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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 7. März 2003, Weltgebetstag der FrauenLiebe Gemeinde Heiliger Geist erfülle uns - So lautet das Thema des
diesjährigen Weltgebetstages. Heiliger Geist erfülle uns – das ist ein
Gebetsruf, eine Bitte an Gott. Zu dieser Bitte möchte ich drei Anmerkungen
machen: Sie ist wichtig, weil sie den Geist Jesu einlädt. Das Wesen
Jesu soll in uns Einfluss gewinnen. Jesu Liebe, seine Weisheit, seine Sanftmut,
seine Disziplin, seine Treue, seine Hingabe, seine Barmherzigkeit, seine
Vollkommenheit sollen durch den Heiligen Geist in unserem Herzen Raum gewinnen.
Es ist nun wichtig, dass wir den Heiligen Geist in unsere Herzen einladen, denn
ungebeten betritt er nicht unser Herz. Denn ebenso wenig wie Jesus Gewalt
angewandt hat, um über Menschen Einfluss zu gewinnen, ebenso wenig wird auch der
Heilige Geist mit Gewalt in ein Herz eindringen. Er klopft an, er bittet immer
wieder einmal im Lauf unseres Lebens um Einlass. Aber er würde nie mit
irgendwelchen faulen Tricks oder mit Gewalt unser Herz aufbrechen, um darin zu
wohnen. Sondern er will eingeladen werden. Er will, dass wir ihm die Tür unseres
Herzens öffnen. denn der Heilige Geist will unsere Herzen mit der Vaterliebe Gottes erfüllen. In Römer 5,5 z.B. heißt es: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.“ Durch den Heiligen Geist können wir etwas von Gottes Liebe
spüren. Das Herz wird erfüllt von der Gewissheit dass wir Gottes geliebte Kinder
sind. Wir sind geliebte Kinder – kein Zufallsprodukt einer chaotischen
Evolution. Wir sind geliebte Kinder - auch kein Abfallprodukt eines titanischen
Götterkampfes oder eines biologischen Laborversuches. Geliebte Kinder - kein
stummes Werkzeug, das nur geschätzt wird, wenn es Höchstleistungen erbringt. Liebe Gemeinde, wenn uns der Heilige Geist die Gewissheit
schenkt, Gottes Kinder zu sein, dann sind wir auch etwas, wenn wir bettelarm
sind. Wir brauchen nicht durch irgendwelche Leistungen, durch irgendwelchen
Besitz uns Achtung verschaffen – wir sind etwas, weil wir in Christus geliebte
Kinder sind. „Heiliger Geist, erfülle uns!“ ist auch eine schwere Bitte. Es ist eine schwere Bitte, weil der Heilige Geist unser Herz heilen möchte. Wenn der Heilige Geist ein menschliches Herz erfüllt, dann gerät er auf Widerstand in unserem Herzen. Es gibt in unserem Herzen einen Kampf. Einen Kampf zwischen dem, was unser altes menschliches und selbstsüchtiges Wesen will und dem, was Gottes Geist aus uns machen will. Und dies ist eine harte Auseinandersetzung. Man könnte es ein wenig mit dem Zahnarzt vergleichen. Unser Herz hat, wie ein krankes Gebiss - faule, von der Sünde angefressene Stellen. So, wie die Karieslöcher nun nicht durch einfaches Zähneputzen und durch noch so viele Mundspülungen verschwinden, so wird unser Herz durch oberflächliche Reinigungsmaßnahmen und fromme Übungen nicht heil. Der Heilige Geist geht sehr behutsam, aber doch hier und da
schmerzhaft an unsere wunden, eitrigen Stellen des Herzens. Er deckt unsere
Lebenslügen und faulen Kompromisse auf, die im Widerspruch zu Gottes Willen
stehen, er meißelt an unserem Zahnstein der Charaktersünden, er entfernt alten
Groll und Wurzeln der Bitterkeit und entsorgt unsere Verfehlungen am Kreuz. Und
das tut in der Regel weh, das fällt jedem Menschen schwer. Insofern ist: Komm,
heiliger Geist, erfülle unsere Herzen auch eine schwere Bitte.
Amen |
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