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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 21. März 2004 anlässlich des Euregio-GottesdienstesMt 5.13: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“ Bevor wir uns Gedanken zum Wesen des Salzes machen, sei zuerst gesagt, an wen diese Worte gerichtet sind. Wem gelten diese Worte? Sie stehen in der Bergpredigt. Dort heißt es am Anfang des Kapitels: „Als Jesus die Menschenmenge sah, ging er hinauf aufs Gebirge. Und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm.“ Für mich heißt das, dass diese Worte nicht an eine große Masse gerichtet ist. Jesus sah eine große Menschenmenge. Er nutzt nun nicht wie ein Politiker die Gunst der Stunde und hält nun nicht seine programmatische Rede vor der Masse, dass es gleich möglichst viele hören, sondern er geht erst einmal weiter. Er geht erst einmal ein Stück Weg mit ihnen. Ja, er geht sogar einen beschwerlichen Weg, denn er geht hinauf ins Gebirge. Gebirge in Israel, so heißt es, ist gleichbedeutend mit Einsamkeit und Wüste. Auf einem Berg traf man normalerweise keine anderen Menschen. Dort gab es kein Wasser und so gut wie keine Vegetation. Erst dort in der Einsamkeit spricht er zu den Menschen, die
mit ihm den beschwerlichen Weg gegangen sind. Die Menschen, die jetzt noch bei
ihm sind, gelten diese Worte vom Salz. Es sind also Menschen, die mit Jesus auf
dem Weg sind, es sind Menschen, die auf seine Worte hören, es sind Menschen, die
ihm vertrauen. Es sind Jünger. „Ihr seid das Salz der Erde!“ Er sagt nicht: „Ihr müsst das Salz der Erde sein!“ Auch fragt er nicht: „Möchtet ihr denn gerne das Salz der Erde sein?“ Nein – er spricht es ihnen auf den Kopf zu. Die Jünger haben gar keine andere Wahl. Sie sind das Salz der Erde, ob sie wollen oder nicht. Die Jünger brauchen sich nicht anzustrengen – sie sind es. Ich weiß, nicht, ob es ihnen auch so ergeht. Sobald man sich
als Christ outet, sobald man irgendwo bei Leuten sagt: „Ich bin Christ, ich
glaube an Jesus“, dann wird man beobachtet. Die Leute registrieren dann ganz
genau, was man sagt und tut. Man ist Salz bzw. Licht – ob man will oder nicht.
Früher, als es noch keine Tiefkühlgeräte gab, konnte man Fleisch nur haltbar machen, indem man es in Salz einpökelte. Durch Salz konnte man Fleisch dem Fäulnis- und Zerfallsprozess entreißen. Salz der Erde bedeutet also, dass wir als Christinnen und Christen eine konservierende, eine bewahrende Aufgabe für die Welt haben. Einmal diskutierte Abraham mit Gott über Sodom und Gomorra. Gott sagte: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass ihre Sünden sehr schwer sind. Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob es nicht so sei, damit ich es wisse. Und die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom. Abraham blieb stehen vor dem Herrn und trat zu ihm und sprach. Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerecht in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären. Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen ... ?“ Wie reagiert Gott, bei dem Gedanken, dass noch einige Salzkörner in der Stadt sein könnten? Der Herr sprach: „Finde ich fünfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will
ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben.“ Genau das Gegenteil ist der Fall: Gott bewahrt unsere Stadt
und unser Land durch unseren Glauben vor dem Verderben. Auch wenn es ganz wenige
sind. Sind wir uns dieser Verantwortung bewusst? Salz sein bedeutet, dass durch
unsere Anwesenheit, unsere Umwelt bewahrt wird. Vielleicht gerade auch durch
unsere Fürbitte. Ohne Salz schmeckt das Essen ziemlich fad. Haben Sie schon
einmal eine Suppe, oder ein Brot gegessen, bei dem das Salz vergessen wurde. Man
kann auf viele Gewürze verzichten, aber salzarm zu essen ist doch ziemlich
schwer. Ohne Salz wäre man arm dran. Besonders wir hier in Belgien. Unsere guten
Fritten würden nicht mehr schmecken. Wir Menschen schauen gerne auf Prominente und Stars. Aber durch Leistung wird die Gesellschaft nicht menschlicher. Sondern eher stolz und arrogant. Aber Stolz errichtet irgendwie immer Mauern zwischen Menschen. Liebe und Demut dagegen machen einen Menschen menschlich und
liebenswürdig. Ich finde immer, es gibt nichts schöneres, als in der
Gesellschaft von wahrhaftigen und liebevollen Menschen zu sein. In diesem Sinne,
denke ich, dass die Jünger Jesu, als Salz unsere Gesellschaft würzen. Sie machen
die Menschheit angenehm. Liebe Gemeinde – hier steckt eine ernsthafte Warnung Jesu an
seine Jünger, denn es besteht bei Jüngern wie beim Salz völlig wirkungs- und
belanglos zu werden. Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinem Verstand und allen deinen Kräften. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Amen. |
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