal
trocken bleiben, so dass Menschen beginnen dort ihre Häuser zu bauen. Doch mit
einem Schlag kann sich alles ändern. Wohl dem Menschen, der sich da auf einen
hohen festen Felsen flüchten kann. Ihm kann der Sturzbach nichts anhaben. Wer
aber nicht auf solch einen Felsen flüchtet, den wird die Flut ins Verderben
reißen.
Ähnlich ist Jesus Christus ein Fels in unserem Leben. Es kann lange alles gut
gehen und wir haben unsere Schäfchen im Trockenen, aber von einem Augenblick auf
den anderen kann die Todesflut hereinbrechen und uns mitreißen. Wohl dem, der zu
dem Fels flüchten, dem der Tod nichts anhaben kann.
Jesus Christus sagt: „Ich bin die Auferstehung und ich bin das Leben, wer an
mich glaubt, der wird Leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich
glaubt, der wird niemals sterben.“ Jesus ist unser Fels in der
Vergänglichkeit unserer Tage. Seine Auferstehung ist das Zeichen dafür.
Und noch zuletzt: Jesus hat den Teufel besiegt.
Wir dürfen uns freuen, wir brauchen keine Untergötter mehr zu
fürchten.
Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
Der Herr macht arm und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche,
Menschen neigen dazu, für Unglück den Teufel verantwortlich zu machen. Darum
arrangiert man sich – allerdings meist unbewusst – mit dem Teufel. Um Unglück
abzuwehren klopfen wir auf Holz, oder sagen toi, toi, toi, lesen Horoskope,
fürchten Unglückszahlen. Damit wird von den meisten unbewusst der Teufel
beschworen.
Ähnliches geschieht im Umgang mit Geld. Wenn Geld nicht mehr unser Diener,
sondern unser Herr wird, dann beginnen Menschen zu lügen und betrügen und rauben
und ihre Ideale, ihre Gesundheit und ihre Familie dranzugeben. Unterbewusst
dienen sie mit diesem Methoden dem Vater der Lüge und des Betrugs. Dem Teufel.
Menschen verschreiben sich ihm, weil sie Angst haben, ihr Leben zu verlieren.
Sie fürchten ihn, weil sie denken, er kann sie wieder raufholen. Im Lied der
Hanna, wird deutlich Gott genannt, der unser Leben in der Hand hält. Auch unser
Unglück.
Die Botschaft der Auferstehung sagt nun: Wir können uns ganz
und gar Gott anvertrauen. Selbst wenn Gott uns das Leben nimmt, dann wird dies
das Beste für uns sein. Nimmt er unseren Besitz, dann wird er uns auf andere
Weise so beschenken und frei machen, und weiterbringen, wie wir es mit Besitz
nie geschafft hätten. Wir brauchen nicht mehr krampfhaft an den Dingen hängen.
Damit brauchen wir uns auch nicht mehr auf irgendwelche Untergötter, Götzen oder
Teufel einzulassen. Die sind durch die Auferstehung entmachtet. Gott hält alle
Macht in den Händen.
Ist das nicht ein Grund, sich freuen zu können – alles, was uns wirklich schadet
hat Jesus besiegt. Sünde, Tod und Teufel. Lasst uns ihn loben und auch heute
wieder neu im Abendmahl ihm unser Leben verschreiben.
Amen.
|