Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Gottes Liebe                                    

   

Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 24. Dezember 2005

1. Joh. 3, 1-6

1 Seht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so groß, dass er uns seine Kinder nennt. Und wir sind es wirklich: Gottes Kinder! Deshalb kennt uns die Welt nicht; sie hat ja auch ihn nicht erkannt.
2 Ihr Lieben, wir sind schon Kinder Gottes. Was wir einmal sein werden, ist jetzt noch nicht sichtbar. Aber wir wissen, wenn es offenbar wird, werden wir Gott ähnlich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er wirklich ist.
3 Alle, die das voller Zuversicht von ihm erwarten, halten sich von allem Unrecht fern, so wie Christus es getan hat.
4 Wer sündigt, lehnt sich gegen Gott auf, denn Sünde ist nichts anderes als Auflehnung gegen Gott.
5 Ihr wisst doch, dass Christus auf die Erde gekommen ist, um die Sünden der Menschen wegzuschaffen. In ihm gibt es keine Spur von Sünde.
6 Wer mit ihm verbunden bleibt, sündigt nicht mehr. Wer aber sündigt, hat ihn nie gesehen und kennt ihn nicht.

Liebe Gemeinde,

in einer Familie hat sich einmal folgendes abgespielt. Es war kurz vor Weihnachten. Und ein Sohn der Familie war so richtig faul gewesen und hat in der Schule lange nicht das geschafft, was er mit seiner Intelligenz hätte erreichen können. Sein Vater war ziemlich sauer darüber und kündigte ihm an: "Du bekommst kein Fahrrad zum Christfest. Du kannst dir deinen großen Wunsch abschminken!"

Doch zufällig traf der Vater ein wenig später eine Bekannte. Die Frau erkundigte sich nach der Familie und da erzählte er ihr von seinem Kummer wegen des Zeugnisses und dass sein bequemer Sohn als Konsequenz kein Weihnachtsgeschenk bekommen sollte. Die Bekannte sah den Vater groß an und sagte: "Wie, Sie wollen den Jungen zu Weihnachten bestrafen? Will uns denn das Weihnachtsfest nicht gerade klarmachen, dass Gott uns ganz unverdient mit seiner Güte beschenkt hat. Diese Güte Gottes soll sich doch in den Geschenken widerspiegeln, die wir unseren Kindern geben. Bestrafen sie doch Ihren Jungen, wann und wie Sie meinen. Aber bitte tun sie es nicht zu Weihnachten."

Das gab dem Vater zu denken.

Heiligabend kam heran und die traditionelle Familienfeier nach dem Gottesdienst begann. Lichter anzünden, Weihnachtsgeschichte und Lieder. Dann kamen die Geschenke an die Reihe. Die Geschwister bekamen ihre schönen großen Geschenke, die unter dem Lichterbaum standen. Nur der arbeitsscheue Sohn bekam nur einen Teller mit ein paar Süßigkeiten und Kleinigkeiten darauf. Man merkte ihm an, dass er ziemlich betroffen war.

Da fragte ihn der Vater: "Hast du denn deine Geschenke schon angeschaut. Der Sohn antwortete den Tränen nahe: "Ja". Der Vater: "Ich glaube nicht, sieh doch deinen Teller noch einmal genauer an!" – "Doch, ich habe alles gesehen!" Der Vater ließ nicht locker. Dann schau doch noch einmal genauer in deinem Teller." Der Junge schaute nach und tatsächlich fand er in dem Teller einen Zettel auf dem stand: "unverdienterweise ein großes Geschenk: ein Fahrrad"

Der Junge sah seinen Vater strahlend an, rief nur ein Wort: "Vater" und umarmte seinen Papa. Dann gingen die beiden das Fahrrad holen, das irgendwo im Haus versteckt war.

Nebenbei bemerkt, das nächste Zeugnis war besser. Doch eines hat der Junge und der Vater an diesem Abend gelernt: Die Liebe Gottes ist unverdient. Man kann nichts dazutun. Es ist ein Geschenk.

Was schenkt Gott uns eigentlich in seiner Liebe. Er schenkt uns, Gottes Kinder sein zu dürfen. Es ist ein Wunder. Staunend schreibt Johannes: "Seht" Seht euch das mal an, als wollte er sagen. Kann denn das sein? Verdient haben wir das bestimmt nicht, wie wir Menschen so sind. Und Gott kennt uns Menschen ja durch und durch. Er kennt das Raubtier in uns, die Rebellion und all das, was uns Menschen erschaudern lässt, wenn man über uns nachdenkt. Dennoch lässt er sich auf uns ein. Er lässt sich auf die Menschen ein. Kein Bankunternehmen würde einem Obdachlosen, ohne Arbeit einen Kredit geben. Aber Gott geht mit uns Menschen ein viel größeres Risiko ein. Er schenkt uns seine Kindschaft.

Johannes schreibt: "Wir heißen nicht nur Gottes Kinder, sondern sind es auch"

In unserem Dorf lebte eine Frau, die kleidete sich sehr elegant und lebte vornehm. Darum nannten die Leute sie "Gräfin". Natürlich war sie keine echte Gräfin, sie verhielt sich eben nur adelig und die Leute nannten sie so. Doch nach dem Evangelium sind wir Christen keine Menschen, die ein wenig frömmer oder göttlicher als andere sind, und dass die Leute dann sagen: Der lebt so wie ein Kind Gottes." Nein, es ist kein Gerede, wer an Jesus glaubt, ist wirklich ein Kind Gottes.

Sie fragen sich jetzt vielleicht: "Wie soll denn das zugehen? Und man sieht doch gar nichts von unserer Gotteskindschaft." Unsere Gotteskindschaft beginnt mit Weihnachten. Da war ein Elternpaar bereit, Gottes Stimme zu gehorchen, obwohl das alles andere als einfach für die beiden war. Aber mit ihrem Ja, konnte Gott Mensch werden. Mensch aus Fleisch und Blut. Mensch, wie Sie und ich.

Äußerlich sah nicht anders aus, als alle anderen Juden seiner Zeit und seiner Gesellschaftsschicht. Niemand konnte es äußerlich sehen, dass er der Messias ist, der Retter, der die Sünde der Welt trägt, der Richter über die Völker, der Sohn Gottes.

Man wickelte ihn in Windeln, wie alle anderen Kinder auch, er war Sohn einfacher Leute und lernte einen Beruf, wie alle anderen seiner Zeit auch. Er aß und trank. Und selbst als Prediger hielt man ihn für einen Rabbi, wie viele andere auch. Und vor ihm lag der Tod, wie für alle Sterbliche. Nur in seinen Wundern, in seiner Vollmacht blitzte für diejenigen, die ihn besser kannten, die an ihn glaubten etwas von dieser späteren Herrlichkeit auf.

Und so war Jesus als Mensch das erste Kind Gottes, wenn man auch wenig direkt davon sah.

So ähnlich ist es auch bei uns. Äußerlich sind wir immer noch die Alten. Doch in uns wächst das neue Leben, das Kind Gottes immer mehr heran.

Wenn eine Frau schwanger geworden ist, sieht man ihr zunächst einmal so gut wie gar nichts an.

Nur hin und wieder merkt man, dass doch irgendetwas anders ist, dass sie in anderen Umständen ist.

Trotzdem wächst unsichtbar in ihr neues Leben heran und nur die wenigsten nehmen es wahr.

Vielleicht ein paar Spezialisten. Als meine Frau schwanger war, nahm sie mich hier und da mal zum Frauenarzt mit. Da sah ich auf dem Bildschirm, ein paar Schatten, die mir, ehrlich gesagt, nichts sagten. Doch der Arzt war begeistert und sagte: "Das ist ja ein Volltreffer!" Ja, der Spezialist erkannte sofort das neue.

Ähnlich sehen wir Menschen mit weltlichen Augen wenig von dem Geschenk des Kindes Gottes, das in uns heranwächst. Die geübten Augen des Glaubens aber können erkennen, dass diese Geschenk Gottes, immer deutlicher zutage tritt. 

Johannes sagt von denen, die mit dieser Gotteskindschaft beschenkt sind, dass sie sich vom Wesen der Welt fern halten.

Die Welt und die weltliche Art tragen wir noch immer mit uns und bei uns. Und dennoch bemühen wir Christen uns, die alte Art immer mehr abzulegen.

Wenn eine Frau über eine Schwangerschaft freut, tut sie vieles, um des Kindes willen, das in ihr heranwächst. Sie verzichtet auf Zigaretten, Alkohol und sonstigem ungesunden Lebenswandel.

Ähnlich lebt in uns auch noch das Alte, doch man kämpft darum, dass diese neue Leben sich wohl fühlt, dass es sich entfalten kann.

Christus ist gekommen, dass wir Kinder Gottes werden können. Christus ist gekommen, um unsere Schuld auf sich zu nehmen. Und er beginnt mit der Geburt. Ein Grund, dass wir dies heute feiern.

Amen.

 

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Stand: 04. Juni 2010