Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

Home Nach oben Gebet Konfirmation Musik Mitarbeiter Predigt Rundfunk Royal Rangers Archiv Inhalt Links

Heiliger Geist                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 19. Mai 2002, Pfingstsonntag

Römer 8,4-9

8:4 Jetzt können wir den Willen Gottes tun, wie es das Gesetz schon immer von uns verlangt hat; denn jetzt bestimmt Gottes Geist und nicht mehr die sündige menschliche Natur unser Leben.
8:5 Wer nur seinen menschlichen Wünschen und Trieben folgt, der bleibt seiner sündigen Natur ausgeliefert. Wenn aber Gottes Geist in uns wohnt, wird auch unser Leben von seinem Geist bestimmt.
8:6 Was uns die alte, sündige Natur einbringt, sind Verzweiflung und Tod. Gottes Geist aber schenkt uns Frieden und Leben.
8:7 Von unserem Wesen her lehnen wir Menschen uns gegen Gott auf, weil wir seine Gebote nicht erfüllen und auch gar nicht erfüllen können.
8:8 Deshalb kann Gott an uns - so wie wir sind - keinen Gefallen finden.
8:9 Nun aber ist Gottes Geist in euch, und ihr seid nicht länger der Herrschaft eures sündigen Wesens ausgeliefert. Seid euch darüber im klaren: Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört auch nicht zu ihm.

Liebe Gemeinde,

Haben Sie auch schon einmal die Beobachtung gemacht, dass manche Christen sich wirklich bemühen, gute Christen zu sein, sich sehr anstrengen und dennoch scheint ihnen irgendetwas zu fehlen. Und auf der anderen Seite gibt es Christen, bei denen läuft sogar hin und wieder manches schief, ihre Lehre ist auch nicht immer 100% astrein, sie sind nicht begabter oder intelligenter als andere, aber doch haben sie eine unvergleichliche Leidenschaft für Gott – irgendwie brennen sie für Gott.

Warum haben manche Christen einen lebendigen Glauben und andere nicht?

Dieser Unterschied kommt durch den Heiligen Geist. Wer durch den Heiligen Geist erfüllt ist, der brennt für Gott, der liebt ihn, der lässt oberflächliches Christsein hinter sich, um eine tiefe Beziehung mit Jesus als Herrn zu beginnen und gestattet ihm, jeden Schritt des Lebens zu lenken.

Aber viele Christen leben in stiller Durchschnittlichkeit. Für einige Leute ist der Glaube eine Pflicht. Einfach etwas, was dazugehört. Ohne Zweifel eine wichtige, eine notwendige Pflicht. Aber nichts Aufregendes. Das kommt daher, dass viele Christen zulassen, ständig in zwei Richtungen gezerrt zu werden. Paulus teilt die Christen in zwei Gruppen ein: in geistliche und fleischliche Christen. Die fleischlichen Christen sind jene, die ihre Kraft aus ihrer alten Natur schöpfen, sich dabei mit einer Hand an Gott festhalten und mit der anderen nach der Welt und den Möglichkeiten der Welt greifen. Sie geben sich Gott nicht vollkommen hin und machen deshalb in ihrer Beziehung zu ihm kaum Fortschritte.

Geistliche Leidenschaft – ein Feuer für Gott stellt sich aber nur dann ein, wenn wir uns Gott vollkommen hingeben. Begeisterung erfasst uns, sobald wir Gott als unser einziges Ziel sehen, wenn wir gewillt sind, über all hinzugehen, wo er uns haben möchte – wir von Herzen sprechen: „Dein Wille geschehe“ – wenn wir das verwirklichen wollen, was Gott sich vorstellt. Nur, wenn der Geist uns füllt, kann seine Frucht in uns wachsen. Und wie alles Wachsen ist dies ein langsamer Prozess. Das ist nicht mit einem Schnipp da.

Es geht Schritt für Schritt:

Wenn der Heilige Geist uns erfüllt, dann wollen wir mehr von Gott. Um mehr von Gott zu bekommen, müssen wir mehr von uns selbst hingeben.

Was müssen wir da von uns hingeben?

Das können jeweils sehr konkrete Dinge sein z.B. dass man beginnt den 10. Teil seines Einkommens für Gottes Reich einzusetzen, oder sich mit jemandem versöhnt, mit einer Sünde bricht – was bei jedem einzelnen dran ist, macht der Heilige Geist schon deutlich.

Das entscheidende dabei ist:

Wenn wir diesen Schritt getan haben, dann wächst die Begeisterung für Gott und wir wünschen wiederum mehr von Gott zu bekommen. Und wir kommen zur nächsten Lektion der Hingabe. Das alles ist ein lebenslanger Prozess. Dieser lebenslange Prozess nimmt seinen Anfang bei unserer Bekehrung, also zu dem Zeitpunkt, in dem wir Jesus Christus als unseren Erlöser und Herrn annehmen. In diesem Moment erhält jeder Christ ein Geschenk, das anfängt sein Leben zu verändern: den Heiligen Geist.

In Apg. 2,38 sagt Petrus: „Kehrt jetzt um und lasst euch taufen auf Jesus Christus; lasst seinen Namen über euch ausrufen und bekennt euch zu ihm – jeder und jede im Volk! Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen heiligen Geist schenken.

An dem Punkt, an dem wir unser Leben Gott übergeben, kommt sein heiliger Geist, um in uns zu leben. Er schenkt uns Kraft, lehrt uns, führt und tröstet uns und zeigt uns unsere Sünden auf. Alle Christen erhalten dieses kostbare Geschenk. Man muss sich nun seine Seele wie ein großes Schloss mit vielen Zimmern, Ecken, Stockwerken und Kellern vorstellen. Wenn da Besuch kommt, von einer hochgestellten Persönlichkeit, dann darf diese Person die schön geputzten und repräsentativen Räume betreten. Aber der chaotische Hobbykeller oder der mit Gerümpel gefüllte Speicher und die schmutzige Garage bleiben verschlossen.

Wenn wir uns bekehrt haben, lassen wir Jesus erst mal in unser Wohnzimmer. Dort ist ohnehin noch am meisten aufgeräumt und auf den ersten Blick sieht alles auch ziemlich sauber aus. Doch es gibt in unserem inneren Schloss viele geheime Rumpelkammern, Gänge, Verliese, Räume, von denen wir selbst nicht einmal viel Kenntnis haben. Dort haben wir Gedanken, Neigungen und Taten, die wir vor Jesus verstecken. In diesen Räumen regiert oft noch ein anderer Geist, als Jesu Geist, der Heilige Geist. Oft hängt an die Türen zu diesen Rumpelkammern dicke Sicherheitsschlösser, dass ja niemand dort plötzlich eintreten könnte.

Und der Heilige Geist bricht nie eine Tür gewaltsam auf. Vom Geist erfüllt zu werden bedeutet nun, dass wir es wagen, diese Türen aufzuschließen, selbst, wenn ein Teil von uns nicht bereit ist, ihn eintreten zu lassen.

Wie nun können wir den Heiligen Geist die verborgenen Winkel unserer Seele betreten lassen, so dass sein Feuer und seine Liebe in uns zu strahlen beginnt?

Drei Schritte können uns dabei helfen:

1. Bitten Sie Gott täglich!

Das erste, das wir tun sollten, wenn wir vom Geist erfüllt werden wollen, ist ganz einfach: Wir können darum bitten. Es ist einfach eine Einladung an Gott. Er ist höflich und tritt nicht unaufgefordert in unsere Seele. Darum müssen wir ihn hereinbitten. Und auf diese Bitte geht er sehr gerne ein.

Jesus sagt: „Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn es um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet? So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen, den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.

Uns mit seinem Geist zu erfüllen ist eine Bitte, die uns unser Vater Himmel nur zu gern erfüllen möchte. Wir sollten ihn täglich bitten.

2. Kämpfen Sie mit dem Geist gegen sündige Neigungen!

Wir haben den Geist nun gebeten, unsere inneren und verborgenen Räume zu betreten und mit ihm kommt viel Licht herein. Und wenn Licht in ein bisher dunkles Zimmer fällt, dann sieht man erst einmal, wie verstaubt und schmutzig das Zimmer ist. Der Heilige Geist, aber ist ein Geist der Ordnung, er liebt es, wenn der Raum schön ist, geschmückt – ein Tempel Gottes wird. Darum müssen wir ihm helfen aufzuräumen. Denn es ist eine der Hauptaufgaben des Geistes, uns unsere Sünden liebevoll zu zeigen. Wenn wir aber an einer Sünde festhalten, können wir nicht von ihm erfüllt werden.

Stellen sie sich vor, sie selbst sollten bei einem Freund wohnen, der überall verschimmelte Jogurtbecher, Zigarettenkippen und schmutzige, stinkende Wäsche herumliegen hat. Sie versuchen täglich ihm beizubringen, ordentlicher zu werden, aber der andere bleibt ein schlimmes Ferkel und wird vielleicht noch unordentlicher. Bei aller Liebe – irgendwann würden sie sich aus diesen ekligen Räumen zurückziehen, selbst wenn die Tür offen ist.

So auch der Heilige Geist. Er bringt unser Leben in Ordnung. Das ist seine Aufgabe, aber wenn wir uns nie bemühen die Ordnung zu halten, dann dämpfen wir ihn gewaltig und betrüben ihn. Ich glaube, das kann jeder ordentliche Mensch nachempfinden, der seiner Familie Ordnung im Haushalt beibringen will.

3. Folgen Sie dem heiligen Geist!

Nun haben wir den Heiligen Geist hereingebeten, wir haben ihm beim Aufräumen geholfen, das Zimmer ist nun ganz sauber und nun soll es auch noch seiner wahren Bestimmung zugeführt werden und zweckmäßig und schön eingerichtet werden. Wir haben ein Anbetungszimmer in unserer Seele – der Heilige Geist sagt, wie ich persönlich Gott anbeten soll – werde ich seiner leisen Stimme folgen, dann wird es ein herrlicher Raum werden. In diesem Raum werde ich viel Kraft bekommen. Wir haben ein Arbeitszimmer. Wenn ich den Weisungen des Heiligen Geistes folge, dann werde ich dort richtig tolle Sachen zustande bringen, worüber die anderen staunen.

Wenn der Heilige Geist uns zu etwas beruft, das wir renovieren müssen, dass wir ihm gehorchen sollen, dann gibt es einen Punkt, den wir im Blick behalten sollten: Wir müssen prüfen, ob es Gott ist, der zu uns spricht! Nicht selten schreiben Christen ihre Eigenarten Gott zu, obwohl diese eigentlich ihrer Unreife entspringen oder der Tatsache, dass sie Gott das sagen hören, was sie hören wollen.

Der Heilige Geist führt uns in erster Linie durch das Buch, das er selbst geschrieben hat: die Bibel. Sie müssen wir studieren, um sicher sein zu können, dass das, was wir als Führung Gottes empfinden mit seinem Wort übereinstimmt. Die Bibel ist praktisch der Bauplan des Geistes.

Wenn wir Gottes Geist wirken lassen, dann wird unser Ich ein prächtiges schönes Haus, das voll im Schuss ist. Der Heilige Geist ist ein genialer Außen- und Innenarchitekt. Unser Leben wird durch ihn zu einem herrlichen Tempel. Dagegen wirkt der Jerusalemer Tempel, der nach 46 Jahren Bauzeit als eines der Weltwunder der Antike galt, wie eine alte Bruchbude. Gott selbst will diesen Tempel durch seinen Geist bauen. Unsere Aufgabe ist es nun, aufzupassen, dass wir selbst den Bau nicht behindern.

Das bedeutet „Ja“ zu sagen, zu ihm:

  • Ihn zu bitten, dass er eintritt

  • Ihm zu helfen, wenn er aufräumt

  • Ihm zu folgen, wenn er wenn etwas Neues mit unserem Leben vorhat. Und nicht nach tausend Gründen suchen, um Gott nicht zu gehorchen.

Das bedeutet vom Heiligen Geist erfüllt zu sein. In ihm liegt die Quelle für einen begeisterten Glauben. Aber die Entscheidung liegt bei uns.

Amen.

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 04. Juni 2010