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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 20. Mai 2004, HimmelfahrtLiebe Gemeinde, der Bibelabschnitt für den heutigen Himmelfahrtstag steht in
Apg. 2,3-11. So auch hier. Jesus als der Auferstandene zeigte sich vierzig Tage lang seinen Jüngern. Vierzig Tage lang lernen sie begreifen, dass er wirklich lebt. Er aß und trank mit ihnen, er ließ sich berühren und sprach mit ihnen wie eh und je. Vierzig Tage hatten die Jünger Zeit zu begreifen, dass er wirklich auferstanden ist. Auf diesen vierzig Tagen beruht unser apostolischer Glaube, dass Jesus auferstanden ist. Doch diese Zeit findet nun nach vierzig Tagen ihr Ende. Nun ist die Zeit reif für etwas Neues: Das Neue heißt: Jesus tritt seine Herrschaft im Himmel an. Er sprach in diesen vierzig Tagen viel vom Reich Gottes.
Reich Gottes heißt, für uns Christen, dass Jesus der König des Himmels ist, dass
er in alle Ewigkeit regiert. Jesus lässt seine Jünger glücklicherweise nicht verwaist zurück. Er verheißt ihnen den Heiligen Geist. Oder besser gesagt: die Taufe mit dem Heiligen Geist. Über Geistestaufe gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ich möchte ihnen kurz meine Meinung dazu wiedergeben. An Ostern hauchte Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist
ein. Mit diesem Einhauchen konnten die Jünger erst begreifen, wer Jesus ist, so
wie es Petrus durch den Heiligen Geist begriffen hatte, als er zu Jesus sagte:
Du bist der Messias. Lassen Sie sich das von niemanden ausreden. Wenn Sie an Jesus
glauben und ihn und seinen Leib, die Kirche lieben, dann wirkt in Ihnen der
Heilige Geist. Besonders in den letzten 100 Jahren haben viele Christen,
nicht nur in den Pfingstkirchen, sondern in allen Konfessionen dieses
übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes erlebt. Es scheint, als ob Jesus in
diesen Tagen die Kirche noch einmal besonders mit Heiligem Geist überströmen
möchte. Warten heißt, ich muss es nicht krampfhaft selber versuchen den Heiligen Geist zu erzeugen – es heißt aber auch: fest damit zu rechnen, dass es kommt. Ich kann mir vorstellen, wenn wir nüchtern, wachsam wartend
mit der Kraft des Heiligen Geistes rechnen, dann können wir manche Verwirrung
und Angst, die damit verbunden ist, vermeiden. Ich stelle mir die Erde und den Himmel ähnlich wie meinen Körper vor. Ich habe einen Körper, den man sehen kann, den ich berühren und fühlen kann. Ich kann mit diesem Körper zum Arzt gehen, er kann ihn aufschneiden, untersuchen und chemisch analysieren. Und wenn er nicht aufpasst, dann wird er mich sogar dabei verlieren und der Körper verfällt. Doch nie wird der Arzt das finden, was mich als Mensch ausmacht. Er wird nirgendwo meinen Willen, meine Gefühle, meinen Verstand finden – und noch weniger meinen Geist. Ähnlich stelle ich mir vor, dass auch der sichtbare Himmel auf irgendeine Art und Weise der Zugang zum eigentlichen Himmel ist – ähnlich wie mein Körper der Zugang zu meiner Seele ist. Und so stelle ich mir vor, dass Jesus vor den Augen der Jünger in diese Unsichtbare Welt hinein genommen wird und seine unsichtbare Herrschaft antritt. Die Jünger erleben eine geschichtliche Schnittstelle zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. Und diese Schnittstelle ist ein Ort, den es auch heute noch gibt. Es ist der Ölberg in der Nähe von Jerusalem. Jesus wird wieder sichtbar in das Weltgeschehen eingreifen. Das bekennen wir Christen, wenn wir im Glaubensbekenntnis beten: „Von dort wird er kommen zur richten die Lebenden und die Toten.“ Er wird sichtbar in die Welt kommen – es wird einerseits überall wahrgenommen werden, so wie man einen Blitz in großer Entfernung sehen kann – und gleichzeitig wird es einen genauen Ort geben und dieser Ort ist der Ölberg. Es wird in einer Zeit sein, in der Israel in großer Bedrängnis sein wird. Heute vor hundert Jahren hätte sich noch niemand vorstellen können, dass das Volk der Juden in dem damaligen Palästina bedrängt werden könnte, weil es nicht staatlich organisiert war. Heute gibt es einen politischen Staat. Heute leben wir in einer Zeit, in der das Land Israel vor allem von den USA beschirmt und gefördert wird. Sollte dieser Schutz aber wegfallen, dann könnte ich mir vorstellen, dass diese große Bedrängnis, die Nacht Jakobs, sehr nahe ist. Aber auch der Tag, an dem Jesus wieder sichtbar seine Füße auf den Ölberg setzt, ist damit um so näher gerückt. Darum, wollen wir unsere Häupter erheben und aufschauen, denn auch unsere Erlösung, die Erlösung der Kirche naht. Amen. |
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