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in Gottes Weinberg arbeiten                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 15. August 1999

Liebe Gemeinde

Der Predigtabschnitt für den heutigen Sonntag steht in Mt 21, 28- 32. Dort spricht Jesus:

Was meint ihr? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg. Er aber antwortete und sprach: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin. Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: „Ja, Herr! Und er ging nicht hin. Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: „Der erste.“

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr. Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr´s saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, so dass ihr ihm dann auch geglaubt hättet.

Für unsere Ohren ist dieses Gleichnis eigentlich nichts außergewöhnliches. Viele Eltern können ein Lied davon singen, wie sie ihre Kinder oft bitten müssen, dass sie mal im Haushalt helfen, oder den Rasen mähen oder sonst einen Gefallen tun – aber die Jugend sagt dreist: Nein – ich will nicht.

Genauso ist es ohne weiteres möglich, dass ein Jugendlicher sagt: Ist gut, wird erledigt, ich räume mein Zimmer auf. Aber wenn dann die Mutter kontrolliert, dann wurde nichts gemacht.

Doch zu Jesu Zeit, war solch eine Reaktion von Kindern unerhört. Ein Sohn, der zu seinem Vater sagt: „Nein, ich will nicht.“ hätte enterbt und verstoßen werden können.

Der andere Sohn dagegen scheint um einiges höflicher gewesen zu sein. Bereitwillig sagt er ja – und man könnte seine Antwort aus dem griechischen auch übersetzen mit: „Wer denn anders als ich.“ Und dann fügt er noch hinzu: „Herr“ – also die Anrede, die besagt: Ich bin dein, du kannst über mich bestimmen.

Doch, was nützt all sein schönes Reden, wenn er im letztendlich doch nicht im Weinberg seines Vaters arbeitet.

Jesus münzt dieses Gleichnis auf die Verhältnisse seiner Zeit. Da waren Leute, die offen und grob gegen die Gebote der Gesellschaft und der Bibel verstießen. Betrüger – und Zöllner waren nichts anderes, als gierige Halsabschneider und offenkundige Betrüger und Huren. Sie lebten ihr Leben. Es ging ihnen um das große Geld, ums Genießen. Aber nach Gott fragten sie nicht

Doch als Johannes der Täufer in der Wüste auftrat, merkten sie, dass etwas mit ihrem Leben etwas nicht stimmte. Viele gingen zu ihm, hörten auf seine Predigten und sie änderten ihr Leben, richteten sich nach Gott aus. Sie waren die Neinsager, die aber dann doch noch im Weinberg des Vaters arbeiteten.

Die Jasager nun, sind die Leute mit denen Jesus im Gleichnis gerade redet. Das waren Priester und angesehene fromme Bürger – die sich mit Jesus auseinandersetzten. Bei ihnen war alles in Ordnung. Ihr Leben war ganz auf Gott ausgerichtet. Peinlichst genau wurden Gottes Gebote befolgt. Doch sie merkten nicht, dass irgend etwas an ihrem Glauben faul geworden war. Sie hatten zwar ja zu Gott gesagt – aber letztendlich nicht seinen Willen erfüllt.

Wie aber nun kann man das Gleichnis auf uns heute münzen?

Ein Beispiel: Lauchhammer, die Kirchengemeinde, in der ich tätig war, bevor ich hierher kam, war zahlenmäßig eine recht kleine Gemeinde – inmitten einer atheistischen Gesellschaft. Ihre große Kirche wurde in den Jahren der sozialistischen Regierung immer baufälliger, so, dass man sie zuletzt nicht einmal mehr betreten durfte. Doch mit eigenen finanziellen Mitteln, mit großem Eifer und Fleiß baute die Gemeinde ihr Kirche wieder auf. Die Welt staunte, als sie wieder in neuem schönen Glanz, weithin sichtbar, erstrahlte. Doch der für den Bau verantwortliche Presbyter erzählte mir einmal: Als wir die Kirche bauten, kamen plötzlich von überall her Leute, die aus der Kirche ausgetreten waren. Sie brachten Geldspenden, versorgten die Arbeiter mit Lebensmitteln und sie waren die treuesten Arbeiter auf der Baustelle. Aber andere, die bei der Einweihung das große Wort schwangen und sich stolz fotografieren ließen, die als treue Kirchenglieder auftraten – diese Leute hätten sich während der langen Bauphase recht rar gemacht.

Ich denke, diese Erfahrung macht man immer wieder, wenn angepackt werden soll im Reich Gottes. Da kommen plötzlich Leute, von denen man es nie gedacht hätte und helfen, während andere enttäuschend wenig tun.

Wir sollten mit dieser Erfahrung rechnen und uns nicht entmutigen lassen, wenn wir im Stich gelassen werden.

Aber will Jesus mit diesem Gleichnis nicht noch mehr sagen, wenn dieses Gleichnis auf uns gemünzt werden soll?

Haben Sie vielleicht auch schon einmal folgende Erfahrung gemacht. Sie hatten eine gute Predigt gehört, oder wohnten einer erbaulichen christlichen Großveranstaltung bei oder vielleicht fanden sie nur die Ideen von unserem Wochenende mit Wieland Wiemer großartig. Sie waren dann voller Begeisterung für die Sache Gottes und sagten sich: Da will ich mich einsetzen, da will ich etwas für Gott riskieren, da will ich an der Gemeinde bauen. Und sie sagten innerlich zu Gott: „Ja, Herr, sende mich.“ Aber einige Wochen später sah alles dann wieder viel grauer aus. Sie waren müde, waren beruflich und familiär stark eingespannt und die anderen hatten immer andere Ansichten und überhaupt machte das ganze gar keinen Spaß. Und zu guter letzt verlief sich der gute Vorsatz im Sand. Man hatte „ja“ zu einer Aufgabe gesagt, aber es dann nicht geschafft.

Zielt Jesus mit diesem Gleichnis auf mein Versagen? Will er mir meine Schwachheit vorhalten, dass ich immer weit hinter meinen gesteckten Zielen zurückbleibe?

Bestimmt will er das mit diesem Gleichnis auch tun. Wir alle sollten uns prüfen, wo wir einmal Gott etwas zugesagt haben, aber es doch nicht einhielten.

Aber sagt das Gleichnis nicht noch mehr? Ich möchte noch einmal auf das Augenmerk auf die Leute richten, die Jesus anspricht. Es waren Leute, die restlos von sich überzeugt waren, dass in ihrem Glaubensleben wirklich alles in Ordnung ist. Und hier sollte ich mich einmal fragen, wenn ich das Gleichnis auf mich münzen will: Bin ich eigentlich auch restlos davon überzeugt, dass mit meiner Beziehung zu Gott alles in Ordnung ist? Wenn ja, dann könnte es möglich sein, dass ich zwar „Ja“ mit meinen Lippen sage – aber dass ich mit dem Herzen gar nicht in Gottes Weinberg arbeite.

Darum möchte ich einmal ein paar bohrende, ganz persönliche Fragen stellen: Weißt Du, was dein himmlischer Vater von dir will?

Arbeite im Weinberg, das heißt: Dein himmlischer Vater möchte, dass du mit deinen Gaben, deinen Nächsten und auch deiner Gemeinde dienst. Überlege, was Dir Gott alles geschenkt hat. An Geld und Gut, an Ausbildung und Können, an Kraft, an geistlichen Gaben. Gebrauchst du diese Geschenke Gottes auch als Werkzeug, um anderen damit zu helfen?

Arbeite im Weinberg, das heißt, das Gott Barmherzigkeit von dir verlangt. Bist du barmherzig mit deinen Mitmenschen – oder urteilst du alle hartherzig ab. Der eine zu geschwätzig, der andere zu schweigsam, der andere zu weltlich, der andere zu fromm, der eine faul, der andere gönnt sich ja gar nichts. Bist du barmherzig, wenn andere einmal einen Fehler machen. Oder beschuldigst du in deinem Herzen ständig die anderen.

Bist du auch barmherzig mit dir selbst. Gestehst du dir ein, mal etwas falsch gemacht zu haben, und bringst die Sache zu Gott, dass er sie wieder in Ordnung bringt?

Arbeite im Weinberg, das heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wir müssen nicht unbedingt in die Mission, um für Gott zu arbeiten – doch wir müssen da, wo wir hingestellt sind, Jesu Repräsentanten sein. Und das heißt Liebe üben, üben, und nochmals üben.

Kürzlich erzählte mir einer, wie mühevoll es ist, ein Instrument zu lernen. Man muss üben, üben und üben. Genauso mit der Liebe. Üben wir noch Liebe zu Hause, in unserem Umfeld oder kämpfen wir lieber unsere Kleinkriege?

Fragen sie einmal: Würdest du an Gott glauben, wenn er mit dir so umgehen würde, wie ich mit dir rede.

Gewiss diese Fragen sind unangenehm. Doch wir können uns damit prüfen, ob wir aus „Jasagern“ Nichtstuer geworden sind.

Man kann über dieses Bohren auch ein Neinsager werden. Und sich sagen: Das wird mir alles zuviel. Das schaffe ich nicht. Nein, das will ich nicht. Ich möchte am liebsten davonlaufen und Dauerferien haben. Gott soll mich doch in Ruhe lassen.

Vielleicht kann uns der Jünger Petrus helfen, wenn wir aus Jasagern zu Neinsagern werden wollen.

Petrus hatte einmal eine ganze Nacht lang gearbeitet und alles war umsonst. Und da verlangte Jesus von ihm am anderen Vormittag, von dem nicht ausgeschlafenen und frustrierten Petrus, noch einmal, die frisch geflickten und gereinigten Netze ins Wasser zu werfen – zu einer Zeit und an einer Stelle, an der Erfolg aussichtslos war.

Und Petrus antwortete: Meister, wir haben die ganze Nacht über gearbeitet und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

Ich übertrag die Worte einmal auf unsere Situation: Meister, wir haben uns sehr eingesetzt im Beruf, in unserer Familie und auch in der Gemeinde – und eigentlich möchte ich meine Ruhe haben. Aber auf dein Wort hin, möchte ich es mit Dir wagen.

Lassen sie uns in diesem Sinn, in die neue Woche gehen. Aber nicht, bevor wir uns noch an der geistlichen Speise – dem Mahl des Herrn – gestärkt haben.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010