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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 21. Januar 2000
Liebe Gemeinde,
was würde wohl ein fremder Mensch, der noch keine nähere
Berührung mit dem Christentum hatte, von uns denken, wenn er unsere Gemeinden
sehen würde?
Vielleicht dieses: Die Christen sehen eigentlich genauso aus,
wie alle anderen Leute auch. Es gibt größere und kleinere. Es sind eher wenige.
Die Vielen kommen nur zu besonderen Anlässen. Im Großen und Ganzen ist es aber
ein recht kleines unscheinbares Häuflein von Menschen.
Würde dieser Fremde uns Christen dann auch noch etwas näher kennen lernen, dann
könnte er urteilen: „Sie sind keine Übermenschen, sie haben Fehler und
Schwächen, es gibt Neid und Eifersüchteleien. Manche sind netter, die anderen
weniger. Aber sie sind wirklich keine Elite.“
Liebe Gemeinde, menschlich gesehen hätte dieser fremde Beobachter wahrscheinlich
nicht einmal unrecht.
Doch hören Sie einmal, wie Gott die Christenmenschen sieht. Ich lese den
Bibelabschnitt für die ökumenische Woche Eph. 1,3-14:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat
mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Jesus Christus. Denn in IHM hat er
uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor
ihm sein sollten; in seiner Liebe hat er uns vorherbestimmt seine Kinder zu sein
durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens zum Lob seiner
herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. In ihm haben wir
die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner
Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und
Klugheit. Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach
seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen,
wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im
Himmel und auf Erden ist. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die
wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem
Ratschluss seines Willens; damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit,
die wir zuvor auf Christus gehofft haben. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort
der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm
seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist
der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unseres Erbes, zu unsrer Erlösung,
dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.
Wie sieht uns Gott?
Ich versuche es mit einem Bild zu erklären. Der menschliche Betrachter sieht uns
vielleicht so wie diesen alten braunen Blumentopf. Nichts besonderes. Nichts
empfehlenswertes. Nichts liebenswertes. Hier und da eine Macke.
Doch beginnt nun ein Mensch sein Leben Jesus Christus anzuvertrauen, glaubt er
ihm, hört er auf ihn, folgt seinen Fußspuren, dann sind wir in Gottes Augen „in
Jesus.“ Dann sind wir eins mit Jesus Christus.
Dann ergeht es uns wie einem alten Blumentopf, der mit einer schönen und edlen
Manschette angezogen wird. Von nun an ist er kein alter Blumentopf mehr, sondern
ein ansehnliches Möbelstück.
Wenn also Gott einen Menschen ansieht, der sein Leben Jesus anvertraut hat, dann
sieht er nicht die Fehler und Macken dieses Menschen, die Sünden und den Schutt,
dann sieht er in ihm die Reinheit und Unversehrtheit Jesu. So wie wir jetzt
nicht mehr den Blumentopf sehen, sondern die weiße Manschette.
So zeigt dieser Bibelabschnitt nicht, wie wir uns sehen, sondern wie Gott uns
sieht. Dies ist keine beweisbare Aussage, sondern eine Glaubensaussage.
Auffällig, wie stark der Bibelabschnitt das „in Jesus“ betont.
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„In Jesus Christus hat Gott uns gesegnet.“
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„In Jesus hat Gott uns erwählt.“
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„In Jesus haben wir die Erlösung und die Vergebung
der Sünden.“
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„In Jesus sind wir zu Erben eingesetzt worden.“
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„In Jesus sind wir versiegelt worden mit dem Heiligen
Geist.“
Man könnte tagelang darüber lehren, wie das im Einzelnen zu
verstehen ist – über die herrlichen Geschenke, die uns da zugesagt werden. Aber
bleiben wir noch einmal bei dem Punkt: „In Jesus sein“:
Da sagt jemand zu mir: „Ich glaub an Gott, es muss ein höheres Wesen geben. Doch
mit Jesus kann ich nichts anfangen.“
Das Gegenteil erwidert unser Bibelabschnitt: Ohne Jesus kann Gott mit dir nichts
anfangen. Ohne Jesus kannst du dich noch so sehr anstrengen. Nie wird aus Dir
ein goldener Blumentopf verziert mit Edelsteinen. Nie wird Gott ohne Jesus an
Dir gefallen finden.
Denn nicht Du bist etwas Besonderes, sondern Jesus. Und all das Gute, das wir
von Gott bekommen, ist ein Geschenk von ihm. Gottes Segen haben wir nicht
verdient, sondern Jesus hat ihn verdient für uns.
Wem einmal bewusst wird, was uns da geschenkt wird, der kann nur noch staunen
und Gott loben.
Genau das macht auch unser Bibelabschnitt. Er lobt Gott: „Gepriesen sei Gott,
der uns segnet in Jesus Christus.“ Gott segnet uns und wir können nun durch
unser Leben einen kleinen Teil dieses Segens an ihn zurückgeben. In der
deutschen Sprache kann man das schöne Wortspiel des Urtextes leider nicht
wiedergeben. Im Griechischen steht nämlich für segnen und preisen dasselbe Wort.
Wörtlich könnte man das so wiedergeben:
Gott redet gut über uns – darum reden wir gut von Gott.
Gott redet gut über uns. Wir wissen, wenn Gott spricht, dann geschieht es. Sein
Wort kehrt nicht leer zurück. Es arbeitet für unsere Begriffe oft langsam aber
es arbeitet gründlich und trefflich fein.
Wie beruhigend die Gewissheit des Glaubens, dass Gott Gutes über uns redet.
Denn, was er Gutes über uns redet, das wird letzten Endes auch eintreffen.
Dann unsere Antwort: Wir reden gut über Gott. Das heißt – auch unser Leben soll
gut über Gott reden.
Die Menschen sollen sehen, wie gut Gott zu uns ist. Aber nicht in dem Sinne:
„Herr Müller aber ist ein feiner frommer Mann.“ Dann würde ja nur der Mensch
Müller gelobt werden.
Vielmehr sollte die Größe Gottes leuchten, dass der fremde Betrachter zu staunen
beginnt: „Was muss das für ein großartiger, herrlicher Gott sein.“
Denn nicht wir haben großartige Leistungen vollbracht, sondern Gott hat sie
vollbracht. Wir müssen nicht versuchen, vor den Leuten großartig zu wirken. Denn
wir sind nicht großartig. Ohne Jesus sind wir nicht mehr wert als ein alter
Blumentopf. Das dürfen die Leute ruhig merken.
Wir dürfen den Menschen ruhig sagen: „Ich bin nicht besser als Andere. Ich bin
genauso voller Fehler und Schrammen wie ihr auch. Schau ruhig mein Leben an.
Sieh meine Wege. Sie sind manchmal krumm und verworren, sieh meine Werke –
vieles ist unnütz, sieh mein Leben – nicht alles ist gelungen.
Aber nun sieh genau hin! Siehst du nicht die Spur, die mich zu einem großen Ziel
führt, die Hand, die mich behütet hat und durch schwere Stunden getragen hat,
die erbarmende Liebe, die mir inneren, tiefen Frieden schenkt. Das ist mein
Herr, der alles zum Guten, zum Segen wendet. Und auch Du Beobachter, kannst nur
vor Gott bestehen, wenn Du in Jesus bist.“
Darum lasst uns – auch in der Verschiedenheit unserer Konfessionen, in der
Verschiedenheit unserer Frömmigkeitsstile, in der Verschiedenheit unserer
Ansichten an dem einen – aller wichtigsten festhalten. An Jesus Christus. Denn
nur in ihm sind wir richtig vor Gott.
Amen
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