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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 25. März 2005, KarfreitagPredigttext Lk 23, 33-46 33 Als sie zu der Stelle kamen, die »Schädel« genannt
wird, nagelten die Soldaten Jesus ans Kreuz und mit ihm die beiden Verbrecher,
den einen links von Jesus, den anderen rechts. Bei einer Kreuzigung war es üblich, dass am Tag zuvor aufrechte Pfähle an der Hinrichtungsstätte in den Boden gerammt wurden. Die Pfähle deuteten darauf hin, dass bald eine Kreuzigung stattfand. Später dann kamen die Verurteilten. Sie mussten den Querbalken zum Pfahl tragen. An der Hinrichtungsstätte angekommen, wurden sie an diesen Querbalken genagelt, den man anschließend an den vorbereiteten Pfahl hängte. Bei Jesu Kreuzigung waren schon drei Pfähle vorbereitet gewesen. Aber für wen war das Kreuz in der Mitte ursprünglich bestimmt gewesen? Es war nicht für Jesus bestimmt, sondern es galt einem anderen Verurteilten. Barrabas hieß er. Barrabas war ein Rebell. Ein Rädelsführer von Aufständischen. Er wollte die Ordnung und die Obrigkeit nicht akzeptieren, die über ihn gestellt war. Sein Ziel war, diese Ordnung zu beseitigen. Jedes Mittel war ihm dabei recht. Gewalt, Brutalität, Raub und Mord. Als Abschreckung für alle, die gegen die Obrigkeit
rebellieren sollte Barrabas sterben. Doch es kam anders. Ein anderer trat an
seine Stelle. Einer, der nichts Böses getan hatte. Das bestätigte der Nichtjude
Pontius Pilatus, der halbjüdische König Herodes sowie in unserem Abschnitt der
jüdische Mitgekreuzigte. Der Unschuldige nimmt die Strafe des Schuldigen auf
sich. „Als mich die Römer an jenem Tag aus der Kerkertür stießen –
ich begriff nicht, warum man mich [so früh am Morgen] vor der Hinrichtung
hochriss, durch die Gänge trieb und hineinwarf in eine schmerzhafte Fülle von
Licht - , glitt ich, geblendet durch den jähen Wechsel von Kerkerdunkel in
Sonnenglast, auf den Stufen des Präfektoriums aus und stürzte die Treppe hinab.
Fußtritte empfingen mich. Wie ich mich aufraffe und meine Augen öffne, trifft
mich ein Blick, der von einem Menschen war, den man gefesselt in seltsamen
Aufzug an mir vorüberführte. Man hatte ihm einen purpurnen Umhang übergeworfen.
Und er trug eine Krone, die nur von [grausamen] Menschen sein konnte, die satt
sind und Zeit haben. Tief stachen die Dornen in [s]eine Stirn, […]. Ich verachte
die Schwachen – aber der da in seiner Schwäche war nicht schwach: Es schien, als
führe er die Schergen zu seinem Ziel und nicht sie ihn. Er sah mich an, einen
Augenblick im Vorübergehen – eine Unendlichkeit. [Es war mir, als er mich
anblickte], als dankte er mir, als hätte ich ihm einen Thron eingeräumt. Da
stammelte ich zum ersten Mal in meinem Leben: Mein Gott ..“ (leicht geändert) Und was mich immer wieder in Staunen versetzt: Jesus lässt sich freiwillig an diesen Ort hängen. Aus freien Stücken, weil er Barrabas, weil er Sie, weil er mich unendlich liebt. Die großen Leiden erträgt er. Barrabas, Sie und ich sind es
ihm wert. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich werde erhöht.“ Es ist für ihn
wie ein Thron, es ist für ihn eine Ehre uns zu retten, weil er uns liebt. Können
wir diese große Liebe je ermessen? Und für jeden tritt Jesus in die Bresche, für jeden stirbt er
diesen Tod. Jesus möchte jedem von uns die Chance geben zum Vater
zurückzukehren. "Wir hängen hier zu Recht. Wir haben den Tod verdient. Der hier aber ist unschuldig; er hat nichts Böses getan." In der Kirche wird dieses Umdenken „Buße“ genannt. Buße heißt zu erkennen, dass der bisherige Weg der offenen oder auch versteckten Rebellion gegen Gott zu Recht in den Tod führt. Und dann staune ich über den ungeheuren Glauben des Mitgekreuzigten. Alle verspotten Jesus. Die großen Theologen der Zeit gehen vorbei und lachen den Mann am Kreuz aus, das Volk gafft, ein paar wenige Freunde und Anhänger weinen und sind verzweifelt, die Soldaten haben Jesus so misshandelt, dass er kaum noch zu erkennen ist, er hängt völlig nackt, mittellos und ohnmächtig am Kreuz in einer aussichtslosen Lage. Und er ist der erste, der in dieser dunklen Stunde an Jesus glaubt: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Damit bekennt er, dass Jesus tatsächlich der König des
Reiches Gottes ist. Dieser kühne und große Glaube empfängt Gottes Reich. Jesus antwortet: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." Dieser Mann war moralisch gesehen ein Mörder, er war nicht getauft, er konnte keinerlei gute Taten vorweisen. Das einzige, was er zu bieten hatte, war, dass er sich seine aussichtslose Lage eingestand und dass er Jesus geglaubt hat. Und er hat alles bekommen: Jesus und das Paradies. Er war der erste, der die Chance genützt hat. Er war der erste, der ein echter Barrabas geworden ist. Ein Kind des Vaters durch Jesus Christus. Ich wünsche mir, dass wir heute an Karfreitag und ganz besonders in den dunklen Stunden und Tagen unseres Lebens vertrauensvoll auf Jesus blicken, ihm danken, dass er unsere Stelle eingenommen hat und immer darauf vertrauen, dass er unser Retter ist. Dann ist die Stunde ganz nah, bei der Jesus sagt: Noch heute wirst Du mit mir im Paradies sein. Amen. |
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