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Haltet fest an der Demut                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 19. September 2004

Predigttext: 1. Petrus 5, 5-11

Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde,

der vorliegende Bibelabschnitt kann man in drei Bereiche aufgliedern:

Einmal geht es um die Demut, dann um den geistlichen Kampf eines Christen und als drittes folgt ein Segensspruch, der uns Kraft und Ausdauer verleihen soll.

Beginnen wir mit der Demut.

Demut ist ein Wort, das in unserer Alltagssprache wenig vorkommt. Oft versteht man unter Demut eine Art Kriecherei, eine falsche Unterwürfigkeit und Duckmäuserei.

Im biblischen Sinn bedeutet Demut, dass sich ein Mensch seiner Niedrigkeit vor Gott bewusst ist, er denkt nicht zu hoch von sich und das heißt, dass er sich als einen Diener Gottes ansieht. Ein demütiger Mensch ist bereit auch die niedrigsten Dienste zu tun, so wie Jesus seinen Jüngern sich den Sklavenschurz umgebunden hatte, vor seinen Jüngern niederkniete und ihre schmutzigen Füße wusch.

Der Herr aller Herren, dem, dem alle Engel dienen, war sich nicht zu schade um ein paar bärtigen Männern die Füße zu waschen, also einen niedrigen Sklavendienst zu verrichten. Das ist Demut.

"Haltet fest an der Demut." Wörtlich im griechischen heißt es, dass man sich die Demut wie einen Sklavenschurz umbinden soll.

Demütig sein, als Nachfolger Jesu heißt, bereit zum Dienen zu sein.

Wenn wir als Christen dienen, sollten wir uns bewusst auch einmal Dienste heraussuchen, die man lieber anderen überlässt. Das heißt, dass jeder, auch wenn er noch so gut verdient und gesellschaftlich angesehen ist, sich zuhause einmal den Staubsauger zur Hand nimmt und sauber macht. Oder auch in der Gemeinde, dem Gemeindediener vom Dienst – dem Küster dient und ihm hilft. Nach dem Kirchenkaffee z.B. hilft, das Geschirr abzuwaschen oder ihn fragt: Kann ich mal beim Blätterrechen helfen.

Außerdem ist Demut auch eine innere Haltung und Gesinnung. Man kann bei allem, was man tut, demütig oder hochmütig sein.

Ich zum Beispiel kann ihnen eine Predigt halten, und tief in meinem Herzen darauf spekulieren, dass Sie mich bewundern. Dann würde ich in einer hochmütigen Gesinnung predigen.

Ich kann aber predigen mit dem Wunsch, dass Sie mit diesem Gottesdienst erfüllt, gestärkt und getröstet nach Hause gehen.

Ebenso können Sie auch mit hochmütigem Herzen zuhören, voller Kritik, voller Spott oder Langeweile mit dem Motto, der kann ja lange reden, mir hat er nichts zu sagen.

Aber sie können auch mit einem demütigen Herzen zuhören: Sie können erwartungsvoll Gott bitten, in diesem Gottesdienst neue Erkenntnis, neuen Glauben, neue Liebe zu schenken. Ein demütiges Herz ist bereit, von anderen zu lernen und dadurch zu wachsen.

Nach außen kann man diese Demut nicht sofort erkennen. Aber Gott, der das Herz ansieht, sieht es.

Und noch ein drittes zur Demut: Ein demütiger Mensch, denkt nicht zu hoch von sich. Er nimmt sich nicht ganz so wichtig. Wir Christen sind oft schnell dabei, sehr abschätzig von anderen Christen, von anderen Konfessionen zu denken. Aber das ist Hochmut. Demut heißt, die Stärken des anderen zu schätzen und zu achten und weniger sich über dessen Fehler zu erheben zu freuen.

Das Ziel Gottes mit der Demut ist nicht, dass wir Christen rückratlose Kriecher werden sollen.

Nein, Gottes Erziehung hat das Gegenteil im Auge. Er will, dass unser Herz demütig wird, weil er uns erhöhen möchte.

Er will diejenigen, die ihn lieben zu höchsten Ehren kommen lassen. Aber das funktioniert nur, wenn man wirklich demütig war.

Meist ist es der Erfolg oder das Geld, das einen Charakter verderben und korrupt machen können. Gott will dem vorbeugen, darum bekommen wir in seiner Schule das Fach Demut zu lernen.

Petrus schreibt von der schweren Hand Gottes. Ich fürchte mich etwas davor. Doch ich weiß, dass diese schwere und strenge Hand Gottes, gleichzeitig seine ausgestreckte, liebende und tröstende und segnende Hand ist.

Ich verbinde das Bild der schweren Hand Gottes mit einer Weinkelter oder eines Mühlsteines. Ohne diese Prozedur des Zermalens würde aus einer Rebe niemals ein guter Wein werden können. Ohne das langsame Malen der Mühlsteine würde aus einem Weizenkorn niemals Brot. Die natürliche Struktur muss quasi zerstört werden, damit etwas neues, beim Wein etwas erfreuendes, beim Brot etwas sättigendes entstehen kann.

Ebenso kann Gottes schwere Hand, durch manchen Tag, von dem wir sagen, er gefällt uns nicht, uns zubereiten zu einer ganz neuen Existenz durch die wir andere Menschen erfreuen und satt machen können.

Denken Sie an die schöne Geschichte von Joseph. Joseph wurde von seinen Brüdern verraten und verkauft, er wurde Sklave, dann wurde er von Potifars Frau verleumdet und in den Kerker geworfen und zuletzt wurde er von einem hohen Beamten, der ihm versprochen hatte zu helfen einfach vergessen.

Joseph wurde nicht hartherzig und bitter, sondern geduldig nahm er diese Prüfungen aus Gottes Hand. Und da kam die Zeit, dass er erhöht wurde. Er wurde zum mächtigsten und wichtigsten Mann in Ägypten.

Gott hatte ihn durch diese schwere Zeit vorbereitet für das hohe Amt. Ohne Demut hätte er diese Aufgabe und schwere Verantwortung nicht bewältigen können und nie hätte er seinen Stamm vor der Hungersnot retten können.

Wie lernt man nun am Besten in dieser Demutsschule? Wie kann man sich unter der schweren Hand Gottes demütigen?

Das beste, was man tun kann, wenn Gottes schwere Hand auf einem liegt, ist der Rat des Petrus:

"Werft eure Sorgen auf Gott."

Sorgen, das heißt im griechischen: Etwas, was sich immer im Kopf dreht.

Kennen Sie das? Sie haben ein Problem und kennen keinen Ausweg und dann beginnt das Problem im Kopf zu kreisen und zu kreisen. Man denkt nichts mehr anderes, kann nicht schlafen und wird immer verzweifelter.

Petrus rät, die Sorgen wegzuschleudern. Auf Gott werfen. Ihm abgeben. Je früher und je intensiver man dies in schwierigen Situationen tut, um so leichter kann Gott uns zur Demut erziehen.

Damit kommen wir zum zweiten Punkt: Geistlicher Kampf, denn negative Gedanken wegzuwerfen ist ein innerer Kampf.

Wir Christen leben hier und jetzt nicht auf neutralem und friedlichen Boden, sondern wir leben in einer Art unsichtbarem Kampf.

Wir haben einen unsichtbaren Gegner. Einen Widersacher, der alles durcheinander bringen und ins Chaos stürzen will.

Er wird hier mit einem hungrigen Löwen verglichen, einem Räuber, der die Christen verschlingen will.

Er setzt alles daran, dass wir Christen uns miteinander streiten, dass wir uns von Gott abwenden, dass wir uns in Sünde verstricken und in Irrlehren verlieren. Er tut alles, dass es so aussieht, als wäre das Reich Gottes eine langweilige Sache und in vielen Gebieten der Welt versucht er die Gläubigen durch Gewalt einzuschüchtern.

Der Kampf findet in der Gedankenwelt statt. Unsere Seele vernimmt seine Botschaften. Es ist wie so eine innere Stimme, die wie bei Adam Eva versucht, Gott schlecht zu machen, die versucht uns einzureden, dass Gott etwas wegnimmt, dass man ihm nicht so richtig trauen kann. Manchmal macht sie auch nur mutlos und depressiv. Meist kitzelt diese Stimme den Stolz, mal verführt sie zu sündigen Gedanken, Worten oder Taten, mal stürzt sie einen durch bittere Vorwürfe in Selbstmitleid und Resignation.

Wir Christen sind dumm, wenn wir so tun, als gäbe es diesen Feind nicht.

Stellen Sie sich vor, hier in der Straße vor der Kirche würde ein hungriger, auf Menschen abgerichteter Löwe lauern. Wenn nun Petrus unter uns wäre und sagen würde: Da draußen lauert ein Löwe, passt gut auf, dann würden wir doch aufpassen, beieinander bleiben, die Kinder in die Mitte stellen, unser Waffen zur Hand nehmen und den Löwen jagen, oder zumindest die Polizei anrufen.

Und dumm wäre zu sagen: Ach Petrus, du kommst aus einer anderen Zeit, du verstehst das nicht so richtig. Hungrige Löwen gibt es nicht.

Leider hat die Kirche das genau getan. Sie tut so, als gäbe es keinen Widersacher und wundert sich, wenn die Schwachen unter uns, die Kinder im Glauben geradeso verschlungen werden.

Wachsam sein, mit einem Angriff rechnen – das ist die Aufgabe der Gemeinde.

Und wir haben eine Waffe, die sehr wirkungsvoll ist. Das ist das Wort Gottes.

Wenn wir in ein Phase der Anfechtung geraten, dann können wir sie, so wie es auch Jesus getan hat, dem Teufel entgegenhalten.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt: Das Segenswort des Petrus. Wenn wir spüren, dass wir angegriffen werden, dann können wir dieses Segenswort entgegenschleudern. Wir können laut diese Wort für uns anwenden und als Botschaft in die unsichtbare Welt geben:

Der Gott aller Gnade aber, der mich berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird mich, die ich eine kleine Zeit leide, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Solche Worte hasst der Durcheinanderbringen – durch solche Worte, die ich im Glauben spreche, kann der Heilige Geist seine volle Wirkung entfalten und der Feind muss fliehen.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010