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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 23. Februar 2003Lk 8, 4-8 Vor einer großen Menschenmenge - aus allen Städten waren
die Leute gekommen - erzählte Jesus dieses Gleichnis: "Ein Bauer säte auf seinem
Feld Getreide aus. Dabei fielen einige Körner auf den Feldweg. Sie wurden
zertreten und von den Vögeln aufgepickt. Andere Körner fielen auf felsigen
Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie.
Einige Samenkörner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald
erstickte. Die übrigen Körner fielen auf guten Boden. Das Getreide wuchs heran,
und brachte hundertfache Frucht. Hört auf das, was ich euch sage!" auf den ersten Blick scheint der Bauer ganz schön Pech zu
haben mit seiner Aussaat. Vögel picken die Saat weg, ein großer Teil verdorrt
und ein dritter Teil wird von Dornen erstickt. Es scheint, so als wäre die Mühe
und der Einsatz des Bauern völlig vergeblich. Der Same ist völlig in Ordnung.
Dem fehlt nichts. Doch die Bodenbeschaffenheit scheint die gute Saat nicht zum
Ziel kommen zu lassen. Doch die Kehrseite von Gottes Höflichkeit ist, dass Vögel kommen und die Möglichkeit neuen Wachstums einfach wegfressen. Das Herz bleibt einsam und hart. Das ist sehr traurig für ein Herz, das dazu geschaffen ist, Gott zu dienen und Liebe zu üben. Die Möglichkeit, ein Samenkorn Gottes zu empfangen ist nicht unbegrenzt. Wir können dann Gott nur bitten, dass er unser Herz, wo es hart geworden ist, umpflügt, damit es wieder zum guten Boden wird. Zum anderen gleicht unser Herz manchmal einem Boden, der
oberflächlich gesehen ganz in Ordnung ist. Doch eine kleine Schicht tiefer stößt
Gottes Wort auf Granit. So kann unser Herz oberflächlich betrachtet Gottes Wort
aufnehmen, es wächst ein wenig, doch wenn es dann in die tieferen Schichten
unsere Seele dringen möchte, kann es nicht weiter wachsen. Es kann ein tief verborgener Groll sein. Ein Groll vielleicht gegen die Eltern oder gegen Menschen, die uns mal verletzt haben. Es kann vielleicht auch eine Lieblingssünde sein, zu der ich eine Hassliebe entwickelt habe und die ich heimlich nicht bereit bin, ab zu legen. Es kann auch innerer Stolz sein, dass man selbstgerecht auf andere herabsieht. All dies sind so verborgene Felsbrocken, die das Wort Gottes verdörren lassen. Wollen wir guter Boden sein, dann müssen wir vielleicht sogar in einem Seelsorgegespräch Gott bitten, auch diese Felsbrocken unseres Herzens umzupflügen, dass er diese Steine kraft des Kreuzes von Golgatha ins tiefe Meer wirft. Und zuletzt kann ein Boden unfruchtbar werden, wenn zuviel
Samen von irgendwelchem Dorngestrüpp mit dem guten Samen gleichzeitig
ausgestreut wurde. Dann ersticken nämlich die Disteln und Dornen das gute
Getreide. Was kann das für Samen sein? Jesus selbst sagt: Es sind die Sorgen und Freuden dieser Welt. Ja, liebe Gemeinde – ich erlebe dies fast tagtäglich. So schnell wird man von morgens bis zum späten Abend so sehr in den Betrieb dieser Welt eingespannt, dass Gottes Wort ganz erstickt. Ohne Stille kann Gottes Wort nicht wachsen. Viel schlechter Samen wird heute durch das Fernsehen und das Internet verstreut. Es ist merkwürdig, dass wir Europäer für das Essen höchste Maßstäbe an Reinheit und Sauberkeit anlegen, doch was die Kost für unsere Seele angeht, lassen wir viel Gift zu, das gefährlicher als BSE, Salmonellen, und Chemikalien zugleich ist. Tagtäglich wandert über den Äther böser Tratsch, Bilder von Mord, Ehebruch und Unzucht in die Wohnzimmer und damit auch in die Herzen von uns Menschen – auch Christen sind da nicht ausgenommen. Leider gibt es bei diesen Samen keine gierigen Vögel, die diese Bilder wegpicken. Bei mir wirken sie oft lange nach. Unter diesen Bildern erstickt Gottes Wort und kann keine Frucht bringen. Auch hier müssen wir den Herrn der Ernte bitten, uns stark zu
machen, dass wir die Bilder schon gar nicht an uns heranlassen. Und haben wir
sie gesehen, sollten wir ihn bitten, dass er den Samen ausreiße, damit seine
Frucht wachsen kann. Es sagt: Schau, es gibt so viel Möglichkeiten, dass ein
Samenkorn erstickt, aber fällt es auf guten Boden, dann kann man nur staunen wie
groß die Ernte sein wird. Amen. |
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